mini|hochkant|Nargess Eskandari-Grünberg bei der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises 2019 Nargess Eskandari-Grünberg, geborene Eskandari (* 20. Februar 1965 in Teheran, Iran), ist eine iranisch-deutsche Kommunalpolitikerin (Bündnis 90/Die Grünen). 2021 bis 2026 war sie Bürgermeisterin (Erste Beigeordnete) der Stadt Frankfurt am Main. Vom 12. November 2022 bis zum 11. Mai 2023 übernahm sie kommissarisch die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt am Main.
Leben Nargess Eskandari () wurde in die Dynastie der Kadscharen hineingeboren, die 200 Jahre lang Persien, bis zur Übernahme von Reza Schah Pahlavi, regierten. Ihr Vater ist Khodadad Mirza Farman Farmaian, der während der Pahlavi-Dynastie Gouverneur der iranischen Zentralbank war. Die Großeltern sind Adlige, Angehörige der ehemals herrschenden Schahfamilie, Abdol Hossein Mirza Farmanfarma und seine Frau Hamdam Khanoum.
Als Schülerin nahm Eskandari an Protesten gegen den Schah, und später nach der Islamischen Revolution an Demokratieprotesten gegen das Regime von Ruhollah Khomeini teil. Noch während ihrer Schulzeit wurde sie verhaftet und verbrachte anderthalb Jahre im Evin-Gefängnis, wo sie ihre Tochter Maryam Zaree zur Welt brachte. Nach ihrer Entlassung 1985 flüchtete Eskandari-Grünberg aus dem Iran nach Deutschland und lebt seitdem in Frankfurt. Sie studierte Psychologie und wurde promoviert. Sie führt eine eigene Praxis als psychologische Psychotherapeutin. Für das Deutsche Rote Kreuz leitet sie die Beratungsstelle für ältere Migranten HIWA.Vita von Nargess Eskandari-Grünberg auf der Website der Stadt Frankfurt am Main. Abgerufen am 24. Februar 2020.
Eskandari-Grünberg ist mit dem Psychoanalytiker Kurt Grünberg verheiratet. Ihre Tochter ist die Schauspielerin, Filmemacherin und Autorin Maryam Zaree, die über die Ereignisse rund um ihre Geburt den Film Born in Evin drehte (Deutscher Filmpreis 2020).
Politische Arbeit 2001 bis 2008 war sie Stadtverordnete in Frankfurt am Main. 2008 bis 2016 war sie ehrenamtliche Dezernentin für Integration, ihr Vorgänger war Jean Claude Diallo (Bündnis 90/Die Grünen). Sie bewarb sich bei der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am Main am 25. Februar 2018 um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters und erreichte im ersten Wahlgang mit 9,3 % der Stimmen den dritten Platz hinter Peter Feldmann (SPD) und Bernadette Weyland (CDU).OB-Kandidatin der Grünen: Nargess Eskandari-Grünberg: Migrantin will an Frankfurts Stadtspitze. In: Frankfurter Neue Presse. 10. März 2017. Abgerufen am 22. September 2017. 2021 wählte die Stadtverordnetenversammlung sie zur Bürgermeisterin (Erste Beigeordnete) der Stadt Frankfurt. Eskandari-Grünberg war zusätzlich wieder Dezernentin für „Diversität, Antidiskriminierung und gesellschaftliches Zusammenleben“ (ehemals Dezernat für Integration).
In ihrer Amtszeit setzte sie politische Schwerpunkte in den Bereichen Diversität, Antidiskriminierung, Demokratieförderung, Inklusion und Erinnerungskultur. Unter ihrer Verantwortung wurden unter anderem das Frankfurt Welcome & Information Center aufgebaut, der erste Diversitätsbericht der Stadt Frankfurt veröffentlicht sowie Aktionspläne gegen Antisemitismus und Rassismus und ein kommunaler Aktionsplan für LSBTIQA* erarbeitet. Darüber hinaus initiierte sie das Projekt „Pavillon der Demokratie“, das in mehreren Frankfurter Stadtteilen umgesetzt wurde und der Demokratiebildung sowie dem gesellschaftlichen Dialog dient.
Weitere Schwerpunkte ihrer Amtszeit waren die Weiterentwicklung der kommunalen Willkommens- und Integrationsstrukturen, die Stärkung der Barrierefreiheit und der Inklusion innerhalb der Stadtverwaltung, die Neuaufsetzung des Frankfurter Vertrags mit der Jüdischen Gemeinde sowie der Ausbau des Dialogs mit muslimischen Gemeinden und Organisationen. Im Bereich der Erinnerungskultur setzte sie sich unter anderem für die Benennung des Jina-Mahsa-Amini-Platzes, die Errichtung eines Denkmals für die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau sowie für eine Gedenktafel am Stadthaus am Dom ein, die an die über 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Frankfurt erinnert. Die Gedenktafel wurde im Januar 2026 gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, enthüllt.
Nachdem der amtierende Oberbürgermeister Peter Feldmann abgewählt worden war, übernahm Eskandari-Grünberg ab dem 12. November 2022 bis zur Amtseinführung von Mike Josef (SPD) am 11. Mai 2023 kommissarisch die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt am Main. Bei der Oberbürgermeisterwahl am 5. März 2023 trat jedoch nicht Eskandari-Grünberg, sondern Manuela Rottmann als Kandidatin für die Grünen an. Im Juni 2026 wurde Eskandari-Grünberg von ihrer Partei nicht erneut für ein Bürgermeisteramt nominiert.
Sie ist im Vorstand der Walter-Kolb-Stiftung zur Förderung des Zweiten Bildungsweges und der beruflichen wie der allgemeinen Weiterbildung.
Engagement Kritischer Dialog mit Muslimen Eskandari-Grünberg wurde wegen ihrer Opposition gegen das Mullah-Regime im Iran politisch verfolgt.Protestierende beenden Hungerstreik vor iranischem Generalkonsulat Sie setzt sich für freie Religionsausübung und einen kritischen Dialog mit Muslimen ein.
Kontroverse Öffentliche Aufmerksamkeit erregte Eskandari-Grünberg durch eine Äußerung im Bildungs- und Integrationsausschuss am 5. November 2007:
Mit der Äußerung nahm Eskandari-Grünberg in der Sitzung des Bildungsausschusses der Stadtverordnetenversammlung Bezug auf die Aussage eines Hausener Bürgers zum Einwandereranteil an der dortigen Kerschensteinerschule. Die anwesenden Mitglieder der Bürgerinitiative fassten die Äußerung als persönliche Aufforderung zum Auswandern auf. Es kam zum Tumult und die Ausschussvorsitzende Bernadette Weyland (CDU) unterbrach die Sitzung. Die FR berichtete am 7. November 2007, dass Eskandari-Grünberg nach eigenen Angaben wegen ihrer Äußerung bedroht worden sei:
Am 7. November 2007 erläuterte Eskandari-Grünberg ihre Äußerung in einem Interview mit der FR:
Mahsa-Amini-Proteste Eskandari-Grünberg organisierte während der Mahsa-Amini-Proteste 2022 Demonstrationen in Frankfurt gegen die iranische Regierung und benannte symbolisch einen Straßenabschnitt vor dem Iranischen Konsulat in Jina-Mahsa-Amini-Straße um.
Weblinks
Interview vom 27. Oktober 2012 mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Einzelnachweise
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