mini|300px|Waldkirch von der Kastelburg aus im Frühling… mini|…und im Winter, im Hintergrund der Kandel Waldkirch ist eine Große Kreisstadt im Breisgau in Baden-Württemberg. Sie entstand am 1. Januar 1975 durch den Zusammenschluss der vormals selbständigen Gemeinden Buchholz, Kollnau und Waldkirch. Bereits 1971 war Suggental und 1973 Siensbach eingemeindet worden. Waldkirch liegt etwa zehn Kilometer östlich von Emmendingen und etwa 16 Kilometer nordöstlich von Freiburg im Breisgau.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt an der Elz im südwestlichen Teil des Schwarzwaldes. Die Nachbargemeinden im Elztal taleinwärts sind Freiamt und Gutach im Breisgau, im südöstlich abzweigenden Simonswälder Tal Simonswald. Gemarkungsgrenzen bestehen zudem zu St. Peter und Glottertal. Talauswärts grenzt Waldkirch an Denzlingen und Sexau. Waldkirch liegt direkt am Fuße des 1241 Meter hohen Kandels. Der tiefste Punkt von Waldkirch liegt bei 243 m, der Höhenunterschied auf der Gemarkung beträgt damit 998 Meter.
Bedingt durch die Lage im Oberrheingraben kommt es gelegentlich zu kleineren Erdbeben. Das letzte größere Beben mit einer Stärke von 5,4 auf der Richterskala ereignete sich am 5. Dezember 2004, das Epizentrum lag unter dem Kandelmassiv.
Stadtgliederung Zur Stadt Waldkirch gehören die Stadtteile Buchholz, Kollnau, Siensbach einschließlich des Siensbacher Weges, Suggental sowie Waldkirch. Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit den Grenzen der ehemaligen Gemeinden gleichen Namens. Mit Ausnahme des Stadtteils Waldkirch sind die Stadtteile mit Waldkirch und dem nachgestellten Stadtteilnamen benannt, verbunden durch einen Bindestrich. Die Stadtteile Buchholz, Kollnau, Siensbach einschließlich des Siensbacher Weges sowie Suggental sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils einem von den Wahlberechtigten bei Kommunalwahlen direkt zu wählenden Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzenden eingerichtet. In den Ortschaften befinden sich jeweils Verwaltungsstellen mit der Bezeichnung „Stadt Waldkirch – Ortsverwaltung…“. (PDF; 89 kB)
Zum Stadtteil Buchholz gehören das Dorf Buchholz und der Weiler Batzenhäusle. Zum Stadtteil Kollnau gehören das gleichnamige Dorf sowie die Höfe Harnischwald, Kohlenbach und Übental. Zum Stadtteil Siensbach einschließlich des Siensbacher Weges gehören die Weiler Obertal (Dobel), Untertal und Zinken, die Höfe Biehl und Mühletal sowie die Wohnplätze Beim Rechen und Eichbühl. Zum Stadtteil Waldkirch gehören die gleichnamige Stadt, der Weiler Heimeck, die Höfe Dettenbach, Eschbach, Petershöfe und Wegelbach sowie die Wohnplätze Altersbach, Forstsiedlung und Kandelrasthaus. Im Stadtteil Waldkirch lagen die in Waldkirch aufgegangene Ortschaft Stahlhof, die bis 1936 mit den Ortsteilen Dettenbach, Heimeck, Petershöfe und Wegelbach eine eigene Gemarkung bildete, die Burgen Kastelburg und Schwarzenburg sowie die abgegangenen Burgen Küchlinsburg (der Herren Küchlin) und Kyffelburg und die abgegangene Ortschaft Weiler.
Klima Der Köppen-Klimatyp ist die warm-feucht gemäßigte Klimazone (Ozeanisches Klima).
Geschichte Die ältesten Quellen Waldkirchs beziehen sich auf die Gründung des Frauenklosters St. Margarethen durch den schwäbischen Herzog Burchard II. und seiner Frau Reginlind in den Jahren 918 bis 926. Als Vögte (= Verwalter) sind ab dem frühen 12. Jahrhundert die Herren von Schwarzenberg belegt. Kurz nach 1200 stirbt die ältere Linie der Schwarzenberger aus. Ihre Erben, die jüngere Linie der Schwarzenberger, gründet um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Stadt Waldkirch und erbaut die Kastelburg. Kurz darauf teilt sie die Herrschaft. Die Vogtei über das Kloster blieb bei den Herren von Schwarzenberg. Am 8. August 1300 wurde der Stadt Waldkirch von den Schwarzenbergern und den Kastelbergern das Stadtrecht verliehen.
Nachdem 1431 das Frauenkloster aufgelöst und in ein Kollegiatsstift umgewandelt wurde, blieben die Herren von Schwarzenberg die Vögte über das Stift. 1459 erbten die von Rechberg, 1546 Sebastian von Ehingen und 1560 Hans Raphael von Reischach die Vogtei. 1566 kaufte Erzherzog Ferdinand von Österreich die Herrschaft Kastelberg mit der Stadt Waldkirch, im Jahr darauf die Herrschaft Schwarzenberg. Anstelle von Adeligen übten nun österreichische Beamte die Verwaltung im Elztal aus. In der Zeit zwischen 1576 und 1632 waren Waldkirch und das Elztal Ort Hexenverfolgungen.
Der Silberbergbau im Suggental endete kurz vor 1300. Die Edelsteinschleiferei in Waldkirch gewann ab dem 15. Jahrhundert große wirtschaftliche Bedeutung. 1760 zählte Waldkirch bei 1700 Einwohnern 430 Bohrer und Balierer. 1781 gab es 28 Granatschleifmühlen mit zusammen 112 Schleifsteinen in Waldkirch.
Bis 1805 war Waldkirch vorderösterreichische Amtsstadt. Dann fiel es an das Großherzogtum Baden, wo es bis 1936 Amtsstadt des gleichnamigen Amtsbezirks war. Seither gehört es zum Landkreis Emmendingen.
In der Zeit von 1933 bis 1945 existierten, neben einer NSDAP-Ortsgruppe, in Waldkirch sowohl ein SA- als auch ein SS-Sturm. Der SS-Sturm wurde unter anderem von dem damals in Waldkirch wohnhaften und für die spätere Tötung der litauischen Juden Hauptverantwortlichen Karl Jäger gegründet. Am 11. Juni 1939 wurde die damalige Grund- und Hauptschule umbenannt in Paul-Mauk-Schule, einem von der NS-Propaganda gefeierten Schüler, der als jüngster gefallener Soldat auf deutscher Seite im Ersten Weltkrieg gilt. 1946 wurde die Schule dann als Volksschule in Schwarzenbergschule Waldkirch umbenannt. Heute erinnert eine Gedenktafel vor der Schule an diese Episode der Schulgeschichte. Weitere Zeugnisse der NS-Zeit in Waldkirch ist unter anderem das Kriegerdenkmal in Kollnau. Zwei NS-Propaganda-Wandbilder des Künstlers Schroeder-Schoenenberg im Waldkircher Rathaus wurden 2014 entfernt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den die Stadt weitgehend unbeschädigt überstand, gehörte Waldkirch zum Bundesland (Süd-)Baden und wurde so 1952 Teil des neugebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg.
Gemeindereform Im Zuge der Gemeindereform entstand zum 1. Januar 1975 die heutige Stadt Waldkirch als Rechtsnachfolger der aufgelösten Gemeinden Buchholz, Kollnau und Stadt Waldkirch.
Die Gemeindereform in Baden-Württemberg hatte 1968 begonnen mit dem Ziel, durch Zusammenlegungen und Eingliederungen leistungsfähigere Gemeinden zu schaffen; die Zahl der Gemeinden sollte dabei auf ein Drittel sinken und Gemeinden mindestens 2000 Einwohner haben. So schloss die Gemeinde Suggental (1970: 351 Einwohner) formal freiwillig eine Vereinbarung zur Eingliederung in die Stadt Waldkirch, die zum 1. Juli 1971 wirksam wurde. Die Gemeinde Siensbach (1970: 629 Einwohner) folgte zum 1. Januar 1973.
Die Zielplanung zur Gemeindereform 1973 sah die Zusammenlegung von Buchholz (1970: 1726 Einwohner), Kollnau (4687 Einwohner) und Waldkirch (11.172 Einwohner) vor. Die vom Gesetz vorgesehene Bürger-Anhörung wurde am 20. Januar 1974 in allen drei Gemeinden durchgeführt und ergab sowohl in Buchholz wie in Kollnau eine Ablehnung des Zusammenschlusses von mehr als 90 % bei Beteiligung von jeweils über 80 %, in Waldkirch eine Zustimmung bei nur geringer Teilnahme. Dennoch bestimmte der Entwurf zum Gemeindereform-Gesetz vom 15. Februar 1974 den Zusammenschluss, berücksichtigte die Ablehnung jedoch durch die Festlegung des Doppelnamens Waldkirch-Kollnau für die neu zu bildende Stadt.VwRefG BW 3, Landesrecht BW Bürgerservice Der Landtag stimmte dem Gesetz am 4. Juli 1974 endgültig zu.
Entsprechend der Vorgabe des Gemeindereformgesetzes schlossen die noch selbständigen Gemeinden im November 1974 eine Vereinbarung zum Zusammenschluss ab, in der Waldkirch als Name der neuen Stadt festgelegt wurde. Für alle Stadtteile, außer dem Stadtteil Waldkirch, wurde die Ortschaftsverfassung beschlossen und die Unechte Teilortswahl garantierte den Stadtteilen eine festgelegte Anzahl von Gemeinderatssitzen.
Große Kreisstadt Am 1. Januar 2009 wurde Waldkirch zur Großen Kreisstadt erhoben.
Politik
Gemeinderat Bis zur Gemeinderatswahl 2004 galt die Unechte Teilortswahl, das Gemeindegebiet war entsprechend in Wohnbezirke gegliedert.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (G/V: Gewinn/Verlust im Vergleich zu 2019):Stadt Waldkirch – Vorläufiges Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2019 und Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Vorläufiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019 in Waldkirch<, abgerufen am 23. Juni 2019 mini|Rathaus Waldkirch Partei / Liste Stimmenanteil G/V %p Sitze G/V SPD 22,8 % − 3,8 6 ± 0 CDU 24,8 % − 0,7 6 − 1 FDP 2,6 % − 0,8 1 + 1 Die Offene Liste / Grüne 23,8 % − 0,9 6 ± 0 Freie Wähler 26,2 % + 7,2 7 ± 0
Bürgermeister und Oberbürgermeister Bürgermeister der Stadt Waldkirch (bis 1974):
Dauer der Amtszeit Name Bemerkung 1803–1817 Mathias Ringwald In: Badische Zeitung, 26. Februar 2009. 1817–1835 Johann Reisky 1835–1836 P. Brand 1836–1842 Mathias Fehrenbach 1842–1845 Georg Ehrhard 1845–1861 Heinrich Hoch 1861–1866 Josef Joerger 1866–1876 Heinrich Weiß 1876–1879 Adolf Joerger 1879 Christian Weber war 20 Tage im Amt 1880–1887 Xaver Weiss 1887–1897 Johann Seufert 1897–1919 Albert Schill 1919–1933 Carl Eberle, Zentrum 1933–1945 Max Kellmayer, NSDAP 25 April – 18. Juli 1945 Stanislaus GöppertBürgermeister 1945–1948 nach Wolfram Wette, Politik im Elztal, Waldkirch 1990, ISBN 3-87885-228-2, S. 166–178. 18. Juli – 22. September 1945 Carl Eberle, Zentrum/CDU 22. September – 18. Oktober 1945 Georg Schindler 18. Oktober – 27. November 1945 Georg Scholz 1945 – 4. Februar 1946 Max Kahle, SPD 1946 – 22. März 1947 Otto Mutschler, BCSV 23. März – 25. April 1947 Ernst Oschwald, SPD 1947–1948 Adolf Wolfsperger 1948–1970 Ernst Prestel, CDU 1970–1974 Hugo Eisele, CDU
Bürgermeister und Oberbürgermeister der am 1. Januar 1975 neu gebildeten Stadt Waldkirch:
Jahr Name 1975–1983 Hugo Eisele, CDU (anfangs als Amtsverweser) 1983–2015 Richard Leibinger, SPD (ab 2009 Oberbürgermeister) 2015–2023 Roman Götzmann, SPD seit 2023 Michael Schmieder, parteilos
Bei der Bürgermeisterwahl am 12. März 2023 wurde der parteilose Schmieder mit 56,6 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Götzmann erhielt 43,1 Prozent der Stimmen.
Wappen mini|100px|Seit 1976 gültiges Wappen mini|100px|Altes Wappen von Waldkirch Beschreibung Das Wappen von Waldkirch ist ein sprechendes Wappen. Es zeigt in Blau einen schwarzen Sechsberg, auf dem in Silber eine Kirche mit rotem Dach und goldenem Kreuz steht. Umrahmt wird diese Anordnung auf der rechten Flanke von einem silbernen Lindenzweig und auf der linken Flanke von einem silbernen Eichenzweig. Die Kirche zwischen Linden- und Eichenzweig versinnbildlicht den Stadtnamen. Der Sechsberg stammt aus dem Wappen der Herren von Schwarzenberg. Das Wappen basiert auf dem ältesten bekannten Siegel aus dem 13. Jahrhundert und wurde der Stadt am 5. Mai 1976 verliehen.
Altes Wappen Zwischen 1634 und 1976 verwendete die Stadt ein Wappen ohne den Sechsberg. Von Blau und Grün geteilt, auf der Hauptstelle eine Doppelturmkirche, rechts und links gesäumt von zwei silbernen Bäumen. Im Schildfuß sind drei weitere silberne Bäume dargestellt.
Wappen der Ortsteile
mini|Der Europabrunnen trägt die Namen von Waldkirchs Partnerstädten.
Städtepartnerschaften Sélestat, Frankreich (seit 1966) Chavanay, Frankreich (seit 1993, geschlossen von Buchholz) Liestal, Schweiz (seit 1989) Montignies-sur-Sambre, Belgien (seit 1974) Worthing, Vereinigtes Königreich (seit 1997)
Projektpartnerschaft Korjukiwka, Ukraine (seit 2022)
Wirtschaft und Infrastruktur Waldkirch besitzt eine lange industrielle und handwerkliche Vergangenheit.