Die Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten sind von enger ökonomischer und militärischer Zusammenarbeit und intensivem kulturellen Austausch geprägt. Beide Länder sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs miteinander verbündet. Für Japan ist das Bündnis mit den Vereinigten Staaten zentrales Element seiner Sicherheits- und Verteidigungspolitik; für die USA gilt Japan als Major non-NATO ally und wichtigster Verbündeter der Region. Ökonomisch sind beide Länder eng verflochten: 22,6 % der japanischen Exporte gingen 2006 in die Vereinigten Staaten, was 8 % der Importe entsprach. Mehr als ein Drittel aller ausländischen Direktinvestitionen in Japan kommen aus den USA.mof.go.jp: Auf kultureller Ebene bestehen vielfältige institutionelle und persönliche Kontakte, und die Populärkulturen beider Länder beeinflussen einander wechselseitig.
Historischer Hintergrund Erste Kontakte miniatur|hochkant|Hasekura Tsunenaga war 1614 der erste japanische Diplomat, der vor der Abschließung Japans Europa und Nordamerika bereiste. Erste indirekte Handelsbeziehungen zwischen Nordamerika und Japan existierten während der Epoche des Namban-Handels im frühen 17. Jahrhundert; es gab jedoch keinen direkten Kontakt zwischen Japan und den europäischen Kolonien, die später Teil der Vereinigten Staaten wurden, da der Austausch immer über europäische Zwischenhändler abgewickelt wurde.
Einige spanische Schiffe erreichten Japan auf dem Weg von Nueva España, dem heutigen Mexiko. Die Matrosen Christopher und Cosmas waren 1587 die ersten bekannten Japaner, die an Bord von spanischen Schiffen den amerikanischen Kontinent erreichten. 1610 bereiste Tanaka Shōsuke mit 20 weiteren japanischen Gesandten Teile Amerikas auf dem japanischen Schiff San Buena Ventura, das mit Hilfe von William Adams nach europäischen Vorbildern gebaut worden war. 1611 unternahm der spanische Entdecker Sebastián Vizcaíno einen Gegenbesuch, um formelle Beziehungen zwischen Kalifornien und Japan aufzunehmen.
Im Gegenzug zu Vizcaínos Mission reiste die Gesandtschaft des Samurai Hasekura Tsunenaga 1613 an Bord des japanischen Schiffes San Juan Bautista nach Kalifornien, von dort nach Nueva España und schließlich 1614 weiter nach Europa.
1650 erließen die herrschenden Tokugawa die Sakoku-Gesetze, und jeglicher Außenhandel wurde eingestellt. Lediglich Niederländer, Ryūkyūaner, Koreaner und Chinesen durften das Land unter strengen Auflagen betreten. Als die Vereinigten Staaten im 18. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit erlangten, gab es keinen Austausch zwischen den beiden Staaten. Über weite Teile des 19. Jahrhunderts bemühten sich die USA wie die europäischen Großmächte um eine Öffnung Japans und die erneute Aufnahme von diplomatischen und Handelsbeziehungen.
Frühe amerikanische Expeditionen nach Japan 1791 landete der amerikanische Entdecker John Kendrick mit der Lady Washington mit William Douglas und der Grace für 11 Tage auf Kii-Ōshima, knapp zwei Kilometer südlich der Kii-Halbinsel bei Kushimoto. Er ist der erste Amerikaner, der bekanntermaßen Japan besuchte. mini|Die USS Columbus von James Biddle und ein Amerikanischer Matrose in der Bucht von Edo 1846. Von 1797 bis 1809 konnten die Niederlande wegen ihres Konflikts mit dem Vereinigten Königreich während der Napoleonischen Kriege keine Schiffe nach Japan entsenden und baten die USA, einige amerikanische Schiffe unter niederländischer Flagge Handel in Dejima abzuwickeln. 1837 sah Charles W. King, ein Geschäftsmann in Guangzhou, eine Gelegenheit, Japan für den Außenhandel zu öffnen, indem er drei japanische Seeleute nach Japan zurückbringen wollte, die einige Jahre zuvor vor der Küste von Oregon Schiffbruch erlitten hatten. Mit dem unbewaffneten Handelsschiff Morrison fuhr er in die Uraga-Straße, musste aber erfolglos umkehren, nachdem das Schiff mehrfach unter Feuer genommen wurde. Commander (Fregattenkapitän) James Biddle ankerte 1846 im Auftrag der US-Regierung, Japan für den Handel zu öffnen, mit zwei Schiffen in der Bucht von Edo; eines der Schiffe war mit 72 Kanonen bewaffnet. Seine Forderungen nach einem Handelsabkommen wurden jedoch nicht beantwortet. 1848 segelte Captain James Glynn nach Nagasaki und führte die ersten erfolgreichen Verhandlungen eines Amerikaners mit Japan während des Sakoku. Nach seiner Rückkehr nach Nordamerika empfahl Glynn dem US-Kongress, dass jegliche Verhandlungen zur Öffnung Japans mit einer Demonstration der Stärke einhergehen sollten. Damit wurde der Weg für die späteren Missionen des Commodore (Flottillenadmiral) Matthew Perry geebnet.
Commodore Matthew Perry und die „Schwarzen Schiffe“ Der erste Besuch 1852–1853 mini|Perrys Flotte für seine zweite Reise nach Japan 1854. 1852 brach Perry mit einem Geschwader von Norfolk aus nach Japan auf, um einen Handelsvertrag abzuschließen. An Bord eines Dampfschiffs mit schwarzem Rumpf ankerte er am 8. Juli 1853 mit den Schiffen Mississippi, Plymouth, Saratoga, und Susquehanna im Hafen von Uraga (heute: Yokosuka) nahe Edo. Vor allem die beiden Dampfschiffe, die Mississippi und die Susquehanna, erregten bei den Japanern größtes Aufsehen.Richard Storry: A history of modern Japan. Penguin, Harmondsworth 1972, ISBN 0-14-020475-X, S. 87. Perry traf sich mit Vertretern des Tokugawa-Shōgunats. Diese wiesen ihn an, nach Dejima weiterzureisen, wo die Sakoku-Gesetze begrenzten Handel mit den Niederländern erlaubten. Perry weigerte sich aber, forderte die Erlaubnis, einen Brief von US-Präsident Millard Fillmore überbringen zu dürfen, und drohte bei Ablehnung die Anwendung von Gewalt an. Da Japan seit Jahrhunderten kaum moderne Technologie importiert hatte, war das japanische Militär nicht in einer Position, sich gegen Perrys Schiffe zu wehren. Diese „Schwarzen Schiffe“ wurden in Japan zum Symbol der technischen Überlegenheit des Westens und der Bedrohung des Kolonialismus für Japan.
Die japanische Regierung musste Perrys Forderung, an Land gehen zu dürfen, akzeptieren, um ein Bombardement zu vermeiden. Am 14. Juli landete er in Kurihama (nahe dem heutigen Yokosuka) an und überreichte den Brief den anwesenden Vertretern. Er brach anschließend nach China auf und kündigte an, später wegen einer Antwort zurückzukommen.
Der zweite Besuch 1854 Perry kehrte im Februar 1854 mit doppelt so vielen Schiffen zurück. Die Vertreter der japanischen Regierung erwarteten ihn mit einem Abkommen, das nahezu alle Forderungen aus dem Brief Präsident Fillmores erfüllte. Perry unterzeichnete am 31. März den Vertrag von Kanagawa und reiste in der irrigen Annahme ab, einen Vertrag mit Vertretern des Tennō unterzeichnet zu haben.
Die japanische Gesandtschaft in die Vereinigten Staaten links|mini|Die Kanrin Maru, Japans erstes Kriegsschiff mit Propellerantrieb, brachte 1860 die japanische Abordnung nach San Francisco. mini|Angehörige der japanischen Gesandtschaft in die USA von 1860 und Seeleute der Kanrin Maru. Fukuzawa Yukichi sitzt rechts. Hauptartikel:Japanische Gesandtschaft in die Vereinigten Staaten 1860
Sechs Jahre später schickte der Shōgun das japanische Kriegsschiff Kanrin Maru auf eine Mission in die Vereinigten Staaten. Es war seine Absicht, der Welt zu demonstrieren, dass Japan nun über westliche Navigations- und Schiffbautechnologie verfügte. Am 19. Januar 1860 verließ die Kanrin Maru die Uraga-Straße in Richtung San Francisco. Zur Gesandtschaft gehörten neben Kapitän Katsu Kaishū unter anderem Nakahama Manjirō und Fukuzawa Yukichi. An Bord amerikanischer Schiffe reiste die Gesandtschaft über Panama weiter nach Washington, D.C.
Offizielles Ziel der Mission war die erstmalige Entsendung einer japanischen Gesandtschaft in die Vereinigten Staaten und die Unterzeichnung des neuen japanisch-amerikanischen Freundschafts- und Handelsvertrags. Außerdem versuchte die Delegation ohne Erfolg einige Klauseln der ungleichen Verträge, die mit Matthew Perry abgeschlossen worden waren, zu revidieren.
Beziehungen in der Meiji-Zeit Während der Meiji-Zeit betrieb Japan eine rapide Industrialisierung und gesellschaftliche Modernisierung und bezog sich dabei vor allem auf westliche Vorbilder. Wichtigste Partner waren dabei Großbritannien und Preußen (bzw. das Kaiserreich), aber auch mit den Vereinigten Staaten entstand zunehmender Austausch. Viele Vorfahren japanischer Amerikaner wanderten in dieser Zeit in die USA aus. Umgekehrt kamen viele amerikanische Gelehrte nach Japan; einer davon war der Englischprofessor Horace Wilson, dem die Japaner ihren Nationalsport verdanken, als er 1872 den Baseball in Japan einführte.
Auf Regierungsebene bemühte sich Japan zunächst um eine Revision der ungleichen Verträge, später dann um einen Ausgleich mit den westlichen Großmächten zur Absicherung der Expansionspolitik in Ostasien. Durch das Anglo-Japanische Bündnis von 1902 wurde Japan an die Westmächte gebunden und kämpfte im Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten.
Zunehmende Spannungen zwischen den Weltkriegen mini|Präsident Calvin Coolidge unterstützte Hilfsaufrufe in den USA nach dem Großen Kantō-Erdbeben. Japan war mit dem Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz 1919 nur bedingt zufrieden: Es durfte zwar die deutschen Kolonien im Pazifik und Qingdao behalten, die ursprünglich mit elf Stimmen angenommene Klausel zur Rassengleichheit wurde aber auf Initiative von US-Präsident Woodrow Wilson nicht aufgenommen. Auch auf anderen Gebieten entwickelten sich Spannungen: In der Washingtoner Flottenkonferenz sah sich Japan gegenüber den USA und Großbritannien bei der Flottenrüstung benachteiligt, und das japanische Expansionsstreben in China forderte trotz des Lansing-Ishii-Abkommen und des Neun-Mächte-Vertrags immer stärker die USA heraus, die weiterhin vergeblich an der Politik der offenen Tür festhielten.
mini|links|Die American Volunteer Group (bekannt durch die „Flying Tigers“), die China im Kampf gegen Japan unterstützen sollte, wurde 1941 noch vor dem Angriff auf Pearl Harbour aufgebaut.Während der Zeit der Taishō-Demokratie in den 1920er Jahren waren Teile beider Gesellschaften weiterhin um gute Beziehungen bemüht, was sich z. B. im Austausch von Friendship Dolls oder der US-Hilfe nach dem Großen Kantō-Erdbeben manifestierte. Die Militarisierung auf japanischer Seite und die isolationistische Haltung der USA vor und während der Weltwirtschaftskrise führten jedoch zu einer zunehmenden Entfremdung. Auch rassistische Sichtweisen trugen zu einer Abkühlung bei: Auf amerikanischer Seite wurden Gesetze gegen Landkauf und Einwanderung von Asiaten erlassen.
Als in den 1930er Jahren das Militär immer stärker die Kontrolle in Japan übernahm, bewegten sich die beiden Länder weiter auseinander. Nach dem Beginn des Kriegs mit China 1937 war die Beziehung überwiegend von Misstrauen und Rivalität gekennzeichnet. Sanktionen der USA wie das Schrottembargo, Zwischenfälle wie der Panay-Vorfall, die japanischen Kriegsverbrechen wie das Nanking-Massaker und schließlich Japans Beitritt zu den Achsenmächten verstärkten auf beiden Seiten die Erwartung einer militärischen Konfrontation. Durch den Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 setzte das japanische Militär allen diplomatischen Bemühungen ein Ende und zog die USA in den Pazifikkrieg, der erst 1945 nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und dem Kriegseintritt der UdSSR mit der Kapitulation Japans endete.
Politische Beziehungen
Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg
mini|General Douglas MacArthur (Makkāsā) leitete die Besatzungsverwaltung und verkörpert in Japan die „Stunde Null“.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Japan von den Alliierten unter Führung der Vereinigten Staaten besetzt; Beiträge leisteten auch Truppen aus Australien, Britisch-Indien, dem Vereinigten Königreich und Neuseeland. Erstmals in der aufgezeichneten Geschichte waren die japanischen Inseln von einer ausländischen Macht besetzt.