Als Fünf Hegemonen () werden je nach Quelle unterschiedliche Herrscher zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen in China bezeichnet. Sie haben gemeinsam, dass sie die Vorherrschaft (Hegemonie) über die anderen chinesischen Fürsten ihrer Zeit erlangten.

Der offizielle Titel wird wörtlich mit ‚Oberherrscher‘, ‚der Senior‘Hsu, S. 552 oder ‚Tyrann‘ übersetzt, in diesem Zusammenhang aber als ‚Hegemon‘. Je nach Untersuchungszeitraum und Definition des Hegemoniestatus kommen weitaus mehr als nur fünf Fürsten aus jener Zeit in Betracht, sodass bereits die antiken chinesischen Historiker, welche die Bezeichnung prägten, sich uneinig darüber waren, welche der Fürsten zu den „Fünf“ gezählt werden sollen. Unstrittig sind lediglich Huan von Qi und Wen von Jin. Zeitleiste von Hegemonenin der Zhou-Zeitalle Jahresangaben v. Chr. Vorgeschichte Im Jahr 771 v. Chr. hatten die „barbarischen“ Quanrong die Hauptstadt des chinesischen Zhou-Königreichs, Haojing zerstört. Der Königshof zog nach Luoyang um, in die direkte Nachbarschaft der zwei loyalen Fürstentümer Jin und Zheng. Durch den Verlust seiner angestammten Ländereien hatte die Stellung des Zhou-Wangs (Zhoukönig) einen hohen Prestige- und auch Machtverlust zu verzeichnen, da dieser Herrscher nunmehr des Schutzes durch die Vasallen bedurfte. Die weit über hundert Fürstentümer Chinas, insbesondere die wenigen Flächenstaaten, genossen jetzt immer mehr Freiheiten bis hin zur Souveränität. Im Süden des Zhou-Reichs lag etwa das „halb-barbarische“ Reich von Chu, welches sich ab 703 v. Chr. als eigenständiges chinesisches Königreich betrachtete. Die äußere Bedrohungslage nicht nur an der Südgrenze zwang die große Mehrheit der nördlichen Zhou-Vasallen zum Zusammenhalt. Trotz der nunmehr bloß nominellen Herrscherdynastie und auch trotz innerer Konflikte hatte das Lehenssystem der Zhou noch bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. Bestand. Die zentrale Autorität des Zhou-Wangs nahm aber immer weiter ab und beschränkte sich schon nach wenigen Jahrzehnten bloß auf den zeremoniell-religiösen Charakter, das Mandat des Himmels auszuüben.

Frühe Hegemonie durch Zheng Gong Zhuang von Zheng war erfolgreicher Feldherr gegen die Xirong („West-Barbaren“) und wurde zum königlichen Berater von Wang Ping von Zhou ernannt – diese Position hatte er gegen königlichen Widerstand erzwungen und hatte auch einen Sohn Pings als Geisel erhalten. Als Huan von Zhou als Nachfolger Pings den Zhou-Thron bestieg, entfernte er Zhuang aus dem Amt des Beraters, woraufhin dieser offen gegen den Wang rebellierte. In der Schlacht von Xuge 707 v. Chr. besiegte Zhuang Gong seinen Herrscher und Huan Wang trug eine Pfeilwunde an der Schulter davon, wodurch das Zhou-Haus noch viel stärker an Ansehen verlor und nach der kostspieligen Niederlage auch finanziell von den Vasallen abhängig wurde. Zhuang Gong hatte bis zu seinem Tod 701 v. Chr. seine dominante Position unter den chinesischen Fürsten gesichert, doch nur wenige Historiker erkennen ihn als Teil der Reihe der Fünf Hegemonen an. Die Erben Zhuangs führten einen zwanzig Jahre währenden Bürgerkrieg, und Zheng stieg nie wieder in eine dominante Position unter den chinesischen Zhou-Vasallen auf.Hsu, S. 551–553Hsu, S. 568

„Klassische“ Hegemonen Der Status des Hegemons wurde, erstmal etabliert, an die Fürsten vergeben, welche den Wang und das bestehende Herrschaftssystem unterstützen und die Barbaren aus dem Reich fernhielten. Verstanden wurde unter diesem „Reich“ die Nordchinesische Ebene, in der sich die meisten Kleinstaaten der Zhou befanden. Charakteristisch ist jedoch, dass die vier dominanten Staaten und maßgeblichen Hegemonen im 7. Jahrhundert v. Chr. diejenigen waren, die sich in der Peripherie des Reiches ausdehnen konnten, und erst aus dieser Position der Stärke heraus die Kleinstaaten im Zentrum des Reichs annektieren konnten. Namentlich waren diese vier Staaten führend: Qin, Qi, Jin und ChuAnmerkung: Diese Staaten nach Wade-Giles-Umschrift: Ch'in, Ch'i, Chin, Ch'u. Die Herrscherdynastie Chou., wobei letzterem als südlichem Randgebiet der chinesischen Kultur stets eine Außenseiterrolle zukam.Hsu, S. 565–567 Entscheidend für die Macht eines Hegemons war einerseits seine direkte, persönliche Macht als Herrscher, sowie andererseits die gesammelte Macht seiner Allianz, die bei den wechselnden Bündnissen durchaus wechselhaft sein konnte.

mini|Karte Chinas in der Zeit der Östlichen Zhou; dunkelrot beschriftet die Staaten der fünf „klassischen“ Hegemonen und die Zhou-Hauptstadt. Erster Hegemon: Huan von Qi Als Ersten Hegemonen bezeichnen alle Historiker den Gong Huan von Qi, welcher von 685 bis 643 v. Chr. regierte. Dank seines obersten Ministers Guan Zhong gelangen ihm Reformen seines bereits durch Handel wohlhabenden Landes. Er zentralisierte etwa die Verwaltung der fünfzehn Gemeinden in Qi auf drei Amtspersonen: Er selbst sowie zwei hochstehende Minister waren nunmehr militärische Befehlshaber und zivile Oberverwalter in jeweils fünf dieser Gemeinden. Im Vergleich zu den anderen, loser organisierten Fürstentümern war somit der Zugriff des Gongs auf die Ressourcen des Landes schnell und unmittelbar möglich. In den folgenden Jahren zeigte sich der wirtschaftliche und militärische Erfolg Qis.Hsu, S. 553–554

667 v. Chr. versicherte sich Huan Qi Gong der Unterstützung anderer Fürstentümer: Die Fürsten von Lu, Song, Chen und Zheng wählten Huan zum Anführer ihrer Koalition. Bald darauf ernannte Hui Zhou Wang ihn zum . Damit wurde Huan der königliche Oberbefehl bei Feldzügen zugestanden. Den Oberbefehl nutzte Huan zur Truppenverteilung auf die Garnisonen des Reichs. Er griff in einen Machtkampf in Lu ein und schlug 664 v. Chr. in Yan die eindringenden Xirong sowie 660/659 v. Chr. in Wey und Xing die einfallenden Beidi („Nord-Barbaren“). Mit einer Allianz von acht Staaten eroberte er 656 den Staat Cai an der Südgrenze, was die Expansion des Chu-Reichs vorläufig stoppte.Hsu, S. 555–556 Insgesamt annektierte Huan Gong 35 andere Kleinstaaten.Hsu, S. 567

Als Hegemon Huan 643 v. Chr. starb, stritten sich seine Söhne in einem Bürgerkrieg um die Macht in Qi. Zwar konnte Gong Xiao von Qi im Jahr 642 die Macht erringen; vier seiner Brüder konspirierten aber weiterhin gegen ihn, was zu einer jahrzehntelangen Schwäche des Fürstentums führte, sodass es nicht länger die Hegemonie innehatte.Hsu, S. 560

Hegemonie durch Song Der langjährige Gong Xiang von Song war bereits ab dem Jahr 643 darum bemüht, den Titel des Hegemons zu erlangen. Begründet lag seine Ambition möglicherweise darin, dass sein Haus sich der direkten Abstammung der Shang-Dynastie rühmte. Wie zuvor Huan hielt er Zusammenkünfte der Fürsten ab, um sich deren Kooperation zu versichern, und ging gegen seine Rivalen militärisch vor. Er übernahm sich jedoch mit einem Feldzug gegen Chu im Jahr 638 und starb im Folgejahr an einer in der Schlacht zugezogenen Verwundung. Die nachfolgenden Gongs von Song spielten im Konzert der chinesischen Fürstentümer wieder eine bescheidenere Rolle. Eine offizielle Ernennung zum Hegemon erfolgte allerdings nicht, sodass nicht alle Historiker Xiang als Hegemon anerkennen.

Zweiter Hegemon: Wen von Jin In der Thronfolge übergangen, lebte Wen von Jin im Exil, bis er im Jahr 636 v. Chr. mithilfe der Streitkräfte des Mu von Qin seinen Neffen stürzte, selbst Gong wurde und die Reformen seines Vaters fortsetzte. Innerhalb weniger Jahre eroberte er 17 kleinere Fürstentümer, unterwarf sich 38 weitereHsu, S. 567 und integrierte dabei auch „barbarische“ Volksstämme des Nordens und Westens in sein Herrschaftsgebiet, wodurch er seine Macht weiter ausbaute.

635 v. Chr. unterstützte er Wang Xiang von Zhou und verhalf ihm als Anführer einer Loyalisten-Koalition wieder an die Macht. Dafür revanchierte sich der König mit zusätzlichen Lehen in strategisch günstiger Position. Die Bevölkerung dieser als „Geschenk“ erhaltenen Städte wurde bei der Eingliederung in das Jin-Reich nicht milde oder bevorzugt behandelt, selbst wenn sie zum alten Adel gehörte oder sogar Verbindungen zum Zhou-Hof vorweisen konnte.Hsu, S. 568 Wen schmiedete in der Folgezeit ein Bündnis mit den Staaten Qin und Qi, mit welchen er dann erfolgreich gegen Chu vorging. Nach der Schlacht von Chengpu, welche Chu verlor, belohnte Wang Xiang Gong Wen mit dem Ehrentitel des bà (Hegemons). Damit war Wen der zweite Fürst der Zhou-Ära, dem dieser Titel offiziell verliehen wurde. Nach seinem Tod 628 provozierte sein Nachfolger Xiang von Jin einen Konflikt mit Qin und unterlag dabei. Auch andere Konflikte mit den restlichen Fürstentümern brachen wieder auf, sodass die Oberhoheit Jins unterminiert wurde.Hsu, S. 558–560 Rein offiziell betrachtet, dauerte die Hegemonie Jins noch für Generationen an und wurde verschiedentlich vom Zhou-Wang bestätigt. Chinesische Historiker berücksichtigten diese Nachfolger Wens aber meist nicht als Hegemonen.

Hegemonie durch Qin Gong Mu von Qin, der seit 659 v. Chr. regierte und zuvor als Unterstützer und Schwiegervater Wen von Jins aufgetreten war, trat nach dessen Tod 628 in den Vordergrund des chinesischen Machtgefüges. Nach der Schlacht von Yao (gegen Jin) verzichtete er bewusst darauf, weiter gegen den innerchinesischen Rivalen vorzugehen. Stattdessen gelang ihm die Eingliederung von Ländereien der Xirong-„Barbaren“ in den chinesischen Einflussbereich sowie von insgesamt 12 anderen Staaten unter seine Herrschaft. Er war darum als mächtigster Fürst seiner Zeit anerkannt. Er führte bis zu seinem Tod 621 v. Chr. keine weiteren militärischen Feldzüge gegen rivalisierende Herrscher und schmiedete keine neuen strategischen Bündnisse. Da er auch nicht durch den Zhou-Wang als Hegemon bestätigt wurde, wird er nicht von allen Historikern als solcher anerkannt.

Hegemonie durch Chu Wang Zhuang von Chu wurde zeitgenössisch nicht als Wang (König), sondern als Zi (Vizegraf) bezeichnet. Nicht zuletzt dieses Missverhältnis zwischen seinem Titel am Zhou-Königshof und der tatsächlichen Macht seines südlichen Reiches hatte bereits seinen Vorfahren Wu von Chu zur Proklamation eines eigenen Königtums bewogen. Unter Zhuang, der ab 613 v. Chr. regierte, konnte Chu erneut nach Norden expandieren, ohne dass ihm diesmal eine nördliche Koalition Einhalt gebot. Zhuang zog sogar bis vor die Residenz der Zhou und ließ anfragen, wie schwer die „Neun Ding“ seien, zeremonielle Bronzegefäße, welche zu den Insignien der Zhou-Herrscher zählten: Die Drohung stand somit im Raum, dass der Wang von Chu die Kessel in seine eigene Hauptstadt bringen wollte. Die Residenz der Zhou blieb zwar letztlich unangetastet; doch Zhuang unterwarf den Staat Zheng und schlug eine Entsatzarmee des (offiziell noch amtierenden) Hegemon-Staates Jin so eindeutig, dass die faktische Dominanz Chus über die nördlichen Fürstentümer bis zu seinem Tod 591 v. Chr. feststand.Hsu, S. 560–562 Insgesamt annektierte Chu allein unter Zhuang 26 andere Staaten, darunter mehrere der zuvor bedeutendsten Zhou-Vasallen.Hsu, S. 567

Die Hegemonie Chus wurde offiziell nicht anerkannt, erst recht nicht durch den Zhou-Hof. Erst spätere Historiker gestanden Zhuang den Titel des Hegemons zu, dann jedoch fast ohne Einschränkungen. Dies war auch möglich, weil Chu sich immer weiter den chinesischen Kulturtraditionen angepasst hatte und in späteren Jahrhunderten schon lange nicht mehr den südlichen „Barbaren“-Reichen zugerechnet wurde. Entsprechend seinem großen Einfluss und aufgrund der Berichte, die ihn nach antiken Maßstäben als Idealherrscher schildern, wird Zhuang meist auf dem Rang drei der fünf Hegemonen geführt. Nach einer klassischen Einteilung, welche nur die oben genannten Hegemonen von 667–591 v. Chr. berücksichtigt, wurden Mu von Qin auf Platz vier und Xiang von Song auf Platz fünf geführt.

Späte Hegemonen