Die Herrschaft Regensberg entstand im Hochmittelalter als Gründung der Freiherren von Regensberg. Zwischen 1409 und 1798 war Regensberg eine Landvogtei («Äussere Vogtei») der Stadt Zürich. mini|200px|Schloss Regensberg, Herrschaftssitz von 1245 bis 1871
Freiherren von Regensberg
Die Freiherren von Regensberg waren ein bedeutendes Schweizer Adelsgeschlecht im Zürichgau. Ihre Blütezeit erlebten die Regensberger im Hochmittelalter, und zu ihrem Herrschaftsbereich gehörten weite Teile des heutigen Kantons Zürich. Zu ihren bekanntesten Gründungen zählen die Klöster Fahr und Rüti sowie die Städtchen Regensberg, Grüningen, Kaiserstuhl und Glanzenberg. Hinzu kam Streubesitz im Aargau, Thurgau und nördlich des Rheins bis nach St. Blasien im Schwarzwald sowie einige namhafte Burgen und Pfarrkirchen.
mini|Burg Alt-Regensberg, Aquarell von Ludwig Schulthess, um 1840 mini|Kloster Fahr, eine Enklave des Kantons Aargau mini|Kloster Rüti auf einem Stich von Johann Melchior Füssli um 1700 mini|Schloss und Kirche in Grüningen mini|Altstadt von Kaiserstuhl vom deutschen Ufer aus gesehen mini|Angebliche Zerstörung Glanzenbergs während der Regensberger Fehde, Zeichnung 1715 mini|Der Zürichgau in der Stumpf'schen Chronik von 1547/48 Die Abstammung der Freiherren von Regensberg geht vermutlich auf die burgundischen Grafen von Mömpelgard-Mâcon zurück. Lütold von Affoltern, ein Neffe Hunfrieds, gilt als Stammvater der Regensberger (Stand 20. April 2008) und liess um das Jahr 1040 in der Nähe von Regensdorf die Burg Alt-Regensberg (Altburg) errichten, an der heutigen Grenze zur Stadt Zürich, unweit des Katzensees. Sein Sohn Lütold I. (* um 1040, † 1088) begann sich nach der Burg zu nennen und begründete damit die Linie der Freiherren von Regensberg. Mit der Stiftung von Kloster Fahr im Jahr 1130 sicherten sich die Regensberger die Vogtei über dessen Besitzungen. (Stand 28. März 2008)
Territoriale Ausdehnung Lütold IV. (* um 1140, † 1218 in Akkon, Palästina) hatte seine Machtstellung bereits derart ausgebaut, dass er sich ab dem frühen 13. Jahrhundert Graf von Regensberg nennen konnte. Er besass zu diesem Zeitpunkt Güter und Rechte in weiten Teilen des westlichen Zürichgaus. Um das Jahr 1206Helvetia Sacra (Hrsg.): Die Prämonstratenser und Prämostratenerinnen in der Schweiz. Basel 2002. stiftete Lütold IV. das Prämonstratenser Kloster Rüti und schenkte der Abtei unter anderem Seegräben und die Mühle Aathal, mit Vorbehalt des Patronats und Schutzrechtes. Sein Nachfolger befreite die Abtei von Steuerabgaben in Grüningen und sicherte sich die Vogteirechte.
Als 1218 der letzte Zähringer und Reichsvogt des Zürichgaus starb, verlieh Kaiser Friedrich II. der Stadt Zürich die Reichsfreiheit und nahm die verbliebenen Lehen der Reichsvogtei an die Krone zurück. Teilstücke verlieh er an lokale Adelsgeschlechter, womit die Freiherren von Regensberg vermutlich Einfluss auf Teile der alten Reichsvogtei erlangten, wozu auch das Ufergebiet des Zürichsees gehörte. (Stand 28. März 2008)
Mit der Eröffnung des Gotthardpasses gewann der Nord-Süd-Handel stark an Bedeutung, und die Regensberger beabsichtigten vermutlich, den profitablen Warenfluss auch durch ihr Gebiet zu lenken. Im Rahmen der territorialen Konkurrenzierung zwischen den Regensbergern und der florierenden Stadt Zürich, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, bauten die Regensberger die Burg Fahr aus. Anliegend gründeten sie um das Jahr 1240 (Stand 20. April 2008) das Städtchen Glanzenberg «ennet der Limmat bei Dietikon», um den Handelsverkehr auf der Limmat zu kontrollieren.
Von Lütold V. oder seinem Sohn Ulrich (I.) wurde um 1245 auf der Lägern Burg und Städtchen Neu-Regensberg als der neue Stammsitz und Verwaltungssitz der Herrschaft Regensberg erbaut, gesichert von kleineren Vorwerken auf der Lägern.
Nach dem Tod von Lütold V. kam es zwischen seinen beiden Söhnen, Lütold VI. und Ulrich von Regensberg, wohl um Jahr 1250 zur Erbteilung. Ulrich erhielt das Burgstädtchen Neu-Regensberg sowie Besitz im Gebiet von Glanzenberg, Fahr und Weiningen.Website swisscastles.ch, Schlösser von Zürich, Regensberg (Stand 28. März 2008) Er residierte fortan auf Neu-Regensberg, sein Bruder Lütold VI. in Alt-Regensberg.
1253 übergab das Kloster St. Gallen die Vogteirechte über Grüningen, zusammen mit umliegenden Höfen an Lüthold VI. von Regensberg. Grüningen wurde wie das Städtchen Regensberg als Verwaltungszentrum und als eine der wichtigsten Besitzungen der Freiherren ausgebaut und befestigt.
Im Südwesten der Stadt Zürich dominierten die Regensberger Burgen Uetliberg und Friesenberg sowie vermutlich auch Burg Baldern den Zugang der Stadt Zürich am linken Ufer des Zürichsees, ins Säuliamt und in die Innerschweiz sowie ins Sihltal. Das rechte Seeufer wurde von der Burg Wulp oberhalb von Küsnacht überwacht. Im westlich der Stadt Zürich gelegenen Limmattal beherrschte Landenberg den Schiffsverkehr auf der Limmat und die Strasse Richtung Baden. Den Nordwesten Richtung Winterthur, Schaffhausen, ins Zürcher Oberland und östlich durch das Wehntal und nördlich zum Rhein sicherten die Burgen Alt-Regensberg und Neu-Regensberg.
Regensberger Fehde
Historisch verbrieft ist der Erbstreit ab 1264 um den beträchtlichen Nachlass der ausgestorbenen Grafen von Kyburg, in dessen Verlauf Graf Rudolf von Habsburg wohl Ansprüche der Regensberger überging und seine Territorialansprüche mit dem Niedergang der Regensberger ab 1268 festigen konnte.
Zeitgenössische Quellen zum Verlauf der sogenannten Regensberger Fehde fehlen. Spätmittelalterliche Chronisten berichten von der angeblichen Zerstörung der die Stadt Zürich behindernden Besitzungen der Freiherren, doch auf den angeblich zerstörten Burgen – Alt.Lägern, Burg und Städtchen Glanzenberg, Baldern, Burg Friesenberg, Üetliburg, Wulp und Utznaburg – konnte eine gewaltsame Zerstörung in den Jahren 1267/68 bislang nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.
Niedergang der Regensberger Nach der Regensberger Fehde gegen die mit der Stadt Zürich verbündeten Habsburger, die vor allem Graf Rudolf von Habsburg führte, setzte nach 1268 der wirtschaftliche und politische Niedergang der Regensberger ein. Bereits 1269 verkauften die Regensberger Grüningen als eines ihrer wertvollsten Besitztümer an Habsburg.
Das Klosterarchiv Einsiedeln erläutert im Professbuch der Äbte den schwerwiegenden Wandel im Kräftegleichgewicht des Zürichgaus Ende des 13. Jahrhunderts: … Als Graf Ludwig von Homberg aber den 27. April 1289 gestorben war, übertrug der König seiner Witwe Elisabeth auf deren Bitten die Höfe Stäfa, Erlenbach, Pfäffikon und Wollerau, dazu noch die Pfäfers gehörenden Höfe zu Männedorf und Tuggen. Die übrigen Höfe und die Vogtei blieben aber bei den Herzögen von Österreich. Dieser Übergang der Vogtei an die Habsburger hatte für das Stift die weittragendsten Folgen; denn als um diese Zeit der Marchenstreit wieder auflebte, nahm dieser ganz neue Formen an … Im Kloster wollten die Schwyzer vor allem dessen Vögte, die Habsburger, treffen. Auch die Vogtei über das Kloster Fahr wechselte damals ihren Inhaber. Ulrich I. von Neu-Regensberg, dessen Familie dem finanziellen Ruin entgegenging, verkaufte sie um 200 Mark seinem Oheim, Bischof Rudolf von Konstanz; der Sohn, Lütold VIII. kaufte sie aber um die gleiche Summe wieder zurück. Derselbe Lütold verkaufte dem Kloster Fahr einen Hof in Obersteinmauer. Um diese Zeit wurde wahrscheinlich auch das Hofrecht von Fahr niedergeschrieben, das freilich nur mehr in einer Kopie aus dem Jahre 1660 sich erhalten hat. Für die St. Gangulphskapelle erwirkte Abt Heinrich 1288 einen Ablassbrief von zwei Erzbischöfen und zehn Bischöfen, die sich am päpstlichen Hofe in Rieti befanden …Klosterarchiv Einsiedeln, Professbuch: Äbte, 20. Heinrich II. von Güttingen
In einer Urkunde vom 11. Juni 1300 verzichtete Ulrichs Witwe auf ihr Leibgeding zu Gunsten des Klosters Wettingen. Im folgenden Jahr erwarb das Kloster Fahr von Lütold VIII. von Regensberg den Hof Glanzenberg und andere Güter sowie weitere am 25. Februar 1301, als die Regensberger die Vogtei über das Kloster Fahr aufgaben, mit der Bitte, sie an Bertold und Jakob Schwenden, Bürger von Zürich, zu verleihen.Klosterarchiv Einsiedeln, Professbuch IV., Die Mönche des 13. Jahrhunderts Ulrichs Sohn Lütold VIII. musste im Jahr 1302 auch Neu-Regensberg an Habsburg-Österreich verkaufen. (Stand 28. März 2008) Lütold IX. hatte sich wahrscheinlich auf die Stammburg Alt-Regensberg zurückgezogen und stellte 1321 zum letzten Mal eine Urkunde aus. Als die Regensberger um das Jahr 1331 in der männlichen Linie mit Lütold IX. ausstarben, gelangte diese vermutlich letzte verbliebene Besitzung der Regensberger Herrschaft im Jahr 1350 durch Erbgang in den Besitz der Herren von Landenberg-Greifensee.
Herrschaft Regensberg unter Habsburg-Österreich Die Verlagerung des habsburgischen Machtzentrums nach Österreich spiegelt sich in den wiederholten Verpfändungen der Regensberger Besitzungen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Der nun habsburgisch-österreichische Besitz beziehungsweise das Amt Regensberg umfasste Güter und Rechte in der Gegend der Lägern, den die Herrschaft Regensberg dominierenden Höhenzug im Westen des heutigen Kantons Zürich, benannt nach Schloss und Städtchen Regensberg.
1409 verpfändete der Habsburger Regent von Vorderösterreich und Tirol, Herzog Friedrich «mit der leeren Tasche» die Herrschaft an Zürich. Zu einer Pfandauslösung kam es nicht. Einerseits fehlten Österreich die Mittel, andererseits verfolgte die Stadt Zürich seit Mitte des 14. Jahrhunderts eine expansive Territorialpolitik.
Landvogtei Regensberg (1417–1798) Nachdem das Pfand nicht eingelöst wurde, ging Regensberg im Jahr 1417 völlig an die Stadt Zürich über. Die Herrschaft wurde mit den Gemeinden Regensberg, Bachs, Boppelsen, Buchs, Dielsdorf, Niederweningen, Oberweningen, Otelfingen, Schleinikon, Schöfflisdorf, Niedersteinmaur, Obersteinmaur und Sünikon als Obervogtei, später als Landvogtei organisiert, verwaltet von einem Landvogt auf Schloss Regensberg. Das Amt grenzte an die zürcherischen «Inneren Vogteien» Neuamt und Regensdorf (Obervogteien) sowie an den Aargau.
mini|Bewaffneter Aufmarsch der Bauern vor der Stadt Zürich 1489 im Waldmannhandel, «Hönggerbericht» («Höngger Relation») um 1500 Wie beispielsweise in der Vogtei Grüningen, amtete der Landvogt als Statthalter von Zürich, mehr oder weniger mit harter Hand, wogegen sich die Bauern wiederholt auflehnten. So auch im Amt Regensberg 1489 beim Waldmannhandel, der zur Hinrichtung des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann führte. Eine stärkere Vereinheitlichung und Straffung der städtischen Herrschaft scheiterte mehrfach am Widerstand der Landbevölkerung, die sich ihre Privilegien aus Zeiten der relativen Unabhängigkeit von der Zürcher Obrigkeit erhalten wollte.
In Dielsdorf, Standort des ehemaligen Meierhofs der Freiherren von Regensberg, genossen sogar die Hörigen und Leibeigenen einen gewissen Wohlstand und Vorrechte gegenüber den Landbewohnern anderer Vogteien. Der Regensberger Hausmeier (lat. major domus) beaufsichtigte den örtlichen Meierhof und verwaltete zugleich auch die Naturalabgaben im Kellhofkeller des Klosters St. Gallen, einem der wichtigsten Grundbesitzer im Amt. Die «Gotteshausleute», wie die Untertanen des Klosters genannt wurden, galten als privilegiert , was sie vermutlich auch unter Habsburger Herrschaft (Habsburger Urbar) blieben, die beispielsweise in Rapperswil und Grüningen im Vergleich zu den Zürcher Landvögten mit milder Hand regierten.