Werder (auch Werder bei Neuruppin genannt) ist ein Ortsteil der Gemeinde Märkisch Linden im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Land Brandenburg. Ortsvorsteher des Dorfes ist Günther Noack.
Geografie und Naturraum Werder liegt auf der Ruppiner Platte, zentral im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, etwa 65 km nordwestlich von Berlin und 7 km westlich der Kreisstadt Neuruppin unmittelbar an der Bundesautobahn 24.
Das Dorf befindet sich dicht am Ostrand einer vergleichsweise ausgedehnten flachwelligen Grundmoräneninsel, die wie ein Werder aus den rings umfassenden, zur Zeit des Frankfurter Stadiums angelegten Schmelzwassertälern herausragt.
Kurz vor Werder, an der Straße in Richtung Walsleben, liegt der Buchtenpfuhl und in der Nähe des ehemaligen Gutsparks ist der Giernpfuhl zu finden. Südwestlich vom Dorf sind die Schafswäschen gelegen. Der Steinfurtgraben bildet im Wesentlichen die nordöstliche und östliche Grenze der Dorfgemarkung. Die Südgrenze der Dorfgemarkung befindet sich am Landwehrgraben.
Das Gebiet Werder besteht neben dem Dorf und dem Gewerbegebiet Temnitzpark überwiegend aus Feldern, Wiesen und einigen wenigen Wäldchen, wie den Kleinen Tannen, dem Heidplan und einem kleinen Wald zwischen Gottberg und Werder.
Dabergotz, Kränzlin, Darritz, Walsleben, Paalzow und Gottberg sind Nachbarorte des Dorfes.
Geschichte Der mutmaßliche Namensgeber des Dorfes ist Arnoldus de Werder, der 1362 urkundliche Erwähnung fand.Codex diplomaticus Brandenburgensis. Vierter Band, S. 293/294 von 1844. Seit dem 13. Jahrhundert war Werder ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin, welche 1525 an die Mark Brandenburg fiel. 1491 bestand Werder aus einem Lehnschulzenhof mit 4 Hufen Land und 5 Bauern unter der Grundherrschaft der von Fratz zu Kränzlin und Werder, 3 Bauern der von Gühlen zu Nackel und Werder und 3 weiteren Bauernhöfen, von denen einer wüst gefallen war. Alle Bauern bestellten je zwei Hufen Land. 1524 unterstanden den von Zernikow zu Karwe bzw. Kantow 6 Bauernhöfe. Außerdem waren 1540 der Schulzenhof, 5 Zweihüfner und drei Einhüfner im Besitz der v. Fratz sowie 3 Hüfner , 3 Kossäten und der Krüger im Besitz der v. Gühlen, dazu kamen Kuhhirt und Schäfer. Die Kirche galt als Muttergemeinde, war aber dem Pfarrer zu Dabergotz zugelegt. Zum Pfarrhof gehörten zwei Hufen, ein Baumgärtchen und eine Wiese zu 4 Fuder Heu, zudem waren dem Küster Abgaben zu leisten. 1558 war vorgesehen, dass mit Erträgen des weiteren Kirchenlandes die Dorfkirche neu errichtet werden sollte. Vor 1568 hatten die von der Gröben zu Dabergotz das Recht auf Hebungen (Abgaben) von 6 Bauernhöfen erhalten, vor 1571 die von Brunn zu Brunn (Wusterhausen/Dosse) einen Bauernhof. 1602 hatte Werder wieder einen eigenen Pfarrer und außerdem ein Küsterhäuschen mit Garten. 1604 erwarb v. Gröben einen Bauernhof komplett. 1613 ging der damals aus einem Wohnhof mit 5 Hufen und 6 Morgen Land, 2 Bauernhöfen (einer mit 2 und einer mit 1 Hufen Land) sowie 5 Kossäten bestehende Besitz der v. Gühlen an von Lüderitz und von dort schon 1621 an v. Wuthenow zu Walchow und Lögow über.1624 wurden registriert: 19 Hüfner, 4 Kossäten, 1 Schäfer und Laufschmied. Die Feldmark gliederte sich in 33,5 Bauernhufen, 5,5 Hufen der Herrschaft und 2 Pfarrhufen.
Im Dreißigjährigem Krieg wurde Werder 1638 durch Truppen des kaiserlich-katholischen Generals Gallas vollständig niedergebrannt. 1652 war nur ein Häuschen des v. Fratz schon wieder aufgebaut. 1687 bestanden wieder zwei Rittersitze mit je 4 Hufen Land, daneben lebten 1 Prediger mit 2 Pfarrhufen, 1 Lehnschulze mit 4 Hufen, 1 Dreihüfner, 1 Zweihüfner (10 weitere Hofstellen dieser Größe waren noch wüst), 4 Kätner ohne Acker, 1 Kuhhirt und Schweiner, 1 Kostknecht der Schäferei des v. Fratz, 1 Schäferknecht der Schäferei des v. Wuthenow, 1 Pferdehirt, 1 Küster (zugleich Leineweber) und 3 Einlieger in Werder. 5 Kossäten- und 2 Einhüfnerhöfe sowie der Krug lagen noch wüst. Zwei Bauern gehörten zum Gut Walsleben.
Gut Werder Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Rittergüter noch mehrmals die Besitzer. Der letzte Besitzer Baussen wurde 1945 durch die Bodenreform enteignet und das Land an Bauern, Landlose und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten aufgeteilt. 5 Hektar bekamen sie jeweils zugesprochen. Nach der Bodenreform 1945 bearbeiteten die sowjetischen Soldaten das Grundstück eine Zeit lang. Da das Herrenhaus zu baufällig war, entschied man sich für den Abriss des Gebäudes, der im Winter 1970/1971 erfolgte. Vorher war es als Kindergarten und Schwesternstation genutzt worden. An seiner Stelle befinden sich heute das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr und das Dorfgemeinschaftshaus. Das Wirtschaftsgebäude des Gutes war das heutige Wohnhaus Nr. 67.
Einwohnerentwicklung 1766: 153 EinwohnerRuppiner Tageblatt. Mittwoch, 21. Dezember 2005, S. 18. 1800: 232 Einwohner 1946: 641 Einwohner 1964: 356 Einwohner 1995: 262 EinwohnerKreiskalender Ostprignitz-Ruppin 1996, S. 189 2003: 344 EinwohnerKreiskalender Ostprignitz-Ruppin 2004, S. 254 2015: 327 Einwohner (PDF). 2019: 334 Einwohner
Sehenswürdigkeiten Kirchturm: Die Dorfkirche Werde wurde 1726 in Fachwerkbauweise erbaut. Wegen Schwammbefalls musste das Kirchenschiff 1982 abgerissen werden. Im Jahr 2002 wurde der Kirchturm renoviert. Die Handwerker fanden bei den Arbeiten in der Kugel unterhalb der Turmspitze mit der Jahreszahl 1726 alte Dokumente von 1929. Die Geschichte des Ortes ab dem Zweiten Weltkrieg ist jetzt in der Kupferkugel versteckt. Der Turm ist mit zwei Glocken bestückt: eine große, die 1677 von Martin Heintz aus Berlin gefertigt wurde und eine kleine mit einem Durchmesser von 44 Zentimetern. Gottesdienste finden seit den 1960er-Jahren im Pfarrhaus statt. Außerdem steht vor dem Kirchturm noch ein Mahnmal für Kriegsopfer. Es wurde nach dem Ersten Weltkrieg erbaut. Ein Umbau erfolgte 1992.
Vereine Feuerwehrverein „Freunde der Feuerwehr Werder“ e. V. Frauensportgruppe Schützenverein Werder e. V. Heimatverein Märkisch Linden e. V.
Verkehr Werder liegt an der Kreisstraße 6808, dazu gibt es einige Nebenstraßen im Dorf. Zentral gelegen im Ort befindet sich beiderseits an der Hauptstraße eine Bushaltestelle der ORP. Befestigte Straßen führen von Werder aus nach Dabergotz, Walsleben, Kränzlin bzw. Darritz und nach Gottberg. In Richtung Dabergotz existiert ein Radweg. Die Bundesautobahn 24 verläuft nördlich des Dorfes.
Von 1902 bis Dezember 2006 hatte Werder Bahnanschluss durch die Bahnstrecke Neustadt–Neuruppin,Ruppiner Kreisbahn auf bahnstrecken.de. die zuletzt im Personenverkehr von der Prignitzer Eisenbahn GmbH bedient wurde. Der Bahnhaltepunkt Werder (b Neuruppin) befand sich außerhalb des Dorfes.
Bildung Die zentral im Dorf gelegene Kita „Sonnenschein“ hat eine Aufnahmekapazität von 25 Kindern. Die Einrichtung hat Montag bis Freitag von 6.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Zurzeit arbeiten 3 Erzieher in der Kindertagesstätte.amt-temnitz.de
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Einzelnachweise
Kategorie:Märkisch Linden Werder (bei Neuruppin) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) Kategorie:Ersterwähnung 1362 Kategorie:Gemeindeauflösung 1997