mini|hochkant=1.8|Fenioux, Archivoltenhauptportal der Fassade Die Dorfkirche Notre-Dame de l’Assomption ist ein romanisches Kirchengebäude in der kleinen Gemeinde Fenioux im westfranzösischen Département Charente-Maritime in der alten Kulturlandschaft der Saintonge; auch die Patrozinien Saint-Savinien und Saint Pierre sind in der Literatur überliefert. Fenioux ist architekturhistorisch berühmt für die beiden Portale der romanischen Kirche und die etwa 150 Meter westlich stehende Totenlaterne. Die Kirche wurde bereits im Jahre 1840 als Monument historique klassifiziert.
Kirchengebäude mini|hochkant|Schiff und Glockenturm von Südwesten Geschichte Die Wallfahrtskirche geht zurück auf karolingische Ursprünge. Teile des kleingliedrigen Bruchsteinmauerwerks der schlanken Chorwände stammen aus dem 9. Jahrhundert. Es gehörte vermutlich zu einem kleineren vorromanischen Oratorium. Typisch für diese Epoche ist das erhaltene steinerne, durchbrochene „Flechtwerk“, mit dem ein kleines rundbogiges Fenster im fünften Joch der Südwand des Schiffs verschlossen ist. Es befindet sich dort aber nicht an seinem ursprünglichen Ort.
Das frühmittelalterliche Bauwerk wurde im 12. Jahrhundert zum Chor umfunktioniert und um ein fünfjochiges Schiff nach Westen erweitert, welches mit einer angespitzten Tonne auf Gurtbögen eingewölbt wurde. Das Schiff wurde mit einer prachtvollen Fassade ausgestattet und mit Skulpturen der Hochromanik geschmückt. In derselben Epoche entstand der hoch aufgeschossene Glockenturm, der wie ein Campanile unmittelbar neben die Südseite in den Winkel zwischen Schiff und Chor gestellt ist. Im ausgehenden Mittelalter wurde der Chor neu gestaltet, so zum Beispiel die innenseitige Ausrundung der Raumecken, so dass der Eindruck einer Apsis entstand. Ob der Chor auch ein steinernes Gewölbe erhielt, ist unklar. Ein Brand zerstörte große Teile der Steineinwölbungen des Schiffs, vielleicht auch des Chors, welche später durch Holzkonstruktionen und Holzverschalungen ersetzt wurden. Die Gestaltung der beiden Archivoltenportale fällt in die Spätzeit der Romanik, möglicherweise noch in die Zeit nach Mitte des zwölften Jahrhunderts.
Die Zeit ging nicht spurlos an den wertvollen Skulpturen der Kirche vorbei. Insbesondere während der Religionskriege und der Französischen Revolution wurden die Skulpturen und Reliefs der Fassade erheblich zerstört, vielen Figuren wurden die Köpfe abgeschlagen.
Kirchenbauwerk mini|hochkant|Fassade und Anschluss des Schiffs von Südwesten Außenbau Das Schiff wird auf der Nordseite durch rechtwinklige Pfeilervorlagen in vier Joche unterteilt. Auf der Südseite bestehen die Pfeilervorlagen aus je einer halbrunden Säule, die von zwei schmaleren Diensten begleitet werden. Das Säulenbündel wird von pflanzlich skulptierten Kapitellen gekrönt. Zwischen dem zweiten und dritten Joch gibt es eine Zäsur durch eine doppelte Pfeilervorlage mit geringem Abstand, die vielleicht auf eine Unterbrechung der Erweiterung des Schiffs hindeutet. Die profilierten Traufgesimse des Schiffs kragen bis auf die Außenkante der Pfeilervorlagen aus und werden von skulptierten Kragsteinen unterstützt. Darauf wurden glatte Attiken aufgemauert, auf der Südseite um circa 30 cm hoch, auf der Nordseite etwa doppelt so hoch. Das Schiff wird überdeckt von einem flach geneigten Satteldach mit roter Hohlziegeleindeckung, die über den Traufattiken etwas vorspringt.
An der südwestlichen Ecke des Schiffs ragt das Niveau des Kirchenfußbodens mit fast einem Meter am weitesten über das anschließende Gelände hinaus. Das Geländeniveau steigt von dort bis zur gegenüberliegenden Ecke um etwa 25 cm an. Auf beiden Längswänden steigt es dann weniger steil weiter an.
Auf der Südseite des Schiffs sind in unterschiedlicher Höhe in zwei Reihen hakenförmige Kragsteine eingelassen, die unteren etwa in halber Wandhöhe, die oberen etwa in Dreiviertel der Wandhöhe. Diese haben einmal waagerechte Balken getragen, was auf einen ehemaligen Anbau eines Gebäudeteils mit Pultdach hindeutet. In der Mitte vom zweiten Joch wurde ein kräftiger Strebepfeiler nachträglich angefügt, der mit der Spitze seiner steilen Dachabschrägung gerade noch unterhalb dieses Pultdachs bleibt. Man denkt hierbei an die Existenz eines Kreuzganges oder sonstiger Konventsgebäude, über die aber die Quellen keine Auskünfte erteilen.
Auf der Nordseite weist das Schiff in Joch vier in der unteren Wandhälfte ein rundbogiges Fenster ohne Schmuckelemente auf. Unmittelbar daneben wurde ein Strebepfeiler nachträglich angefügt. Auf der Südseite gibt es zwei solcher Fenster, je eins im letzten und vorletzten Joch.
mini|hochkant|links|Karolingisches Fenster auf der Südwand in Joch 4 Links neben und etwas oberhalb des Fensters in Joch vier ist ein wesentlich kleineres rundbogiges Fenster eingebaut, in dessen Öffnung außenseitig oberflächenbündig ein karolingisches „Flechtwerk“ aus Stein eingebaut ist. Die schmalen profilierten Bänder kreuzen sich schräg verlaufend über die ganze Fensterfläche gleichmäßig verteilt, und unterschneiden und überdecken sich abwechselnd gegenseitig. An den senkrechten Seiten stoßen sie gegen einen schmalen Rahmen und wenden im gleichen Winkel in Gegenrichtung. In der Fläche weisen sie auf der linken Seite leicht nach oben und im Wechsel nach unten geschwungene Rundungen auf. Verfolgt man den Weg der Bänder über alle Kreuzungspunkte und Richtungswechsel hinweg, kommt man zu einem unendlichen Verlauf über die gesamte Fensterfläche und gelangt wieder zum Ausgangspunkt zurück. Zwischen den Bändern entstehen rautenförmige und dreieckige Durchlässe, die das Licht filtern und dämpfen. Man kann bei diesem Fenstergitter von einem Meisterwerk der frühmittelalterlichen Steinmetzkunst sprechen. Es ist ein wertvoller Überrest des Vorgängerbauwerks aus dem 9. Jahrhundert.
mini|hochkant|Nebenportal auf der Nordseite in Joch 1 Auf der Nordwand, mitten im ersten Joch, kurz hinter der Fassadenecke, ist ein dreistufiges Archivoltenportal ausgebildet, mit einer kleinen einflügeligen Tür, deren Schwelle um 70 cm über dem Gelände liegt. Hier muss es einmal eine Treppe oder eine Geländeanschüttung gegeben haben. Die im Querschnitt quadratischen Archivoltenbögen sind stirn- und innenseitig reichhaltig mit Rosetten- und Blattornamentik geschmückt, auf jeder Einzelfläche der Keilsteine mit einem eigenen Motiv. Auch das umfassende Profilband ist pflanzlich dekoriert. Die Bögen stehen auf drei runden glatten Säulen, in deren Zwischenräume runde Begleitprofile eingefügt sind. Die mit üppigem tiefgründig herausgearbeiteten Pflanzenwerk ausgestatteten Kapitelle leiten von der runden Form der Säulen in die rechtwinklige der Kämpferplatten über. Diese sind auf den Sichtkanten profiliert und wieder pflanzlich dekoriert. Die beiden Kapitelle über den mittleren Säulen weisen allein in diesem Portal tierfigürliche Plastik auf. Es handelt sich vermutlich um Fabelwesen, mit Körpern von Vögeln, mit Hälsen und sich windenden Schwänzen wie von Schlangen. Die Verwitterung ist schon weit fortgeschritten. Die profilierten runden Säulenbasen stehen auf hohen profilierten kantigen Sockeln. Diese Kombination am unteren Ende der Säulen ist etwa ebenso hoch wie die Kapitelle mit den Kämpfern an deren oberen Enden.
Der Chor, in großen Teilen Überrest des karolingischen Vorgängerbauwerks, besitzt einen äußerlich rechtwinkligen, Grundriss aus sehr schlanken Umfassungswänden. Die mittige Unterteilungen der nördlichen Seitenwand durch einen Strebepfeiler, und zwei weitere an den Chorecken, könnte auf eine Steineinwölbung des Chors im 12. Jahrhundert hindeuten. Der Chor wird durch ein flach geneigtes Satteldach überdeckt, das zur Ostseite hin abgewalmt ist.
Der Glockenturm ragt unmittelbar neben der Südwand des Chors hoch auf. Seine nordwestliche Ecke steht noch auf Mauern der südöstlichen Ecke des Schiffs. Die unteren beiden Turmgeschosse haben quadratische Grundrisse, die durch einen leichten Rückversatz, etwa in Höhe der Traufe des Schiffs, getrennt werden, der oberseitig von Steinplatten abgedeckt wird, deren rechtwinklige Sichtkanten leicht auskragen. Bis auf einfache rechteckige, geringfügig ausladende Pfeilervorlagen an den Turmecken, die knapp unter der Geschossteilung mit steilen Abschrägungen enden, bestehen die Wandoberflächen des Erdgeschosses aus glattem Quadermauerwerk.
mini|hochkant|Glockenturm von SW Das zweite Geschoss ist kaum halb so hoch wie das Erdgeschoss und schließt oben waagerecht mit deutlich dünneren, leicht auskragenden Steinplatten ab. Auf den vier gänzlich freien Seitenwänden dieses Geschosses sind jeweils zwei schlanke Blendarkadennischen eingelassen, die von zwei halbkreisförmigen Bögen aus Keilsteinen überdeckt werden, die von schmalen auskragenden Profilen mit Zackenornament eingefasst sind. Die Bögen treffen sich über einer Rundsäule, die mit einem pflanzlich skulptierten Kapitell, mit profiliertem Kämpfer und Basis ausgerüstet ist. Außenseitig ruhen die Bögen auf den senkrechten Kanten der Nischenrücksprünge, von profilierten Kämpferprofilen getrennt, die bis auf die Turmecken geführt sind. In Höhe der senkrechten Nischenleibung sind die vier Ecken des Turms mit rechtwinkligen Rückversätzen versehen, in die schlanke Rundsäulen eingestellt sind, mit schlicht gestalteten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen.
Das dritte Geschoss ist fast genauso hoch wie das zweite und birgt die Glockenstube. Sie besitzt eine zylindrische Form, deren kreisförmiger Umriss ein wenig hinter die Außenkanten des quadratischen Geschosses darunter zurücktritt. Auf den zwischen dem Quadrat und dem Kreis entstehenden dreiecksähnlichen Flächen sind sehr schlanke zylindrische Türmchen aufgestellt, die sich an den Zylinder der Glockenstube anschmiegen. Der untere etwa halbe Meter des Grundrisses, aus einem zentralen Kreis und vier kleinen Teilkreisen, besteht in dieser Form aus einem massiven geschlossenen Mauerwerkssockel. Über den vier Seitenwänden des Turms sind in den Zylinder der Glockenstube vier große Öffnungen ausgespart, die jeweils von einer Archivolte eingefasst wird, die den ganzen Raum zwischen den Ecktürmchen ausfüllt. Der halbkreisförmige Archivoltenbogen aus wandbündigen Keilsteinen wird von einem schmalen Kragprofil mit Zackenornament überfangen. Er ruht auf schlanken Rundsäulen mit schlichten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen, die in Leibungsrückversätze eingestellt sind. In diese große Öffnung sind zurücktretende Biforien (Doppelfenster) eingefügt, aus zwei kleinen Arkaden, auf drei schlanken Rundsäulen, mit Kapitellen, Kämpfern und Basen, wie vorstehend beschrieben. Auf den teilkreisförmigen Sockeln der Ecktürmchen stehen auf den freien Seiten je vier Säulen in Höhe, Dimension und Ausstattung wie bei denen der Biforien. Sie tragen den zylindrischen um 30 cm hohen oberen Abschnitt der Ecktürmchen, mit etwas geringerem Durchmesser als die der Sockel. Darauf stehen die kegelförmigen sehr steil geneigten steinernen Turmhelme, auf denen ein schuppenartiges Muster eingraviert ist. Der Zylinder des dritten Geschosses wird durch ein flaches Kragprofil abgeschlossen.
Kaum ein Drittel so hoch wie das dritte ist das vierte und letzte Geschoss des Glockenturms, das ausschließlich aus einem Kranz von zwanzig kleinen offenen Arkaden besteht. Die oberflächenbündigen Keilsteinbögen ruhen auf hintereinander gestellten Säulenpaaren mit schlichten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen. Dieses Geschoss wird oberseitig abgeschlossen mit einem kantigen Kraggesims.