Neuenkirchen-Vörden ist eine Gemeinde im Landkreis Vechta in Niedersachsen und liegt im Oldenburger Münsterland.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt an den Südwestausläufern der Dammer Berge. Westlich von Neuenkirchen findet sich die Ankumer Höhe mit dem Alfsee. Östlich von Vörden liegt das Große Moor, jenseits davon der Dümmer.
mini|ohne|hochkant=2.2|Blick auf den Niedersachsenpark vom Aussichtspunkt Dreesberg
Gemeindegliederung Ortsteil Flächeneuenkirchen-voerden.de Angaben zur Fläche auf der Homepage der Gemeinde Neuenkirchen 5,37 km² Bieste 6,72 km² Nellinghof 10,23 km² Grapperhausen 9,58 km² Wenstrup 7,00 km² Vörden 14,71 km² Hinnenkamp 11,58 km² Campemoor 15,95 km² Hörsten 9,70 km² Gesamt 90,84 km²
Nachbarorte Neuenkirchen-Vörden grenzt im Uhrzeigersinn von Norden an die Gemeinde Holdorf und die Stadt Damme im Landkreis Vechta sowie an die Gemeinden Bohmte, Ostercappeln, die Stadt Bramsche, und die Gemeinden Rieste und Gehrde im Landkreis Osnabrück.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Neuenkirchen-Vörden gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Das wichtigste Fließgewässer im Gemeindegebiet ist der Möllwiesenbach. Er entspringt im Ortsteil Grapperhausen, durchfließt das Gemeindegebiet, nimmt unter anderem den Heller Binnenbach auf und mündet schließlich in den Hase-Seitenkanal Wrau. Weitere kleinere Fließgewässer sind die Flöte und die Rote Riede.
Zu den stehenden Gewässern zählen der Mammutsee, ein etwa 4,2 Hektar großer Baggersee mit einer maximalen Tiefe von rund 7,5 Meter, sowie der Schwanenteich im Ortsteil Wahlde.
Die Vördener Aue ist behördlich als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen und dient dem natürlichen Hochwasserrückhalt. Veränderungen an den Fließgewässern sowie hohe Abflussmengen erhöhen hier jedoch das Überflutungsrisiko.
Das Campemoor ist ein etwa 40 Quadratkilometer großes Hochmoorgebiet und zählt zu den bedeutenden Moorflächen der Gemeinde. Nach früherem Torfabbau wird das Gebiet heute teilweise wiedervernässt und renaturiert. Ein rund 1,3 Kilometer langer Moorerlebnispfad informiert über Entstehung, Nutzungsgeschichte und ökologische Bedeutung des Moores sowie über typische Tier- und Pflanzenarten wie Wollgras, Sonnentau, Moorfrosch und Moorbläuling.
Das sechs Hektar große Naturschutzgebiet „Neuenkirchener Moor“ (NSG WE 057) stellt einen Rest des ehemals weit verbreiteten Heumoores dar, das heute weitgehend aus der Landschaft verschwunden ist. Die Vegetation wird vor allem von Weiden und Faulbäumen geprägt; daneben kommen Birken und Erlen vor. In den feuchten Bereichen wachsen seltene Seggenarten sowie Fieberklee.
Der Naturbereich rund um den Schwanenteich bietet einen Einblick in die lokale Feucht- und Gewässerlandschaft. Lehr- und Informationstafeln sowie ein Erlebnissteg erschließen das Gebiet für Besucher.
Zunehmende Starkregenereignisse führen insbesondere in den festgesetzten Überschwemmungsgebieten entlang kleiner Fließgewässer wie Flöte und Roter Riede zu lokalen Überflutungen. Gleichzeitig verringern begradigte und entwässerte Bäche im Hase-Einzugsgebiet den natürlichen Wasserrückhalt und beeinträchtigen ökologische Funktionen.landkreis-vechta.de
Die intensive landwirtschaftliche Nutzung hat lokal zu erhöhten Nitrat- und Nährstoffkonzentrationen im Grundwasser geführt. Da die Trinkwasserversorgung der Gemeinde überwiegend auf Grundwasser basiert, kommt dessen Schutz eine besondere Bedeutung zu. Empfindliche Ökosysteme wie Moore und Niederungsgebiete sind zudem durch Entwässerung und Nährstoffeinträge gefährdet. Häufigere Extremwetterereignisse sowie längere Trockenperioden stellen darüber hinaus eine zunehmende Belastung für den Wasserhaushalt dar.wasserblick.net
Die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden setzt verschiedene Maßnahmen zur Bewältigung ökologischer und hydrologischer Herausforderungen um. Dazu zählen Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Vördener Aue und weiterer Gewässer, etwa durch mobile Schutzsysteme und Sandsackverbau bei Starkregenereignissen. Ergänzend werden naturnahe Gewässerentwicklungsmaßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts und zur ökologischen Aufwertung durchgeführt.
Ein zentraler Schwerpunkt des Naturschutzes ist das Naturschutzgebiet „Neuenkirchener Moor“, das durch Wiedervernässung und Pflege langfristig gesichert wird. Weitere renaturierte Feuchtbiotope, darunter der Schwanenteich in Wahlde, tragen zur Förderung der Biodiversität bei.
Im Rahmen der Bauleitplanung werden ökologische Ausgleichsflächen geschaffen, unter anderem im Ortsteil Hinnenkamp. Zudem fördert die Gemeinde Regenwasserzisternen zur Entlastung der Kanalisation und zum Trinkwassersparen. Die Grundwasserqualität wird regelmäßig überwacht. Umweltbildungsangebote und Bürgerprojekte ergänzen die kommunalen Maßnahmen.
Untergrundverhältnisse Die Geologie von Neuenkirchen-Vörden ist wesentlich durch die Ablagerungen der Eiszeiten geprägt. Ein markantes geomorphologisches Element stellen die Dammer Berge dar, ein Höhenzug aus Stauchendmoränen der Saale-Kaltzeit. Sie bestehen überwiegend aus sandig-kiesigen Schottern mit tonigen Anteilen. Der Untergrund des Gemeindegebiets wird größtenteils von Lockergesteinen wie Sand, Kies und Ton aufgebaut, deren Mächtigkeit und Zusammensetzung regional stark variieren. Diese glazialen Sedimente beeinflussen maßgeblich die Grundwasserneubildung sowie die Ausbildung und den Verlauf der Oberflächengewässer.
Östlich des Ortsgebiets schließen sich Moor- und Torfflächen an, darunter das Campemoor, in dem stellenweise Torfabbau betrieben wird. Unter den quartären Ablagerungen folgen ältere, teils tertiäre und mesozoische Gesteinsschichten, die tief überdeckt liegen und bislang nur in begrenztem Umfang untersucht wurden.
Die überwiegend sandig-kiesigen Böden weisen eine hohe Durchlässigkeit und gute Wasserspeicherfähigkeit auf, wodurch günstige Bedingungen für die Grundwasserneubildung bestehen. Das Grundwasser wird vor allem zur Trinkwasserversorgung genutzt. Die Grundwasserleiter befinden sich zumeist in Tiefen von etwa 10 bis 50 Metern unter der Geländeoberkante (GOK). In tiefer eingeschnittenen glazialen Rinnen können grundwasserführende Schichten auch Tiefen von bis zu etwa 100 Metern GOK erreichen.umweltportal.schleswig-holstein.de.
Im östlichen Bereich des Gemeindegebietes Neuenkirchen-Vörden befindet sich das ausgewiesene Wasserschutzgebiet "Vörden" (Kennung 03460007101), welches ein Fläche von etwa 5 km² umfasst.
Klima In Neuenkirchen-Vörden herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.
2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.
Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.
Im Zeitraum 2012–2021 betrug die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 738 mm.
Geschichte Das Gebiet der heutigen Gemeinde Neuenkirchen-Vörden war im Mittelalter und der Renaissance Zankapfel zahlreicher Streitigkeiten zwischen den Hochstiften Osnabrück und Münster. Eine Festlegung der Grenze zwischen Neuenkirchen und Vörden, die bis zur Gemeindereform 1974 Bestand hatte, wurden zwischen dem Königreich Hannover und dem Großherzogtum Oldenburg im Zuge der Festlegung der gemeinsamen Grenze zwischen beiden Fürstentümern am 4. Februar 1817 vorgenommen.
Geschichte Neuenkirchens Neuenkirchen wurde vermutlich im 11. Jahrhundert gegründet. Das Kirchspiel Neuenkirchen soll 1159 als Tochterpfarre des Kirchspiels Damme errichtet worden sein. Die Pfarre Neuenkirchen wurde erstmals 1221 beurkundet. Bis 1391 gehörte Vörden zum Kirchspiel Neuenkirchen. In diesem Jahr wurde der Ort abgepfarrt.Neuenkirchen (Oldenburg). genealogy.net
Obwohl die Gegenreformation im 17. Jahrhundert im Niederstift Münster im Allgemeinen erfolgreich war (mit der Folge, dass alle nicht-adeligen Untertanen des Fürstbischofs und viele Adelige katholisch wurden), konnte in Neuenkirchen auch im 17. Jahrhundert und in den folgenden Jahrhunderten bis heute eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde ihr Fortbestehen sichern. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden drei katholische Pfarrer aus Neuenkirchen vertrieben. 1651 errichteten Jesuiten in Neuenkirchen ein Simultaneum, das eine gemeinsame Nutzung der Pfarrkirche durch Katholiken und Protestanten vorsah.
Als Simultankirche wurde das Neuenkirchener Gotteshaus bis 1889 genutzt. 1902 wurde es abgerissen; die evangelische Kirchengemeinde erhielt mit der Apostelkirche, die katholische Kirchengemeinde mit der Bonifatiuskirche jeweils einen neuen Kirchbau.St. Viktor Damme: St. Bonifatius in Neuenkirchen – Bau- und Kirchengeschichte
Auf Beschluss des Wiener Kongresses wurde Neuenkirchen 1815 Teil des Großherzogtums Oldenburg, das 1918 in das Land Oldenburg überging, welches bis 1946 Bestand hatte. Gemeinsam mit dem Land Hannover, dem Vörden damals angehörte, fusionierte das Land Oldenburg 1946 zu dem neuen Land Niedersachsen.
Geschichte Vördens mini|Nordwestseite der Graft beim Burgstall mini|hochkant|Weg im Park auf dem Burgstall Ansiedlungen in Hinnenkamp und Hörsten gab es bereits zur Sachsenzeit. Die Dörfer gehörte zum sächsischen Dersagau. Aus dem Jahr 785 berichtet eine Aufzeichnung über einen Heerzug Karls des Großen in dem Gebiet, der zu erheblichen Verwüstungen geführt haben soll. Die erste urkundliche Erwähnung Vördens datiert auf das Jahr 1341. In Vörden wurde im 14. Jahrhundert die Burg Vörden des Bistums Osnabrück errichtet.St. Paulus – Vörden. kirche-am-weg.net Von dieser existieren heute nur noch der von einer Graft umschlossene Burgstall. Zu diesem zählen ein kleiner Park, die Kirche St. Paulus Apostel, das Niels-Stensen-Haus sowie das ehemalige Amtshaus.
Ab 1643 residierte in Vörden für sieben Jahre der uneheliche Sohn des Schwedenkönigs Gustav Adolf, Gustav Gustavson, auf Schloss Vörden, bevor er in seine neuangelegte Residenz ins Amt Wildeshausen umzog und dort 1654 verstarb. Vom damals evangelischen Vörden aus verhandelte er im Westfälischen Frieden (1648), den er schloss, zu Osnabrück und Münster mit der spanischen Partei. Der Graf von Wasaburg, wie sich Gustav Gustavson seit 1637 nannte, ist die bedeutendste Persönlichkeit der Ortsgeschichte. Kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (ab 1651) wurde, wie in Neuenkirchen, die Pfarrkirche (in Vörden St. Christophorus genannt) als Simultankirche sowohl von den Protestanten als auch den Katholiken im Ort genutzt. Das änderte sich erst durch einen Kirchenbrand 1842, der den Bau vollständig zerstörte. Danach erbaute jede Konfession eine eigene Kirche.
Vörden war der Sitz eines Amtes im Hochstift Osnabrück. Nach dessen Untergang wurde der Amtssitz 1819 nach Malgarten verlegt. Im Gegenzug wurde Vörden 1820 (bis 1854) Sitz der Hannoverschen Forstinspektion. Der Ort gehörte im 19. Jahrhundert zum Königreich Hannover und von 1866 bis zum 23. August 1946 zu Preußen. Nach der Zerschlagung Preußens im August 1946 war Vörden bis zum 31. Oktober 1946 Teil des Landes Hannover. Seit dem 1. November 1946 gehört es zum Land Niedersachsen.