mini|Gedenkplakette an der Universität Birmingham. Übersetzt: Otto FrischundRudolf Peierlszeigten die Machbarkeit eineraus der Luft abgeworfenenAtomwaffehier im Jahr 1940 Das Frisch-Peierls-Memorandum war eine von den Physikern Otto Frisch und Rudolf Peierls im März 1940 in Birmingham abgefasste Denkschrift über die Möglichkeit des Baus einer „Super-Bombe“ durch Ausnutzung der bei Kernspaltung freiwerdenden Energie. Frisch und Peierls, die beide vor dem nationalsozialistischen Regime ins Ausland geflohen waren, wurden bei der Abfassung ihrer Denkschrift wesentlich von der Sorge angetrieben, dass eine Nuklearwaffe in Nazi-Deutschland entwickelt werden könnte, und versuchten die britische Regierung zu warnen. Das Memorandum wird als wichtiger Schritt auf dem Weg zur ersten Atombombe angesehen. Frisch und Peierls gaben das Memorandum unter dem Siegel strenger Geheimhaltung an Mark Oliphant, der es wiederum an Henry Tizard, einen hohen Luftwaffenoffizier weiterleitete. Als Folge kam es zu ersten Aktivitäten in Großbritannien zur Erforschung und Konstruktion einer Atombombe, und die MAUD-Kommission wurde ins Leben gerufen.

Die Verfasser: Otto Frisch und Rudolf Peierls mini|Von links nach rechts: William Penney, Otto Frisch, Rudolf Peierls und John Cockcroft im Jahr 1946 Otto Frisch wurde 1904 in Wien geboren. Er entstammte einer sowohl musikalisch als auch naturwissenschaftlich begabten Familie und seine Tante war die Physikerin Lise Meitner. Er studierte an der Universität seiner Heimatstadt und arbeitete nach dem Abschluss des Studiums in verschiedenen wissenschaftlichen Instituten in Deutschland, zuletzt bis 1933 bei Otto Stern in Hamburg. Rudolf Peierls wurde 1907 in Berlin geboren, studierte an der Friedrich-Wilhelms-Universität und arbeitete danach an verschiedenen Universitäten über Probleme aus dem Bereich der Festkörperphysik. Sowohl Frisch als auch Peierls stammten aus jüdischen Elternhäusern und beiden wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 klar, dass sie an deutschen Universitäten keine Perspektiven als Wissenschaftler mehr haben würden. Peierls blieb zunächst in Cambridge, wo er als Rockefeller-Stipendiat arbeitete und wurde 1937 schließlich zum Professor für Physik an der Universität Birmingham ernannt. Frisch emigrierte 1933 von Hamburg nach London, wo er eine Anstellung am Birkbeck College fand und bei Patrick Maynard Stuart Blackett über Probleme aus dem Bereich Radioaktivität arbeitete. Von 1934 bis 1939 beschäftigte sich Frisch am Institut von Niels Bohr in Kopenhagen mit kernphysikalischen Fragestellungen.

Otto Frisch und Lise Meitner mini|hochkant|Lise Meitner und Otto Hahn in Berlin (um 1925). Seit vielen Jahren arbeitete Lise Meitner als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Otto Hahn am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie und hatte entscheidenden Anteil an den Forschungsergebnissen von Otto Hahn. Obwohl sie jüdischer Abstammung war, konnte sie auch nach 1933 zunächst einigermaßen unbehelligt weiter arbeiten, da sie die österreichische Staatsbürgerschaft besaß und somit als Ausländerin galt und nicht unter die Bestimmungen der antisemitischen Gesetzgebung fiel. Diese Situation änderte sich jedoch 1938 nach dem Anschluss Österreichs schlagartig und Meitner sah sich gezwungen, nach Schweden zu emigrieren. An Weihnachten 1938 besuchte ihr Neffe Otto Frisch seine Tante in ihrem Wohnort Kungälv in Schweden. Dort erzählte Meitner von den neuesten Ergebnissen Hahns in Berlin, mit dem sie immer noch in reger Korrespondenz stand. Otto Hahn und Fritz Straßmann hatten beim Beschuss von Uran mit Neutronen anschließend das Element Barium gefunden, konnten dieses Ergebnis jedoch zunächst nicht interpretieren. In ihren Diskussionen in Kungälv kamen Frisch und Meitner zu der Hypothese, dass durch den Neutronenbeschuss eine Kernspaltung des Urans erfolgt sein müsse. Nachdem er nach Kopenhagen zurückgekehrt war, machte sich Frisch sofort daran, die Experimente von Hahn zu verifizieren. Frisch und Meitner berechneten, dass bei der Kernspaltung eine ungeheure Menge an Energie bezogen auf die eingesetzte Masse frei wurde, und publizierten ihre Ergebnisse 1939L. Meitner, O. R. Frisch: Products of the Fission of the Uranium Nucleus. In: Nature. 143, 18. März 1939, S. 471–472, doi:10.1038/143471a0 (Abstract) einige Monate nach der Veröffentlichung von Hahn und Straßmann.O. Hahn, F. Strassmann: Über den Nachweis und das Verhalten der bei der Bestrahlung des Urans mittels Neutronen entstehenden Erdalkalimetalle. In: Naturwissenschaften. Band 27, Nummer 1, Januar 1939. doi:10.1007/BF01488241

Zustandekommen des Memorandums Im Sommer 1939 reiste Frisch von Kopenhagen nach Birmingham. Die Reise war nur als kurzer Besuch geplant gewesen, jedoch wurde Frisch in England vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überrascht, so dass er nicht mehr nach Dänemark zurückkehren konnte. Durch die Umstände dazu genötigt, sah er sich nach Arbeitsmöglichkeiten in England um und fand eine Beschäftigung bei Rudolf Peierls, der sich als deutscher Emigrant schon seit einiger Zeit in England und Birmingham etabliert hatte. Beide, Peierls und Frisch, waren aufs höchste besorgt über die militärischen Erfolge Nazideutschlands auf dem europäischen Kontinent und kannten zugleich das hohe Niveau der deutschen Kernforschung und theoretischen Physik aus eigener Anschauung. Sie befürchteten, dass die Nazis sich das Potenzial der modernen Kernspaltung zunutze machen würden und dass damit in den Händen Hitlers eine „Super-Bombe“ entstehen könnte. Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, verfassten sie im März 1940 das später nach ihnen benannte Memorandum.

Der Inhalt des Memorandums Die Schrift, die als strictly confidential (streng geheim) gekennzeichnet war, bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil werden allgemeine Überlegungen über die Möglichkeit und technische Realisierung einer Uranbombe angestellt. Im zweiten Teil folgen ausführliche physikalische Berechnungen um die zuerst aufgestellten Überlegungen zu untermauern.

Auswirkungen einer Atombombenexplosion

Im ersten Teil werden in erstaunlicher visionärer Klarheit die Folgen einer Atombombenexplosion beschrieben:

Die Folgen des radioaktiven Niederschlags (fallout) und der radioaktiven Kontamination der Umgebung werden ebenfalls klar erkannt und beschrieben:

Gefahr einer deutschen Atombombe Im Weiteren wird die Möglichkeit, dass Deutschland eine solche Waffe entwickeln könnte, diskutiert:

Die technische Machbarkeit einer Uran-Bombe Im nächsten Abschnitt wird auf mögliche technische Probleme bei der Konstruktion eingegangen:

Tatsächliche Aktivitäten Deutschlands

Siehe auch Leó Szilárd Manhattan-Projekt

Literatur Philip L. Cantelon, Richard G. Hewlett, Robert C. Williams: The American Atom - A Documentary History of Nuclear Policies from the Discovery of Fission to the Present. 2. Auflage. University of Philadelphia Press. Philadelphia, PA, 1991, ISBN 0-8122-1354-8. Robert Jungk: Heller als Tausend Sonnen - Das Schicksal der Atomforscher. Heyne Taschenbuch Verlag, 1990, ISBN 3-453-04019-8. Robert Serber The Los Alamos Primer. University of California Press 1992. (Memoranden abgedruckt im Anhang)

Weblinks

The Frisch-Peierls Memorandum (pdf), in: Robert Serber The Los Alamos Primer, University of California Press, 1992, S. 79–88. The Frisch-Peierls Memorandum and the Bomb, BBC Two Midlands (YouTube-Video, englisch) Frisch und Peierls zweites Memorandum

Einzelnachweise

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