mini|Abtei St-Génis-des-Fontaines, Hauptportal mit Türsturz mini|hochkant=1.4|Abtei St-Génis-des-Fontaines, Türsturz Die Abtei Saint-Génis-des-Fontaines (auf Katalanisch Monestir de Sant Genís de Fontanes) ist ein ehemaliges karolingisches Königskloster bzw. ab dem 11. Jahrhundert eine cluniazensische Benediktinerabtei in der gleichnamigen französischen Gemeinde Saint-Génis-des-Fontaines in der Region Okzitanien, im Département Pyrénées-Orientales und etwa 15 Kilometer südlich von Perpignan. Der Name Génis geht zurück auf den heiligen Genesius von Rom.

Die Abtei verdankt ihren hohen Bekanntheitsgrad vor allem der Skulptur des Türsturzes ihrer Abteikirche.

Geschichte Zwischen Ende des 8. und Anfang des 9. Jahrhunderts, beziehungsweise zwischen 778 (?) und 819, erbaute der lokale Abt Sentimir mit einigen Benediktinermönchen an einem Ort, der „Fontaines“ genannt wurde, am Fuß des Alberes-Massivs ein Kloster, wobei er sich auf eine königliche Urkunde berief. Er wird jedenfalls in einer Urkunde, datiert auf das Jahr 819, als dessen Gründer genannt. Diese Abtei erhielt von Ludwig dem Frommen (778-840), einem Sohn und Nachfolger Karls des Großen, das Immunitätsprivileg und das Recht, ihren Abt frei zu wählen.

mini|hochkant=0.5|links|Büste von Lothar

Am 9. Juli 981 verlieh König Lothar (941-986) der karolingischen Dynastie eine Urkunde, in der die Besitztümer der Abtei bestätigt wurden. Aus diesem Dokument geht auch hervor, dass das einst von „Heiden“, vielleicht von Normannen oder Sarazenen, zerstörte Kloster wiederaufgebaut worden ist, das heißt parallel zur Kirche von Abt Garin (Guarius) in Cuxa.

Unter dem Schutz der Grafen des Roussillon und später des Königs von Aragonien erlebte die Abtei in den folgenden Jahrhunderten einen bemerkenswerten Aufschwung. Im Jahr 1000 fand in der Abtei eine Synode statt. Die Benediktinerabtei Saint-Génis wurde im Jahr 1088 an die Mutterabtei Cluny angeschlossen, mini|Cluny, Rekonstruktion Im 12. Jahrhundert wurde die mittlere Chorapsis umgebaut und erhielt dabei eine neue Tonnenwölbung auf Gurtbögen. Der Umbau erstreckte sich auch auf die südliche Apsidiole, deren Eingang und Verbindung zur Chorapsis neu gestaltet wurden. Die ursprünglich mit Holzkonstruktionen überdeckten Schiffe des Lang- und Querhauses wurden erst Mitte des 12. Jahrhunderts steinern überwölbt. Dabei hat man das Langhausgewölbe mit drei Gurtbögen auf Pfeilervorlagen unterstützt, die untereinander mit Bögen verbunden wurden, um die Wände zu verstärken. Zu diesen Arbeiten zählt auch eine weitgehende Erneuerung der Fassade und des Portals. Diese umfangreichen Umbauarbeiten machten eine letzte feierliche Einweihung der Kirche notwendig, die für das Jahr 1153 dokumentiert ist.

Vermutlich erstreckte sich der ursprüngliche Kreuzgang unmittelbar nördlich des Langhauses der Kirche, bevor man ihn in einen Hof umänderte. Im 13. Jahrhundert erbaute man östlich davon einen neuen Kreuzgang, dessen Lage und Dimension mit dem heutigen weitgehend übereinstimmt. Nach einer erhalten gebliebenen Inschrift ist er im Jahr 1271 vollendet worden.

Im späten 15. Jahrhundert verlor die Klosteranlage allmählich an Bedeutung und wurde schließlich 1507 dem Kloster Montserrat angeschlossen. In diesem Jahr besuchte Papst Julius II. die Abtei von Saint-Génis, die damals bereits viele Mönche verloren hatte.

Zur Zeit der französischen Revolution im Jahr 1789 mussten die letzten Mönche das Kloster verlassen.

Die ursprüngliche Abteikirche wurde im Jahr 1846 zur Gemeindekirche Saint-Michel.

Der Kreuzgang des 13. Jahrhunderts ist bis 1913 weitgehend erhalten geblieben, obwohl er unter zwei bis drei Besitzern aufgeteilt war, die darin Wohnungen eingerichtet hatten und Landwirtschaft betrieben.Marcel Durliat: Romanisches Roussillon. Echter Verlag, S. 325–326

Schicksal des Kreuzgangs im 20. Jahrhundert Als Auftakt zur Auflösung und Zersplitterung des Kreuzgangs wurde 1913 das polygonale Brunnenbecken des Kreuzganghofs verkauft. Man fand ihn schließlich in dem Teil des Kreuzgangs von Saint-Michel de Cuxa wieder, der im Museum „The Cloisters“ in New-York wiederaufgebaut worden ist.

Doch der Hauptakt dieses Dramas spielte sich erst 1924 ab, als der Antiquitätenhändler Paul Gouvert den gesamten Kreuzgang kaufte, mit Ausnahme der Südostecke, deren zugemauerte Arkaturen das Wohnzimmer seines Eigentümers dekorierte, der sich allerdings dieser Zerstückelung des Kreuzgangs heftig widersetzte.

Gouvert hatte nur gekauft, um alles gewinnbringend weiterzuverkaufen. Es erscheint wie ein Wunder, dass sich unter seinen Händen die Skulpturen von Saint-Genis dermaßen vermehrten, dass er in der Lage war, zwei etwas kleinere Kreuzgänge zum Kauf anzubieten, während er gleichzeitig dem Louvre großzügig zwei Arkaden schenkte. Einer der Kreuzgänge wurde vom Philadelphia Museum of Art gekauft, das ihn in eine Art Patio verwandelte. Er umgab einen Garten, in dem das Brunnenbecken von Saint-Michel de Cuxa ausgestellt war. Dieser Kreuzgang schien vollständig zu sein, oder zumindest besaß er als einziger die vier Mittelpfeiler aller Galerien. Der zweite Kreuzgang wurde im Park des Schlosses Les Mesnuls in Montfort-l’Amaury in ein Quadrat von fünf Arkaden auf jeder Seite verwandelt, das heißt insgesamt zwanzig Arkaden mit vierundzwanzig Kapitellen. Als zusätzliche Bereicherung fügte man noch das Marmorportal von Notre-Dame del Vilar hinzu.

Was die Authentizität der Kapitelle und ihrer vier Säulen angeht, ergaben sich erhebliche Probleme. Eine fachkundige Kommission von Archäologen und Vertretern der Denkmalpflege hatte bestätigt, dass die Elemente von Mesnuls bis auf einige Ausnahmen die notwendigen Garantien boten. Es stellte sich das Problem der Rückkehr nach Saint-Genis. Der griechischen Besitzer von Mesnuls erklärten sich 1982 einverstanden, „ihren Kreuzgang“ an den Staat zu verkaufen. Daraufhin wurden Verträge zwischen dem französischen Staat, dem Département Pyrénées-Orientales und der Region Languedoc-Roussillon hinsichtlich der Demontage, des Transfers und des Wiederaufbaus an alter Stelle unterzeichnet. Während der Demontagearbeiten 1983 fand man zur Überraschung aller auf den Steinen Inschriften, die den Setzvermerken entsprachen. Sie bestätigten die Echtheit der einzelnen Teile und erleichterten den richtigen Wiederaufbau. Dieselben Vermerke tauchten 1984 auf den Arkaden im Louvre auf, die ihrerseits demontiert wurden, um an ihren angestammten Platz in Saint-Génis zurückzukehren. Man entschied sich, die im Besitz des Museums von Philadelphia befindlichen Mittelpfeiler durch Kopien zu ersetzen und den abgeflachten Bogen der westlichen Galerie zu rekonstruieren. Anfang 1986 waren zwei der vier Galerien wiederhergestellt. Der Fortgang der Arbeiten wurde aber damals gestoppt, da der Besitzer der südlichen Ecke des Kreuzgangs, der als einziger Teil an Ort und Stelle verblieben war, sich weigerte, die Örtlichkeit freizugeben.

Die Arbeitern der Umsiedlung konnten dann aber doch 1987 abgeschlossen werden. Einige fehlenden Elemente wurden durch neue aus gleichem Stein ersetzt. Die Restaurierung wurde 1994 abgeschlossen.Marcel Durliat: Romanisches Roussillon. Echter Verlag, S. 327

Bauwerke mini|hochkant=1.85|links|Abtei St-Génis-des-Fontaines, Grundriss, Handskizze

Abmessungen Ungefähre Maße aus Grundriss entnommen und hochgerechnet

Abteikirche Gesamtlänge außen: 32,00 m Querhauslänge außen: 35,55 m Langhauslänge innen: 17,00 m Hauptschiffbreite innen: 7,70 m Langhausbreite außen: 9,30 m Querschiffbreite innen: 3,85 m Chorbreite innen: 6,60 m Chortiefe: 7,70 m

Kreuzgang Länge × Breite außen: 22,15 × 21,70 m Kreuzganghof Länge × Breite: 12,67 × 12,60 m

Abteikirche Die ehemalige Abteikirche Saint Génis und heutige Gemeindekirche Saint-Michel ist relativ klein und lässt darauf schließen, dass die Mönchsgemeinschaft nicht besonders groß war. Das wird auch dadurch belegt, dass im Zuge der umfangreichen Renovierungsarbeiten um die Mitte des 12. Jahrhunderts auf Vergrößerungen der Kirche verzichtet wurde. Man scheint auch nicht an einer zusätzlichen Einnahme von Pilgerspenden interessiert gewesen zu sein, die zu dieser Zeit ihren Höhepunkt erreicht hatten.

Der Grundriss der Kirche erhebt sich über einem lateinischen Kreuz. Das Langhaus ist einschiffig und vierjochig. Die Querschiffarme ragen sehr weit über die Langhauswände hinaus. Der Grundriss des Chorraums besteht aus einem rechteckigen Chorjoch, das von einer halbkreisförmigen Apsis abgeschlossen wird. Das Chorjoch wird auf jeder Seite von einer Querhauskapelle flankiert, aus einem rechteckigen Abschnitt, der von einer halbrunden Apsidiole abgeschlossen wird. Die Grundmauern des Chorhauptes stammen noch vom Vorgängerbau von 981, der noch mit hölzernen Decken- und Dachkonstruktionen überdeckt war. Die steinernen Einwölbungen mit angespitzten Tonnen und halben Kuppelkalotten über den Apsiden und ihren Unterstützungen mit Gurtbögen auf Wandpfeilern oder Pilastern erhielten sie erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Letzte sind unter den Gewölbeansätzen mit Bögen miteinander verbunden, die die Wände aussteifen. Das Gewölbe des Hauptschiffs ist deutlich stärker angespitzt als die Gurtbögen.

Restaurierungsarbeiten gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts haben an einem Pilaster Reste von Malereien entdeckt, ein merkwürdiges, mit außerordentlicher Fantasie gemaltes Gorgonenhaupt.

Im Kirchenraum befinden sich mehrere barocke Altarretabel und ein hölzernes zentrales Altarbild aus dem 17. Jahrhundert.

Bis auf wenige Ausnahmen wird das Äußere der Kirche rundum von anderen unmittelbar angebauten Gebäuden und Gebäudeteilen verdeckt. Zu den Ausnahmen gehört die Fassade (siehe nächsten Abschnitt) und Teile des Chorhauptes, wie die Chorapsis und die Apsidiole der südlichen Querhauskapelle. Die Apsiden zeigen noch die ältesten Teile des Mauerwerks aus kleinformatigen oft kugelförmigen Feldsteinen im unregelmäßigen Mauerverband und zurückliegender Mörtelverfugung. In ihren Apsisscheiteln öffnet sich je ein kleines schlitzartiges, rundbogiges Fenster. Auf den Seiten des Chorjochs gibt es über den Dächern der Kapellen je ein kleines rundbogiges Fenster, die das Chorjoch belichten.

Das Hauptschiff ist mit einem flach geneigten Satteldach überdeckt und reicht von der Fassadenwand bis zur Westseite des Querhauses, wo es gegen den Glockenturm stößt. Die Querhausarme werden von gleich geneigten Pultdächern überdeckt, die geringfügig höher liegen als Satteldachflächen. Ihre Traufen befinden sich über den Giebelwänden der Querhausarme. Die Apsiden des Chors und der Kapellen sind ebenfalls mit solchen Pultdächern abgedeckt. Die Eindeckungen der Dachflächen der Kirche besteht aus roten Hohlziegeln im römischen Format, auch Mönch-Nonnen-Ziegel genannt.

Über der „Vierung“ ragt ein im Querschnitt fast quadratischer Glockenturm auf, aus einem unteren, deutlich höheren und einem oberen kürzeren Abschnitt. Die Geschosse werden jeweils oberseitig von einem weit ausladenden Kraggesims abgeschlossen. In beiden Geschossen sind auf jeder Turmseite zwei rundbogige Klangarkaden ausgespart, über denen jeweils mit etwas Abstand eine kreisrunde Wandnische eingelassen ist, mit einem Durchmesser, der etwas kleiner ist als die Öffnungsbreite. Lediglich in der Ostwand fehlen im unteren Geschoss die beiden Luken. Das zweite Geschoss wird oberseitig von „Zinnen“ bekrönt, auf jeder Seite drei Stück, deren Seiten in drei Stufen abgetreppt sind. Auf den Turmecken werden die Zinnen von runden Säulen überragt, die mit Helmen in Halbkugelform bedeckt sind.