Der Artikel Hydrographie der Schweiz stellt das Vorkommen, den Haushalt, die Erscheinungsformen und die Nutzung des Wassers in der Schweiz dar. mini|hochkant=3|Karte der Schweiz mit den grössten Flüssen, Seen, sowie Kantonen und ihren Hauptorten

Hydrographische Gliederung mini|Europäische Flusseinzugsgebiete in der Schweiz:

Die Schweiz hat Anteil an fünf Gewässersystemen Europas: dem System des Rheins, der in die Nordsee und damit in den Atlantik entwässert, dem System der Rhone, die am Golfe du Lion ins westliche Mittelmeer mündet, dem System des Pos, der in die Adria (östliches Mittelmeer) fliesst, dem System der Etsch, die in die Adria fliesst. dem System der Donau, die ins Schwarze Meer mündet.

Entsprechend verlaufen durch die Schweiz mehrere europäische Hauptwasserscheiden: Sie trennen die Einzugsgebiete von Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer. Eine dreifache Hauptwasserscheide findet sich auf dem Lunghinpass in Graubünden, dem einzigen Kanton, welcher mehr als zwei – und zwar gleich vier – kontinentale Einzugsgebiete umfasst. Eine detaillierte hydrogeographische Gliederung der Schweiz findet sich im Hydrologischen Atlas der Schweiz (HADES).

Fliessgewässer mini|Dreifachwasserscheide am Lunghinpass

Aufgrund ihrer Topographie und der hohen Niederschlagsmenge von 1431 mm/a (Mittel der Periode 1901–2000) weist die Schweiz ein weit verästeltes Netz von Bächen und Flüssen mit einer Gesamtlänge von rund 65'000 Kilometern auf (gemäss Landeskarte 1:25'000). Viele bedeutsame Flüsse entspringen dabei dem Gotthardmassiv, so der Rhein, die Rhone, die Reuss und der Ticino. Innerhalb der Schweiz hat der Rhein mit 376 km den längsten Lauf, es folgen der Rhein-Zubringer Aare mit 288 km und die Rhone mit einer Länge von 266 km.

Besonders der Rhein (mit dem Nebenfluss Aare) und die Rhone, die zu den längsten Flüssen Europas gehören, prägen die Schweiz. Die Idee, mittels eines transhelvetischen Kanals zwischen Rhein und Rhone die Nordsee und das Mittelmeer mit einer Wasserstrasse zu verbinden, wurde allerdings nie verwirklicht.

Rhein mini|Vorderrheinschlucht durch den Flimser Bergsturz mini|links|Rheinfall bei Schaffhausen mini|Rhein in Basel

Der Rhein durchfliesst auf einer Länge von 376 km die Schweiz und ist damit der längste Fluss des Landes. Mit allen Nebenflüssen hat er ein Einzugsgebiet von rund 36'500 km². Das Quellgebiet des Rheins ist umfangreich und bedeckt weite Teile Graubündens. Er hat mehrere, vom Abfluss vergleichbare Oberläufe am Vorderrhein und am Hinterrhein mit Albula, Landwasser und Julia. Als Rheinquelle wird traditionell der Tomasee genannt, zudem existieren einige mündungsfernere Quellpunkte. Mündungsfernster Quellfluss ist demnach der Rein da Medel, (Details siehe Rheinquelle).

Vorder- und Hinterrhein vereinigen sich bei Reichenau GR zum Rhein, der wenig später Chur, den Hauptort des Kantons Graubünden passiert. Später grenzt er das Fürstentum Liechtenstein und das österreichische Bundesland Vorarlberg von der Schweiz ab, um dann in den Bodensee zu münden. Bewohner ausserhalb dieser Regionen pflegen den Abschnitt zwischen Rheinquelle und Bodensee Alpenrhein zu nennen.

Bei Konstanz verlässt der Rhein den Bodensee in westlicher Richtung als Seerhein und bildet damit streckenweise eine natürliche Grenze zu Deutschland. Nachdem er den Untersee durchströmt hat, verlässt er ihn bei Stein am Rhein als Hochrhein, welcher wiederum auf weiten Strecken die Grenze zu Deutschland zieht. Unmittelbar südlich von Schaffhausen, zwischen Neuhausen am Rheinfall und Laufen ZH, befindet sich der grösste Wasserfall Mitteleuropas, der Rheinfall.

Bei Koblenz strömen der Rhein und die deutlich wasserreichere und bis dahin fast ebenso lange Aare zusammen, die Wasserführung des Rheins vergrössert sich damit um mehr als das Doppelte. Im weiteren Verlauf durchquert der Strom die Stadt Basel, wird zum Oberrhein und verlässt die Schweiz daraufhin in Richtung Norden, bis er schliesslich im Rhein-Maas-Delta in die Nordsee mündet.

Aare mini|links|hochkant|Aareschlucht mini|Aare bei Bern

Die Aare ist der wichtigste Nebenfluss des Rheins, sie hat eine Länge von 288 km und ein Einzugsgebiet von rund 17'800 km². Sie ist damit der längste auf Schweizer Territorium beschränkte Fluss. Zudem ist sie auch der wasserreichste – beim Zusammenfluss mit dem Rhein führt sie im langjährigen Mittel 25 % mehr Wasser als der Rhein. Da der Rhein aber historisch die wichtigere Verbindung ist, behält er seinen Namen.

Die Aare entspringt im westlichen Gotthardmassiv im Berner Oberland und zwängt sich zwischen Innertkirchen und Meiringen durch die Aareschlucht nordwärts. Einige Kilometer weiter fliesst sie zunächst in den Brienzer- und dann in den Thunersee. Danach windet sie sich in zwei Schleifen durch die Bundesstadt Bern, um anschliessend zum Wohlensee gestaut zu werden. Bei Aarberg fliesst die Aare seit 1878 wegen der Juragewässerkorrektion in nordöstlicher Richtung durch den Hagneckkanal in den Bielersee. Diesen verlässt sie in östlicher Richtung dem Jura-Südbogen entlang durch den Nidau-Büren-Kanal Richtung Solothurn und Olten, um sich bei Brugg im Wasserschloss der Schweiz mit der Reuss und der Limmat zu vereinen. Nun nach Norden fliessend, trifft die Aare nach wenigen Kilometern auf den Rhein.

Zihl Die Zihl entsteht aus dem Zusammenfluss der Orbe und des Talent im Kanton Waadt. Seit der Juragewässerkorrektion fliesst sie durch den Zihlkanal aus dem Neuenburgersee in den Bielersee.

Broye Die Broye ist ein 72 km langer Fluss im Westschweizer Mittelland. Zwischen dem Murten- und dem Neuenburgersee fliesst der Fluss seit der Juragewässerkorrektion durch den Broyekanal.

Saane mini|Saane in Fribourg mini|Thur im Toggenburg Die Saane (frz. «Sarine»; 126 km; 1900 km²) entspringt bei Gsteig im westlichen Berner Oberland. Sie fliesst zuerst westwärts durch das waadtländische Pays-d’Enhaut, anschliessend nach Norden, wo sie das Greyerzerland – unter anderem mit dem Greyerzersee – prägt. Die Saane ist der Hauptfluss des Kantons Freiburg, häufig bildet sie zugleich auch die Sprachgrenze. Nachdem die Saane Fribourg und den Schiffenensee durchflossen hat, fliesst sie bei Aarberg in die Aare.

Reuss Die Reuss (158 km; 3400 km²) ist der prägende Fluss der Zentralschweiz. Sie fliesst vom Gotthard kommend stetig nach Norden und formt dabei das Urnertal, durch welches die transeuropäische Gotthardroute führt. Anschliessend mündet die Reuss in den Vierwaldstättersee, den sie bei Luzern verlässt, um schliesslich bei Brugg in die Aare zu fliessen.

Linth/Limmat In den Glarner Alpen, in der Nähe des Tödi, entspringt die Linth (140 km; 2400 km²), welche gegen Nordosten die Voralpen durchquert und seit der grossen Gewässerkorrektion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Escherkanal in den Walensee fliesst. Vom Walensee fliesst die kanalisierte Linth durch den Linthkanal in den Zürichsee, passiert als Limmat die Stadt Zürich und strebt gegen Nordwesten in Richtung Aare zum Wasserschloss bei Brugg.

Kander Die Kander ist ein Fluss im Berner Oberland und 46 km lang. Seit der Kanderkorrektion (auch Kanderdurchstich genannt) Anfang des 18. Jahrhunderts fliesst sie in den Thunersee und nicht wie vor der Korrektion unterhalb des Thunersees in die Aare. Die Kanderkorrektion war die erste grössere Gewässerkorrektion in der Schweiz.

Thur Nordöstlich des Walensees entspringt mit der Thur (135 km; 1700 km²) der grösste Fluss der Ostschweiz. Sie prägt vor allem das Toggenburg, den Kanton Thurgau und Teile des Zürcher Hinterlandes. Die Thur fliesst kurz nach dem Rheinfall in den Rhein.

Birs Bei Basel fliesst die Birs (76 km; 900 km²) in den Rhein. Diese entspringt im Berner Jura, durchfliesst den jurassischen Hauptort Delsberg und hat innerhalb des Juragebirges mehrere Klusen und ein markantes Tal (Laufental) geschaffen.

Rhone mini|Mündung der Rhone in den Genfersee mini|Blick auf das Quellgebiet des Inns mit Silser- und Silvaplanersee mini|Der Doubs bei Soubey Die Rhone (dt. «Rotten»; 266 km; 10'400 km²) entspringt auf der westlichen Seite des Gotthardmassivs (Rhonegletscher) und fliesst durch den Kanton Wallis im markanten Rhonetal westwärts. Bei Martigny ändert die Rhone ihre Richtung nach Norden und fliesst in den Genfersee. Am westlichen Seeende fliesst sie durch die Stadt Genf, verlässt kurz darauf die Schweiz und mündet schliesslich ins Mittelmeer.

Ticino Der Namensgeber des Kantons Tessin, der Ticino (dt. «Tessin», 91 km, 1600 km²), entspringt dem südlichen Gotthardmassiv. Er fliesst gegen Süden durch den nördlichen und mittleren Teil des Kantons (Sopraceneri) und vereinigt sich mit der aus dem bündnerischen Misox kommenden Moesa. Seit den Gewässerkorrektionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts fliesst der Ticino, der vorher in unzähligen Mäandern die gesamte Talbreite der Magadinoebene ausnutzte, in einem 60 m breiten, gerade gezogenen Kanal Richtung Lago Maggiore. Hochwasserdämme beiderseits der Ufer verhindern, dass der Fluss über die Ufer tritt. Nach dem Lago Maggiore verlässt der Fluss die Schweiz. In den Lago Maggiore fliessen ausserdem auch der zweite bedeutende Fluss des Tessins, die Maggia, sowie die Tresa, die als Abfluss des Luganersees grosse Teile des Sottoceneris entwässert. Der Ticino fliesst schliesslich im Süden aus dem Lago Maggiore und mündet in den Po, welcher wiederum in die Adria fliesst.

Inn Der Inn (106 km; 2150 km²) entspringt bei Maloja im Engadin. Er fliesst durch Silser- und Silvaplanersee in Richtung Nordosten, verlässt die Schweiz bei Vinadi und mündet im bayerischen Passau in die Donau, welche ins Schwarze Meer fliesst.

Entwässerungen neben Rhein, Rhone, Ticino und Inn Rhein, Rhone, Ticino und Inn entwässern nahezu die ganze Schweiz. Einige kleinere Gebiete werden über andere Flüsse entwässert: Im Nordwesten etwa die Umgebungen von La Chaux-de-Fonds und Saint-Ursanne sowie die Ajoie durch den Doubs (Richtung Rhone und Mittelmeer); im Südosten das Münstertal (durch den Rambach und Etsch in die Adria); die Bündner Südtäler Puschlav (durch Poschiavino) und Bergell (durch Mera); im Tessin die südlichen und östlichen Teile des Mendrisiottos (durch Breggia und Comersee bzw. durch Gaggiolo und Olona in die Adda) sowie das Zwischbergental südlich des Simplonpasses (durch das Grosse Wasser).

Flüsse mit Quelle ausserhalb der Schweiz Ausser einem Quellfluss des Rheins (Lago di Lei) entspringt keines der grossen Schweizer Fliessgewässer im Ausland. Kleinere Flüsse mit Quelle im Ausland sind der Doubs, die Orbe, Arve, Wiese, Melezza, der Spöl, die Biber, der Faloppia und Isorno. Dazu kommen alle Flüsse aus Liechtenstein, Österreich und Deutschland, welche vor Basel in den Rhein münden.

Gewässerkorrektionen Zum Schutz vor Hochwasser wurden seit Anfang des 18. Jahrhunderts zahlreiche Gewässerkorrektionen vorgenommen, so z. B. die Juragewässerkorrektion, die Linthkorrektion und die Kanderkorrektion.

Grössere Flusskorrektionen