mini|Das Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar; 1904–1911 nach den Entwürfen von Henry van de Velde errichtetes Ateliergebäude der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst, seit 1996 UNESCO-Welterbestätte in Weimar in der Geschwister-Scholl-Straße 8

Die Bauhaus-Universität Weimar ist eine auf gestalterische und technische Bereiche spezialisierte Universität in Weimar, deren Ursprünge auf die 1860 gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstschule und auf das 1919 gegründete Staatliche Bauhaus zurückgehen. Diese Institution erlangte am 3. Juni 1910 den Rang einer Hochschule und erhielt 1996 ihren heutigen Namen. Sie ist eine von vier Universitäten im Freistaat Thüringen. Es sind mehr als 4000 Studenten immatrikuliert, wobei der Anteil an ausländischen Studenten über dem bundesweiten Durchschnitt bei ca. 27 % liegt.

Bildungsstandort Weimar Die Kunsterziehung und die Vermittlung von Fähigkeiten und Kenntnissen im künstlerischen, kunsthandwerklichen und musischen Bereich, sowie in der Baukunst, hatten in Weimar eine längere Tradition.

Im Jahr 1776 wurde die Fürstliche freie Zeichenschule Weimar gegründet, die erst 1860 nach der Eröffnung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule an Bedeutung verlor und im Jahr 1930 ersatzlos aufgehoben wurde.

Die ergänzend zu dieser Zeichenschule im Jahr 1829 von Clemens Wenzeslaus Coudray als Abend- und Sonntagsschule eingerichtete Freie Gewerkenschule (später Großherzoglich-Sächsische Baugewerkenschule beziehungsweise Staatliche Bauschule) ging 1926 in der Gothaer Bauschule auf.

Aus der 1872 eröffneten Orchesterschule ging die heutige Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar hervor.

Geschichte der Hochschule Kunstschule und Kunstgewerbeschule mini|Das Hufeisen (Südgiebel) der 1905–1906 von Henry van de Velde entworfenen Kunstgewerbeschule mini|Foyer des früheren Kunstschulgebäudes mit freischwingender Jugendstiltreppe und Auguste Rodins „Eva“ im Zentrum, heute Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar Die Universität geht zum einen auf die 1860 durch Großherzog Carl Alexander (Sachsen-Weimar-Eisenach) in Weimar gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstschule zurück, die 1902 in eine staatliche Institution umgewandelt wurde, jedoch dem Großherzoglichen Hause eng verbunden blieb. Lehrgebiete waren u. a. in Landschafts-, Historien-, Figuren- und Tiermalerei und auch Plastikenfertigung. Die Kunstschule vereinte zuletzt die Weimarer Malerschule und die 1905 gegründete Weimarer Bildhauerschule, die im „kooperierenden Verhältnis von hoher und angewandter Kunst“Silke Opitz: Ein Gentlemankünstler. Leben und Werk des Bildhauers Richard Engelmann (1868–1966). VDG Weimar, Weimar 2000, ISBN 3-89739-141-4, doi:10.1466/20061109.67 (Zugl.: Weimar, Bauhaus-Univ., Diss., 2000). in das Schulgefüge zwar integriert, aber separat verwaltet wurde. Die Institution wurde schließlich 1910 zur Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst erhöht. Zum anderen findet die Universität ihre Anfänge in der von 1907 bis 1915 bestehenden Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule. Beide Schulen verliehen ein Teilnahme- bzw. Abgangszeugnis.

Bekannte Künstler und Lehrende und Schüler dieser Zeit befinden sich unter den Einträgen der jeweiligen Schulen.

Direktoren der Malerschule 1860 Stanislaus Graf von Kalckreuth, Maler 1876 Theodor Hagen, Maler 1882 Albert Brendel, Maler 1885 Emil Graf von Schlitz genannt von Görtz, Bildhauer 1902 Hans Olde, Maler 1910 Fritz Mackensen, Maler 1916 kommissarische Leitung 1919 Eingliederung ins Bauhaus

Leiter der Bildhauerschule 1905 Adolf Brütt, Bildhauer 1910 Gottlieb Elster, Bildhauer 1913 Richard Engelmann, Bildhauer 1919 Eingliederung ins Bauhaus

Direktor der Kunstgewerbeschule 1907–1915 Henry van de Velde, Architekt und Designer diskutierter Nachfolgekandidat Walter Gropius

Bauhaus mini|Das Bauhaus-Signet Die Schulen wurden 1919 durch Walter Gropius zum Staatlichen Bauhaus Weimar vereinigt. Eine Kunstschule neuen Typs, Vorreiter der Moderne, deren Titel heute die Universität bezeichnet, entstand. 1923 fasste Gropius seine Idee in der radikalen Formel „Kunst und Technik – eine neue Einheit“Dörte Nicolaisen: Otto Bartning und die Staatliche Bauhochschule in Weimar 1926–1930. In: Das andere Bauhaus. Otto Bartning und die Staatliche Hochschule Weimar 1926–1930. Hrsg. für das Bauhaus-Archiv von Dörte Nicolaisen. Kupfergraben Verlagsgesellschaft, Berlin 1997, ISBN 3-89181-406-2, S. 11–44. zusammen. Sein auf „Zusammenarbeit mit der Industrie ausgerichtetes Konzept“ stieß auf Ablehnung, nicht zuletzt, weil er „von Anfang an fest entschlossen [war], einer neuen, auf die Architektur ausgerichteten Kunst gegen alle Widerstände den Weg zu ebnen“.

Die sich anbahnende Gleichstellung von Professoren und Werkstattleitern und unüberbrückbare Differenzen hatten zur Folge, dass sich „eine von der Architektur losgelöste, autonome und zweckfreie Kunst am Bauhaus nicht entwickeln“ konnte. Daher wurde 1921 die Staatliche Hochschule für bildende Kunst eingerichtet, an der sich akademisch-traditionell arbeitende Meister wie Richard Engelmann, Max Thedy, Walther Klemm, Alexander Olbricht und Hugo Gugg (Lehrer von Hedwig Holtz-Sommer) wiederfanden. Das Bauhaus existierte nur bis Frühjahr 1925 in Weimar und zog aus politischen Gründen nach Dessau um. Dort begann für das Bauhaus als Hochschule für Gestaltung eine neue bedeutende Entwicklungsetappe.

Zu den bekannten Künstlern und Lehrenden dieser Zeit gehören auch Karl Peter Röhl und Ludwig Hilberseimer. Bekannte Schüler sind Ernst Neufert und Ludwig Hirschfeld-Mack.

Direktor 1919–1925 Walter Gropius, Architekt

Staatliche Bauhochschule Weimar Als Nachfolgeeinrichtung des Bauhauses galt 1926 die Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunst, kurz genannt Bauhochschule, der erstmals, da die Staatliche Bauschule nach Gotha umgezogen war, die Realisierung einer regulären eigenen Architektenausbildung in Form eines Aufbaustudiums, ganz im Sinne van de Veldes und Gropius’ gelang. Die Bauhochschule knüpfte damit an die Idee des Bauhauses an, bot aber im Gegensatz zu diesem, eine starke Praxisorientierung. Das entsprach dem „Gedanken einer baubezogenen produktiven Werkgemeinschaft“, der eine der Grundlagen dieser Nachfolgeinstitution bildete. Das Experimentelle und Innovative des Bauhauses geriet etwas in den Hintergrund. 1929 verzeichnet die Bauhochschule 88 Studierende. Als Abschluss wurde ein Diplom in der Bauabteilung und der Titel Geselle bzw. Meister im handwerklichen Bereich vergeben.

Bekannte Künstler und Lehrende dieser Zeit sind: Ernst Neufert, Ludwig Hirschfeld-Mack, Cornelis van Eesteren, Otto Lindig (Lehrer von Walburga Külz), Wilhelm Wagenfeld.

Direktor 1925–1930 Otto Bartning, Architekt und Architekturtheoretiker

Hochschule für Baukunst, bildende Künste und Handwerk Ein weiteres Hemmnis in der Entwicklung der Hochschule bedeutete 1930 die Einsetzung Paul Schultze-Naumburgs als neuer Direktor durch die in der Thüringischen Landesregierung an die Macht gekommenen Nationalsozialisten. Unter dem Staatsminister für Inneres und Volksbildung Wilhelm Frick wurde der größte Teil des Lehrkörpers der Bauhochschule entlassen und eine dreigliedrige Hochschule geschaffen. Diese Staatlichen Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk wirkte im Sinne der nationalsozialistischen Kulturpolitik zur Etablierung einer „Deutschen Kunst“ der bisherigen Ausrichtung auf die Moderne entgegen.

Paul Schultze-Naumburg lehnte jegliche Phänomene einer industriellen Großstadtgesellschaft ab. Die neue Architektur sollte Gemütlichkeit verbreiten. Die deutschen Regionalstile, die heimatverbundenen Bauformen sollten beibehalten werden, um der Bevölkerung Bewusstsein und Orientierungshilfe zu geben, die angesichts der beschleunigten gesellschaftlichen und kulturellen Umwälzungen als notwendig erachtet wurde.Achim Preiss, Klaus-Jürgen Winkler: Weimarer Konzepte. Die Kunst- und Bauhochschule 1860–1995. VDG Weimar, Weimar 1996, ISBN 3-929742-84-5, doi:10.1466/20061106.78. Als Abschluss wurde der Titel Diplom-Architekt, ein einfaches Zeugnis für Künstler und der Titel Geselle bzw. Meister im handwerklichen Bereich vergeben.

Bekannte Künstler und Lehrende dieser Zeit sind Hermann Giesler, Hans Seytter (u. a. Stiftskirche (Stuttgart)), Walther Klemm, Alexander Olbricht, Hugo Gugg, Jürgen Wegener und Willem Bäumer.

Direktor 1930–1939 Paul Schultze-Naumburg, Architekt und Kunsttheoretiker

Staatliche Hochschule für Baukunst und bildende Künste 1942 erreichte die Einrichtung den Status einer Hochschule. Die Handwerksschule war bereits herausgelöstGerd Offenberg: Mosaik meines Lebens. Selbstverlag, o. O. [Mainz] 1974 (Band 1, ; Band 2, ). worden. Sie nannte sich nun Staatliche Hochschule für Baukunst und bildende Künste. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hochschule durch Einwirkung der SMA-Thüringen im Sinne einer antifaschistisch-demokratischen Neuordnung neu strukturiert und am 24. August 1946 wiedereröffnet. Seit 1946 leitete sie als Direktor der Architekt Hermann Henselmann, der bemüht war, die Hochschule auf den Wiederaufbau zu orientieren und auch an das Bauhaus anzuknüpfen. Es wurden Namensänderungen vorgeschlagen; etwa „Das Bauhaus – Hochschule für Baukunst und das gestaltende Hand- und Maschinenwerk“.

Dozent an der Schule war u. a. Heinz Tetzner, Student Carl Ihrke.

Es gab die am 1. Dezember 1947 als eigenständige Struktureinheit der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar eröffnete Lehmbauschule des Landes Thüringen in den Räumlichkeiten des ab 1957 bestehenden Deutschen Bienenmuseums in Oberweimar.Horst Schroeder: Lehmbau: Mit Lehm ökologisch planen und bauen, Wiesbaden 2010, S. 371 f. Die Einrichtung führte zeitweise den Namen Landeslehrstelle für Naturbauweise. Die Fachwerkbauweise mit Lehmbindern hatte in Weimar Tradition. Die bedeutsamsten Äußerungen dieser Einrichtung sind die Neubauernhöfe Rainer-Maria-Rilke-Straße 46 von 1946 und die Siedlung Neuehringsdorf.Lehmbauschule, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 274.Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen Bd. 4.2: Stadt Weimar. Stadterweiterung und Ortsteile. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 1025. Der Lehmbau wird auch noch heute an der Bauhaus-Universität Weimar gelehrt.Lehmbau auf www.wba-weimar.de

Direktoren 1940: kommissarischer Leiter Rudolf Rogler 1942: Gerhard Offenberg (1897–1987), Architekt (u. a. Wiederaufbauplanung Nordhausen) 1946: Hermann Henselmann, Architekt 1950: kommissarischer Leiter Friedrich August Finger (1885–1961), Bau- und Baustoffingenieur (u. a. Bauleiter bei der Bagdadbahn)

Hochschule für Architektur und Bauwesen Mit der Gründung der DDR und der Umstrukturierung im Hochschulwesen kam es 1951 zu strukturellen Wandlungen: Die bis dahin vom Bildhauer Siegfried Tschierschky geleitete Abteilung „Bildende Kunst“ wurde aufgelöst, die neue Hochschule für Architektur dem „Ministerium für Aufbau“ unterstellt und der Ausbau als eine technische Hochschule des Bauens vorangetrieben.

1954 erhielt die um die Fakultät „Bauingenieurwesen“ sowie die Fakultät „Baustoffkunde und Baustofftechnologie“ erweiterte Hochschule eine Rektoratsverfassung. Als erster Rektor der neuen Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (HAB) wurde der Architekt Otto Englberger ernannt, der als Professor für „Wohn- und Gesellschaftsbau“ die Hochschule bereits seit 1951 kommissarisch leitete. Die Weimarer Hochschule entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer bedeutenden Bildungseinrichtung des Bauens in der DDR mit Wirkung in Ost- und Westdeutschland. Es gab eine Arbeiter- und Bauernfakultät.Biografische Information zu Rolf-Rüdiger Weise