mini|Fritz Suhren Fritz Suhren (* 10. Juni 1908 in Varel; † 12. Juni 1950 bei Sandweier) war ein deutscher SS-Sturmbannführer und Lagerkommandant im KZ Ravensbrück.
Ausbildung und NS-Karriere Fritz Suhren war der Sohn eines Textilhändlers, seine Eltern betrieben einen Einzelhandel in Langendamm (Gemeinde Varel-Land, heute Stadt Varel) er besuchte die Mittelschule und begann anschließend eine Lehre zur Ausbildung als Kaufmann. Weiterhin absolvierte er auch eine Schule für Berufsbildung und zur Ausbildung als Dekorateur. Danach nahm er eine Stelle in einer Baumwollweberei in Zetel an, wo er im Lager arbeitete. In der Folge der allgemeinen wirtschaftlich schlechten Lage verlor er seine Arbeitsstelle und kehrte im Jahre 1931 zu seinen Eltern zurück, wo er im Geschäft mitarbeitete. Suhren war verheiratet und hatte mindestens drei Kinder.
Seit dem 1. Oktober 1928 gehörte er der SA an, und zum 1. Dezember 1928 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 109.561).Bundesarchiv R 9361-III/559126 Am 29. Oktober 1931 wechselte er von der SA zur SS (SS-Nummer 14.682). Bei der 24. SS-Standarte Ostfriesland in Wilhelmshaven betätigte er sich in der Verwaltung und im Stab. Am 15. Februar 1934 wurde er von der SS hauptamtlich eingestellt. In das SS-Führerkorps wurde er schon am 18. Juni 1934 aufgenommen. Am 6. Juli 1935 erfolgte die Ernennung zum Adjutanten. Bis 1937 blieb er in dieser Position, wobei er sich auch mit Personalangelegenheiten befasste.
In den Jahren 1936 und 1937 leistete er zwei mehrwöchige Wehrübungen in der Wehrmacht ab, die er zuletzt als Offiziersanwärter der Reserve beendete. Anfang 1937 wurde er nach Hamburg versetzt, wo er erstmals ein Kommando über einen SS-Sturmbann übernahm. In den Jahren 1937 und 1938 besuchte er einen NS-Verwaltungslehrgang und die SS-Unterführerschule Dachau. In seinen Dienstbeurteilungen in diesen Jahren wurden seine mangelnden Führerqualitäten gerügt. Er wurde eher als ein Charakter eingestuft, der in der Verwaltung dienen sollte.
Nach dem „Anschluss Österreichs“ wurde er zum 1. März 1939 nach Graz zum XXXV. SS-Abschnitt als Stabsführer versetzt. In der zweiten Jahreshälfte musste sich Suhren, der unter Alkoholismus litt, zu alkoholischer Abstinenz in den folgenden zwei Jahren verpflichten. Zu Kriegsbeginn im September 1939 wurde er vom Kriegsdienst freigestellt, und im Dezember 1939 führte er fachlich den SS-Abschnitt.
KZ Sachsenhausen Zum 1. April 1941 wurde Suhren offiziell im KZ Sachsenhausen eingesetzt. Da sich Suhren in der Verwaltung der Konzentrationslager nicht auskannte, sollte er im begleitenden Dienst beim Ersten Schutzhaftlagerführer, Heinrich Forster, eingesetzt werden. Lagerkommandant war Hans Loritz, den Suhren von Graz her kannte und der Suhren nach Sachsenhausen geholt hatte. In Sachsenhausen traf Suhren auf den KPD-Funktionär Harry Naujoks, der dort seit November 1936 als Häftling sich in der Selbstverwaltung des Lagers betätigte und zum Lagerältesten ernannt worden war. Offensichtlich sah Suhren in Naujoks einen Häftling, der ihm im Lagerdienst nützliche Hinweise geben konnte. Nach einer günstigen Beurteilung von Loritz wurde Suhren mit dem 3. Mai 1941 als Zweiter Schutzhaftlagerführer im KZ Sachsenhausen vom Personalhauptamt der SS bestätigt.
In den ersten Tagen im KZ vertiefte sich Suhren in die schriftlichen Unterlagen und Statistiken des Lagers. SS-Oberscharführer Gustav Sorge, der zu dieser Zeit als Blockführer eingesetzt war, unterrichtete ihn über die Einrichtungen des Lagers. Zu dieser Zeit traf er auch auf Naujoks und ließ sich von ihm bestimmte Einzelheiten des Lagers zeigen. Am Beispiel herunterhängender Fensterhaken demonstrierte Suhren gegenüber Naujoks seine Härte. Jede Verfehlung gegen seine Anordnungen würde von ihm unnachsichtig mit schwersten Strafen verfolgt, äußerte sich Suhren gegenüber Naujoks.
Fritz Suhren betrieb intensiv die Anordnung, dass Häftlinge mit Ausbildung zum Facharbeiter ständig in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden sollten. So stellte er sich gegen SS-Aktionen, die die Arbeitskraft der Häftlinge vergeudeten. Diese Häftlinge, insgesamt etwa 5.000 von 11.000, erhielten zu dieser Zeit eine zusätzliche Brotration von 200 Gramm am Tag.
Im KZ Sachsenhausen wurde auch eine Goldschmiede betrieben, wo der Schmuck und andere Wertsachen ankommender Häftlinge bearbeitet und dabei Goldstücke unterschlagen wurden. Naujoks musste ihm dabei auf Befehl helfen, solche Schiebereien aufzudecken. So gelang es Suhren, einige Häftlinge und auch SS-Männer zu stellen, die dann in dem Zellenbau in Haft genommen wurden.
Mordaktionen Im April 1941 wurden im Rahmen der „Aktion 14f13“ aus einer Gruppe von 300 bis 350 Gefangenen Kranke und Geschwächte ausgesondert. Die Auswahl trafen Ärzte, die für die „Aktion T4“, die nationalsozialistischen Krankenmorde, verantwortlich waren. Am 3. Juni wurden 95, am 5. Juni 89 und am 7. Juni 1941 85 Gefangene in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein transportiert, wobei der SS-Mann Hans Fliegenbauer den LKW fuhr und der Blockführer SS-Hauptscharführer Heinrich Meier die Bewachung vornahm. Hierbei konnten Loritz, Forster und Suhren die ersten Erfahrungen sammeln, wie eine Mordaktion organisiert werden konnte.
Mehrere Wochen nach dem Überfall auf die Sowjetunion trafen sich hohe SS-Offiziere im KZ Sachsenhausen: Theodor Eicke, Richard Glücks, Arthur Liebehenschel, Loritz, Forster, Suhren, SS-Untersturmführer Alfred Sorge, SS-Hauptscharführer Hermann Campe, SS-Hauptscharführer Gustav Sorge, der Lagerarzt SS-Obersturmführer Josef Hattler und ein nicht bekannter Zivilist. Über das Besprechungsthema wurde ein strenges Schweigegebot verhängt. Die Gefangenen erfuhren aber bald, dass sowjetische Kriegsgefangene ermordet werden sollten. Alfred Sorge als Bauleiter ließ in einer Baracke eine Genickschussanlage bauen. Der Zeuge und Kapo Karl Zander gab am 18. Dezember 1946 an, dass Loritz Suhren mit der Abwicklung der Tötung beauftragt hatte.
Die SS-Blockführer, die die Kriegsgefangenen erschießen sollten, wurden durch Suhren und Forster eingeteilt. Die Zeugen Paul Sakowski, Karl Zander, Martin Knittler und Walter Hofmann sagten 1946 aus, dass beim Beginn der Erschießungen Forster, Suhren und Loritz beteiligt waren. Naujoks berichtete, dass die Erschießungen am 31. August 1941 begannen, während Orth den 3. oder 4. September angibt. In den folgenden Wochen wurden nach Orth mindestens 6.500 Kriegsgefangene erschossen. Naujoks berichtete von 10.034 eingesammelten Erkennungsmarken der erschossenen Kriegsgefangenen. Es konnten aber danach immer noch weitere Erkennungsmarken gefunden werden. Naujoks gab für den Herbst 1941 eine Anzahl von etwa 13.000 erschossenen Kriegsgefangenen an. Es seien aber etwa weitere 5.000 Kriegsgefangene auf andere Weise im KZ Sachsenhausen umgekommen. Die Erschießungen wurden im November 1941 durch eine Fleckfieberepidemie unterbrochen. Nach dem Abklingen der Epidemie wurden keine Erschießungen mehr vorgenommen.
Suhrenallee Suhren ließ am 29. März 1942 bei neu angekommenen Gefangenen eine neue Art des Haarschneidens einführen, was die Gefangenen als Suhrenallee bezeichneten. Vorher gab es keine bestimmte Methode, die Haare radikal abzuschneiden. Suhren befahl, den Haarschnitt mit einem Streifen, der die Breite des Haarschneideapparats hatte, vom Nacken bis zur Stirn zu beginnen. Diese Art des Abschneidens wurde sooft wiederholt, bis die übrigen Haare die Länge von mindestens 20 Millimetern hatten. Dann wurden die Haare wieder radikal abgeschnitten, wobei aber die Sache mit der Schneise immer wieder von vorn begann. Die Haare wurden anschließend eingesammelt und zu Industriefilz verarbeitet.
Exekutionsbefehl von Suhren an Naujoks Am 22. Mai 1942 erhielt Naujoks von Suhren den Befehl, am 24. Mai den Berufsverbrecher Hans Tröbel öffentlich auf dem Appellplatz zu hängen, wobei sämtliche Gefangene des Lagers antreten mussten. Tröbel wurde beschuldigt, im Lager Kleidungsstücke und Nahrungsmittel gestohlen zu haben. Heinrich Himmler hatte befohlen, dass die Exekution nicht durch einen Angehörigen der SS ausgeführt werden sollte. Naujoks weigerte sich, den Befehl auszuführen. Als Lagerältester hätte er dadurch jede Anerkennung bei den Gefangenen verloren. Naujoks besprach seine Verweigerung mit Albert Buchmann, der der illegalen Lagerleitung angehörte. Buchmann stimmte seiner Verweigerung zu. Suhren befahl dann aber einem anderen Gefangenen, der eine Strafe im Zellenbau absitzen musste, die Hinrichtung durchzuführen. Naujoks erfuhr durch seine Verweigerung von Seiten Suhrens keine Sanktionen, was ihn selber sehr erstaunte.
Am gleichen Tag wurde im KZ Sachsenhausen der Gefangene Leo Sklarek, der mit seinem Bruder in der Weimarer Republik den Sklarek-Skandal herbeigeführt hatte, wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt erschossen. Der Totenschädel von Sklarek wurde präpariert und Suhren ließ sich den Schädel als Ausstellungsstück aushändigen. Im August 1942 teilte Suhren Naujoks mit, dass er ins KZ Ravensbrück versetzt werde.mini|Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück KZ Ravensbrück In seiner Personalakte wird berichtet, dass Fritz Suhren am 1. September 1942 durch Oswald Pohl zum KZ Ravensbrück in die Dienststellung eines Lagerkommandanten versetzt wurde. Suhren gab selber später verschiedene Zeitpunkte an, wann der Dienstantritt begann. Ab 1943 begann das Massensterben im KZ. Zum Zeitpunkt der Übernahme des Lagers gab es etwa 10.000 gefangene Frauen. Diese Zahl erhöhte sich auf mehr als 70.000 im Jahre 1944. Insgesamt wurden in Ravensbrück 132.000 Frauen gefangen gehalten, von denen etwa 20.000 bis 30.000 umkamen, die meisten unter dem Kommando von Suhren. Anja Lundholm berichtet in ihrem Buch Höllentor von der brutalen Vorgehensweise Suhrens. Danach war er auch für die Exekution tausender Häftlinge kurz vor Kriegsende verantwortlich.
Menschenversuche Seit Juli 1942 ließ der Arzt und damalige SS-Brigadeführer Karl Gebhardt im KZ Ravensbrück die Beine von polnischen Widerstandskämpferinnen mit Gasbrand infizieren oder durch schwerste Verletzungen verstümmeln. Die erste Ärztegruppe, die diese Menschenversuche für Gebhardt begleitete, wurde vom Chefarzt der Konzentrationslager, SS-Obersturmbannführer Enno Lolling, ernannt. Es waren der Arzt und SS-Hauptsturmführer Gerhard Schiedlausky und die Ärztin Herta Oberheuser. Im März 1943 ließ Suhren zwei Polinnen, die zu den Opfern der Versuche gehörten, aus dem Krankenrevier holen. Sie wurden anschließend ermordet. Inzwischen war es anderen polnischen Widerstandskämpferinnen gelungen, Berichte über diese Menschenversuche aus dem KZ zu schmuggeln und über versteckte Mitteilungen in erhaltenen Paketen die Bestätigung über diese Berichte zu erhalten. So konnte selbst der BBC im Rundfunk darüber berichten.