Die heutige Konkathedrale Sainte-Eulalie-et-Sainte-Julie (katalanisch Santa Eulàlia d’Elna) ist ein im 11. Jahrhundert errichteter und im 13. bis 15. Jahrhundert erweiterter Kirchenbau in der südfranzösischen Stadt Elne (Département Pyrénées-Orientales, Region Okzitanien), die etwa 12 Kilometer Luftlinie südöstlich des Stadtkerns von Perpignan und kaum sechs Kilometer vom östlich gelegenen Strand des Mittelmeers entfernt ist.

Sie ist eines der bedeutendsten sakralen Baudenkmale der Region und diente von 568 bis 1605 (nach anderen Quellen bis 1601 oder 1602) als Bischofssitz des Bistums Elne. Zumindest ab dessen Gründungsdatum gehörten zur Kathedrale zweifelsohne Konventsgebäude eines Klosters, in denen der Bischof mit seiner Domherrengemeinschaft, dem Domkapitel, lebte. Allerdings geben die Quellen über Umfang und Aussehen der Vorgänger der heutigen Gebäude keine Auskunft.

mini|hochkant=1.2|Ste-Eulalie-et-Ste-Julie d'Elne, Westwerk, Fassade mini|hochkant=1.2|Kreuzganghof u. Nordturm von NO

Geschichte mini|hochkant=0.4|Gotische Adlerfibel

Westgotische Wurzeln / Gründung Bischofssitz Den Fortbestand städtischen Lebens, wenn auch nur in bescheidenem Umfang, nach dem Untergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert, verdankte Elne der – wenn auch recht späten – Gründung eines Bischofssitzes, wodurch es zu einer bedeutenden Kirchenstadt wurde. Dies hat sich aus dem wechselvollen Schicksal des Königreichs ergeben, das die Westgoten in Südfrankreich und Hispanien errichtet hatten. Nach dem für die Franken siegreichen Ausgang der Schlacht von Vouillé im Jahr 507 wurde dieses Reich geteilt und umfasste auf der nördlichen Seite der Pyrenäen nur noch Septimanien. Zum zumindest teilweisen Ausgleich dieser Situation hat man im Jahr 568 die befestigten Siedlungen (castra) Carcassonne und Elne in den Rang von Städten erhoben und jeweils einen Bischofssitz zuerteilt.Durliat,Marcel; „Romanisches Roussillon“, 1988, Echter Verlag, Seiten 161–200

Aus der westgotischen Zeit (6.–7. Jh.) stammen die drei Sarkophage, die in der Ostgalerie aufgestellt sind (siehe Konventsräume und Kreuzgang, unter Kreuzgang).Durliat, S. 163

Vorgängerbauwerke Laut einer Quellenangabe wird allgemein angenommen, dass eine wisigotische (präromanische) Kathedrale, und damit auch das erste bischöfliche Kloster, im 6. Jahrhundert (um 571) in der Unterstadt von Elne errichtet worden ist und dann etwa 300 Jahre Bestand hatte. Über dessen Größe und Aussehen ist nichts bekannt. Möglicherweise war sie schon einer derselben Patroninnen gewidmet, wie die heutige Kirche. Ab dem Jahr 861 wurden neue vorromanische Kloster- und Kirchengebäude an der höchsten Stelle der Oberstadt errichtet, die Vorgängerbauten der heutigen Bauwerke. Auch von deren Ausmaß und Aussehen geben die Quellen keine Auskünfte. Sie hatten um etwa 200 Jahre Bestand. Bei der Widmung ist es etwa so wie bei der Vorgängerkirche.

Investiturstreit und Augustinerkloster mini|hochkant=0.5|Gregor VII., 11. Jh.

Seit Beginn des 10. Jahrhunderts hatten nahezu ausschließlich Mitglieder des örtlichen Hochadels den Bischofssitz inne. „Bis zum Jahre 1064 bestiegen nur Bischöfe mit den Vornamen Oliba, Berengar oder Suniaire den Bischofsthron von Elne; sie stammten wahrscheinlich alle aus den Grafengeschlechtern von Roussillon, Cerdagne und Barcelona.“Durliat, S. 164

mini|hochkant=0.5|Ein Mancus von König Æthelred II, 1003–1006

Die gregorianischen Reformen des 11. und 12. Jahrhunderts hatten sich zur Aufgabe gemacht, die Kirche von dieser Laieninvestitur zu befreien und gleichzeitig die kirchlichen Gepflogenheiten wieder auf das Ideal des christlichen Evangeliums zurückzuführen. Das Unterfangen stieß aber auf großen Widerstand in der Aristokratie, hier stand an ihrer Spitze die Familie des Vizegrafen von Castelnou. Um das Kirchenpatrimonium wiederherzustellen, musste sich der Bischof von Elne Hilfe suchend an den Erzbischof von Narbonne und die Grafen wenden, die erfreut waren, der Herrschaft des Vizegrafen Widerstand leisten zu können. Der vorgenannte Erzbischof, die Bischöfe von Gerona und Carcassonne, ebenso Raimund, der Graf von Cerdagne, trafen sich 1058 in Elne, um die „Wiederherstellung des Sitzes von Sainte-Eulalie“ zu feiern, was so zu verstehen ist, dass das Kirchenpatrimonium, das von „den Zerstörern der Kirche“ geschmälert worden war, wieder erneuert wurde. Zu dieser Zeit lebte auch das Kapitel wieder auf, das nunmehr 24 Domherren umfasste, dessen Satzung aber zunächst nicht geändert wurde. Erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts unterwarf es sich einem strengen Gemeinschaftsleben und übernahm die Regeln des heiligen Augustinus. Diese Umstände hatten ebenso Konsequenzen bei der Entwicklung der Bauwerke des Bischofssitzes.

mini|hochkant=0.5|Ein Mancus, oder Gold Dinar des engl. Königs (757–796)

Errichtung der heutigen Bauwerke Bereits 1042 war die Schenkung einer Einzelperson in Höhe von 10 „mancusi“ (arabische Dinare) für die Kirche Sainte-Eulalie zu verzeichnen (der mancus ist eine Goldmünze mit einem geringen Edelmetallgehalt, 30 mancusi entsprachen damals dem Gegenwert eines Pferdes). Am 25. September 1057 machte die Gräfin Ermessinde von Barcelona ihr Testament. Sie war eine große Dame, deren Regierungsstil nicht jedermann zusagte, deren starke Persönlichkeit aber das politische Leben Kataloniens seit einem halben Jahrhundert geprägt hatte. Sie vermachte dem Bischofssitz Roussillon 150 mancusi, die für die Kirche Sainte-Eulalie bestimmt waren (ad ipsa opera). Für die Domherren fügte sie weitere 50 mancusi hinzu, und auch Bischof Artal I. (1064–1071) erhielt diesen Betrag.

In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann man offensichtlich mit der Erneuerung der Kathedrale und der Konventsgebäude in romanischem Baustil und sicherlich größer als und anstelle der gerade mal etwa 200 Jahre alten vorromanischen Vorgängerbauten. Die Errichtung der Chorapsis wird auf das Jahr 1040 datiert. Wie bei zahlreichen anderen aufeinander folgenden kirchlichen Bauwerken hat man den Abbruch der älteren Bauten und die Erstellung der Neubauten in solchen Abschnitten vollzogen, dass stets Räumlichkeiten zur Feier von Messen und zur Verehrung von Reliquien zur Verfügung standen. Ähnliches galt auch für die Räumlichkeiten des bischöflichen Konvents.

mini|hochkant=0.6|Das Martyrium der Sainte-Eulalia. Gemälde von John William Waterhouse 1885

Der damalige Neubau entsprach weitgehend den heute erhaltenen Bauten, bei denen man sich die späteren Um- und Anbauten aus dem 12. bis. 15. Jahrhundert wegdenken muss, so etwa die Skulptur des Kreuzgangs, dessen Einwölbungen, die Anbauten der Kapellen auf der Südseite des Langhauses und die Nachrüstung einiger Kreuzrippengewölbe der Kirche.

Heute bis auf kleine Reste nicht mehr erhalten ist das ursprünglich vorhandene Obergeschoss des Kreuzgangs und die ihn umschließenden Ost- und Westflügel der Konventsräume.

Schließlich wurde 1069 der Hauptaltar errichtet, wie eine schön gemeißelte Inschrift auf zwei Marmortafeln berichtet. Aus dem ersten Teil des Textes ist zu entnehmen, „dass im selben Jahr Bischof Raimund befahl, der Graf von Roussillon Gauzfred und seine Gemahlin Azalaïs, sowie die Einwohner des ganzen Gebietes jeglichen Standes, die Mächtigen und die Schwachen, die Reichen und die Armen, den Altar zu erbauen zu Ehren unseres Herrn Jesus Christus und der Jungfrau und Märtyrerin Eulalie, der Schutzpatronin der Diözese, für Gott und das Wohl ihrer Seelen“. Im zweiten Teil des Textes wird darum gebeten, „dass die Männer und Frauen, die durch ihr Almosen zur Errichtung des Altars beitragen, für würdig befunden werden, ihren Platz unter den Erwählten einzunehmen, wie auch ihre Eltern.“ Dieser ausführliche Text bezieht sich auf eine sehr feierliche Zeremonie, zu der zahlreiche Menschen zusammengekommen waren.

Aus diesem Dokument geht unter anderem hervor, dass damals nur von einer Schutzpatronin die Rede war, der Märtyrerin Eulalia (Spanien). Wann die heute stets genannte zweite Schutzpatronin, die Märtyrerin Julia von Korsika, hinzugekommen ist, darüber geben die bekannten Quellen keine Auskunft.

mini|hochkant=0.6|Die Kreuzigung der Heiligen Julia. Triptychon von Hieronymus Bosch

Schließlich wurden die romanischen Neubauten in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts weitgehend gebrauchsfertig vollendet (Art und Umfang siehe Abschnitt Bauwerke). Von den ursprünglich geplanten beiden Türmen über der Fassade reichte gegen Ende des 11. Jahrhunderts nur der südliche etwas weiter über die Höhe des massiven Westwerks hinauf und endete unter den später aufgestockten beiden allseits offenen Glockengeschossen. Der geplante nördliche Glockenturm wurde nie gebaut. An seiner Stelle wurde später ein deutlich schlankerer Backsteinturm errichtet, der an die architektonische Qualität des südlichen nicht heranreicht. Der Südturm erhielt seine beiden letzten Geschosse, immer noch in romanischem Stil, ebenfalls später, was an ihrem fortschrittlicheren Steinschnitt zu erkennen ist.

Bischof Artal III. und sein Domkapitel gaben den Einwohnern von Elne auch „die Erlaubnis, die Stadt zu befestigen und sich mit Waffengewalt gegen Unrecht und Beschimpfungen zur Wehr zu setzen, deren Opfer sie würden.“ Dieses Dokument ist auf den 6. Februar 1156 datiert.Durliat, S. 165

Jakobspilgerfahrt mini|hochkant=0.5|links|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568 mini|hochkant|Jakobsgrab, Santiago de Compostela

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts setzten die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela in Nordspanien ein. Ihre große Blütezeit war die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts, in der die Pilger jährlich zu Hunderttausenden nach Süden zogen. So formierte sich der Jakobsweg in Frankreich, aus vier Hauptrouten, begleitet von einem Netz zahlreicher Nebenrouten. An diesen Wegen entstanden zahlreiche neue Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und Friedhöfe, und vorhandene Einrichtungen wurden den neuen Anforderungen entsprechend erweitert.Droste-Hennings, Julia und Droste, Thorsten; „Frankreich der Südwesten“, DuMont Kunst-Reiseführer, 2007 (S. 25) Man brauchte für eine Pilgerkirche vor allem große Bewegungsflächen für die zahlreichen Pilger, wie Chorumgänge und Seitenschiffe, Emporen, sowie möglichst viele Kapellen, zur Präsentation von Reliquien und deren Verehrung.

Elne lag, wie zahlreiche andere sehr bedeutende Klöster, an einem stark frequentierten Nebenweg der vielen Pilgerstraßen des Jakobswegs, die sich in Frankreich nördlich der Pyrenäen konzentrierten und zu den wenigen Überwegen nach Nordspanien führten. Dieser war der „Chemin du Piemont“, der von Salses über Perpignan am nördlichen Fuß der Pyrenäen, meist in Talgründen, wie etwa dem des Têt, bis an das nördliche Ende des Bergmassivs reichte.

Jedenfalls war der Neubau der Kathedrale von Elne und ihrer Konventsgebäude mit dem Einsatz dieser bedeutenden Pilgebewegungen im Wesentlichen fertiggestellt und konnte an der großzügigen Spendenbereitschaft der Pilger teilhaben. So standen den Chorherren schon bald ausreichende Mittel zur Verfügung, um sich die Einwölbung der Kreuzgänge und die Skulptur der Kreuzgangarkaden, unter Einsatz der damals bekannten besten Bildhauer, leisten zu können, und das über etliche Generationen. Diese Arbeiten erstreckten sich vom 12. Jahrhundert bis in die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Nach der zunächst mit einer einfachen Holzbalkendecke überdeckten Südgalerie folgten nacheinander die Galerien im Westen, Norden und Osten, aber mit „modernen“ Kreuzrippengewölben. Offensichtlich reichten die Mittel dann noch zum Austausch der Balkendecke der Südgalerie gegen ein gotisches Gewölbe.

Abstieg mini|hochkant=0.7|links|Krönung Philipps III. von Frankreich (Grandes Chroniques de France, 14. Jahrhundert)