Jabuka (, , ) ist ein Dorf mit 6181 Einwohnern im südlichen Banat an der Temesch in der Opština Pančevo im Okrug Južni Banat der Vojvodina, Serbien. Jabuka liegt etwa 27 km nordöstlich von Belgrad. Der Ortsname bedeutet wörtlich übersetzt Apfel.

Geschichte Erste Siedlungsspuren Auf dem Gemeindegebiet wurden Gegenstände (Werkzeuge aus Stein, Tierknochen, Kupfer und Bronze, Fragmente von Tongefäßen) aus den jungsteinzeitlichen Vinča- und Starčevo-Kulturen, der Badener-Kultur, aus der Hallstattzeit und aus der Völkerwanderungszeit (sarmatische Keramik) gefunden.Simo Mladenovski: Banatskoto selo Jabuka. S. 19–24.

Osmanisches Reich Es ist urkundlich nicht belegt, wann Jabuka tatsächlich gegründet wurde. Ein tradierter Gründungsmythos besagt, dass slawische Fischer zu Beginn des 17. oder 18. Jahrhunderts am linken Ufer der Temesch einen Apfelbaum vorfanden, um den sie die ersten Häuser erbauten. Dieser Mythos ist zum ersten Mal im Jahre 1912 schriftlich nachweisbar. Samu Borovszky, S. 124; Simo Mladenovski, S. 20 u. 25–26. Das heutige Siedlungsgebiet Jabuka gehörte von 1552 bis 1718 zum osmanischen Eyâlet Tımışvâr.Simo Mladenovski, S. 25; Josef Kallbrunner, S. 14 1733 wurden in Jabuka 19 slawische Familien gezählt. Die überlieferten Namen wie Stoikov, Stepan, Pavao oder Damian verweisen nicht zwingend auf einen serbischen Ursprung, denkbar wäre auch eine bulgarische oder rumänische Herkunft.Simo Mladenovski: Banatsko selo Jabuka. Studentski zbor, Skopje 1986, S. 28l Selo je imalo 19 porodica slovenskog porekla Als sicher gilt, dass Jabuka zwischen 1660 und 1666 nicht existierte.

Jabuka während der Habsburgermonarchie (1718–1918) mini|Österreichisches Staatsarchiv: Karte Sectio 138 der Josephinischen Landesaufnahme (1769–1772) mini|hochkant|Kirche St. Leopold, erbaut 1829–1833, abgerissen 1959–1962 mini|Jabuka (Almás) und Bahnstation Torontál-Almás, 1897 Mit dem Frieden von Passarowitz kam das Banat unter die Herrschaft der Habsburger. Es wurde als kaiserliches Kameralgut den Wiener Zentralbehörden (Hofkriegsrat und Hofkammer) unterstellt und von einer Landesadministration in Temesvár verwaltet. 1764 begann unter Maria Theresia im südwestlichen Banat der administrative Aufbau und die organisierte Kolonisation eines Grenzregiments und seines Regimentsbezirks zum weiteren Ausbau der Militärgrenze. Auf Weisung des Hofkriegsrates vom Mai 1764 wurden für ein Ansiedlungs-Corps zuerst Veteranen aus den Aerarial-Invalidenhäusern von Wien, Prag, Pest und Pettau ausgewählt. Eine militärische Ansiedlungskommission konskribierte die für die Ansiedlung vorgesehenen Orte. Laut Kommissionsbericht vom Dezember 1764 gab es 88 raizische Familien und 69 bewohnbare Häuser in der Streusiedlung Jabuka (Alt Jabuka). Die slawischen Einwohner konnten sich bei dieser Konskription für den Militärdienst oder für eine finanziell entschädigte Umsiedlung mit zugebilligter dreijähriger Abgabenfreiheit entscheiden. 86 Familien entschieden sich für die Umsiedlung nach Jarkovac, Ilandža, Dobrica und Banatsko Novo Selo. Im April 1765 berichtete die Kommission dem Hofkriegsrat, dass die Ansiedlung einer Kompanie mit 200 Veteranen in Jabuka abgeschlossen war. Etwa die Hälfte der Soldaten war verheiratet und hatte Kinder. In den ersten Jahren lebten in einem Haus zwei bis drei Familien als eine sogenannte Hauskommunion zusammen. 1768 inspizierte Kaiser Joseph II. das Banat und notierte am 9. Mai 1768 in sein Reisetagebuch: Jabuka ist unter allen das schlechteste Dorf. 1770 begann die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhaltende Ansiedlung weiterer Familien aus dem Elsass, aus Lothringen, aus Baden, der Pfalz, aus Franken, aus Böhmen und Mähren, aus Niederösterreich, aus verschiedenen ungarischen Komitaten und Regimentsbezirken der Militärgrenze. Die ersten Ansiedler wurden von 1770 bis 1777 in provisorischen Unterkünften im Prädium Govedarovacz untergebracht. Die Siedlungs- und Wirtschaftsform der Raitzen (Serben) entsprach jedoch nicht den Vorstellungen der Wiener Hofstellen von einer effektiven Landwirtschaft und einer geordneten Lebensführung. In den General-Principia, nach welchen das [Ansiedlungs-] Werck weiters fortzuführen sey (1775) nennt Oberst Geneyne, seit 1769 mit dem Kommando des Deutschen Ansiedlungsregiments betraut, unter anderem das Ziel: „Die in der Gräntz befindliche [insbesondere serbische] Militar-Schutz-Leute in den Standt zu setzen, um die Absichten des Hofs, mit solchen dereinst, vortheilhaftig ins Werck bringen zu können.“ Im März 1774 ordnete der Hofkriegsrat den völligen Neuaufbau von Jabuka an.

Für die Neugründung der deutschen Ortschaft Jabuka wurden im Wesentlichen dieselben Ziele verfolgt: „Die Erbauung deren Deutschen Militar-Ortschafften, so einzurichten, damit der Mann eine dauerhafft und gesunde Wohnung haben möge; und überhaupt durch diesen Bau, Ordnung einzuführen, welche auch die übrigen Verhältnisse einer guten Landwirthschafft besondern Bezug haben.“

In Jabuka und in allen für die Ansiedler neu angelegten Orten wurden die landwirtschaftlichen Flächen entsprechend den Grundsätzen der Dreifelderwirtschaft in Fluren eingeteilt und die Höfe im Ort zusammengefasst. Der klar abgegrenzte Ortsetter war von der gemeinschaftlich genutzten Hutweide umgeben. Daran schlossen sich die drei Ackerfluren (Sommerflur, Winterflur und Brache) und die Wiesenflur an. Jedem Haus wurde in jeder der vier Fluren ein Grundstück zugeteilt.

Nach dem Situationsplan von 1774 wurden die Blöcke in drei parallelen Reihen zu kleinen rechteckigen Einheiten unterschiedlicher Länge zusammengestellt. Diese kleinen Einheiten ließen sich leicht in das Gelände einpassen, so dass man mit ihnen bei der Grundrissgestaltung ein hohes Maß an Flexibilität erreichen konnte. Die gewünschte geometrische Klarheit blieb dabei allerdings auf einzelne Abschnitte des Dorfgrundrisses beschränkt. Im „Eintheilungs-Plan“ der beiden Dörfer Jabuka und Sefkerin aus demselben Jahr ist im Westen eine weitere rechteckige Einheit – als „Raiczisch Dorf“ bezeichnet – angefügt.Erik Roth: Die planmäßig angelegten Siedlungen im Deutsch-Banater Militärgrenzbezirk 1765-1821. Oldenbourg, München 1988, ISBN 3-486-54741-0, S. 50–53

Die Hofkammer bewilligte den vorgeschlagenen Grundrissentwurf und die veranschlagten Baukosten. Im November 1774 wurde dem Hofkriegsrat unterthänigst berichtliche Anzeige gemacht, daß der für heuer zu unternehmen hochangeordnete Bau, des Militar-Orts Jabuka, nunmehro zu vollkommen fertigem Standte gelanget. Das neue Dorf wurde in mehreren rechteckigen Häuserblöcken als Reihendorf am linken Temeschufer angelegt, zweieinhalb Kilometer südöstlich von Alt-Jabuka entfernt. Es wurden Gemeine Ansiedlerhäuser, ein Hauptmannsquartier, ein Lieutnantsquartier, ein Arrendatorquartier, ein Schulhaus, ein Wirtshaus, eine Wagnerei, eine Schmiede, ein Pfarrhaus und eine Kirche erbaut, fünf öffentliche Brunnen gegraben und an den Straßen Maulbeerbäume zur Seidenraupenzucht gepflanzt. Während des Russisch-Österreichischen Türkenkriegs befahl Joseph II. im Jahre 1788 die Evakuierung der im Frontgebiet gefährdeten Zivilbevölkerung, die in der Region Kiskunfélegyháza-Csongrád notdürftig untergebracht wurde. Nach dem Frieden von Swischtow wurde das zerstörte Dorf wieder aufgebaut und ein Kreuz aus Felsstein aufgestellt, das heute noch im Ort steht. 1808 besuchte Erzherzog Ludwig die Banater Militärgrenze und gründete in Jabuka eine Obstbaumschule. Im Jahre 1836 forderte eine Choleraepidemie und 1838 eine Syphilisepidemie zahlreiche Opfer in der Region. Im Juni 1866 nahm das Deutsch-Banater-Grenzinfanterieregiment Nr. 12 an der zweiten Schlacht bei Custozza teil.Erik Roth: Die planmäßig angelegten Siedlungen im Deutsch-Banater Militärgrenzbezirk 1765-1821. Oldenbourg, München 1988, ISBN 3-486-54741-0, S. 38–42, 44–48, 50–53, 85–88, 99–109, 131 u. 347–348. : Geschichte der Banater Militärgrenze 1764-1873. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 49 u. 87. Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 93. Österreichisches Staatsarchiv, Karten und Plansammlung: Grundrissentwurf Plan G I h 3. Carl Bernhard von Hietzinger: Statistik der Militärgränze des österreichischen Kaiserthums. Zweiter Theil. Verlag C. Gerold, Wien 1820, S. 92-93 Heimatbuch der Ortsgemeinde Jabuka., S. 30–32, 34–36, 44–49 u. 63–68, 91 u. 99.

Seit 1766 gehörte die römisch-katholische Pfarre zur Diözese Csanád. Von 1829 bis 1833 wurde die neue Pfarrkirche St. Leopold erbaut. Die Urkunde über die Grundsteinlegung vom 14. November 1833 wurde im Hochaltar der Kirche eingemauert. In den Jahren 1836, 1838, 1846 und 1867 visitierten die Bischöfe Josef Lonovics und Alexander Bonnaz die Pfarrgemeinde. Im Jahre 1858 notierte der Pfarrer im Pfarrbuch (Historia Domus), dass eine herrliche Himmelserscheinung fast den ganzen Sommer hindurch sichtbar war. 1901 wurde die kleine orthodoxe Kirche St. Demetrius erbaut.Heimatbuch der Ortsgemeinde Jabuka. S. 76–81,91, 96 u. 100; Felix Milleker: Geschichte der Banater Militärgrenze. S. 68 u. 100.

Nach Auflösung der Militärgrenze (1872) gehörte Jabuka zum Verwaltungsbezirk Pancsova (Pancsovai járás, Stuhlbezirk Pantschowa) des Komitats Torontál. Im Zuge der Magyarisierung wurde der Ort zuerst offiziell sowohl Jabuka als auch Almás (Apfel) genannt. Aufgrund des ungarischen Reichstagsgesetzes von 1898 über die Gemeinde- und Ortsnamen durften nur mehr die Varianten Almás oder Torontálalmás bis 1918 offiziell verwendet werden. Infolge der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung wurde 1894 von der Firma Gottfried Friedrich eine Stärkefabrik errichtet.Jabuka Starch Industry of Pančevo, abgerufen am 29. März 2016 Im April 1894 wurde die regionale Bahnstrecke Nagybecskerek-Pancsova dem öffentlichen Verkehr übergeben.Felix Milleker: Die Banater Eisenbahnen 1847-1917. J. E. Kirchners Witwe, Vršac 1927, S. 17 1901 wurde das neue Amtsgebäude der Gemeinde erbaut, dessen äußeres Erscheinungsbild bis heute mit der traditionellen Farbe der Habsburgermonarchie gestaltet ist (Schönbrunner Gelb). Im Jahre 1905 wurde eine Katastralvermessung durchgeführt und Katasterpläne angefertigt, auf denen der ungarische Ortsname angegeben wurde.Országgyűlési Könyvtar: Jabuka 1905, Katasterpläne im Ungarischen Staatsarchiv.

Jabuka nach dem Ersten Weltkrieg Die serbische Armee besetzte bereits fünf Tage nach dem österreichisch-ungarischen Waffenstillstand das Südbanat.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 229. Aufgrund der Verträge von Trianon und Sèvres wurde 1920 das Komitat Torontál aufgeteilt. Jabuka fiel zunächst an den Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (serbokroatisch: Država Slovenaca, Hrvata i Srba). Seit 1921 gehörte Jabuka zum Verwaltungsbezirk Belgrad (Beogradska oblast) des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. 1923 wurde die römisch-katholische Pfarre der Apostolischen Administratur Banat unterstellt. Seit 1929 gehörte Jabuka zur Donau-Banschaft.

Jabuka im Zweiten Weltkrieg