Die Drei Zinnen () sind ein markanter Gebirgsstock in den Sextner Dolomiten an der Grenze zwischen den italienischen Provinzen Belluno im Süden und Südtirol im Norden.

Die höchste Erhebung der Gruppe ist die hohe Große Zinne (ital. Cima Grande). Sie steht zwischen den beiden anderen Gipfeln, der Westlichen Zinne (Cima Ovest, ) und der Kleinen Zinne (Cima Piccola, ). Neben diesen markanten Felstürmen zählen noch mehrere weitere Gipfelpunkte zum Massiv, darunter die Punta di Frida () und der Preußturm, auch Kleinste Zinne (Torre Preuß, Cima Piccolissima, ).

Seit der Erstbesteigung der Großen Zinne im Jahr 1869 zählen die Drei Zinnen bei Kletterern zu den begehrtesten Gipfelzielen der Alpen. Sie sind durch zahlreiche Kletterrouten verschiedener Schwierigkeitsgrade erschlossen und wurden so zu einem Zentrum des alpinen Kletterns, von welchem viele wichtige Entwicklungen in der Geschichte dieses Sports ihren Ausgang nahmen. Darüber hinaus sind sie aufgrund ihrer leichten Erreichbarkeit eine Attraktion für den Massentourismus. Insbesondere die Ansicht der steilen Nordwände gehört zu den bekanntesten Landschaftsbildern der Alpen und gilt als Wahrzeichen der Dolomiten. Während des Gebirgskriegs im Ersten Weltkrieg waren die Drei Zinnen und ihre Umgebungsgebiete als Teil der Front zwischen dem Königreich Italien und Österreich-Ungarn heftig umkämpft.

Lage und Umgebung mini|Die Drei Zinnen und ihre Umgebung

Die Drei Zinnen erheben sich am Südrand des weitläufigen Zinnenplateaus mit der Langen Alm (La Grava Longa), einer alpinen Hochfläche auf ungefähr bis , die hier den Abschluss des Rienztals (Valle della Rienza) bildet. Dort liegen drei kleine Gebirgsseen, die Zinnenseen. Dieses Areal nördlich der Berge bis zu deren Gipfeln gehört zum Gemeindegebiet von Toblach in Südtirol und zum Naturpark Drei Zinnen (bis 2010 Naturpark Sextner Dolomiten), der seit 2009 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes ist.

Der in West-Ost-Richtung verlaufende Kamm der Zinnen bildet die Grenze zur Gemeinde Auronzo di Cadore in der Provinz Belluno, die zugleich die deutsch-italienische Sprachgrenze darstellt. Nach Nordosten führt dieser Kamm weiter zum hohen Paternsattel (Forcella Lavaredo), wo er nach Norden zu den Bergen Passportenkopf (Croda di Passaporto, ) und Paternkofel (Monte Paterno, ) abbiegt. Im Westen setzt er sich über den Übergang Forcella Col di Mezzo () zur Zinnenkuppe (Col di Mezzo) () und weiter zum hohen Katzenleiterkopf (Croda d’Arghena) fort.

Südwestlich der Drei Zinnen schließt sich an die Forcella Col di Mezzo das Plateau Plano di Longeres oberhalb des Valle di Rinbianco, eines Seitentals des Rienztals, an. Unmittelbar südlich der Westlichen Zinne trennt der Sattel Forcella di Longeres () den Plano di Longeres vom Vallone di Lavaredo, einem Seitental des Piavetals. Südlich liegt die Cadini-Gruppe.

Über den hohen Paternsattel als tiefsten Punkt lässt sich der Zwölferkofel als nächster Gipfel erreichen, der höher als die Große Zinne ist. Damit beträgt die Schartenhöhe der Großen Zinne 545 m, die Dominanz beträgt 4,25 km.Tabacco Wanderkarte: Blatt 10 – Sextner Dolomiten (1:25.000). Tabacco Editrice, ISBN 978-88-8315-010-4. (Gemessen bis Punkt 3.011 der Karte westlich des Zwölfergipfels)

Cortina d’Ampezzo, 17 Kilometer südwestlich gelegen, ist die größte Stadt in der Umgebung. Weitere größere Ortschaften sind Auronzo di Cadore 12 Kilometer südöstlich, Toblach 13 Kilometer nordwestlich und Innichen 12 Kilometer nördlich.

Orte, Stützpunkte und Wege mini|Die Dreizinnenhütte vor den Drei Zinnen

Der am leichtesten erreichbare Stützpunkt in der Umgebung der Drei Zinnen ist die Auronzohütte (Rifugio Auronzo, ). Diese Schutzhütte des Club Alpino Italiano (CAI) liegt unmittelbar südlich des Massivs oberhalb des Forcella di Longeres und ist vom südwestlich liegenden, zu Auronzo gehörenden Hotelort Misurina aus durch eine asphaltierte Mautstraße erschlossen. Von Südosten her kann die Hütte vom Lavaredotal über einen Wanderweg erreicht werden.

Etwa einen Kilometer östlich der Auronzohütte und von dort über einen breiten Fahrweg erreichbar liegt am Südostfuß der Kleinen Zinne die privat bewirtschaftete Schutzhütte Rifugio di Lavaredo ().

Nordwestlich der Zinnen liegt die im Sommer bewirtschaftete Almhütte Lange Alm (auch Lange Alpe, ). Ein Wanderweg führt von der Auronzohütte über die Forcella Col di Mezzo dorthin, ein weiterer von Norden aus dem Rienztal.

Die im Besitz des CAI befindliche, hoch gelegene Dreizinnenhütte nordöstlich der Drei Zinnen ist mit etwa einem Kilometer etwas weiter von dem Massiv entfernt. Sie ist besonders für den Ausblick auf die Nordwände bekannt und kann über einen breiten Wanderweg von der Auronzohütte aus über den Paternsattel erreicht werden. Weitere Zustiegsmöglichkeiten gibt es von Sexten durch den Fischleinboden von Osten, von Innichen aus durch das Innerfeldtal von Norden und durch das Rienztal von Höhlenstein (Landro) im Höhlensteintal (Valle di Landro). Von Südosten ist die Hütte von der Langen Alm her erreichbar.

Die Drei Zinnen mini|Die Drei Zinnen von Nordwesten, von der Langen Alm

Große Zinne Die Große Zinne (Cima Grande), die mittlere der Drei Zinnen, ist mit der höchste Gipfel der Gruppe. Sie fällt durch ihre 500 Meter hohe, senkrechte bis überhängende Nordwand auf, die manchmal zu den Großen Nordwänden der Alpen gezählt wird, obwohl sie im Gegensatz zu den anderen dieser Wände keine Eispassagen aufweist. Die Südseite ist weit weniger steil und von zahlreichen Bändern und Schuttterrassen durchzogen. Durch diese Südwand führt auch der Normalweg, mit einer Schwierigkeit von III (UIAA) die leichteste Route, die auch als Abstieg vom Gipfel genutzt wird. Weitere bekannte Kletterrouten sind die Nordostkante (Dibonakante, IV+), Dabistebaff (V) an der Nordostwand und Dülfer (V+) an der Westwand. Die Routen durch die Nordwand sind wesentlich schwieriger, hier sind vor allem die Direttissima (auch Hasse/Brandler, VIII+, VI A2), Sachsenweg (auch Superdirettissima, V A2), Via Camillotto Pellesier (X, V+ A2), Comici (VII, V+ A0), ISO 2000 (VIII+), Claudio-Barbier-Gedächtnisweg (IX-A0), Alpenrose (IX-) und Phantom der Zinne (IX+) zu nennen.

Im Osten liegen hinter der alpinistisch unbedeutenden Pyramide (ca. ) die Zinnenscharte und die Kleine Zinne. Im Westen bildet die Große Zinnenscharte die Abgrenzung zur Westlichen Zinne.Alpenvereinsführer, S. 120–141.

Die Erstbesteigung der Großen Zinne erfolgte am 21. August 1869 von Süden.Infotafel im Höhlensteintal, Nähe Dürrensee.

Der Schweizer Dani Arnold erklomm die Große Zinne 2019 über die klassische Nordwandroute (Comici-Dimai-Route) in nur 46 Minuten und 30 Sekunden.

Westliche Zinne mini|Blick von Höhlenstein (Landro) zur Großen (links) und Westlichen Zinne mit ihrem Vorbau (Croda degli Alpini, Il Mulo, Zinnenkopf)

Die hohe Westliche Zinne (Cima Ovest), früher auch Vordere oder Landroer Zinne genannt,Dumler, Drei Zinnen. S. 24. ähnelt in ihrer Form der Großen Zinne. Ihre Nordwand weist allerdings noch wesentlich stärker überhängende Passagen auf, die bis zu einer horizontalen Distanz von 40 Metern über den Wandfuß herausragen, so dass die Nordwand der Westlichen Zinne auch als „Größtes Dach der Alpen“ bezeichnet wird. Wegen ihres stufenförmigen Aufbaus wird sie auch häufig als „umgekehrte Riesentreppe“ beschrieben und gilt als eine der markantesten Felsformationen der Alpen.

Der Berg wird west- und südseitig von einem massiven Vorbau umgeben, der mit dem Torre Lavaredo , dem Zinnenkopf (Sasso di Landro, ), Croda di Mezzo (), Croda del Rifugio, auch Hüttenkofel (ca.), Il Mulo (ca.), Croda degli Alpini (), Croda Longéres und Torre Comici () mehrere weitere Gipfelpunkte aufweist. Dieser Vorbau ist von der Westlichen Zinne durch die Westliche Zinnenscharte getrennt, in seinem Westen liegt die Forcella Col di Mezzo. Im Osten ist der Westlichen Zinne zur Großen Zinnenscharte hin der Torre di Forcella della Grande vorgelagert.

Der Normalweg zur Westlichen Zinne führt von der Westlichen Zinnenscharte südwestseitig im Schwierigkeitsgrad II zum Gipfel, er ist heute hauptsächlich als Abstiegsroute von Bedeutung. Wichtige Routen sind der Dülferkamin (IV) in der Südwand, Innerkofler (IV) in der Ostwand, Langl/Löschner (IV) in der Nordostwand, die Demuthkante (Nordostkante, VII, V+ A0), Dülfer (IV+) in der Westwand und die Scoiattolikante (VIII, V+ A2). Durch die Nordwand führen die Schweizer Führe (VIII+, 6 A3), Cassin/Ratti (VIII, VI-A1), Baur-Dach (VI+ A3), Alpenliebe (IX), Jean-Couzy-Gedächtnisführe (auch Franzosenführe, X, 5+ A3), Bellavista (XI-, IX A3), PanAroma (XI-, IX A3)Alpenvereinsführer, S. 97–120. und Pressknödl (7c).

Die Erstbegehung der Westlichen Zinne erfolgte am 21. August 1879 von Süden.Infotafel im Höhlensteintal, Nähe Dürrensee.

Kleine Zinne, Punta di Frida und Preußturm mini|Gipfel der Kleinen Zinne, von der Nordostkante („Dibonakante“) der Großen Zinne gesehen. Rechts der südliche Vorgipfel Anticima. Blick auf die Südwestwand mit dem Normalweg

Das Massiv der Kleinen Zinne (Cima Piccola, ) ist im Vergleich zu Großer und Westlicher Zinne wesentlich stärker gegliedert und weist mit der Punta di Frida () und dem Preußturm () weitere bedeutende Gipfelpunkte auf. Weiterhin zu erwähnen sind die Anticima, ein südlicher Vorgipfel der Kleinen Zinne und die Allerkleinste Zinne (Torre Minor, oft auch nur als „Vorbau“ bezeichnet), ein kleiner Felsturm vor dem Preußturm.

Die Kleine Zinne, die sich durch die schlanke Form ihres Gipfelaufbaus von den anderen Zinnen unterscheidet, gilt mit einem Normalweg im Schwierigkeitsgrad IV (über die Südwestwand) als der am schwierigsten zu erreichende Zinnengipfel. Weitere wichtige Anstiege sind die Gelbe Kante (Spigolo Giallo, VI, V+ A0) an der Südkante, Innerkofler (IV+) und Fehrmannkamin (V+) an der Nordwand, Langl/Horn (V) an der Ostwand und Orgler (VI-), Egger/Sauscheck (VI+, V+ A0), Ötzi trifft Yeti (VIII+) und Gelbe Mauer (auch Perlen vor die Säue, IX-) an der Südwand.Alpenvereinsführer, S. 141–156

Auf die Punta di Frida führt der Normalweg (III) von Westen sowie mehrere weitere Routen wie Dülfer (IV+) in der Nordwand oder Zelger (IV) in der Südostwand.Alpenvereinsführer, S. 156–159

Der Preußturm (Torre Preuß), ursprünglich als Kleinste Zinne (Cima Piccolissima) oder Punta d’Emma bekannt, wurde 1928 nach Paul Preuß benannt, dem Erstbesteiger im August 1911.Schwenkmeier, Huber, Drei Zinnen. S. 43. Während dieser Name in Italien schnell beliebt war, wurde er im deutschsprachigen Raum wegen Preuß’ jüdischer Herkunft bald verschwiegen und ausschließlich die (von Preuß selbst geprägte) Bezeichnung „Kleinste Zinne“ gebraucht.Dumler, Drei Zinnen. S. 58. Seit den 1960er Jahren findet zunehmend wieder der Name „Preußturm“ Verwendung. Der wichtigste Anstieg ist der nordostseitig gelegene Preußriss (V), weiterhin sind die durch die Südostwand führenden Routen Cassin (VII-, VI A0) und Via Nobile (IX+) zu erwähnen.Alpenvereinsführer S. 160–167.

Die Erstbesteigung der Kleinen Zinne erfolgte am 25. Juli 1881 von Südwesten.Infotafel im Höhlensteintal, Nähe Dürrensee.

Geologie mini|Die Nordwand der Westlichen Zinne. Deutlich erkennbar die waagrechte Bankung. Felsstürze führten dort zur Bildung des bis zu 40 Meter überhängenden Dachs. Oberhalb davon haben Cyanobakterien den Fels schwarz gefärbt.