rechts|mini|Eine Kugel trifft die Kegel mini|Variante im Freien als Spaßsport mit „lebenden Kugeln“ miniatur|Kegelbahn (DDR 1976) Kegeln ist eine Präzisionssportart, bei der ein Spieler von einem Ende einer glatten Bahn aus (Kegelbahn) mit kontrolliertem Schwung eine Kugel ins Rollen bringt, um die am anderen Ende der Bahn aufgestellten neun Kegel umzulegen. Die Kegel sind dabei gleichmäßig in Form eines Quadrats angeordnet, das auf der Spitze steht (quadratische Raute). Aus dem Kegeln hervorgegangen und daher eng mit ihm verwandt ist das Bowling, bei dem zehn Kegel (Pins) in Form eines gleichseitigen Dreiecks aufgestellt werden.
Das Kegeln entwickelte sich in Europa über viele Jahrhunderte aus volkstümlichen Spielen im Freien. Heute ist es in zahlreichen Ländern der Welt verbreitet und findet in seiner modernen Form in speziell ausgestatteten Innenräumen und Hallen statt. Kegeln wird wie Bowling als Leistungs- und Breitensport betrieben, ist aber als Freizeitspiel noch weitaus populärer.
Geschichte mini|Friedrich Eduard Meyerheim: Die Kegelgesellschaft, 1834 mini|Kegelbahn (Keramikfiguren, Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt) Altertum
Das Kegelspiel ist eine der ältesten Sportarten. Vorläufer gab es bereits im antiken Ägypten. Bei archäologischen Ausgrabungen fand man Teile eines Kinderkegelspiels aus der Zeit um 3500 vor unserer Zeitrechnung und Wandreliefs in Grabstätten, die Spielszenen darstellen. Als Urform des heutigen Kegelns werden die Zielwurfspiele germanischer Stämme in Mitteleuropa vermutet, bei denen mit Steinen auf Knochen geworfen wurde. Aufgrund der bisher nicht nachgewiesenen Kontinuität können diese aber noch nicht als unmittelbare Vorläufer angesehen werden.
Mittelalter Hingegen legen etymologische Untersuchungen zum Wort Kegel (althochdeutsch chegil) nahe, dass Vorformen des heutigen Kegelns schließlich im frühen Mittelalter entstanden. Seit dem 12. Jahrhundert sind volkstümliche Kegelspiele durchgehend belegt. Erstmals wird 1157 in der Chronik von Rothenburg ob der Tauber Kegeln als verbreitetes Volksvergnügen geschildert. In Xanten am Niederrhein ist für das Jahr 1300 eine Kegelgilde belegt, deren Einnahmen dem Bau der Stiftskirche zugutekamen. Zu dieser Zeit stand indessen nicht der sportliche Aspekt im Vordergrund, sondern das Abschließen von Wetten. In der Folge sind gesetzliche Regelungen dokumentiert, die das Glücksspiel einzudämmen versuchten und auf diese Weise das Kegeln in einen Zusammenhang mit Karten- und Würfelspielen brachten. Immer wieder wurde das Kegelspiel ganz verboten, so in England unter Richard II. und nach einer Überlieferung 1370 in Deutschland und Frankreich. Auch während der Reformation versuchten protestantische Obrigkeiten, herrschende Kegel(un)sitten zu beseitigen. Basel untersagte 1529 das vormittägliche Kegeln an Sonn- und Feiertagen.
Dies alles konnte die zunehmende Beliebtheit des Kegelspiels nicht nachhaltig einschränken. Für das 15. Jahrhundert belegen zahlreiche Quellen, dass ein „Kegelreyß“ oder „Kegelplatz“ wie eine Tanzlaube in fast jeder Gemeinde zu den Orten gehörte, wo die Menschen ihre Vergnügungen feierten. Vom Kegel-„Platz“ abgeleitet ist das „Platzen“ als geläufige Bezeichnung für das Kegeln (siehe Platzbahnkegeln). Obwohl es wie die meisten Spiele als Gotteslästerung galt, wurde Kegeln auch in Klöstern praktiziert und hier oft „Heidentöten“ genannt: die aufgestellten kurzen Holzsäulen wurden von den Mönchen als heidnische Götter und Dämonen behandelt, die sie mit Steinen oder Holzkugeln umwarfen. Bald wurde das Kegelspiel Bestandteil der großen Volksfeste. 1509 berichtet ein Mathias Hirt vom Augsburger Schützenfest, dass Adel, Klerus, Handwerker und Bauern gemeinsam dem Kegelspiel nachgingen. 1516 schätzte ein Chronist beim „Eßlinger Schießen“ die Teilnehmerzahl des Kegelns auf 1500. Durch die mess- und zählbaren Leistungen im Kegeln gehörte es frühzeitig zu den Sportarten, auch wenn vor allem bei unebenem Untergrund ein Zufallselement immer präsent war.Arnd Krüger: Incorporating traditional games into modern sports. The German Experience. In: E. De Vroede, R. Renson (Hrsg.): Proceedings of the 2nd European Seminar on Traditional Games. Leuven 12 – 16 Sept. 1990. Vlaamse Volkssport Centrale, Löwen 1991, S. 45–54.
Neuzeit mini|Kegelschieben als Kinderspiel, Kupferstich von Daniel Chodowiecki 1774 mini|hochkant|Historische Kegelbahn im Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde in Dietenheim Bis ins 18. Jahrhundert wurde ausnahmslos im Freien gespielt. Kegeln fehlte auf keinem Jahrmarkt und auf keiner größeren Hochzeit. Noch immer ging es oftmals um Gut und Geld. Auch die höfische Welt des Rokoko vergnügte sich beim Kegeln. 1786 beschrieb der Berliner Mediziner und Gelehrte Johann Georg Krünitz in seinem Lexikon erstmals „13 Regeln für das Kegelspiel“, die teilweise heute noch gelten, etwa dass nicht übertreten werden darf und die Kugel vor einer bestimmten Markierung aufgesetzt werden muss. Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe waren begeisterte Anhänger des Kegelns.
Deutsche Auswanderer trugen das Kegeln in die Herzegowina, ins Banat und nach Siebenbürgen, aber auch in ferne Länder wie Brasilien und Australien. Engländer und Niederländer brachten das Kegelspiel in die Vereinigten Staaten, wo es sich sehr schnell weit verbreitete. 1837 soll ein Verbot des herkömmlichen Neun-Kegel-Spiels in Hartfurt (Connecticut) die Entwicklung des Bowlings angestoßen haben: Um das Verbot zu unterlaufen, seien einige Änderungen vorgenommen und insbesondere den neun Kegeln ein zehnter hinzugefügt sowie ihre quadratische Anordnung in ein Dreieck abgewandelt worden sein. Manche sehen jedoch die englische „Skittle Alley“ als Vorläufer des heutigen Bowling. Dafür spricht, dass sich bis heute in den Vereinigten Staaten das „Candlepin-Bowling“ als Sonderform mit erhalten hat. Ähnliche Kegel werden in England bis heute verwendet, sind in Deutschland jedoch unbekannt.
Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts diente die Gründung fester Kegelgemeinschaften zunächst der Unterstützung Bedürftiger. Doch rasch trat der sportliche Gedanke mehr und mehr in den Vordergrund. Das Sportkegeln wurde geboren und verbreitete sich rasant. 1884 kam es im Ruhrgebiet zu einem ersten überregionalen Zusammenschluss. 1885 wurde im sächsischen Dresden der Zentralverband deutscher Kegelklubs ins Leben gerufen. Er veranstaltete ab 1886 „Bundesfeste“ auf Asphalt- und Bohlebahnen. Ein einheitliches Regelwerk wurde entwickelt und die Bahnen genormt. 1889 nannte er sich um in die lange Zeit geltende Bezeichnung Deutscher Keglerbund (DKB) und seit 1891 führte er Deutsche Meisterschaften durch. Auch in vielen anderen europäischen Staaten und in Nordamerika wurden nationale Kegelverbände gegründet.
1921 ließ der DKB in Deutschland Scherenbahnen zu, 1929 dann schließlich auch Bowlingbahnen. Bereits 1924 entstand in Chemnitz der Deutsche Arbeiter-Keglerbund, der zu seiner Hochzeit nahezu zehntausend Mitglieder vereinte, aber 1933 im Zuge der Gleichschaltung im Nationalsozialismus aufgelöst wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von den Siegermächten auch der DKB zwangsweise aufgelöst. Er wurde dann am 14. Oktober 1950 neu gegründet und hatte 2017 noch ca. 80.000 Mitglieder, einhergehend mit einer Abnahme des Interesses am Kegeln durch geänderte Freizeitgewohnheiten.
Verbände Heute sind die deutschen Sportkegler im Deutschen Kegler- und Bowlingbund (DKB) organisiert, wobei sich dieser nach Bahnarten in vier Disziplinverbände gliedert: Deutscher Keglerbund Classic Deutscher Bohle Kegler Verband Deutscher Schere-Keglerbund Deutsche Bowling Union
Des Weiteren gibt es in Deutschland noch die Deutsche Classic-Kegler Union (DCU), die das traditionelle 100/200-Wurf auf Kegelwertung statt Punktwertung anbietet.
In Österreich ist der Österreichische Sportkegel- und Bowling-Verband (ÖSKB), in der Schweiz und in Liechtenstein der Schweizerische Sportkegler-Verband (SSKV) Dachverband aller Sportkegler des Landes. Daneben existiert die Schweizerische Freie Keglervereinigung (SFKV). In Belgien, das teilweise deutschsprachig ist, haben sich die Sportkegler zum Königlich-Belgischen Keglerverband (KBKV) zusammengefunden, während die Akteure in Italien, zu dem mit Südtirol eine weitere deutschsprachige Region gehört, im Italienischen Sportkeglerverband (ISKV) organisiert sind.
1952 schlossen sich neun nationale Verbände zur Fédération Internationale des Quilleurs (FIQ) zusammen, die alle vier Bahnarten einschließlich Bowling vertritt. 1979 erklärte die 81. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Montevideo den Kegel- und Bowlingverband für olympiawürdig.
Technik Kegel Die hölzernen Kegel von einst sind seit langem durch Kunststoffkegel ersetzt. links|mini|169x169px|Kegel alter Form mini|169x169px|Kegel neuer Form Auf Bohle- und Scherebahnen wird der gerade geschnittene 2000er-Kegel eingesetzt, wobei der mittlere Kegel, der König, durch eine kleine Kappe oben etwas größer ist als die anderen acht Kegel. Diese Kegelform wird auch oft als Kegel alter Form oder dünne Kegel bezeichnet.
Auf Classicbahnen werden seit einigen Jahren fast ausschließlich die bauchigen Tornado- und Top-Kegel benutzt. Als Vorzüge nennen die Hersteller einen geringeren Verschleiß und höhere Fallergebnisse im Vergleich zur traditionellen Kegelform, insbesondere beim Abräumen. Des Weiteren passieren seltener sogenannte „Durchläufer“ mit der (kleinen) Jugendkugel, bei dem keiner der vorderen fünf Kegel fällt. Diese Kegelform wird auch oft als Kegel neuer Form oder dicke Kegel bezeichnet.
Kugeln Kugeln werden heute aus polyesterfreiem Phenolharz (Aramith) hergestellt, welche grundsätzlich keine Löcher für Finger haben. Ihr Standarddurchmesser beträgt 160 Millimeter bei einem Gewicht von ungefähr 2,85 Kilogramm.
Die B-Jugend (11–14 Jahre) spielt deutschlandweit mit 140 Millimeter im Durchmesser großen und 1,9 Kilogramm schweren Kugeln. Auf Classicbahnen spielen Breitensport- und Freizeitkegler auch mit Lochkugeln in unterschiedlichen Größen.
Kegelbahn mini|Schematischer Aufbau einer Kegelbahn, nicht maßstabsgetreu|280x280px Die Kegelbahn ist der Untergrund für das Kegelspiel. Sie umfasst die Anlauffläche für den Spieler, die Anrollfläche der Kugeln sowie die Positionsfläche der Kegel und ist möglichst eben und schmutzfrei.
Der Kegelsport wird in Deutschland auf vier verschiedenen Bahnarten betrieben: Classic-, Bohle-, Scheren- und Bowlingbahn. Auf jeder dieser Bahnarten, deren Verteilung außer beim bundesweit anzutreffenden Bowling regional unterschiedlich ist, finden eigene Meisterschaften, Ligenspiele, Vereinspokale und Turniere im Rahmen der jeweiligen Sportordnung statt. Darüber hinaus werden alljährlich nach vorheriger Qualifikation über die Länder bundesweit die Deutschen Meisterschaften auf Dreibahnen ausgetragen: Hierbei müssen sich die Sportler nacheinander auf den drei Bahnarten Bohle, Schere und Classic bewähren und dabei die recht unterschiedlichen Kegeltechniken anwenden.
Bundeskegelbahn und Klassifizierungen „Bundeskegelbahn“ ist ein Qualitätssiegel, das die Disziplinverbände des Deutschen Kegler- und Bowlingbundes durch lizenzierte Sachverständige vergeben. Bahnanlagen müssen in Abmessungen, Materialien, Steuerung und so weiter den technischen Vorschriften entsprechen und für einen Turnierbetrieb ausgestattet sein (Umkleidekabinen, Duschen).
Der vage Begriff „Bundeskegelbahn“ wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren von Laien geprägt und war keineswegs eine offizielle Bezeichnung. Gemeint war eine Kegelbahn, die den Vorschriften des Deutschen Keglerbundes entsprach. Gastronomiebetriebe warben und werben noch heute mit dieser Bezeichnung für eine Kegelbahn, die vom Hersteller als eine den Vorschriften des Deutschen Kegler- (und Bowling)bundes entsprechende Anlage gebaut wurde. Dabei war und ist nie ganz klar, ob es sich tatsächlich um eine vom DKB abgenommene und für den offiziellen Sportbetrieb freigegebene Anlage handelt.