mini|Verlauf des geplanten Tunnels

Der Stad-Schiffstunnel () ist ein geplanter Schiffstunnel auf dem Gebiet der Gemeinde Stad in der westnorwegischen Provinz Vestland, der die Halbinsel Stad durchqueren soll.

Projektbeschreibung Der Tunnel soll den Isthmus zur Halbinsel Stadlandet ungefähr an der schmalsten Stelle mit etwa 1,7 km Breite queren und so für die Schifffahrt eine Verbindung zwischen dem Moldefjord bei Eide im Westen und dem Vanylvsfjord bei Kjøde im Osten herstellen. Er würde Schiffen damit ein Umfahren von Stadlandet durch das Nordmeer ersparen, wo besonders im Herbst und Winter sehr raue Wind- und Wasserverhältnisse mit gefährlichen Kreuzseen herrschen. An rund hundert Tagen im Jahr ist die See vor der auch Vestkapp genannten Landspitze Kjerringa schwer befahrbar. Im Stadhavet, dem Meer um Stad mit Felsen und Untiefen, haben seit Ende des Zweiten Weltkriegs bei 46 Havarien 33 Menschen ihr Leben verloren. Die geplante Wasserstraße würde die Verbindung zwischen Måløy und Torvik auf der Hurtigruten sicherer machen und soll auch für kleinere Fracht- und Kreuzfahrtschiffe befahrbar sein. Die auf der Hurtigruten verkehrenden Passagierschiffe mit bis zu 1000 Passagieren wurden ab 1993 gebaut und sind bis zu 21,50 Meter breit (Finnmarken), bis zu 138,50 Meter lang und haben bis zu 5,1 Meter Tiefgang (Fram).

Daher ist ein rund 1,7 km langer Tunnel geplant, dessen Profil im Querschnitt eine Höhe von 49 Metern, eine Breite von 36 Metern und eine Querschnittsfläche von ungefähr 1625 Quadratmetern haben soll. Die Firste soll als Rundbogen mit einem Radius von 18 m ausgeführt werden. Bei einer Wassertiefe von 12 m würde der Lichtraum über Wasser eine maximale Durchfahrtshöhe von 37 m erlauben. Das Fahrwasser selbst soll auf Höhe des Wasserspiegels 26,5 m breit sein und auf beiden Seiten flankiert werden von je 4,75 m breiten Zugangswegen mit Geländer und eingelassenen Nischen samt Aufstiegsleiter.Om Stad skipstunnel. In: Stad skipstunnel (norwegisch). Somit wäre der Schiffstunnel groß genug, um den Schiffen der Hurtigruten die Passage zu ermöglichen. Für den Bau der Tunnelröhre müssten rund 3 Millionen Kubikmeter Gestein ausgebrochen werden.

Der Tunnel könnte in wechselndem Einrichtungsverkehr befahren werden. Mit der Einhebung einer Maut ist zu rechnen. Die Bauzeit ist auf fünf Jahre prognostiziert.

Diskussion um Nutzen Für den Schiffstunnel wurden folgende Argumente genannt: Erhöhung der Schifffahrtssicherheit, insbesondere für kleinere Schiffe und Sportboote, die bei schlechtem Wetter stärker gefährdet sind genauere Planbarkeit für Fahrpläne und Vermeidung von wetterbedingten Verspätungen von Reedereien Verringerung der Emissionen von Schiffen Wirtschaftswachstum der Region durch die Erleichterung von Verkehr und Handel und Arbeitsplätze während der Bauphase Tourismus durch den Schiffstunnel als Sehenswürdigkeit als weltweit erster Tunnel für Schiffe normaler Größe

Gegen den Schiffstunnel wurden folgende Argumente genannt: Kosten für Bau und Instandhaltung Eingriffe in die Natur Risiken beim Bau durch Wassereinbrüche, Felsrutsche oder andere technische Störungen Ungewisser Nutzen und geringe Nachfrage. Die Hurtigruten AS erklärte 2018, den Tunnel nicht zu verwenden, da er keine Ersparnisse bringe. Ähnlich wurde im Dezember 2020 berichtet, dass für die Reederei Fjord Shipping der Tunnel keine Rolle spiele, denn für Schiffe ab einer gewissen Größe sei das Stadhavet kein besonderes Problem. Sicherheitsbedenken bei Rauchentwicklung oder Brand auf einem Schiff im Tunnel, keine Einsatzmöglichkeit von Rettungsbooten im Tunnel

Geschichte Erste Untersuchungen zum Stad-Schiffstunnel begannen 1990.

Im Dezember 2019 wurden 5 Millionen Norwegische Kronen (NOK) für Planungen im Jahr 2020 zugesichert. Im Dezember 2020 wurden auf Druck der Fremskrittspartiet (FrP) 75 Millionen NOK für den Baustart in den Haushalt für 2021 eingeplant. Die Minderheitsregierung bestehend aus den konservativen Høyre, der christlich-demokratischen Kristelig Folkeparti (KrF) und der liberalen Venstre hatte zuvor in ihrem Entwurf keine Haushaltsmittel dafür vorgesehen. Die Gesamtkosten wurden auf knapp 3 Mrd. Kronen (rund 295 Mio. Euro) angesetzt.

Der Tunnelbau wurde im Mai 2021 vom norwegischen Nationalparlament, dem Storting, genehmigt. Der Beginn der Bauarbeiten war mit Stand Oktober 2021 für das Jahr 2023 und die Fertigstellung für 2026 geplant, bei Baukosten zwischen knapp 3 und 4 Milliarden Kronen (etwa 300–400 Millionen Euro).

Im Januar 2023 legte das Kystverket Detailpläne für den zukünftigen Bau vor. Das Kystverket prognostizierte 2023 Kosten in Höhe von 7,1 Milliarden Kronen. Daraufhin ist das Kystverket durch das Parlament beauftragt worden, Einsparungen zu prüfen. Die Regierung hat das Projekt zurückgestellt, aber 2024 wieder aufgenommen.

Für eine Ausschreibung 2025 waren vier Bieter zugelassen, drei davon hatten bis zum Ende der Frist im Juli ein Angebot abgegeben. Die Verträge hätten im Herbst 2025 unterschrieben, die Bauarbeiten 2026 begonnen werden sollen.Stad ship tunnel: Four contractors have been prequalified. Kystverket, 28. Februar 2025 (englisch).Three bids received for the ship tunnel. Kystverket, 13. Juni 2025 (englisch).

Im Wahlkampf zur Parlamentswahl in Norwegen 2025 stellten mehrere Spitzenkandidaten dem Tunnelbau aufgrund der hohen Kosten in Frage. Nach der Wahl strich die Regierung Støre im Entwurf zum Haushaltsgesetz 2026 die für den Tunnel vorgesehenen Mittel und kündigte an, das Projekt nicht weiterzuführen. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre begründete dies mit den gestiegenen Kosten und damit, dass diese Ausgaben nicht zu rechtfertigen seien. Die geschätzten Kosten für den 1,7 Kilometer langen Tunnel liegen 2025 bei 9,8 Milliarden NOK. Für die Planungen und Grundstückskäufe wurden bis dahin schätzungsweise 390 Millionen Kronen ausgegeben, davon 290 Millionen Kronen vom Kystverket und 100 Millionen Kronen von den Kommunen in dem Gebiet.

Am 14. Oktober 2025 entschied die Mehrheit im Storting jedoch, dass Kystverket die Preisverhandlungen mit den drei Bietern der Ausschreibung aufnehmen soll, bevor über die Realisierung des Projektes entschieden wird. Das Kystverket hielt das Vorliegen eines endgültigen Angebots bis etwa Ostern 2026 für realistisch.

Die von der Arbeiderpartiet geführte Regierung unternahm mit dem im Mai 2026 vorgestellten Haushaltsentwurf einen erneuten Versuch, den Tunnelbau zu beenden. Dies wäre die größte Einzelkürzung im Verkehrshaushalt gewesen. Die Regierung hatte 5,4 Milliarden Kronen für das Projekt veranschlagt. Ebenfalls im Mai und Juni wurden zahlreiche Planänderungen im Umfeld des Tunnelbaus vorgenommen, darunter die Erweiterung der Planungsgrenzen, Schüttungsflächen für den Aushub, die mögliche Errichtung eines Bautunnels auf der Südseite, Änderungen von Verkehrsflächen und andere. Der Anfang Juni beschlossene revidierte Staatshaushalt sieht den Bau des Tunnels mit einem Kostenrahmen von 8,588 Milliarden Kronen vor. Der Generalunternehmervertrag wurde von Kystverket an den Baukonzern AF Gruppen vergeben und wurde am 17. August 2026 unterzeichnet. Nach einer Koordinierungsphase im August und einer Informationsveranstaltung am 2. September 2026 in Selje sowie vorbereitenden Tätigkeiten im Jahre 2026 soll der eigentliche Baubeginn 2027 erfolgen.

Bauvorbereitung Im Zusammenhang mit dem Bau müssen 17 Gebäude abgerissen werden, die für das Projekt erworben wurden. Dazu gehören Wohnhäuser, Nebengebäude, Schuppen, Garagen, Hütten und Bootshäuser. Zwei der Gebäude befinden sich am Moldefjord, die übrigen 15 in Kjøde. Die Arbeiten sollen im Januar 2027 abgeschlossen sein.

In Zusammenarbeit mit den Gemeinden Stad und Vanylven ist die Verlegung von insgesamt 12 Kilometer Wasserleitungen geplant: von Åheim bis zum Portalzugang in Kjøde sowie von Moldestad (Pelagia) bis zum Portalzugang am Moldefjord. Die Arbeiten sollen im April 2027 abgeschlossen sein.

Das Unternehmen Linja AS errichtet in Abstimmung mit Hovden Senior AS ein neues Umspannwerk in Kjøde Sør („Kjøde 1“). Dieses Umspannwerk soll die Stromversorgung für das künftige Pumpwerk, die Bootsrampe und den Montagebereich für das Bauunternehmen sicherstellen. Ein weiteres Umspannwerk wird in Kjøde Nord („Kjødspollen“) errichtet, um die Stromversorgung der Ortschaft, der künftigen Straßenbeleuchtung sowie den Baustrom für das Projekt sicherzustellen.

Eine neue Hochspannungsleitung zwischen Kjøde und Moldefjorden wurde genehmigt. Die Arbeiten sollen im Herbst 2026 beginnen. Die Leitung ist entscheidend für die ausreichende Stromversorgung der Bauarbeiten am Moldefjord und soll bis Ende 2026 fertiggestellt sein.

Weblinks

Stad Skipstunnel. Ny film om muligheter (… Neuer Film über Möglichkeiten) Skipsrevyen, Youtube.com, 7. November 2019 (8:12) (norwegisch) – Tunneldecke als etwa 60°-Zylindersegmentgewölbe dargestellt. „Erste Ideen für einen Tunnel kamen vor fast 150 Jahren auf.“ Video Stad Ship Tunnel (englisch) kystverketWEB, Kystverket, Norwegian Coastal Administration, Youtube.com, 12. Juni 2015 (2:04) Stad Skipstunnel 2014 HD (norwegisch) Støtt Media, Youtube, 18. November 2014 (5:00) – Mit Orten der Schiffshaverien (2:14/5:00)

Einzelnachweise

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