mini|hochkant=1.2|Fassade von Nordwest Die Pfarrkirche St-André-de-Sorède (auf Katalanisch Monestir de Sant Andreu de Sureda) ist eine ehemalige Abteikirche und befindet sich in der gleichnamigen französischen Gemeinde Saint-André in der Region Okzitanien, Département Pyrénées-Orientales. Sie liegt etwa 16 Kilometer südlich von Perpignan und etwa 7 Kilometer westlich der Mittelmeerküste bei Argelès-sur-Mer, am nordöstlichen Rand der Pyrenäen.
Die Darstellungen auf dem Türsturzbalken des Hauptportals in der Fassade der Kirche gelangten zu einer besonderen architektonischen Berühmtheit, vergleichbar mit dem Türsturz der Abtei Saint-Génis-des-Fontaines.
Von der ehemaligen Abtei ist heute nur die Abteikirche erhalten.
Geschichte mini|hochkant=0.5|links|Heiliger Andreas aus dem 12. Jahrhundert – Correr-Museum Gegen Ende des 8. Jahrhunderts gründete hier der spanische Abt Miron ein Kloster, das dem heiligen Andreas gewidmet und zu Beginn des 9. Jahrhunderts errichtet worden ist. Bereits unter dem Nachfolger Mirons erhielt es 823 eine schriftliche Bestätigung von Ludwig dem Frommen (778–840), einem Sohn und Nachfolger Karls des Großen, vermutlich auch das Immunitätsprivileg und das Recht, seine Äbte frei zu wählen, wie das auch in gleicher Zeit bei der benachbarten Abtei Saint-Génis-des-Fontaines geschehen war.
Zunächst unter dem Schutz der Grafen des Roussillon stand die Abtei immer wieder in Konkurrenz zu dieser Schwesterabtei. Über die Entwicklungen in den folgenden knapp 300 Jahren geben die Quellen keine Auskunft.
Zum Zeitpunkt der Angliederung St-Andreas an die mächtige Abtei Lagrasse in den Corbières im Jahr 1109 scheint St-André bereits arg heruntergekommen zu sein. Zu dieser Zeit war Agnes Gräfin des Roussillon, die sich für den Erhalt der Abtei einsetzte. Ein unter ihr in Angriff genommener Bau wurde bereits 12 Jahre später vom Bischof von Elne eingeweiht, als die Bauarbeiten sicher noch nicht abgeschlossen waren.
Die ursprünglich nur mit einem hölzernen Dachstuhl überdeckten Kirche, vielleicht auch mit einer Holzbalkendecke, erhielt im 12. Jahrhundert ein Tonnengewölbe. Dabei hat man die Gewölbeschalen mit den Gurtbögen nicht auf den beidseitigen relativ dünnen Außenwänden, sondern auf neuen kräftigen Pfeilern errichtet, die innen vor den Wänden hochgeführt sind, zu denen sie einen kurzen Abstand halten.
Während des 16. Jahrhunderts verlor die Klosteranlage allmählich an Bedeutung und wurde schließlich im Jahr 1592 der etwa 35 Kilometer westlich gelegenen Benediktiner-Abtei Sainte-Marie in Arles-sur-Tech angeschlossen.
Zur Zeit der französischen Revolution im Jahr 1789 mussten die letzten Mönche das Kloster verlassen. Alle Besitztümer der Abtei, der Kreuzgang und andere Konventsgebäude wurden zu dieser Zeit abgebrochen, verkauft und teilweise in anderen Abteien der Umgebung weiterverwendet. Allerdings hatte der Kreuzgang von St-André später nicht das Glück einer Rekonstruktion, wie etwa die der Abtei von St-Génis oder der Abbaye Saint-Michel-de-Cuxa.
Die Abteikirche wurde zur Pfarrkirche.Rolf Legler: Languedoc Roussillon, DuMont Kunst-Reiseführer 1988, S. 251–252
Weitere historische Daten An der Fassade lassen sich drei verschiedenartige Steinlagen des Mauerwerks erkennen. Die unterste Lage ist aus in Reihen gegeneinander schräg aufgestellten flachen Bachkieseln in römischer Technik des Opus spicatum im Mörtelbett gemauert worden sind, die dem ersten Bau vom Beginn des 9. Jahrhunderts zugeordnet werden dürfte. Sie reicht etwa bis in die Höhe des Tympanons des Hauptportals. Die zweite Steinlage bis in Höhe des Fenstersturzbalkens besteht aus überwiegend horizontal angelegten, grob behauenen Bruchsteinen überwiegend kleinerer Formate, in unregelmäßigem Schichtenmauerwerk, das man von Arles und St-Genis kennt. Es dürfte aus der Zeit der Entstehung der Fenstereinrahmung und des Türsturzes stammen, etwa nach 1020. Ob die letzte Steinlage ab Oberkante des Fensters aus sauber rechteckig behauenen Werksteinen in durchgehenden Schichten gemauert, noch aus dem 11. Jahrhundert stammt oder erst vom Anfang des 12. Jahrhunderts entstand, also während der allgemeinen neuen Bauphase nach Übernahme durch Lagrasse (1109), ist umstritten.
Die Überreste von Fresken stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die Fragmente eines muslimischen Grabsteins aus dem 12. Jahrhundert.
Schicksal des Kreuzgangs nach seinem Abbruch
Der Kreuzgang wurde zur Zeit der französischen Revolution abgebaut und in Klöstern der Umgebung weiterverwendet. An der nordwestlichen Außenwand der Abteikirche können noch Spuren des einstigen Standortes erkannt werden. Im Chor der Abteikirche und am Tabernakel wurden Teile von Kapitellen und Bögen des Kreuzgangs verarbeitet. Zwei weitere Bögen dienen als Unterbau von Weihwasserbecken in den Kirchen von Saint-Génis-des-Fontaines und Saint-Jean-Lasseille. Vier Kapitelle mit Säulen werden in der Kapelle Sainte-Colombe de Cabanes nördlich von Saint-Génis verwendet. Ein Bogen findet sich über dem Portal der Kirche von Sorède. Einige Kapitelle in der Abtei Saint-Martin-du-Canigou stammen wahrscheinlich ebenfalls vom Kreuzgang aus der Abtei Saint-André.Rolf Legler: Languedoc Roussillon, DuMont Kunst-Reiseführer 1988, S. 252
Bauwerk mini|hochkant=1.6|links|Grundriss, Handskizze
Abmessungen aus Grundriss entnommen und hochgerechnet mini|hochkant|Aufriss, Handskizze Länge über alles (außen): 31,90 m Länge Querhaus (außen): 25,00 m Breite Schiff (außen): 9,80 m Breite Querhaus (außen): 7,80 m Breite Querhaus (innen): 6,00 m Ausladung Querhausarme: 7,80 m Breite Schiff und Chor (innen): 8,00 m Breite Gewölbe im Schiff (innen): 5,00 m Breite Schiff zwischen Pfeilern: 4,60 m Länge Chor (innen): 6,50 m Breite Querhauskapellen: 4,50 m Höhe Schiff: 12,00 m
Äußere Erscheinung mini|hochkant=1.3|Chorhaupt von Südost
Das Langhaus wird überdeckt von einem Satteldach mit etwa 25 Grad Neigung, das sich von der Fassade bis zur Ostwand des Querhauses erstreckt, das die Vierung einschließt. Es wird an den Enden von Giebelwänden abgeschlossen deren Ortgangschrägen in gleicher Neigung, die das Dach leicht überragen und von Steinplatten abgedeckt sind. Die Dachflächen werden von grauen Schieferschindeln eingedeckt, deren untere Reihen auf schlichten nach außen abgeschrägten Traufgesimsen aus Werkstein leicht auskragen und das Regenwasser frei abtropfen lassen. Die Bauwerkskanten des Langhauses mit Vierung werden von großformatigen glatten Werksteinen ausgebildet, die zum Zweck des Verbandes mit dem anschließenden Mauerwerk aus kleineren Formaten im Wechsel einer langen mit einer kurzen Steinseite angeordnet sind. Die Ostgiebelkanten stehen in Verlängerung der Oberfläche der Querschiffostwand und treffen sich dort mit den Oberflächen der anstoßenden Wände des Chors und der Apsidiolen der Querhauskapellen in einem Punkt. Nicht weit über dem Chorfirst ist in der Giebelwand ein mittelgroßes kreisrundes Ochsenauge ausgespart, das von einem fast quadratischen Werksteinrahmen eingefasst ist. Beidseitig dieses Rahmens ist je eine Zwillingsblendarkade eingelassen, deren Bogenansätze in Nähe der Oberkante des Fensterrahmens und deren Unterseite auf der des Fensterrahmens liegen. Die Blendbögen treffen sich jeweils mittig auf einem Kragstein, dessen Skulptur stark verwittert ist. Genau über der Breite des Fensterrahmens ist eine Blendarkade eingelassen, die hier dementsprechend auch höher ist als die benachbarten. Die beiden Arme des Querhauses schließen im vierten Joch an das Langhaus an, über deren Längswände sie weit hinausragen. Ihre Dächer entsprechen denen des Langhauses. Ihre Firste bleiben aber deutlich unter den Traufen des Langhauses. ihre Giebelwände werden wie diejenigen des Langhauses abgeschlossen. In der Mitte der Giebelwand des südlichen Arms ist ein kleines rundbogiges Fenster ausgespart. In der Westwand des nördlichen Querhausarms ist ein ähnliches Fenster etwa mittig ausgespart zusammen mit einer rechteckigen Türöffnung darunter. Über diese Tür waren wahrscheinlich die ehemaligen Konventsgebäude mit der Kirche verbunden.
Der Chor besitzt außen wie innen die gleiche Breite, wie das Langhaus. Sein Grundriss steht auf einem Rechteck, an das ein Halbkreis anschließt. Sein Dach hat am Anschluss an die Giebelwand zunächst die Form eines Satteldachs, an das sich ohne Zäsur ein halbes Kegeldach anschließt, beide in gleiche Neigung, wie die übrigen Dächer. Auch die Traufen sind wie die der anderen Dächer ausgebildet. Allerdings befindet sich unmittelbar unter dem Traufgesims ein äußerst dekorativer Blendarkadenfries aus Zwillingskeilsteinbögen, die äußeren jeweils gemeinsam auf einem glatten, kantigen Pfeiler stehen, der am oberen Ende durch eine Einkerbung eine Art ungegliedertes Kapitell aufweist. Die Bögen treffen sich jeweils mittig auf einem Kragstein, der in Form einer Maske strukturiert, allerdings erheblich verwittert ist.
In der Chorapsis sind in mittlerer Höhe drei mittelgroße rundbogige Fenster ausgespart.
Die beiden Querhauskapellen stehen auf einen halbkreisförmigen Grundriss und sind deshalb von je einem halben Kegeldach überdeckt. Dach und Traufe entsprechen denen des Chors, allerdings ohne den Blendarkadenfries. Die Apsidiolen weisen lediglich in ihrem Scheitel ein kleines rundbogiges Fenster auf. mini|hochkant=1.5|Türsturzbalken Fassade Die Fassade des Langhauses schließt es im Westen ab. Über seine drei verschiedenen Steinreihungen ist bereits im Abschnitt „weitere historische Daten“ etwas gesagt. mini|hochkant=1.5|Türsturzbalken, linke Seite mini|hochkant=1.5|Türsturzbalken, Mitte mini|hochkant=1.5|Türsturzbalken, rechte Seite mini|hochkant=1.5| Tympanon des Hauptportals Eine architektonische Berühmtheit in der Fassade stellt der Türsturzbalken im Hauptportal dar. Er ist ohne Zweifel eine Nachahmung eines Gegenstücks, des Türsturzes der Abtei Saint-Génis-des-Fontaines, der im frühen 11. Jahrhundert geschaffen wurde. Er dürfte nach 1020 entstanden sein. Er unterscheidet sich allerdings in wesentlichen Punkten, so in der Anzahl der Apostel, statt sechs sind es hier vier. Hinzu kamen stattdessen zwei Seraphim, zu erkennen an den sechs Flügeln. Christus sitzt hier nicht mehr in zwei Mandorlen, sondern in einer, die aber ungeschickt an beiden spitzen Enden gekappt worden ist. Gänzlich fehlt hier eine Inschrift, die in St-Genis auch ein Dekorationselement darstellt. Die Arkadenbögen haben fast ganz die Hufeisenform verloren und nähern sich der romanischen Halbkreisform. Für die deutlich spätere Entstehung des Reliefs spricht seine fast dreifach so tiefe Gravur. Die Figuren gelangen zu mehr Körperlichkeit, in dem hier der Weg von einer Steinzeichnung zur Volumen schaffenden Skulptur eingeschlagen worden ist. Es steht eindeutig fest, dass die Seraphim und die Medaillons mit den Evangelistensymbolen auf dem Fensterrahmen, die mehr Körperlichkeit zeigen, von der Hand des Meisters von St-Genis geschaffen worden sind. Sowohl die Skulptur des Sturzbalkens wie auch die des Fensterrahmens gehören jedenfalls zu den ältesten Zeugnissen einer neu aufgekommenen christlichen Monumentalskulptur.
Ähnlich dem Türsturzbalken von St-Genis ist hier ebenfalls eine Theophanie (Gotteserscheinung) dargestellt. Christus thront in der Mitte, gerahmt von einer perlenbesetzten Glorie in der Form einer Mandorla, deren obere und untere Spitze vom äußeren Balkenrand abgeschnitten werden. Durch diese wird die Einrahmung des Sturzes mit einem breiten Band aus dekorativen pflanzlichen Strukturen aus Flachreliefs unterbrochen.