mini|Wappen derer von Buttlar Buttlar (auch Butler, Buttler oder Treusch von Buttlar) ist der Name eines alten fränkisch-hessischen Adelsgeschlechts. Die Herren von Buttlar gehören zum Uradel in Buchonia. Zweige der Familie gelangten auch nach Westfalen, Sachsen, Preußen, Kurland, Frankreich, Polen, Russland sowie Ungarn und bestehen teilweise noch heute. Die in Hessen landsässigen Buttlar und Treusch von Buttlar gehören seit 1660 und bis in die Gegenwart der Althessischen Ritterschaft, der ältesten Stiftung in Hessen, an.
Geschichte mini|Der Stammsitz Schloss Buttlar Herkunft Ursprünglich waren Mitglieder der Familie Ministeriale des Hochstifts Fulda. Der namengebende Stammsitz Buttlar an der Ulster im Grabfeldgau ist heute eine Gemeinde im Wartburgkreis in Thüringen.
Das Geschlecht trat urkundlich erstmals im Jahre 1170 mit Hartnid de Butelir auf.Paul Lehfeldt, G. Voss: Inventar der Thüringischen Bau- und Kunstdenkmäler. Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Dermbach: Amtsgerichtsbezirke Vacha, Geisa, Stadtlengsfeld, Kaltennordmheim und Ostheim v. d. Rhön, Band 4 = Heft XXXVII, Hrsg. Regierung, Gustav Fischer, Jena 1911, S. 98. Buttlar, Dorf. Im Jahr 1233 erschien Johann de Buttlar als fuldaischer Marschall und 1246 Hartung de Buttlar als Mitstifter des fuldaischen Klosters Mariental. Cyriacus Spangenberg erwähnte in seinem Adelsspiegel II. 1234 Simson von Buttlar und Andreas von Buttlar 1369 als Kriegshelden. Ein Andreas von Buttlar war 1370 Hauptmann von Nordhausen.Mansfelder Chronik, Seite 386.
Die Familien von Buttlar und Treusch von Buttlar sind stammes- und wappenverwandt. Die von Germar sind wahrscheinlich ebenfalls mit diesen verwandt.
Linien und Ausbreitung Das Geschlecht war schon ab dem 13. Jahrhundert in drei Stämme geteilt, von denen der mittlere den Beinamen „Troysch“ annahm, woraus dann urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1324 das Prädikat „Treusch“ wurde.
Thüringische Zweige Neben dem Stammsitz Buttlar hielten die Herren von Buttlar im heutigen Thüringen ab 1432 einen Anteil von Schloss Wildprechtroda. Ihr erster Burgsitz war das Alte Schloss, wohl die ursprünglich Frankensteinsche Wasserburg. Das heutige Schloss wurde im 16. Jahrhundert im Renaissancestil errichtet und war Sitz der Seitenlinie Butler-Wildprechtroda, zu der später auch der Besitz im fünf Kilometer entfernten Nachbarort, das Schloss Leimbach, gehörte. Schloss Wildprechtroda wurde nach der Deutschen Wiedervereinigung 1996 von Otto von Butler zurückerworben.
Ein Zweig der Butler von Wildprechtroda sitzt seit 1831 auf dem Gut Heldritt im Landkreis Coburg. Ein Zweig war auch in Grumbach ansässig. Hans Melchior von Buttlar erwarb 1622 Schloss Feldeck. Ab 1600 wurde der Wohnturm zu einem Schloss ausgebaut. Dieses blieb bis zur Enteignung im Jahr 1945 im Familienbesitz derer von Butler und wurde nach der Wende von Generalmajor a. D. Ruprecht von Butler aus Heldritt wieder zurückerworben.inFranken.de Große Verdienste auch als Forstwirt,Ruprecht von Butler, vom 26. Dezember 2014. Hrsg. inFranken.de GmbH & Co KG, Bamberg 2014.
Schon früh gehörten sie zur Burgmannschaft der fuldaischen Burgen Neuerburg und Völkershausen. Der Zweig zu Völkershausen besaß unter anderem die Herrschaft Vacha (Berthold und Apel von Buttlar werden 1360 als Burgmannen auf der Burg Wendelstein zu Vacha genannt). Aus diesem Zweig stammte Günther von Buttlar († 1466), der zum Malteser-Ordensmeister in Deutschland gewählt wurde. Sein Neffe Reichard von Buttlar war um 1500 Komtur zu Würzburg. Ebenfalls zu diesem Zweig gehörte Friedrich Otto von Buttlar († 1726), Sohn des Generalmajors des oberrheinischen Kreises Johann Christoph von Buttlar, der unter dem Namen Constantin 1714 zum Fürstabt von Fulda erwählt wurde. Aus dieser Linie kamen auch Franz Adolph Freiherr von und zu Buttlar, kurtrierischer Oberstallmeister und fürstlich-fuldaischer Geheimrat, und der Burgmann zu Friedeberg, kurtrierischer Kammerherr und Hofrat zu Fulda Johann Philipp Adelbert Freiherr von Buttlar.
Hessische Zweige Die Buttlar in Hessen besaßen unter anderem die Burgen bzw. Schlösser Ziegenberg bei Witzenhausen, Elberberg (seit 1559 bis heute) und Riede (1825–2007), beide bei Naumburg. Außerdem gehörten die Güter Ermschwerd (bis heute) und Friemen zum Familienbesitz.
Vermutlicher Stammvater dieser Linie war Werner von Buttlar, der 1313 durch Heirat mit der Erbtochter des letzten Dynasten von Ziegenberg Ansprüche auf die Herrschaft Ziegenberg erwarb. Das Dorf Ermschwerd kam 1486 als Zubehör der Burg Ziegenberg als Pfandschaft des hessischen Landgrafen Ludwig I. für 1900 Gulden an dessen Hofdiener Georg von Buttlar (der Ältere, 1408–1489). Georg (der Jüngere) von Buttlar erhielt 1494, unter Verzicht auf die von seinem Vater gezahlte Pfandsumme von 1900 Gulden, die Burg und Herrschaft Ziegenberg mit allem Zubehör, einschließlich der Gerichtsbarkeit, als Mannlehen von Landgraf Wilhelm II. von Hessen.Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer. Band 4. Bohné, Kassel, 1839, S. 317 Nach dem Tod von Georgs Sohn Erasmus (Asmus) von Buttlar (1495–1541) verfiel die Burg und wurde teilweise abgebrochen. Seine Witwe, Margarethe von Boineburg gen. von Honstein (1503–1554), war die Bauherrin von Schloss Ermschwerd, wahrscheinlich um ihrem jüngsten Sohn Heimbrod von Buttlar (1541–1609), der nur wenige Monate vor dem Tod seines Vaters geboren wurde, einen angemessenen Wohnsitz zu schaffen. Heimbrod erhielt bei der endgültigen Teilung des väterlichen Erbes im März 1571 das Gut Ermschwerd und Anteile an den benachbarten Gütern Stiedenrode und Freudenthal sowie in Elberberg und Laubach; er wurde Stammvater der Ermschwerder bzw. Elberberger Linie des Hauses Buttlar. Sein ältester Bruder Jost Oswald von Buttlar (1534–1594) wurde Stammvater der Linie Buttlar-Ziegenberg. Die Freiherren von Buttlar-Ziegenberg besitzen bis heute das Gut Stiedenrode.
Die Ziegenberger Linie teilte sich in drei Zweige, Ziegenberg, Stiedenrode und Friemen.
Nach dem Tode Kurts von Elben im Jahr 1535 erlangten die von Buttlar durch Erbschaft – zunächst im Rahmen einer Ganerbenschaft – mit dem Schloss Elberberg einen weiteren großen und zusammenhängenden Grundbesitz neben der Herrschaft Ziegenberg und dem Stammgut Buttlar in der Rhön.
1804 erwarb die Linie Buttlar-Elberberg auch den seit der brüderlichen Teilung 1571 buttlar-ziegenbergischen Anteil an den Gütern zu Elberberg und wurde damit Alleinbesitzer. 1813 verkauften sie ihre Ermschwerdschen Güter. 1826 kauften die von Buttlar-Elberberg das Gut Riede von dem hessischen Kurfürsten Wilhelm II. Über die Allodialgüter zu Elben, Elberberg mit Waldhof, Kirchberg und Riede errichteten sie 1826 einen Fideikommiss. 1852 wurden die ehemaligen Lehensgüter zu Elberberg, Kirchberg und Ziegenhagen dem Familienfideikommiss zugeteilt, der 1926 durch eine Familienstiftung ersetzt wurde. Nach Auflösung der Stiftung 1955 wurden die land- und forstwirtschaftlichen Besitzungen zu Elberberg, Waldhof, Riede und Glashütte Ziegenhagen unter die Genussberechtigten real geteilt.
Kurländische Linie Stammvater der Kurländischen Linie war vermutlich Berthold von Buttlar, der Mitte des 13. Jahrhunderts erschien. Er kämpfte mit den Schwertbrüdern in Livland, heiratete später und konnte den Stamm fortsetzen.
Fränkische Linie Als reichsfreies Geschlecht in Franken gehörte die Familie bis etwa 1760 zum Ritterkanton Rhön-Werra.siehe auch Liste fränkischer Rittergeschlechter Wegen des Besitzes bzw. Teilbesitzes von Kirchschönbach, Krautheim und Herledorf waren Angehörige des Geschlechts von 1650 bis 1760 im Ritterkanton Steigerwald und von 1560 bis 1650 im Ritterkanton Altmühl des Fränkischen Ritterkreises immatrikuliert.Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 109. Einer der fränkischen Zweige hatte Anfang des 16. Jahrhunderts zu Gunzenhausen im Fürstentum Ansbach-Bayreuth Besitz. Deren Angehörige waren fast ausnahmslos in brandenburg-ansbachischen Diensten. Mit dem Tod von Carl von Buttlar 1718 erlosch dieser Zweig im Mannesstamm. Er vermachte den gesamten Besitz seinem Landesherrn. Aus dem fränkischen Zweig zu Krauthausen kam Philipp Constantin von Buttlar, Sohn des fürstlich-würzburgischen Kammerherrn und Oberstleutnants Carl Heinrich von Buttlar. Er trat 1740 in königlich-preußische Dienste und starb als Major, nachdem er in allen Schlesischen Kriegen gekämpft hatte.
Buttlar genannt von der Neuenburg Von 1327 bis 1561 gab es eine Nebenlinie der Familie Buttlar genannt von der Neuenburg. Stammvater dieser Linie war Sintram II. Sein Sohn Johannes, 1330 Probst zu Neuenburg, nahm den Zunamen von der Neuenburg an. Nach fünf Generationen stirbt die Linie genannt von der Neuenburg mit Ernst auf Buttlar 1561 im Mannesstamm aus.Rudolf von Buttlar-Elberberg, Stammbuch der althessischen Ritterschaft, 1888
Treusch von Buttlar Ab Mitte des 14. Jahrhunderts erschien ein Stamm unter dem Namen Treusch, später auch Treusch von Buttlar, vermutlich benannt nach dem Dorf Treischfeld – heute Ortsteil der Marktgemeinde Eiterfeld. Der Zusatz „Treusch“ (oder „Troysch“) kommt urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1324 vor und wurde von Curt III. an für alle Glieder seines Stammes üblich. Eine Verwandtschaft zum fränkischen Uradelsgeschlecht ist sehr wahrscheinlich, denn sie führen ein ähnliches, nur in der Helmzier unterschiedliches Wappen. Beide Familien sind bis heute in der weiterhin bestehenden Althessischen Ritterschaft eingeschrieben.
Die Treusch von Buttlar waren ab 1550 Alleineigentümer der Burg Brandenfels (bei Herleshausen im heutigen Werra-Meißner-Kreis) oberhalb von Markershausen mit den umliegenden Dörfern Nesselröden, Willershausen, Holzhausen, Unhausen und Archfeld sowie Hohenhaus. Sie nannten sich seither Buttlar von Brandenfels genannt Treusch, später Treusch von Buttlar-Brandenfels.
Der Treusch-Stamm verzweigte sich seit 1488 in die ältere Hauptlinie zu Altenfeld und in die jüngere Hauptlinie zu Willershausen. Letztere spaltete sich wiederum in die Linien zu Markershausen und Willershausen, die Linie zu Markershausen wiederum in zwei Linien, die des Ober- und des Unterhauses in Markershausen. Die schwäbische Burg Bichishausen befand sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Besitz der Familie.
Ein Familienzwist mit fatalen Folgen und mit Hans Hermann Wilhelm Treusch von Buttlar als zentraler Figur diente, neben Christian Schubarts Zur Geschichte des menschlichen Herzens (1775), Friedrich von Schiller als Anregung und Hintergrund zu seinem Drama Die Räuber. Treusch von Buttlar, der bereits den Besitz seines ihm als Mündel überantworteten epileptischen Schwiegervaters Erhard von Lentersheim an sich gebracht hatte, ließ aus Habgier seine Schwiegermutter Louisa von Lentersheim durch von ihm bezahlte Meuchelmörder am 7. Dezember 1727 erdrosseln. Ein jahrelanges Inquisitionsverfahren endete schließlich ohne Verurteilung.Siehe Otto Rohn: Ein Schloss in Franken – Mittelpunkt in Schillers Schauspiel “Die Räuber”, in Alt-Gunzenhausen – Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung, Verein für Heimatkunde Gunzenhausen (Hrsg.), Heft 46, 1991, S. 73–138; Günther Kraft: Historische Studien zu Schillers Schauspiel “Die Räuber”: Über eine mitteldeutsch-fränkische Räuberbande des 18. Jahrhunderts. Arion Verlag, Weimar, 1959 (er nennt den Beschuldigten allerdings Johann Wilhelm Heinrich von Buttlar genannt Treusch); und Steven D. Martinson (Bearb.): A Companion to the Works of Friedrich Schiller, Boydell & Brewer, Rochester, NY (USA) & Martlesham, Suffolk (UK), 2005, S. 94
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