Pfaffenhausen ist neben Burgjoß, Lettgenbrunn und Oberndorf ein Ortsteil der Gemeinde Jossgrund im hessischen Main-Kinzig-Kreis.
Geografie Geografische Lage Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt im hessischen Main-Kinzig-Kreis, in einem offenen Tal, auf etwa 350 m über NHN. Er ist, bis auf die Nordseite, rundum von bewaldeten Höhen umgeben.
Nachbarorte Nachbarorte im Uhrzeigersinn sind: das zum bayerischen Aura im Sinngrund zählende Deutelbach, Aura, das zur Gemeinde Fellen zählende Wohnrod, der Ortsteil Lohrhaupten, der Ortsteil Flörsbach der Gemeinde Flörsbachtal, der Ortsteile Lettgenbrunn, das Kinderdorf Wegscheide. und der Ortsteil Oberndorf.
Geschichte Mittelalter Pfaffenhausen wurde vermutlich um das Jahr 800 von Mönchen (Pfaffen) gegründet. Erstmals schriftlich als „Phafenhusun“ erwähnt wird der Ort im Jahre 1059, in einer Urkunde über den Wildbann von Kaiser Heinrich IV.
Bis 1313 gehörte Pfaffenhausen den Herren von Jazza, die im benachbarten Burgjoß residierten. Sie verkauften diese Besitzung im Jahre 1541 an Kurmainz.
Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg wurde auch Pfaffenhausen nicht verschont. Brandschatzungen, Plünderungen und die Pest ließen die Einwohnerzahl dramatisch sinken. Nur etwa 15 Familien sollen überlebt haben. 1700 zählte der Ort wieder um 120 Einwohner, im Jahre 1712 baute man sogar eine kleine Kapelle. Sie stand an dem Platz, wo man später die Schule errichtete und wo sich heute ein kleines Kaufhaus findet.
Im Jahr 1725 brannte ein Großteil des Dorfes inklusive der Kapelle nieder. Das Dorf musste bis auf etwa drei Häuser komplett neu aufgebaut werden, an die Stelle der Kapelle trat die bereits erwähnte Schule. Nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon, gehörte Pfaffenhausen dann, nach dem Pariser Frieden 1814 zu Bayern. Der Ackerbau und die Viehzucht waren damals neben dem Nutzen des Holzes aus dem Spessartwald die einzigen Ertragsquellen. 1866 folgte ein erneuter Besitzerwechsel, die Ortschaft gehörte nun mit dem Bezirksamt Orb und Gersfeld zu Preußen. 1921 wurde, durch Spenden finanziert, eine neue Kirche gebaut.
Waldarbeitersiedlung Nach Burgjoß erhielt auch Pfaffenhausen, ab 1939 einen Zuzug von Waldarbeitern. Ein staatlich gefördertes Siedlungsprogramm sollte „der Sesshaftmachung von Arbeitnehmer in der Nähe ihres Arbeitsplatzes, der Linderung der Wohnungsnot“Oskar Amberg, „Waldarbeiter-Siedlungen mit landwirtschaftlichem Nebenerwerb in Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen“, Zwischen Vogelsberg und Spessart, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 1989, S. 87–92 dienen. Gleichzeitig sollte es landwirtschaftlichen Nebenerwerb ermöglichen. Deswegen wurden die neu errichteten Wohnhäuser mit Stall, Scheune, Garten und einer kleinen Ackerfläche ausgestattet. Während in Burgjoß 10 Einfamilienhäuser in einer geschlossenen Siedlung bezogen wurden, kamen nach Pfaffenhausen vier Waldarbeiterfamilien. Ihre neuen Häuser lagen über das Dorf verteilt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen zur neuen Gemeinde Jossatal. Diese wurde zum 1. Juli 1974 kraft Landesgesetzes mit Lettgenbrunn zur Großgemeinde Jossgrund zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Pfaffenhausen angehört(e):
16. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberamt Hausen, Amtsvogtei Burgjoß 1633: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Orb 1787: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Dalbergstaat („Erzkanzlerischer Kurstaat“), Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß 1806–1810: Primatialstaat Karl Theodor von Dalbergs im Rheinbund, Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Aschaffenburg, Distrikt Burgjoß 1814–1866: Königreich Bayern, Landgerichtsbezirk Orb ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis GelnhausenTrennung zwischen Justiz (Amtsgericht Bad Orb) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen, Gemeinde JossatalAm 31. Dezember 1971 als Ortsteil zur Gemeinde Jossatal. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Jossgrund
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Pfaffenhausen 879 Einwohner. Darunter waren 12 (1,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 156 Einwohner unter 18 Jahren, 357 zwischen 18 und 49, 195 zwischen 50 und 64 und 171 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 363 Haushalten. Davon waren 93 Singlehaushalte, 96 Paare ohne Kinder und 135 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 81 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 228 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen sind: 1633: 33 Hausgesesse und 4 Witwen 1812: 50 Feuerstellen, 394 Seelen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 8 evangelische (= 1,85 %), 424 katholische (= 98,15 %) Einwohner • 1961: 10 evangelische (= 1,39 %), 710 katholische (= 98,34 %) Einwohner
Infrastruktur und Wirtschaft Verkehrsanbindung Straße Durch den Ort verläuft die Landesstraße (L 3199), sie ist nach Norden hin die Verbindung nach Oberndorf und südlich zur Nachbargemeinde Lohrhaupten. Die Kreisstraße (K891) verbindet Pfaffenhausen mit dem Ortsteil Lettgenbrunn. Die Entfernung zum Autobahnanschluss Bad Orb/Wächtersbach der A 66, beträgt etwa 20 km.
Bahn Eine Anbindung an den Bahnverkehr bietet der Bahnhof Wächtersbach an der Kinzigtalbahn. Die Regionalbahn, die im Stundentakt verkehrt, bindet an die ICE-Haltepunkte Fulda und Hanau bzw. Frankfurt an. Der Bahnhof ist 24 km entfernt und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Bahnhof ist barrierefrei ausgebaut.
Nahverkehr Ganzjährig verkehren die Buslinien 82 und 83, des KVG Main-Kinzig und schaffen öffentliche Verkehrsanschlüsse zu den andern Ortsteilen, den Nachbargemeinden und an die Kinzigtalbahn (Hessen) am Bahnhof Wächtersbach. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Die Streckenführung von Pfaffenhausen geht alternativ über Lettgenbrunn – Bad Orb – Aufenau – Wächtersbach bzw. Lettgenbrunn – Bad Orb – Aufenau – Wächtersbach.
Schule Bereits nach dem großen Brand 1725 entstand in Pfaffenhausen eine Volksschule. Heute gibt es eine zweizügige Grundschule in Oberndorf, die Jossatal-Schule. Sie ist die nächste Schule für alle 4 Ortsteile der Gemeinde Jossgrund.
Weiterführende Schulen liegen außerhalb der Gemeinde. Es sind u. a.: die Kreisrealschule Bad Orb, das Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen, die Henry-Harnischfeger Schule in Bad Soden-Salmünster und die Brentano-Schule im Linsengericht.
Kindergarten Die ehemalige Volksschule wurde zu einem zweigruppigen Kindergarten umgestaltet und ca. 1996 auf drei Gruppenräume erweitert.
Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Pfaffenhausen wurde 1904 gegründet, 1982 folgte dann die erste Frauengruppe. Die Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte der Freiwilligen Feuerwehr Pfaffenhausen sindFreiwillige Feuerwehr Pfaffenhausen, abgerufen am 1. Januar 2020: Hilfeleistung (VU, Unwetter etc.), große Waldgebiete, Landstraßen, Brandschutzerziehung Gemeindeweit.
Im September 1993 wurde ein großzügiges neues Feuerwehrhaus in Betrieb genommen. Die Einsatzabteilung der Feuerwehr besteht aus 23 Personen, darunter 6 Frauen, die der Jugendfeuerwehr aus 17 Personen. Die Feuerwehr Jossgrund insgesamt besteht aus 100 aktiven Männern und Frauen. 59 davon sind Atemschutzgeräteträger. Neben Fortbildungen auf Kreis- und Landesebene macht die Feuerwehr Pfaffenhausen auch Übungen z. B. in Waldbrandübung, gemeinsam mit den anderen Ortsteilwehren der Gemeinde und Feuerwehren aus dem gesamten Löschbezirk, abgerufen am 2. Januar 2021.
Dorfgemeinschaftshaus Im Zuge der Dorferneuerung wurde das nicht mehr benutzte ehemalige Bankgebäude mit Warenlager von der Raiffeisenbank kostenlos an die Gemeinde übergeben. Mit großer Eigenleistung der Bevölkerung wurde es zu einem Dorfgemeinschaftshaus, genannt „Dorfscheune“, umgebaut und im Mai 2002 eingeweiht.
Die Herz Jesu Kirche von Pfaffenhausen Ein Mainzer Jurisdiktionalbuch vermerkt im Jahr 1668, dass in Pfaffenhausen früher eine Kapelle stand. „Möglicherweise verfiel sie im Dreißigjährigen Krieg“„Die besondere Geschichte von Herz-Jesu“, Gelnhäuser Neue Zeitung, 2. Oktober 2021, S. 31. Da Pfaffenhausen ein Siedlerdorf von Fulda war, wird vermutet, dass St. Michael der Patron war. In den Jahren 1712–1715 baute man eine kleine barocke Kirche„Die besondere Geschichte von Herz-Jesu“, Gelnhäuser Neue Zeitung, 2. Oktober 2021, S. 31, die jedoch schon 1725, beim großen Dorfbrand unterging. Auf ihren Ruinen entstand 1821–1823 eine Schule. Nochmals 100 Jahre und viel Anstrengung waren nötig, bis eine neue Kirche, im Oktober 1921 eingeweiht werden konnte. Eine der treibenden Kräfte dabei war Oscar Haseneier (1875–1929), der katholische Geistliche von Oberndorf, durch seine Spendenaktionen. Anfang der 1970er Jahre wurde die Kirche vergrößert und dadurch der gestiegenen Einwohnerzahl angepasst. Auf dem angrenzenden Friedhof errichtete die Gemeinde eine Leichenhalle.
Wirtschaft Pfaffenhausen ist landwirtschaftlich geprägt. Im Ort ansässig sind auch zwei Schreinereien, ein Raumausstatter sowie eine Heizungsbaufirma. Zwei Gastwirtschaften und ein kleines Kaufhaus sowie ein kleiner Lebensmittelladen versorgen die Bürger.
Historisch belegt gab es in Pfaffenhausen, wohl bis zum großen Mühlensterben im 19. Jahrhundert, drei Mühlen., aufgerufen am 21. Januar 2021
Partnerschaften Seit vielen Jahren unterhält Pfaffenhausen eine Partnerschaft mit dem gleichnamigen bayerischen Ort, im oberschwäbischen Landkreis Unterallgäu.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswürdigkeiten Sühnekreuz – Das Alewirtskreuz ist das älteste Kulturdenkmal von Pfaffenhausen. Es stammt aus dem 15./16. Jahrhundert„Perlen der Jossa“, abgerufen am 3. Januar 2021. Historisches Mühlrad – In der Mühlstraße kann man ein funktionsfähiges Mühlrad bewundern. Wendelinusfigur – Pfaffenhausen ist ein Ferienort, der von dem Dorferneuerungsprogramm der vergangenen Jahre profitieren konnte. Unter anderem wurde am Übergang der Jossa eine Statue des legendären Hl. WendelinusSt. Wendelinus errichtet. Er ist der Schutzpatron des Ortes, aber auch der Hirten und Bauern.