mini|Schlachtkreuzer HMS Renown 1920, Gemälde William Lionel Wyllies Unter einem Großkampfschiff versteht man die größten Kriegsschiffe ab etwa der Wende zum 20. Jh. bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, die dazu vorgesehen waren, mit ihrer starken Artilleriebewaffnung die Seeherrschaft zu erkämpfen. Sie stehen einerseits im Gegensatz zu kleineren Schiffstypen wie Zerstörern, U-Booten und Kreuzern, die sie dabei unterstützen oder Handelskrieg führen sollten, und andererseits zu Flugzeugträgern, die feindliche Schiffe mit ihren Flugzeugen auf große Entfernung angreifen sollen. Außerdem unterscheiden sie sich von den vor allem in der Zeit des Kalten Krieges bedeutenden, mit Atomraketen bewaffneten Atom-U-Booten (SSBN), die die nukleare Abschreckung der Großmächte darstellen. Unter einem Capital Ship werden im Englischen zusätzlich zu den Großkampfschiffen auch Flugzeug- und Hubschrauberträger, besondere Kreuzer und teils auch SSBN verstanden.
Das Grosse Bertelsmann-Lexikon fasst den Begriff etwas enger und versteht unter einem Großkampfschiff eine „nichtamtliche Bezeichnung für die während des Ersten Weltkriegs verwendeten modernen Linienschiffe und Großen Kreuzer“. Dies sind nach den damaligen Begriffen Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer.
Geschichte Vorbedingungen Für die Entwicklung hin zum Großkampfschiff waren mehrere im 19. Jh. erfolgte Innovationen nötig.
Erstens war dies die Dampfmaschine, die ab etwa 1800 als Schiffsantrieb getestet wurde. Eines der ersten dampfgetriebenen Kriegsschiffe war die Raddampffregatte Nemesis von 1839 mit zusätzlicher Besegelung. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Dampfantrieb von einem reinen Zusatzantrieb zum Hauptantrieb der Schiffe, was die Takelage obsolet machte.
Zweitens erfand um 1827 Josef Ressel die Schiffsschraube. Hiermit war ein Antrieb, der komplett unter der Wasserlinie liegt, möglich. Dies ermöglichte es, den Schiffsantrieb im Gegensatz zu den Schaufelrädern komplett vor dem Beschuss durch Kanonen zu schützen. Das erste große Schiff mit Propellerantrieb war die Great Britain von 1843.
Drittens wurden ab 1819 Sprenggranaten und dafür geeignete Geschütze, später mit gezogenem Lauf, entwickelt. Hierdurch steigerte sich die Feuerkraft der Geschütze dermaßen, dass die bisherigen Holzlinienschiffe dem Beschuss nicht standhalten konnten. So sank etwa in der Seeschlacht von Trafalgar 1805, die mit konventionellen Geschützen gekämpft wurde und einen Tag andauerte, von 60 beteiligten Linienschiffen eines. Demgegenüber wurde in der Seeschlacht bei Sinope 1853, in der Russland Granatkanonen einsetzte, die im Hafen ankernde türkische Flotte größtenteils versenkt und zudem Küstenbatterien zerstört.
Die Situation, dass modern bewaffnete Schiffe nun befestigte Städte an Land gefährden konnten, ohne eine verlustreiche Anlandung von Truppen, führte zur Kanonenbootpolitik. So erzwangen Schwarze Schiffe der USA 1853 eine Öffnung von Japan, Japan wiederum ging später so gegen China bzw. Korea vor.
Viertens entstand als Folge auf diese stärkeren Geschütze eine Rumpfpanzerung aus Eisen und Holz, später aus dafür geeignetem Stahl. Diese wurde im Laufe des Krimkriegs zuerst für schwimmende Batterien, dann ab 1859 auf den hochseetauglichen Schiffen La Gloire und Warrior eingesetzt.
Fünftens entstand aus der Notwendigkeit, eine geringe Anzahl möglichst schwerer Geschütze zu installieren, um die Panzerung durchschlagen zu können, ab 1861 durch die Arbeit des Ingenieurs John Ericsson der drehbare Geschützturm.
Diese fünf Neuerungen wurden erstmals in der 1862 fertiggestellten Monitor vereint, die am 9. März 1862 gegen Virginia (Merrimack) die mit der Schlacht von Hampton Roads die erste Seeschlacht der Geschichte zwischen gepanzerten Schiffen führte. Sie war jedoch nicht hochseetauglich.
In einer fortlaufenden, bis etwa 1890 nicht einheitlichen, Entwicklung wurde versucht, die Eigenschaften Feuerkraft, Panzerschutz, Geschwindigkeit und Hochseetauglichkeit zu kombinieren, wobei zunehmend auf die Takelage zugunsten stärkerer Maschinen verzichtet wurde. Hierbei unterschieden sich die Schiffe teils sehr stark, so entstanden Turm- und Kasemattschiffe.
Zwischenzeitlich wurde in der Seeschlacht von Lissa (1866) von Österreich kurzerhand wieder die antike Rammtaktik angewendet, um eine nominell stärkere italienische Mischflotte aus gepanzerten und alten Schiffen zu schlagen.
In zunehmendem Maße musste zudem ein Schutz gegen die ab 1872 aufkommenden flinken Torpedoboote gefunden werden, was einerseits auf Großkampfschiffen durch eine vermehrte Aufstellung kleinerer Geschütze zur Abwehr erfolgte, andererseits durch Geleitschutz mittels Torpedoboot-Zerstörer.
Somit entstand ab 1890 der international relativ einheitliche Typ des Einheitslinienschiffs. Bei diesen handelt es sich um Schiffe, die meist etwa 14.000 ts verdrängten, mit vier Geschützen von 30,5 cm Kaliber, einer Reihe kleinerer Geschütze und Torpedobootabwehrartillerie bewaffnet waren, über schwere Panzerung verfügten und mit Dreifachexpansionsdampfmaschinen etwa 17 Knoten schnell waren. Ihre Größe und Bewaffnung steigerte sich mit den Semi-dreadnoughts bis etwa 1905 auf 18.000 ts Verdrängung und vier 30,5-cm- und zwölf 24-cm-Geschütze. Von ihnen ausgehend führte die Entwicklung zu den Großkampfschiffen. Eine eigene Entwicklungslinie bildeten die Panzerkreuzer.
Es fand nur eine große Schlacht zwischen Einheitslinienschiffen statt, die Seeschlacht von Tsushima 1905.
mini|Britisches Einheitslinienschiff HMS Majestic mini|Museumsschiff Mikasa Bekannte Vertreter dieses Typs waren:
Majestic-Klasse Lord-Nelson-Klasse Connecticut-Klasse Deutschland-Klasse Danton-Klasse Andrej-Pervozvannyj-Klasse Satsuma-Klasse Mikasa (letztes vorhandenes Einheitslinienschiff)
Erste Großkampfschiffe – Dreadnought und Invincible – Erster Weltkrieg Um etwa 1903 entstanden Entwürfe für die späteren Großkampfschiffe. Am einflussreichsten war hierbei das „ideal Battleship for the Britisch navy“ Vittorio Cunibertis. Dieser Entwurf sah ein etwa 17.000 ts schweres, mit 24 kn sehr schnelles Schiff vor, das bei schwerer Panzerung mit 12 30,5-cm-Geschützen bewaffnet werden sollte. Der Grund zum Übergang zu einer so hohen Anzahl an 30,5-cm-Geschützen war, dass einerseits die Feuergeschwindigkeit dieses Kalibers erhöht wurde, sodass der Vorteil der kleineren Kaliber um 20 bis 25 cm der Semi-Dreadnoughts nicht mehr sehr groß war, andererseits ihre Reichweite höher war. Erstmals umgesetzt wurden diese Ideen mit der Dreadnought, die 1906 fertiggestellt wurde. Sie verfügte mit zehn 30,5-cm-Geschützen über mehr als doppelt so viele schwere Geschütze wie die bisherigen Einheitslinienschiffe, war ähnlich stark gepanzert und mit über 20 Knoten durch Turbinenantrieb etwas schneller und folglich jedem Einheitslinienschiff überlegen. Ihr wurde die 1908 fertiggestellte Invincible-Klasse zur Seite gestellt, die ähnlich schwer bewaffnet, mit 25 Knoten wesentlich schneller, aber nur sehr leicht gepanzert war. Ihr Auftrag war es einerseits, die Seewege gegen Angriffe schwächerer und langsamerer Panzerkreuzer und Kleiner Kreuzer zu schützen, andererseits, für die Hauptflotte aus Schlachtschiffen die feindliche Flotte auszuspähen und, wenn die Situation günstig ist, anzugreifen.
mini|Das Schlachtschiff Dreadnought von 1906 – das erste Großkampfschiff mini|Die Invincible (Stapellauf 1907) – der erste Schlachtkreuzer
Die anderen großen Seemächte sowie kleinere neue wie die ABC-Staaten, Griechenland und das Osmanische Reich begannen ebenfalls, solche Schiffe anzuschaffen. Hierbei entwickelte sich das deutsch-britische Flottenwettrüsten, das unter beiden Typen ausgetragen wurde. Die Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg lief auf eine schnelle Steigerung der Kampfkraft und Größe der Schlachtschiffe und -kreuzer hinaus. War die HMS Dreadnought 1906 noch etwa 19.000 ts schwer, mit zehn 30,5-cm-Geschützen bewaffnet und etwa 20 Knoten schnell, erhöhten sich die Werte bis zur 1912 begonnenen Queen Elizabeth-Klasse auf 33.000 ts, acht 38,1-cm-Geschütze und 24 Knoten. Auch wurde der Unterwasserschutz sukzessive verbessert. Diese Entwicklung lief in den Marinen relativ ähnlich ab, auch wenn unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt wurden, in den USA und Deutschland etwa auf schwere Panzerung, in Großbritannien auf höhere Geschwindigkeit und stärkere Bewaffnung. Der Schlachtkreuzer blieb jedoch ein auf die Royal Navy, die Hochseeflotte und die japanische Marine beschränkter Schiffstyp. Teilweise gab es Bestrebungen, die Eigenschaften schwere Panzerung, starke Bewaffnung und hohe Geschwindigkeit in einem Typ, dem Schnellen Schlachtschiff, zu vereinen. Bevorzugte Taktik war es, die Großkampfschiffe in einer Linie einzusetzen und zu versuchen, die feindliche Schlachtlinie mit einem Crossing the T-Manöver zu kreuzen.
Im Ersten Weltkrieg kam es zu nur wenigen Seeschlachten unter Einsatz von Großkampfschiffen. Dies war zuerst das am 8. Dezember 1914 geschlagene Seegefecht bei den Falklandinseln. In diesem versenkten die beiden Schlachtkreuzer Invincible und Inflexible zwei deutsche Panzerkreuzer und erfüllten damit ihre Aufgabe, die Seeverbindungen zu schützen. Die zweite war das Gefecht auf der Doggerbank am 24. Januar 1915, bei dem fünf britische Schlachtkreuzer gegen drei deutsche und den Panzerkreuzer Blücher kämpften. Letztere wurde hierbei versenkt. Die größte war die Skagerrakschlacht vom 31. Mai und 1. Juni 1916. Bei dieser Schlacht zwischen der Grand Fleet und der Hochseeflotte sanken drei britische und ein deutscher Schlachtkreuzer, es konnte dennoch keine Entscheidung herbeigeführt werden. Folglich konzentrierte sich der Seekrieg auf den U-Bootkrieg. Außerdem kam es noch zu einigen kleineren Gefechten unter Beteiligung von Großkampfschiffen, so der Schlacht im Moonsund, in der die Kaiserliche Marine gegen Russische Seestreitkräfte, u. a. zwei Einheitslinienschiffe, und Landbatterien zwei Schlachtschiffe einsetzte, und zwischen Goeben und russischen Streitkräften im Schwarzen Meer. Im gesamten Ersten Weltkrieg gingen elf Großkampfschiffe verloren, davon jedoch nur vier in einer Seeschlacht. Mehrere weitere sanken durch Minen- oder Torpedotreffer sowie innere Explosionen.
mini|Der Große Kreuzer Von der Tann von 1909 – der erste deutsche Schlachtkreuzer mini|Querschnittansicht eines Großkampfschiffes mit Geschützturm
Während in Europa während des Krieges nur wenige Großkampfschiffe gebaut wurden, bauten die USA und Japan ihre Flotten aus. So gingen sie bei den zwischen 1917 und 1920 begonnenen Schiffen der Colorado- und Nagato-Klasse zum Kaliber 40,6 cm über und steigerten die Größe, Japan auch die Geschwindigkeit, weiterhin. Hiermit setzte Japan den von Großbritannien begonnenen Weg zum schnellen Schlachtschiff fort.
Nach dem Ersten Weltkrieg waren noch drei große Seemächte verblieben. Österreich-Ungarn ist zerfallen, Russland war im Bürgerkrieg, das Deutsche Reich durch den Versailler Vertrag nicht in der Lage, Schiffe mit Bewaffnung über 28 cm Kaliber und mehr als 10.000 ts Verdrängung zu bauen, Frankreich und Italien finanziell nicht in der Lage, weitere Großkampfschiffe zu bauen.
Bekannte Vertreter bis zum Ersten Weltkrieg und dem Washingtoner Flottenabkommen waren:
Dreadnought Invincible-Klasse Queen-Elizabeth-Klasse Hood South-Carolina-Klasse Colorado-Klasse Lexington-Klasse Courbet-Klasse Dante Alighieri Moltke-Klasse König-Klasse Bayern-Klasse Gangut-Klasse Nagato-Klasse
Washingtoner Flottenabkommen