mini|Plänerschichten im Steinbruch Přední Kopanina bei Prag mini|Plänerplatte, Oberfläche mit der typischen Fleckung
Pläner (Singular der, Plural die Pläner) ist die historische bzw. traditionelle summarische Bezeichnung für eine Reihe von marinen Sedimentgesteinen der Oberkreide, insbesondere des Cenoman und Turon in Mitteleuropa und im Baltikum. In modernen geowissenschaftlichen Systematiken findet sich der Ausdruck lediglich noch als Namensbestandteil einiger lithostratigraphischer Einheiten, jedoch nicht als sedimentpetrographischer Terminus. Dessen ungeachtet ist „Pläner“ im Bereich der Baugesteinsforschung, Archäologie und Architekturgeschichte seit langer Zeit und bis heute als Bezeichnung gängig und akzeptiert sowie Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Er ist vor allem in jenen Regionen bekannt, die entsprechende Lagerstätten und bauliche Zeugnisse ihrer Nutzung aufweisen, und hat äquivalente Bezeichnungen in mehreren europäischen Sprachen, z. B. (französisch), (polnisch, litauisch), (tschechisch, slowakisch).
Zu den verbindenden Merkmalen der als „Pläner“ bezeichneten Erscheinungen zählt neben der Genese und geochronologischen Einordnung vor allem die relativ feinbankige Struktur mit Schichtdicken von wenigen Millimetern bis maximal etwa 1,5 Meter. Diese ausgeprägte Schichtung hat den Abbau zur Gewinnung von gespaltenen Platten, Mauersteinen oder Bruchmaterial zum Kalkbrennen bereits seit frühen Bauepochen in Europa beeinflusst. Als mineralische Hauptbestandteile werden Quarz, Kalk, Tonminerale und Glimmer (hauptsächlich Glaukonit) genannt, wobei durch die je nach Vorkommen unterschiedlichen Anteilsverhältnisse der Gemengteile praktisch die gesamte Bandbreite zwischen Kalkstein, Quarzsandstein und Tonstein überstrichen wird. Die Farbe der Pläner schwankt zwischen graubeige und goldbeige. Zudem weist das Gestein oft eine charakteristische Fleckung auf.
Das vielgestaltige Erscheinungsbild der Pläner hat sich in einer ebensolchen Vielfalt an Bezeichnungen und Systematisierungsversuchen der einzelnen Typen niedergeschlagen. mini|Steinbruch Přední Kopanina bei Prag mini|Plänermauerwerk, Kirche in Přední Kopanina, Prag (erbaut 12. Jahrhundert)
Terminus Die Verwendung des Begriffs Pläner als Bezeichnung einer stratigraphischen Stufe oder lithostratigraphischen Gruppe innerhalb der Kreideformation hat eine lange Geschichte. Schon Johann Friedrich Wilhelm Toussaint von Charpentier verwendete 1778 in seiner Karte über die Mineralogische Geographie der Chursächsischen Lande diese Bezeichnung und unterschied die Kreide Sachsens in den Plänerkalk und den Quadersandstein.Karl Alfred von Zittel: Geschichte der Geologie und Paläontologie. München Leipzig, R. Oldenbourg, 1899 Abraham Gottlob Werner folgte dieser Bezeichnung und verwendete sie um 1790 zur Darstellung seiner petrographisch abgeleiteten Schichtenfolge.Otfried Wagenbreth: Geschichte der Geologie in Deutschland, Enke Verlag, Stuttgart 1999, S. 33, ISBN 3-13-118361-6 Zahlreiche Arbeiten griffen sie auf, etwa August von Strombeck 1857 oder Anfang des 20. Jahrhunderts Hans Stille.August von Strombeck: Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze, In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde, Jahrgang 1857, S. 785–789, Stuttgart 1857Hans Stille: Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn, In: Abhandlungen der koniglich-preußischen Landes-Anstalt und Bergakademie, Neue Folge, Bd. 38, 129 S., 1903, Berlin Viele der stratigraphischen Bezeichnungen, die diesen Begriff verwenden – etwa Cenoman-Pläner oder Rotpläner –, sind heute nicht mehr gültig, einige werden jedoch auch heute noch als offizielle stratigraphische Bezeichnungen verwendet (Plänerkalk-Gruppe und davon abgeleitete Bezeichnungen).Cenoman-Pläner, Rotpläner, Plänerkalk-Gruppe, Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands (LithoLex), Online-Datenbank des BGR in Hannover
Die Herkunft des deutschen Wortes „Pläner“ ist umstritten. Einerseits wird das Wort auf die – im Vergleich etwa zu den ebenfalls aus der Oberkreide stammenden, grobbankigen Quadersandsteinen – geringe Verwitterungsresistenz der Pläner im Gelände zurückgeführt, die flache, „sanfte“ (plane) Oberflächenformen hervorruft.Hans Murawski: Geologisches Wörterbuch. Enke, Stuttgart 1992, ISBN 3-432-84109-4, S. 149. Carl Friedrich Naumann und Bernhard von Cotta legten seine Erscheinungsform im Gelände zugrunde und beschrieben es in ihrer Geognostischen Beschreibung des Königreichs Sachsen: "Der Plänersandstein ist häufig in dünne Schichtplatten zerspalten, welche zu der Benennung Pläner Veranlassung gaben und welche unbearbeitet als gute Bausteine geschätzt werden."C. Fr. Naumann / B. Cotta: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen. Geognostische Skizze der Umgegend von Dresden und Meissen. Dresden, Leipzig (Arnoldische Buchhandlung) 1845, S. 476 – Google Books
Andererseits soll der Name eine Ableitung vom Ortschaftsnamen Plauen sein.Hohl, Rudolf (Hrsg.): Die Entwicklungsgeschichte der Erde. 6. Auflage, Werner Dausien Verlag, Hanau 1985, 703 S., ISBN 3-768-46526-8, S. 638 Diese Ableitung wird auf den Dresdner Ratsarchivar Otto Richter (1852–1922) zurückgeführt. In der Umgebung von Dresden-Plauen, jedoch auf den gesamten südlichen Höhenzügen von Dresden, befinden sich ausgedehnte Plänerlagerstätten, die bereits im frühen Mittelalter zu Bausteinzwecken ausgebeutet wurden. Richter bezog sich dabei auf eine von ihm wahrgenommene Wandlung von Plauener Stein über Plaunerstein zu Planerstein.O. Richter, Sitzungs-Berichte Isis Dresden, 1882, S. 13–14
In Johann Christoph Adelungs Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart von 1808 wird angeführt, dass "Pläner" die Pluralform von "Der Planer" ist, was für "flache Steine" steht. Ferner gibt das Wörterbuch eine Erläuterung zum Wortinhalt: "Den Fußboden mit Plänern belegen, mit Platten, sie mögen nun gebrannte Steine oder Bruchsteine seyn." Dieses Zitat lässt auf eine sehr allgemeine bauhistorische Rolle des Begriffes Pläner schließen.Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Dritter Theil, von M-Scr. Wien 1808, Sp. 778
Franz Loewinson-Lessing nennt in der deutschen Fassung seines Petrographischen Lexikons (1893): „Plänerkalk und Plänermergel sind in Platten abgesonderte helle zur Kreideformation gehörige Gesteine.“F. Loewinson-Lessing: Petrographisches Lexikon. Repertorium der petrographischen Termini und Benennungen. Jurjew 1893, S. 179
Fremdsprachige Bezeichnungen mini|Plänermauerwerk in Dresden-Coschütz In den westslawischen Sprachen Polnisch und Tschechisch ist der Begriff „Pläner“ unbekannt und dafür unter anderem die Bezeichnung opoka oder opuka üblich. Nach Krištofoviča und Spižarskij ist das aus dem Polnischen entlehnt,Т.Н. Спижарский: Геологические словарь, Teil II. Moskau 1960, S. 95 genauso der litauische Begriff opoka wurde vom baltischen Nachbarland Polen übernommen.
Opoka steht im Altslawischen für Felsen.Aleksander Brückner: Słownik etymologiczny języka polskiego. Warszawa 1970, S. 380 Aus dem Altslawischen sind weitere Bedeutungen überliefert: Felsboden, Felsengrund, Fundament.Stanisława Skorupki / Haliny Auderskiej / Zofii Łempickiej: Maly słownik języka polskiego. Warszawa 1968, S. 512
Im Serbokroatischen werden unter opeka zahlreiche miteinander verwandte Sachverhalte verstanden: Backstein, Stein, Ziegel, Ziegelstein. Hier hat das Wort eine sehr allgemeine Bedeutung, welches durch ein kombiniertes Adjektiv eine Vielzahl konkreter Benennungen ergibt. Beispielsweise wird Ziegelerde als glina opekarska bezeichnet.
In älterer geowissenschaftlicher Literatur Böhmens bezeichnet man mit Große Opuka (Velká opuka) und Kleine Opuka (Malá opuka) zwei in den Kohleflözen um Radnice eingeschaltete laterale (planare) Schichtenfolgen von Schiefertonen des Karbons, deren einzelne Lagen eine geringe Mächtigkeit von wenigen Zentimetern bis Dezimetern aufweisen. Die Heranziehung des Wortes "Opuka" im Zusammenhang mit der Beschreibung einer speziellen sedimentpetrographischen Lagebeziehung und Ausdehnung gibt ein Beispiel für dessen sprachliche Anwendung.Friedrich Katzer: Geologie von Böhmen. Prag 1902 (2. Ausg.) S. 1085–1086
Im Böhmischdeutschen Wörterbuch von J. Herzer wird Opuka für die deutschen Entsprechungen Plänerkalk, Planerkalk, Pläner, Tofstein, Planer, Sandschiefer und Sandmergel aufgeführt. Als weitere Bedeutungen sind Kohlenschiefer und Kluft genannt. Als Adjektiv opučný wird der Begriff in Wortverbindung mit "Tof- oder Schiefer-" verwendet. Das tschechische Adjektiv opukastý beschreibt im Deutschen die petrographische Eigenschaft "mergelig", die Begriffe opukalost bzw. opuklost bezeichnen eine "ritzige oder abgesprungene Beschaffenheit" und opukovatý beschreibt einen "schieferigen" Zustand.J. Herzer, Českoněmecký Slovník. Böhmischdeutsches Wörterbuch. Bd. 1 A-O, Prag 1909 S. 1338
Der Pläner trägt darüber hinaus eine Vielzahl unterschiedlicher fremdsprachige Bezeichnungen, oft existieren mehrere in einer Sprache: Polnisch: neben opoka auch opoka odwapniona, opoka lekka, ziemia bieląca und geza, margle Tschechisch: neben opuka auch silicit, diatomit, spongilit, slínovec Russisch: опока (opoka), гэз (gez), геза (geza), пленер (plener), auch: кремнистая глина (kremnistaja glina), кремнистый мергель (kremnistyj mergel) Litauisch: opoka Rumänisch: Gaize Ungarisch: neben opoka auch diatómaföld Serbokroatisch: glineni lapor (Tonmergel) Englisch: gaize, pläner sandstone, opoka Französisch: gaize, auch marne sableuse, pierre morte Portugiesisch: gaiza
Spongilit (Spongiolith) Eine andere moderne und gelegentlich verwendete Gesteinsbezeichnung ist Spongilit. Sie wird besonders in der Tschechischen Republik angewandt und bezieht sich auf typische fossile Bestandteile des Opukas, die Spongien (Schwämme). In der Fossiliengruppe Porifera werden die Klassen Glasschwämme (auch Kieselschwämme) (Hyalospongea, syn. Hexactinellida) und Kalkschwämme (Calcarea) unterschieden. Beide sind in der Kreidezeit an gesteinsbildenden Prozessen wesentlich beteiligt gewesen.
Entstehung Alle hier beschriebenen Pläner entstanden aus Sedimenten eines Epikontinentalmeeres, das in der Kreidezeit mehrmals weite Teile des Erdkrustenbezirks überflutete, den wir heute als Mitteleuropa kennen. Auf dem Höhepunkt der Transgression im Cenoman und Turon (vor etwa 100 bis 90 Mio. Jahren) stand der von Süden her vordringende Tethys-Ozean im Bereich des (heute so genannten) Elbe-Lineaments mit dem nördlichen Ozean in Verbindung. In die relativ flachen Meeresbecken lieferten Flüsse von den umliegenden Festländern und einigen größeren Inseln her Verwitterungsmaterial, das heute als Sandsteine, Pläner und Mergel vorliegt.Roland Brinkmann: Abriss der Geologie, 2. Bd. Historische Geologie. Stuttgart (Ferdinand Enke Verlag) 1959
In der Nähe von Küstenzonen bildeten sich vorrangig die Quadersandsteine. Durch das verbreitete rasenförmige Wachstum bestimmter Meereslebewesen wie der oben erwähnten Schwämme lagerten sich zusätzlich sehr feine Quarzanteile in die Ablagerungen des Meeres ein. Zusätzlich traten Schlicke aus Diatomeen (Kieselalgen), Bryozoen, Foraminiferen und Coccolithen auf, die nach dem Absterben mit ihren Skelettresten oder Gehäusefragmenten zur Bildung der Pläner entscheidend beitrugen. Ehemalige Flüsse transportierten gelöste Kieselsäure in die Sedimente, die sich später in kolloiden Quarz umwandelte und die Verfestigung des sich bildenden Gesteins förderte. Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass die Kieselschwämme eher tiefere Meereslagen bevorzugten und die Kalkschwämme in ufernahen Bereichen (vor allem bei Transgressionsbildungen) auftraten. Auf diese Weise sind die erheblichen Schwankungen im Quarz- bzw. Kalkgehalt der Pläner zu erklären.
Mineralogische Zusammensetzung und petrographische Beschreibung