mini|Hans Aumeier Hans Aumeier (* 20. August 1906 in Amberg, Bayern; † 24. Januar 1948 in Krakau) war ein deutscher SS-Führer und Kriegsverbrecher, der in leitender Funktion in mehreren Konzentrationslagern eingesetzt war.
Leben Aumeier brach seine Schullaufbahn bereits nach sechs Jahren ab und arbeitete danach als Eisendreher in der Gewehrfabrikation, unterbrochen von Phasen der Arbeitslosigkeit. Aumeier gehörte der SA an und wurde dort kurzzeitig hauptamtlich tätig. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2, S. 364. August 1929 wechselte er zur SS (SS-Nummer 2.700)Bundesarchiv R 9361-III/514960 und gehörte bald nach seinem SS-Beitritt dem Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler in München an.Aleksander Lasik: Die Organisationsstruktur des KL Auschwitz. In: Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940–1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations und Vernichtungslagers Auschwitz. Band I: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim 1999, S. 228 f. Zum 1. Dezember 1929 trat Aumeier der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 164.755).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/890896 Nach der Gründung des KZ Dachau im Jahr 1933 durchlief Aumeier als Angehöriger des 1. Wachbataillons „Oberbayern“ dort die „Dachauer Schule“ von Theodor Eicke. Zum 20. April 1934 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert. Ab April 1936 gehörte Aumeier dem 4. SS-Totenkopfregiment „Ostfriesland“ beim KZ Esterwegen an und wechselte im Dezember 1936 ins KZ Lichtenburg, wo er als Kompanieführer beim 2. SS-Totenkopfregiment „Elbe“ ebenfalls zur Bewachung des Konzentrationslagers eingesetzt war. Danach wurde Aumeier beim 3. SS-Totenkopfregiment „Thüringen“ in gleicher Funktion beim KZ Buchenwald eingesetzt, bevor er Anfang August 1938 zum KZ Flossenbürg versetzt wurde und dort als Schutzhaftlagerführer tätig war. Zum 11. September 1938 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert.
Am 1. Februar 1942 löste Aumeier Karl Fritzsch auf dem Posten des Schutzhaftlagerführers im Stammlager des KZ Auschwitz ab und übte diese Funktion bis zum 16. August 1943 aus. Aumeier gab den Kapos weitreichende Befugnisse, was zu einer Steigerung des Lagerterrors führte. Er führte die strafweise Tortur der Stehzellen in Block 11 ein und erschoss Häftlinge an der Schwarzen Wand.Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. Personenlexikon. Frankfurt/M. 2013, ISBN 978-3-10-039333-3, S. 23. Für Massenerschießungen und Selektionen im Stammlager Auschwitz war Aumeier mit verantwortlich und nahm nach dem gescheiterten Aufstandsversuch der Strafkompanie im Juni 1942, ebenso wie Otto Moll und Franz Hößler, an der Ermordung der Überlebenden des Aufstandes teil.Kurzbiografie auf ARC Mainpage Wegen Diebstahls und Korruption wurde er auf Veranlassung von Rudolf Höß noch Mitte August 1943 nach Estland in das neu geschaffene KZ Vaivara versetzt, wo er bis zu der Evakuierung des Lagers im Sommer 1944 der Lagerkommandant war. Dort führte die Lagerleitung unter Aumeier Selektionen durch, welchen Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Danach war er für die Lager des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering, Außenstellen des KZ Dachau, zuständig. Zum 9. November 1944 erreichte er den Rang eines SS-Sturmbannführers.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 21. Im Januar 1945 übernahm Aumeier als Kommandant das Polizeihäftlingslager Grini in Norwegen, das bis zum 8. Mai 1945 existierte.Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, S. 220. Während seiner letzten Station soll sich Aumeiers Verhalten erheblich verändert haben, da er sich nun fast human zeigte und auch Verhandlungen mit dem Roten Kreuz führte. Aumeier wurde am 11. Juni 1945 von der britischen Armee in Norwegen verhaftet, in das Internierungslager Staumühle verlegt und dort verhört.Manfred Gans: Life gave me a chance. Lulu Press, Raleigh 2010, ISBN 978-0-557-20305-5, S. 309. Der aus Borken stammende Manfred Gans war einer der britischen Offiziere, die ihn vernahmen. Während der Verhöre leugnete er zunächst jegliches Wissen über die Gaskammern in Auschwitz, revidierte aber später seine Aussage. Nach der Auslieferung an Polen wurde Aumeier im Krakauer Auschwitzprozess vor dem Obersten Nationalen Tribunal Polens zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 24. Januar 1948 durch Hängen vollstreckt.https://web.archive.org/web/20021003041144/http://www.geocities.com/biskupia/mandel.htm
Literatur Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, ISBN 83-85047-35-2.
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-596-16048-0. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2. Wacław Długoborski, Franciszek Piper (Hrsg.): Auschwitz 1940–1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Verlag Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999, 5 Bände: I. Aufbau und Struktur des Lagers. II. Die Häftlinge – Existenzbedingungen, Arbeit und Tod. III. Vernichtung. IV. Widerstand. V. Epilog., ISBN 83-85047-76-X. Andreas Kilian: Aumeier, Hans, Kurzbiografie, in: Filip Müller: Sonderbehandlung. Meine Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz. Deutsche Bearbeitung Helmut Freitag. Grußwort Felix Klein, Josef Schuster. Anhang Andreas Kilian. wbgTheiss, Darmstadt 2021, S. 292f.
Weblinks
Kurzbiografie und Foto von Aumeier
Einzelnachweise
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