Die DDR-Oberliga 1989/90 war die 41. Auflage der höchsten Spielklasse der DDR und die vorletzte Saison vor der Auflösung der Liga 1991. Sie begann am 12. August 1989 und endete am 26. Mai 1990. Vorjahresmeister Dynamo Dresden konnte seinen Titel verteidigen und wurde somit zum achten Mal Meister.

Saisonverlauf Die Saison hatte ein spannendes Finale mit einem Dreikampf sowohl an der Tabellenspitze als auch am Tabellenende, noch dazu mit zwei direkten Duellen am letzten Spieltag. Um die Meisterschaft kämpften am letzten Spieltag Dynamo Dresden, der 1. FC Magdeburg und der FC Karl-Marx-Stadt mit jeweils 34:16 Punkten. Am Tabellenende kämpften die ebenfalls punktgleichen Mannschaften EFC Stahl, Wismut Aue und Fortschritt Bischofswerda um den letzten verbleibenden Nichtabstiegsplatz.

Durch ein 3:1 gegen den langjährigen Rivalen 1. FC Lok Leipzig sicherte sich Dresden den ersten Platz in der Abschlusstabelle und die Meisterschaft. Karl-Marx-Stadt siegte im direkten Duell gegen Magdeburg mit 1:0 und wurde Zweiter. Im Duell der Aufsteiger rettete sich Eisenhüttenstadt durch ein 2:0 gegen Bischofswerda. Neben den Bischofswerdaern musste auch Wismut Aue absteigen – nach 1019 Spielen und 38 Spielzeiten ununterbrochener Zugehörigkeit zur ersten Liga. Auch der aufsehenerregende 4:1-Auswärtssieg am letzten Spieltag beim Rekordmeister BFC Dynamo, der nach zehn Titeln in Folge sowie einer Vizemeisterschaft im Vorjahr nach dem Ausscheiden von Erfolgstrainer Jürgen Bogs ab Saisonstart von Helmut Jäschke und ab Januar 1990 von Peter Rohde betreut wurde und auf Rang 4 einlief, konnte den Abstieg des Teams aus dem Erzgebirge aufgrund des Sieges der Stahlstädter nicht mehr abwenden.

Die Saison war zudem durch die politischen Veränderungen in der DDR geprägt. Zum ersten Mal gab es für die Spieler die Möglichkeit, in die Bundesliga zu wechseln. Als Erster nutzte dies der BFC-Spieler Andreas Thom, welcher die Oberliga in Richtung Bayer Leverkusen verließ. Durch die Abgänge vieler Leistungsträger, von dem vor allem die bisherigen Top-Mannschaften betroffen waren, setzte im DDR-Fußball ein Wandel der Kräfteverhältnisse ein. Darüber hinaus führten die damit verbundene Abnahme des Leistungsniveaus, aber auch der beginnende Existenzkampf, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt, sowie die neuen Freizeit- und Reisemöglichkeiten zu einem deutlichen Rückgang der Besucherzahlen bei den Spielen.

Abschlusstabelle

rechts

(M) DDR-Meister der letzten Saison (P) Pokalsieger der letzten Saison (N) Aufsteiger aus der DDR-Liga 1988/89

Kreuztabelle

Die Kreuztabelle stellt die Ergebnisse aller Spiele dieser Saison dar. Die Heimmannschaft ist in der linken Spalte aufgelistet und die Gastmannschaft in der obersten Reihe.

1989/1990 22px|SG Dynamo Dresden 22px|FC Karl-Marx-Stadt 22px|1. FC Magdeburg 22px|FC Carl Zeiss Jena 22px|F.C. Hansa Rostock 22px|BSG Energie Cottbuszentriert|rahmenlos|23x23px 22px|HFC Chemie 22px|BSG Stahl Brandenburg 22px|FC Rot-Weiß Erfurt 22px|EFC Stahl 22px|FC Wismut Aue 22px|BSG Fortschritt Bischofswerda 1. SG Dynamo Dresden 2:0 3:1 6:1 0:4 1:1 3:0 3:1 2:0 3:2 3:1 2:1 3:0 3:0 2. FC Karl-Marx-Stadt 1:1 1:0 0:0 3:0 1:0 3:1 2:1 4:0 3:0 2:0 1:0 1:0 2:1 3. 1. FC Magdeburg 1:1 1:1 3:1 0:2 2:1 4:1 2:2 3:1 1:1 1:0 2:1 1:0 4:0 4. FC Berlin 1:1 0:0 2:1 2:0 3:0 1:1 1:3 3:1 5:1 2:2 0:0 1:4 1:0 5. FC Carl Zeiss Jena 1:1 1:1 0:2 1:1 2:1 1:0 0:0 2:0 2:2 1:0 1:1 1:0 1:0 6. F.C. Hansa Rostock 0:0 2:2 0:0 3:1 0:1 3:0 3:3 2:1 1:0 4:1 1:0 2:1 1:2 7. BSG Energie Cottbus 0:0 0:0 2:0 2:2 1:0 3:1 1:0 1:1 3:1 4:2 3:1 2:1 3:0 8. 1. FC Lokomotive Leipzig 1:1 1:2 1:2 1:2 1:0 2:2 2:0 1:0 0:1 2:1 2:0 2:1 3:1 9. Hallescher FC Chemie 2:2 4:0 0:5 1:2 1:1 1:1 3:0 1:0 1:3 3:0 2:2 3:1 4:0 10. BSG Stahl Brandenburg 2:2 2:2 0:1 1:1 4:0 1:1 2:0 1:1 1:1 1:1 0:0 4:2 0:2 11. FC Rot-Weiß Erfurt 2:0 1:0 1:1 1:3 4:1 0:1 2:2 2:0 1:1 0:0 0:0 1:1 3:0 12. Eisenhüttenstädter FC Stahl 2:2 0:0 0:0 1:1 1:2 1:1 1:1 2:2 0:1 3:1 2:2 0:0 2:0 13. FC Wismut Aue 1:1 1:1 0:0 0:0 0:0 3:2 2:1 0:1 1:1 0:3 3:0 2:1 1:3 14. BSG Fortschritt Bischofswerda 0:1 1:2 0:1 1:1 1:4 1:4 1:4 2:1 0:4 1:1 2:1 2:0 1:0

Statistik Die Meistermannschaft SG Dynamo Dresden Ronny Teuber (16 Spiele / – Tore) Frank Lieberam (25/-) Andreas Diebitz (13/-), Andreas Trautmann (16/1), Matthias Maucksch (18/-) Steffen Büttner (21/-), Hans-Uwe Pilz (24/2), Matthias Sammer (20/10), Matthias Döschner (24/2) Ulf Kirsten (25/10), Torsten Gütschow (25/18)

Trainer: Eduard Geyer bis 19. Spieltag, ab 20. Spieltag Reinhard Häfner außerdem: Thomas Köhler (Tor, 7/-), Frank Schulze (Tor, 3/-); Jörg Stübner (19/1), Andreas Wagenhaus (17/1), Detlef Schößler (14/-), Ralf Hauptmann (10/1), Sven Ratke (9/1), Ralf Minge (6/-), Uwe Jähnig (5/-), Rocco Milde (4/-), Sven Kmetsch (2/-), Mario Kern (1/-) ohne Einsatz: Uwe Kirchner

Tore 467 Tore ( 2,56 pro Spiel) wurden erzielt, wobei sich 144 Spieler als Torschützen auszeichnen konnten. 24 Strafstöße konnten verwandelt werden. Wolfgang Steinbach aus Magdeburg traf dreimal ins Schwarze. fünfmal trafen die Spieler ins eigene Netz. 1 Hattrick ging auf das Konto von: Heidrich (Karl-Marx-Stadt) gegen Halle (15. Sp.) Vier Tore (kein Hattrick dabei) pro Spiel: Wuckel (Magdeburg) gegen Cottbus (11. Sp.) Drei Tore (kein Hattrick) pro Spiel: Laeßig (Magdeburg) gegen Halle (12. Sp.) und Gütschow (Dresden) gegen den FC Berlin (22. Sp.).

TorschützenlisteSpielerMannschaft Tore1. Torsten Gütschow SG Dynamo Dresden 182. Steffen Heidrich FC Karl-Marx-Stadt 12 3. Uwe Rösler 1. FC Magdeburg 11 Markus Wuckel 1. FC Magdeburg 11 5. Ulf Kirsten SG Dynamo Dresden 10 Matthias Sammer SG Dynamo Dresden 10 Petrik Sander BSG Energie Cottbus 10

Zuschauer In 182 Spielen kamen 1 511 137 Zuschauer ( 8 303 pro Spiel) in die Stadien. Größte Zuschauerkulisse: 32 867 SG Dynamo Dresden – 1. FC Lok Leipzig (26. Sp.) Niedrigste Zuschauerkulisse: je 1 400 BFC Dynamo – BSG Stahl Eisenhüttenstadt (12. Sp.), FC Berlin – 1. FC Lok Leipzig (24. Sp.) und 1. FC Lok Leipzig – BSG Stahl Eisenhüttenstadt (25. Sp.).

Mannschaft Gesamt Heim Auswärts SG Dynamo Dresden 406067 15618 262867 20221 143200 11015 FC Karl-Marx-Stadt 213500 8212 112200 8631 101300 7792 1. FC Magdeburg 270650 10410 111500 8577 159150 12242 FC Berlin 186750 7183 71200 5477 115550 8888 FC Carl Zeiss Jena 149750 5760 56250 4327 93500 7192 F.C. Hansa Rostock 226090 8696 138440 10649 87650 6742 BSG Energie Cottbus 231220 8893 143720 11055 87500 6731 1. FC Lok Leipzig 189167 7276 61600 4738 127567 9813 HFC Chemie 201360 7745 99010 7616 102350 7873 BSG Stahl Brandenburg 196560 7560 93500 7192 103060 7928 FC Rot-Weiß Erfurt 176300 6781 71550 5504 104750 8058 Eisenhüttenstädter FC Stahl 161100 6196 68800 5292 92300 7100 FC Wismut Aue 232900 8958 127100 9777 105800 8138 BSG Fortschritt Bischofswerda 180860 6956 93400 7185 87460 6728

Verschiedenes 316 Spieler kamen zum Einsatz, davon waren 17 in allen Punktspielen dabei. Es gab 89 Heimsiege, 63 Unentschieden und 30 Auswärtssiege. Höchster Sieg: SG Dynamo Dresden – FC Berlin 6:1 (22. Sp.)Torreichstes Spiel: SG Dynamo Dresden – FC Berlin 6:1 (22. Sp.) 15 Feldverweise und 576 Verwarnungen verhängten die Unparteiischen, wobei 117 Spieler nach der dritten bzw. sechsten gelben Karte pausieren mussten.

Fußballer des Jahres 1989/90 SpielerMannschaft Punkte1. Ulf Kirsten SG Dynamo Dresden 1702. Rico Steinmann FC Karl-Marx-Stadt 1113. Thomas Doll FC Berlin 106

Siehe auch DDR-Fußball-Liga 1989/90 FDGB-Pokal 1989/90

Weblinks Ergebnisse und Tabelle auf rsssf.org DDR-Oberliga 1989/90 - Die Wendesaison auf mdr.de

Quellen Andreas Baingo, Michael Horn: Die Geschichte der DDR-Oberliga. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-428-6. Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3. FUWO: Jahrgänge 1989–1990, Sportverlag Berlin,

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