mini|Ehemalige Logos (2012) mini|Nordkurier-Gebäude, Flurstraße 2, Neubrandenburg
Der Nordkurier ist eine deutsche Tageszeitung. Sie wird als Regionalzeitung überwiegend in Ostmecklenburg, im südlichen Teil Vorpommerns sowie im Landkreis Uckermark im nördlichen Brandenburg vertrieben. Das traditionelle Verbreitungsgebiet ist weitestgehend identisch mit den Grenzen des ehemaligen Bezirks Neubrandenburg der DDR.
Geschichte Hervorgegangen ist der Nordkurier aus der Zeitung Freie Erde, dem ehemaligen Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Freie Erde erschien von August 1952 bis März 1990, zuerst als Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der SED und ab 1989 als Sozialistische Tageszeitung im Bezirk Neubrandenburg.
Herausgeber An der Nordkurier-Mediengruppe, die den Nordkurier verlegt, waren bis 2021 zu jeweils einem Drittel der Verlag der Kieler Nachrichten, der Schwäbische Verlag sowie die Presse-Druck- und Verlags-GmbH beteiligt. Rückwirkend zum 1. Januar 2021 einigten sich diese drei Gesellschafter im Juli 2021 darauf, dass der Schwäbische Verlag alleiniger Gesellschafter wird.Schwäbisch Media übernimmt Nordkurier komplett. In: Schwäbische Zeitung. 28. Juli 2021. Zur Nordkurier-Mediengruppe gehört ein eigenes Logistikunternehmen, das die Nordkurier-Zeitungen, Briefe und Pakete zustellt.Unruhe bei der Nordkurier-Gruppe: Ostdeutscher Regionalzeitungsverlag kündigt 60 Zeitungszustellern. In: Meedia. 10. Januar 2018, abgerufen am 18. Juli 2020. Lutz Schumacher, der Geschäftsführer der SV-Gruppe, will durch die Zusammenführung ein zukunftsfähigeres Medienhaus schaffen, das „für zuverlässigen lokalen und regionalen Journalismus einsteht“. Seit Anfang 2024 greifen die Onlineportale der Zeitungen Schweriner Volkszeitung, Norddeutsche Neueste Nachrichten und Nordkurier auf die gleichen Inhalte zurück, sollen aber dennoch als getrennte Namen erhalten bleiben. Auch die Printausgabe aller drei Zeitungen wurden weitgehend dem Nordkurier angepasst und Redaktionen vereinheitlicht.
Chefredakteure Chefredakteure der Freien Erde: Zeitraum Name 1952–1956 Karl-Heinz Karge 1956–1961 Horst Jonas 1962–1964 Heinrich Thomas 1964–1989 Gerhard Schiedewitz 1989–1990 Heinzgeorg Oette
Die auf Usedom erscheinende Lokalausgabe wird unter dem abweichenden Titel Usedom Kurier herausgegeben. Sie steht in direkter Konkurrenz zur Usedom-Peene-Zeitung, der Lokalausgabe der dort erscheinenden Ostsee-Zeitung. Diese Situation entstand aus der Kreisgebietsreform 1994 durch die Zusammenlegung der Kreise Anklam (ehemals Bezirk Neubrandenburg, dadurch traditionelle Zeitung Freie Erde), Greifswald-Land und Wolgast (beide ehemals Bezirk Rostock mit dem Bezirksorgan Ostseezeitung). In Brandenburg heißt die Lokalausgabe Uckermark Kurier.
Nach dem Umbruch in der DDR 1989/1990 wurde zunächst in den alten Räumen weiter gearbeitet. Nachdem der damalige Finanzminister Theo Waigel am 30. September 1992 den Grundstein legte, bezog das durch die Treuhandanstalt privatisierte Unternehmen 1993/1994 ein neu errichtetes Druck- und Verlagshaus auf dem Neubrandenburger Datzeberg.
Chefredakteure des Nordkurier: Zeitraum Name 1990–1992 Heinzgeorg Oette 1992–2002 Gerhard Deckl 2002–2009 André Uzulis 2009–2013 Michael Seidel 2013–2019 Lutz Schumacher 2019–2022 Jürgen Mladek 2022–2024 Gabriel Kords 2024–2025 Philippe Debionne seit 2025 Gabriel Kords
Auflage Der Nordkurier hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Sie beträgt gegenwärtig Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei Prozent.
Produktion und Dienstleistungen Von April 2009 bis März 2013 produzierte der Nordkurier seinen Mantelteil nicht mehr selbst, diesen lieferte die mv:m Mantelredaktion GmbH mit Sitz in Schwerin.ddp: . In: news-adhoc.com. 13. Januar 2009, abgerufen am 18. Juli 2020. Seit April 2013 erstellt der Nordkurier seinen Mantel wieder in Eigenregie und stockte dazu die Redaktion um 14 auf 120 Mitarbeiter auf. Hintergrund des neuen Konzepts war auch der Bau eines neuen Druckzentrums mit einer neuen Druckmaschine, was eine Umstellung des Zeitungsformats vom Rheinischen auf das Berliner Format bedeutete. Dadurch ließ sich das Layout des Kooperationspartners Schweriner Volkszeitung nicht mehr so einfach übernehmen. Zudem hätten „verschiedene redaktionelle Neuausrichtungen in andere publizistische Ansprüche als zu Beginn der Kooperation“ gemündet.Lars Radau: Der Querdenker von der Tankstelle. In: journalist. 4/2013, S. 38 ff.
Im Verlag des Nordkuriers erscheinen acht Ausgaben des Wochenblattes Anzeigenkurier mit einer Gesamtauflage von 321.000 Exemplaren wöchentlich.
Regionalteile Als Kopfblätter erscheinen: Ausgabe Verkaufte Auflage, Mo–Sa ( Details auf ivw.eu) Anklam (Vorpommern Kurier) Usedom (Insel-Zeitung im Usedom Kurier) Demmin (Demminer Zeitung) Neubrandenburg (Neubrandenburger Zeitung) Altentreptow (Treptower Tageblatt) Neustrelitz (Strelitzer Zeitung) Pasewalk (Pasewalker Zeitung) Prenzlau (Prenzlauer Zeitung im Uckermark Kurier) Templin (Templiner Zeitung im Uckermark Kurier) Teterow (Mecklenburger Schweiz – Teterow) Malchin (Mecklenburger Schweiz – Malchin) Ueckermünde (Haff-Zeitung) Waren (Müritz-Zeitung)
Strafverfahren wegen des Begriffs Rabauken-Jäger Überregional berichtet wurde über ein Verfahren gegen einen Nordkurier-Reporter, der einen Jäger, der ein totes Reh an einem Seil hinter seinem Auto über die Straße geschleift hatte, im Juni 2014 als Rabauken-Jäger bezeichnete. Das Amtsgericht Pasewalk verurteilte den Journalisten im Mai 2015 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro, im Februar 2016 bestätigte das Landgericht Neubrandenburg die Strafe. Das Oberlandesgericht Rostock hob sie im September 2016 auf. Vor allem weil der Jäger leicht zu identifizieren war, sprach der Deutsche Presserat eine Missbilligung aus.
Kritik Der Katapult-Chefredakteur Benjamin Fredrich warf dem Nordkurier 2020 vor, systematisch mit Rassismus zu arbeiten, um eine höhere Reichweite zu erzielen. „Ich glaube, die haben irgendwann mal rausgefunden, welche Artikel bei ihnen ganz gut laufen und das waren nun mal die hetzerischen – Ausländer schlecht, Einheimischer gut – Afrikaner greift Deutschen an – die gegen uns“, schrieb er in einem Online-Artikel. Seine Kritik zielte nicht nur auf die Berichterstattung ab, sondern auch die fehlende Moderation der Kommentare auf der Nordkurier-Facebook-Seite: „Einige Leute vom Nordkurier sind waschechte Rassisten, die die Mordfantasien ihrer Leser erst schüren und anschließend auf ihren Kanälen dulden. Damit verletzen sie gleichzeitig den Pressekodex und das Grundgesetz.“
Im Januar 2021 warf der Autor Hendrik Wieduwilt bei Übermedien der Textchefin des Nordkuriers, Simone Schamann, vor, einem Interviewgast nach mehreren Falschaussagen nicht widersprochen zu haben. Der Anwalt hatte die These aufgestellt, dass der im Rahmen der COVID-19-Pandemie verhängte Lockdown gegen EU-Recht verstoße.
Im Mai 2021 warf die taz dem Nordkurier eine wiederholte inhaltliche Nähe zur „Querdenken“-Bewegung vor.
Im November 2021 veröffentlichte der Nordkurier in seiner Druckausgabe einen Beitrag der nationalkonservativen bis rechtsextremen Wochenzeitung Junge Freiheit, ohne diese politisch einzuordnen. Tim Ehlers von der Regionalzeitung Katapult MV kritisierte, dass der Nordkurier damit das „Sprachrohr einer radikal-nationalistischen Opposition“ normalisiere: „Das Abdrucken eines Beitrags einer neurechten Zeitung aber, zumal ohne kritische Einordnung, führt zu einer Normalisierung des Mediums. Leserinnen und Leser des Nordkuriers bekommen den Eindruck, die Junge Freiheit sei eine ganz normale Zeitung.“
Im Juni 2024 warf Katapult MV dem Nordkurier mangelnde Einordnung von Aussagen von AfD-Politikern vor und bezeichnete den „Nordkurier als ungefilterte AfD-Plattform“. Diese Kritik bezog sich hauptsächlich auf zwei Artikel, bei denen „nicht alle demokratiefeindlichen Aussagen […] richtiggestellt“ wurden. Die Vorwürfe bezogen sich auch auf einen Text zum Urteil über die bundesweite Einstufung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall, in dem nur die beiden AfD-Politiker Erik Holm und Enrico Komning, Mitglied des aufgelösten völkisch-nationalistischen und rechtsextremen Flügels der AfD, zu Wort kamen und u. a. die Unabhängigkeit der Justiz ohne Einordnung seitens des Nordkuriers infrage stellten.
Literatur Christiane Baumann: Die Zeitung „Freie Erde“ (1952–1990). Kader, Themen, Hintergründe. Beschreibung eines SED-Bezirksorgans. Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Schwerin 2013, ISBN 978-3-933255-42-6.
Weblinks
www.nordkurier.de
Einzelnachweise
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