mini|Kirchzarten vom Giersberg gesehen mini|Luftbild von Kirchzarten Kirchzarten ist eine Gemeinde und ein gleichnamiges Dorf im Südschwarzwald im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland) mit über 10.000 Einwohnern.
Geographie Geographische Lage Die im Verdichtungsraum Freiburg im Breisgau zentral in der Talebene des Dreisamtals gelegene Gemeinde befindet sich im Naturpark Südschwarzwald. Sie grenzt östlich an die Gemeinde Freiburg. Ihr Kernort wird vom Zastler Bach (anschließend Krummbach genannt) durchflossen und südwestlich von der ebenfalls zur Dreisam fließenden Brugga passiert.
Gemeindegliederung Zu Kirchzarten mit den bis in die 1970er Jahre selbstständigen Gemeinden Burg und Zarten gehören 23 Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser. Zur ehemaligen Gemeinde Burg gehören die Weiler Burg und Brand, die Zinken Himmelreich und Höfen, Haus und Gehöft Rainhof, die Höfe Erlenhof und Zähringerhof und der Wohnplatz Untere Blechschmiede. Zur Gemeinde Kirchzarten in den Grenzen von 1973 gehören die Dörfer Kirchzarten und Dietenbach, die Zinken Am Bach, Fischbach, Geroldstal, Oberneuhäuser, Schlempenfeld und Unterneuhäuser, die Höfe Birkenreute und Brühlhof und die Wohnplätze Bruckmühle und Giersberg. Zur ehemaligen Gemeinde Zarten gehören das Dorf Zarten, das Gehöft Breitehof und der Wohnplatz Am Hohrain. Im Gemeindeteil Kirchzarten liegt die abgegangene Ortschaft Mettenzarten.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 107–110
Nachbargemeinden Die Gemeinde liegt zwischen den Gemeinden Stegen im Norden, Buchenbach im Osten und Oberried im Süden, mit denen eine Verwaltungsgemeinschaft besteht; im Westen grenzt es an Freiburg im Breisgau.
Klima Klimadaten für Kirchzarten
Geschichte Ortsgeschichte In der Keltenzeit entstand im Dreieck zwischen Wagensteigbach und Rotbach ein circa 200 ha großes keltisches Oppidum, das vom antiken Geographen Ptolemaios im 2. Jahrhundert als Tarodunum erwähnt wird. Dieser Name für die Siedlungen des Dreisamtales erhält sich auch über die alemannische Landnahme nach 260 hinaus, Indiz für eine kontinuierliche Siedlungsgeschichte. Nichtsdestotrotz konnten archäologische Grabungen lediglich einen Keller und einen hypokaustierten Raum aus der Römerzeit nachweisen. Vermutlich bildeten die Gebäude Reste einer römischen Straßenstation. Der keltische Name Tarodunon (lat. Tarodunum) wird – nach der im 7. Jahrhundert erfolgten (alt)hochdeutschen Lautverschiebung von t zu z – als Zarduna 765 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erstmals wieder erwähnt, doch liegen die mittelalterlichen Orte Zarten und Kirchzarten nicht mehr auf dem Gelände des keltischen Oppidums. Die Ersterwähnung erfolgte 816. Im Hochmittelalter kam Kirchzarten unter die Herrschaft der Herren zu Falkenstein. Um 1500 erwarb die damals vorderösterreichische Stadt Freiburg im Breisgau die Herrschaft über Kirchzarten. Nach dem Frieden von Nimwegen 1679 trat Österreich die Herrschaft über Freiburg einschließlich Lehens und Kirchzartens an Frankreich ab, so dass Kirchzarten dann Teil der französischen Provinz Elsass wurde. Nach dem Frieden von Rijswijk 1697 fielen Freiburg, Kirchzarten und Lehen wieder an Österreich zurück.
Ende 1805 kam Kirchzarten infolge des Friedens von Pressburg nach der von Österreich gegen Napoleon verlorenen Schlacht bei Austerlitz zum Großherzogtum Baden und wurde dort dem Landamt Freiburg II zugeordnet.
Am 27. Juni 1971 fuhr die Tour de France 1971 durch Kirchzarten und war Teil der Etappe von Basel nach Freiburg.
siehe auch Burg bei Burg, Burgstall am Galgenbühl, Burg Kirchzarten (Hagenmatten), Burg Kirchzarten (Hochstauden)
Einwohnerentwicklung Im Jahr 1870 hatte Kirchzarten 1024 Einwohner, 100 Jahre später hat sich diese Zahl mit 6063 Einwohnern fast versechsfacht. 30 Jahre später hat sich die Einwohnerschaft noch einmal um 50 % vergrößert. 2021/22 überschritt Kirchzarten Zahl von 10.000 Einwohnern. Hier sind die Zahlen im Einzelnen:
Jahr 1870 1910 1939 1951 1961 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2021 2022 2023 2024 2025 Einwohner 1024 2268 2764 3377 4817 6063 8352 8726 9390 9494 9812 9770 9898 10.030 10.252 10.326 10.26610.364
Eingemeindungen 1924: Birkenreute 1936: Dietenbach und Neuhäuser 1. April 1974: Zarten 1. Juli 1974: Burg
Ausgliederungen 1829: Burg (Neubildung der Gemeinde Burg) 1. Januar 1977: Himmelreich östlich der Höllentalbahn (Umgliederung nach Buchenbach)
Politik
Gemeinderat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 ergab bei einer Wahlbeteiligung von 75,3 % (2019: 74,0 %) für die 18 Sitze folgende Sitzverteilung: Partei / Liste Sitze + / – GRÜNE 5 ± 0 CDU 4 ± 0 SPD 4 ± 0 FWG 4 ± 0 Sozialökologischer Wandel 1 ± 0 mini|Talvogtei (Rathaus) mini|Altes Rathaus
Bürgermeister Amtszeit Name 1948–1965 Heinrich Gremmelsbacher (CDU) 1965–1985 Erich Rieder (CDU) 1985–2009 Georg-Wilhelm von Oppen (CDU) 2009–2025 Andreas Hall (CDU) seit 2025 Darius Reutter (SPD)
Andreas Hall trat bei der Bürgermeisterwahl 2024 nicht erneut an. Am 8. Dezember 2024 wurde Darius Reutter (SPD) mit 52,8 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 1. Februar 2025 an.
Verwaltungsverband Kirchzarten ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Dreisamtal, dem auch die benachbarten Gemeinden Buchenbach, Oberried und Stegen angehören.
Bürgerentscheid Beim bislang einzigen kommunalen Bürgerentscheid in der Geschichte Kirchzartens lehnten am 3. März 2013 rund 58 % der Wähler die von Bürgermeister und Gemeinderat befürwortete Errichtung eines Mountainbike-Trainings- und Wettkampfgeländes in einem Naherholungsgebiet am Ortsrand ab. Da die Nein-Stimmen rund 35 % aller Stimmberechtigten ausmachten, wurde das gesetzliche Quorum von 25 % überschritten, so dass der Bürgerentscheid bindend ist. (Südkurier online, 4. März 2013),
Wappen Das Wappen zeigt vorn auf gelbem Grund einen stehenden schwarzen Bären, ein silbernes Doppelkreuz tragend – Hinweis auf die Ursprünge des Ortes als Besitz des Klosters St. Gallen – und hinten das halbe Stadtwappen von Freiburg – das Georgskreuz – was auf die lange Zugehörigkeit zur Stadt Freiburg verweist.
Religionen links|hochkant|mini|Kirchzarten,Sankt-Gallus-Kirche mini|Zarten,St.-Johannes-Kapelle
Die heutige St.-Gallus-Kirche der katholischen Pfarrgemeinde ist der Mittelpunkt des Ortes und weithin sichtbares Wahrzeichen. Die St. Johannes-Kapelle im Ortsteil Zarten gehört zur Herz-Jesu-Gemeinde in Stegen. Die Kapelle ist die älteste Kirche im Zartener Becken, urkundlich ist sie von Cozpert im Jahr 816 im „partem ecclesie“ erwähnt.St. Johanneskapelle, Webseite der Seelsorgeeinheit DreisamtalDie kleinste Orgel im Dreisamtal, Barbara Riess, Badische Zeitung, 18. Dezember 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014. Im Ortsteil Dietenbach befindet sich das 1928 gegründete Kloster St. Therese der Unbeschuhten Karmelitinnen.
Die evangelischen Christen Kirchzartens und Oberrieds gehören zur Heilig-Geist-Gemeinde. Sie wurde 1895 gegründet; anfangs traf man sich in der kleinen Kirche in der Burger Straße. Seit 1970 nutzt die evang. Gemeinde das evangelische Gemeindezentrum.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Fußgängerzone in Kirchzarten mini|Wanderweg bei Kirchzarten Bedeutsam ist vor allem der Tourismus wegen der Nähe zu Freiburg und zu den Höhen des Schwarzwaldes. Es gibt einen Campingplatz und das Kurhaus bietet Tagungsmöglichkeiten.
Darüber hinaus haben sich verschiedene mittelständische Betriebe in Kirchzarten angesiedelt. Zu nennen wären zum Beispiel die Firmen Testo Industrial Services GmbH, halstrup-walcher GmbH, KVT GmbH, FSM-elektronik GmbH und die ECOMAL Europe GmbH.
Verkehr Bahnverkehr Auf dem Gemeindegebiet befinden sich zwei Bahnhöfe. Der Bahnhof Kirchzarten im Kernort und der Bahnhof Himmelreich im Ortsteil Burg. Sie liegen an der Höllentalbahn, die in den Hochschwarzwald nach Titisee und Neustadt führt und in die andere Richtung nach Freiburg, wo Anschluss an den Fernverkehr der Deutschen Bahn besteht. Im Bahnhof Himmelreich begegnen sich die tagsüber halbstündlich fahrenden Züge auf der eingleisigen Strecke.
Busverkehr Am Bahnhof Kirchzarten bestehen Umsteigemöglichkeiten in die Buslinie 7216 der Südbadenbus GmbH (SBG) nach St. Peter, St. Märgen und Hinterzarten und die Linie 7215 nach Oberried (Breisgau), zum Notschrei und Todtnau. In den Sommermonaten verkehren auf der Linie 7215 wochenends und feiertags spezielle Radbusse, die gleichzeitig gegen den Erlös eines Fahrradtickets eine Fahrradmitnahme ermöglichen. Seit 2017 verbindet außerdem montags bis samstags ein Bürgerbus die Ortsteile Kirchzartens, Buchenbach und Teile Stegens miteinander und es gibt weitere Angebote rund um das Thema Barrierefreier Urlaub – Anreise und Fahrdienste.
Radverkehr Seit März 2026 bestehen in Kirchzarten vier Stationen des Fahrradverleihsystems Frelo.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Kirchzarten mit Freiburg und mit Oberried verbunden. Theoretisch führt eine Route von Kirchzarten über Hinterzarten, Titisee-Neustadt und an Löffingen vorbei Richtung Donaueschingen. Die Strecke von Kirchzarten nach Hinterzarten wird aber erst in der Zukunft („Zielnetz“) alltagstauglich gebaut. Die heutige Strecke hat eher touristischen Charakter, da anstelle des eigentlichen Höhenunterschieds von gut 500 m Höhe über 800 m zu überwinden sind. Der Bau eines Radweges entlang der B 31 zwischen Falkensteig und Oberhöllsteig ist im Rahmen des Bedarfsplanes des Landes Baden-Württemberg in den vordringlichen Bedarf eingestuft.
Für die Zukunft ist auch ein Radschnellweg von Kirchzarten nach Freiburg geplant.
Durch Kirchzarten verläuft als Landes-Radfernweg der Südschwarzwald-Radweg. Er führt als Rundweg von Hinterzarten über Waldshut-Tiengen, Basel und Freiburg rund um den Naturpark Südschwarzwald. Er verläuft von Bad Krozingen über Freiburg und nach Kirchzarten. Von dort führt er nach Hinterzarten, das als Start- und Endpunkt des Südschwarzwald-Radwegs gilt, wobei für das Stück ab Kirchzarten wegen des großen Höhenunterschieds die Nutzung der Bahn empfohlen wird.
Der Dreisamtäler Radwanderweg umrundet den ganzen Talboden und verbindet Kirchzarten entlang der L 126 und östlich des Segelflugplatzes mit Oberried, entlang der Höllentalbahn mit Neuhäuser und Kappel mit Anschluss an FR 1 und FR 8, über Zarten mit Stegen und über Höfen mit Himmelreich und Buchenbach. Von Himmelreich über Falkensteig und Alpersbach ist Kirchzarten mit Hinterzarten verbunden. Durch das Ibental verläuft ein Radweg nach St. Peter.
Fernstraßen Durch das Ortsgebiet führt von Freiburg her die Bundesstraße 31 von Breisach nach Lindau (Bodensee), die von Freiburg bis Kirchzarten als vierspurige Autostraße ausgebaut ist, auf Gemeindegebiet dann dreispurig und vom Ortsende bei Himmelreich an zweispurig. Bei Himmelreich zweigt hiervon die Landesstraße 128 ab, die durch das Wagensteigtal nach St. Märgen führt. Bei Zarten zweigt nach Süden die L 126 ab, die über den Notschrei bei Todtnau auf die Bundesstraße 317 trifft, die einerseits zum Feldberg und zum Titisee führt und auf der anderen Seite durch das Wiesental in südwestlicher Richtung nach Basel. Die L 121 verbindet Kirchzarten südlich der B 31 und der Höllentalbahn mit den östlichen Stadtteilen von Freiburg.
Bildungseinrichtungen mini|Marie-Curie-Gymnasium