mini|Kant, evtl. von Johannes Heydeck Kantiana (Neutrum Plural von lat. ,kantianus‘: ,zu Kant gehörig‘) sind die Hinterlassenschaften des Philosophen Immanuel Kant. Neben Schriften, Buchoriginalen und Utensilien zählen dazu im weiteren Sinne auch sein Grab, Denkmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten und Anekdoten. Die Auseinandersetzung mit ihnen reicht von der Kantforschung bis zur Reliquienverehrung. Als lateinisches Adjektiv findet sich das Wort ,kantianus‘ erstmals im Namen der Stoa Kantiana, der ersten Grablege Kants am Königsberger Dom. Wissenschaftliche Verwendung für die Rezeption von Kants Schriften fand er zuerst bei Rudolf Reicke. Die Baltische Föderale Universität Immanuel Kant in Kaliningrad bezeichnet sich als „Kantiana“.

Wohnhaus in Judtschen mini|Kant-Haus in Wessjolowka vor Rekonstruktion mini|Immanuel-Kant-Museum seit 2018 Von 1747 bis 1750 lebte der junge Kant als Student im Dorf Judtschen (zwischen 1938 und 1946 Kanthausen, heute Wessjolowka) beim Pastor Daniel Ernst Andersch und beim Schulmeister Johann Jacob Challet. Er arbeitete dort als Hauslehrer für deren Söhne und formulierte seine Nebularhypothese zur Entstehung des Sonnensystems, die er 1755 in seiner Schrift Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels darlegte.Hans-Joachim Waschkies: Physik und Physikotheologie des jungen Kant. Die Vorgeschichte seiner Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels (Amsterdam: Grüne, 1987), S. 28. Nachdem das Gebäude lange Zeit baufällig geblieben war, wurde es nach einem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Kaliningrader Universität im Jahr 2013 rekonstruiert. Im Gebäude befindet sich seit dem 16. August 2018 das Immanuel-Kant-Museum (Pfarrhaus) (Musej Immanuila Kanta. Dom pastora).Gutshaus des Pfarramtes in Judtschen, verbunden mit dem Leben und Schaffen des Philosophen Immanuel Kant, XVIII-XIX Jh. (Pfarrhaus). Information des offiziellen Reiseportals Kaliningrad, abgerufen am 24. Juni 2020.

Wohnhaus in Königsberg mini|hochkant|Prinzessinnenstraße (1850) mini|Gartenseite (1852) mini|Erdgeschoss und 1. Stock Im 17. Jahrhundert führte das Grundstück den Namen „alte Landkostmeisterei“ und wurde vom Fiskus an Hans Albrecht von Barfus geschenkt, der es wiederum an Hugenotten verkaufte. Es blieb lange Zeit in Besitz eines Refugiés.Adolf Boetticher:Bau- und Kunstdenkmäler in Königsberg, Königsberg 1897, S102 -103 Durch Vermittlung des Oberbürgermeisters Theodor Gottlieb von Hippel erstand Kant mit fast 60 Jahren die Alte Landhofmeisterei von den Erben des Porträtmalers Johann Gottlieb Becker. Das Haus war zwischen dem Prinzessinplatz 87/86 (später Prinzessinstraße, ab 1924 Kantstraße) und Schloßgraben gelegen. Nach dem Zeugnis des ehemals in der Königsberger Stadtbibliothek in der Alten Universität aufbewahrten Kaufvertrages erstand Kant das Haus am 30. Dezember 1783 für 5500 Gulden von der Witwe des Porträtmalers Johann Gottlieb Becker (siehe Bildportrait von Kant). Das Haus stand an einem Abhang, die Vorderseite lag höher, die Rückseite tiefer, unmittelbar am Schlossgraben. Die Rückseite des Hauses war unterkellert. Zum Haus gehörten ein Garten und eine Zeit lang ein Hühnerstall. Im Erdgeschoss lagen der Flur (Vorhaus), der Hörsaal, die Wohnung der Köchin und die Küche. Seitlich angebaut war eine Sommerstube. Im Obergeschoss befand sich der Esssaal, die Bibliothek, das Studierzimmer, ein Besuchszimmer und der Schlafraum Kants. Von der Studierstube hatte Kant Ausblick auf die Gärten und das Königsberger Schloss. Am Spätnachmittag pflegte Kant bei seiner Lektüre, wenn langsam die Dämmerung hereinbrach, aus seinem Fenster auf den Löbenichtsche Kirche zu blicken – im Laufe der Zeit wuchsen jedoch die Pappeln seines Nachbarn Nicolovius zu hoch. Auf Bitten Kants fällte dieser die Pappel. Unter dem Dach hatte der Diener Martin Lampe sein Zimmer. Die Wände waren weiß getüncht, die Möbel einfach. Der Hausrat war nicht üppig. Hatte er einmal eine größere Gesellschaft, wurden Lampe und die Köchin Louise Nitzschin, ferner von Lampes Frau und Tochter unterstützt. Weil sein Diener trunksüchtig geworden war, trennte sich Kant 1802 von ihm. Neuer Diener wurde Johannes Kaufmann. Eventuelle Reparaturen oder Anschaffungen überließ Kant dem Pfarrer Ehregott Andreas Wasianski. In diesem Haus wohnte der Philosoph bis zu seinem Tode.

Alles was die Ruhe seines Tagesablaufs störte, musste aus der Sicht Kants beseitigt werden. Kant war schon mehrfach umgezogen, weil er in den vorigen Wohnungen jeweils keine Ruhe fand – etwa einige Jahre zuvor, als es der Hahn eines Nachbarn war, der seine Arbeitsruhe regelmäßig störte. Nun lag am Haus der Schloßgraben und unweit davon das Stadtgefängnis, dessen Insassen zum Absingen geistlicher Lieder angehalten wurden, wovon man sich ihre Besserung erwartete. Verzweifelt aber vergeblich appellierte Kant an den Schlossvogt Schützen, der den Gefangenen ein gutes Zeugnis für ihre Gesangsdarbietungen in Aussicht gestellt hat, dieses alltägliche Ritual abzustellen.Königsberg, den 9. Juli 1784. Ew. Wohlgeboren waren so gütig, der Beschwerde der Anwohner am Schloßgraben, wegen der stentorischen Andacht der Heuchler im Gefängnisse, abhelfen zu wollen. Ich denke nicht, daß sie zu klagen Ursache haben würden, als ob ihr Seelenheil Gefahr liefe, wenngleich ihre Stimme beim Singen dahin gemäßigt würde, daß sie sich selbst bei zugemachten Fenstern hören könnten (ohne auch selbst alsdann aus allen Kräften zu schreien). Das Zeugniß des Schützen, um welches es ihnen wohl eigentlich zu thun scheint, als ob sie sehr gottesfürchtige Leute wären, können sie dessenungeachtet doch bekommen; denn der wird sie schon hören, und im Grunde werden sie nur zu dem Tone herabgestimmt, mit dem sich die frommen Bürger unserer guten Stadt in ihren Häusern erweckt genug fühlen. Ein Wort an den Schützen, wenn Sie denselben zu sich rufen zu lassen und ihm Obiges zur beständigen Regel zu machen belieben wollen, wird diesem Unwesen auf immer abhelfen, und denjenigen einer Unannehmlichkeit überheben, dessen Ruhestand Sie mehrmalen zu befördern bemüht gewesen und der jederzeit mit der vollkommensten Hochachtung ist Ew. Wohlgeboren gehorsamster Diener I. Kant., Kant am 9. Juli 1784 an A Schützen Auch als Kant bei seinem Freund Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere, dem ersten Bürgermeister der Stadt und Polizeidirektor, vorstellig wurde, um das als störend empfundene Gesangsritual abstellen zu lassen, geschah nichts.

Mit dem Tode Kants wurde das Haus von dem Kaufmann Johann Christoph Richter für 10110 Gulden ersteigert und sofort an Gastwirt Johann Ludwig Meyer verkauft, der eine Wirtschaft mit Billardtisch und Kegelbahn darin einbaute.

Am 30. August 1836 erwarb der Regierungsrat Karl Friedrich Schaller aus Berlin das Kanthaus in einer Zwangsversteigerung für 130 Taler und verkaufte es schon am Tage darauf für 2900 Taler an den Zahnarzt Karl Gustav Doebbelin weiter. Dieser restaurierte das Haus und wandelte es zur Praxis um. Auch brachte er eine Gedenktafel aus dunkelgrauem Marmor an, deren Inschrift lautete: „Immanuel Kant / wohnte und lehrte hier / von 1783 bis 12. Febr. 1804“. Karl Rosenkranz, 1833 auf den Lehrstuhl für Philosophie nach Königsberg berufen und mit Friedrich Wilhelm Schubert Herausgeber von Kants WerkenKants sämmtliche Werke 12 Bde., Leipzig 1838–1842 waren die eifrigsten Verfechter für die Nutzung als Kantmuseum.

Auf der gegenüberliegenden Seite wurde von der Post das Langewangsche Gebäude erworben und 1849 die Hauptpost errichtet. 1881 verkauften Doebbelins Erben das mittlerweile durch mehrfache Umbauten im Innern veränderte und in eine Häuserzeile eingegliederte Haus, in welchem zuletzt Kaufläden mit Schaufenstern eingerichtet waren. Es wurde gegen den Einspruch der Gesellschaft der Freunde Kants 1893 abgerissen, um einen Erweiterungsbau des Waren- und Kaffeehauses der Firma Liedtke zu errichten.Die Firma Liedtke existiert noch heute "Ewald Liedtke in Sinsheim-Dühren Ewald Liedtke Fritz Gause kommentiert das Zerstörungswerk so:

Als 1931 die Konditorei GehlhaarDie Firma Gelhaar besteht noch in Wiesbaden: Werner Gehlhaar Marzipanfabrikation – Konditorei GmbH, Wiesbaden Gelhaar Marzipan ihr Unternehmen, welches durch den Weltversand des echten Königsberger Marzipans berühmt geworden ist, durch den Neubau in der Kantstraße erweiterte, richtete sie einen Orientalischen Kaffee-Salon auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein. Kurt Gehlhaar erkannte die Aufmerksamkeit, die durch Kant weltweit auf Königsberg gerichtet wurde. Geschäftssinnig verwies er sofort auf das Nachfolge-Haus von Kants Wohnhaus. Durch das Schiebefenster seines Cafés konnte man das auf der gegenüberliegenden Straßenseite 1924 angebrachte Schild lesen: „An dieser Stelle stand das Haus, in welchem Immanuel Kant 1783 bis 1804 lebte und lehrte.“

Kants Tagesablauf Im Alter legte sich Kant einen strikten Tagesablauf zu, um seine Kräfte einzuteilen und zu schonen. Dies dürfte in der Zeit gewesen sein, wo er sein Haus bezog. Für den jungen Kant galt dies nicht. Um 4 Uhr 45 weckte sein Diener Lampe ihn mit dem Stereotyp: „Es ist Zeit!“ Er hatte strikte Anweisung, auch dann auf das Aufstehen des Philosophen zu drängen, wenn dieser gerne weitergeschlafen hätte. Um Punkt 5 trank Kant zwei Tassen Tee und rauchte eine Pfeife Tabak und begann seine Vorlesungen vorzubereiten. Von 7 bis 9 Uhr morgens fanden seine Vorlesungen statt. Nachdem er sein eigenes Haus besaß im Hörsaal des Erdgeschosses. Von 9.00 bis 12.45 arbeitete Kant an seinen Veröffentlichungen. Um 12 Uhr 45 begann die Tischgesellschaft. Er erwartete sehnsüchtig seine Gäste und war über Unpünktlichkeit recht ungehalten. Es war dies die einzige volle Mahlzeit des ganzen Tages. Um 19 Uhr folgte dann sein Spaziergang. Davor und danach: der Abend – bis um 22 Uhr – war der Lektüre gewidmet. Ab 22 Uhr herrschte Bettruhe.Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe: 34 großen Philosophen in Alltag und Denken, München 2005, ISBN 3-423-30020-5, S. 214

Kants Tischgesellschaft mini|Folgende Königsberger Persönlichkeiten hat Emil Doerstling (von links nach rechts) in seinem Bildwerk festgehalten: Martin Lampe, Johann Konrad Jacoby, Immanuel Kant, Robert Motherby, Christian Jacob Kraus, Johann Georg Hamann, Theodor Gottlieb von Hippel d. Ä., Johann Georg Scheffner, Ludwig Ernst von Borowski, Karl Gottfried Hagen. So legendär wie die Tafelrunden Friedrich des Großen in Potsdam waren in Königsberg die Tischgesellschaften von Kant, zu der er in der Mittagszeit seine Freunde einlud.Ursula Pia Jauch: Friedrichs Tafelrunde und Kants Tischgesellschaft, ISBN 978-3-88221-589-2 In der Regel fanden sich die bestellten Gäste dazu kurz vor eins im Besucherzimmer oder in der Studierstube des Kanthauses ein. Pünktlich, mit dem Schlag eins der Glocke des Schlossturmes betrat der Diener Martin Lampe das Empfangszimmer und informierte die Gäste: „Die Suppe ist auf dem Tisch“. Für Kant war die Tischgesellschaft ein wichtiger Punkt in seinem Tagesablauf und nannte es selbst: „… dem Körper die Ehre geben.“

Das Mahl begann immer mit einer Suppe. Diese war meist mit mürbem Rindfleisch durchsetzt, wozu Kant immer selbst präparierten englischen Senf zu sich nahm.In England wurde Senf lange Zeit nicht als fertig gemischte Paste gekauft, sondern zu Hause aus Senfmehl und Wasser eigenständig angerührt. Für eine besonders intensive gelbe Farbe sorgte die Beigabe von Kurkuma. Nach etwa zehn Minuten Wartezeit entfaltet diese nach der so genannten Colman-Methode zubereitete Mischung ihr volles Aroma. Dann folge der Hauptgang. Zum Abschluss gab es nach Jahreszeit Obst oder leichtes Dessert. Auf einem kleinen Nebentisch befanden sich immer Butter und englischer Käse. So wie die Mahlzeit in drei Gängen eingenommen wurde, so war auch das Thema der Tischgespräche durch die Gänge vorgegeben.