mini|hochkant=2|Ehemalige Klöster in Ostfriesland
Die Klosterlandschaft Ostfriesland umfasste zu ihrer Hochphase etwa 30 Klöster, Stifte und Kommenden verschiedener Kongregationen. Der Überlieferung nach soll es beinahe nirgendwo sonst im mittelalterlichen Deutschen Reich eine solche Konzentration von Klöstern gegeben haben.Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 195. Die große Dichte betont die einstige Bedeutung der Niederlassungen in den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen Ostfrieslands.Rolf Bärenfänger: Archäologie auf den ehemaligen Klösterplätzen im Norden. In: Rolf Bärenfänger (Hrsg.): Zisterzienser im Norden – Neue Forschungen zur Klosterarchäologie. Internationale Archäologie – Arbeitsgemeinschaft, Tagung, Symposium, Kongress 11, Rahden/Westf. 2007, ISBN 3-89646-439-6. S. 67–76. Die meisten Klöster entstanden während einer Gründungswelle im 12. und 13. JahrhundertRolf Bärenfänger, Johannes A. Mol: Die ehemaligen Klosterplätze im Küstengebiet. In: Jan F. Kegler: Land der Entdeckungen – land van ontdekkingen 2013. Die Archäologie des friesischen Küstenraumes. Hrsg.: Ostfriesische Landschaft. Soltau-Kurier Norden, Norden 2013, ISBN 3-940601-16-0. S. 297–309. und gehörten in ihrer Mehrzahl den Ordensgemeinschaften an, die zu dieser Zeit in Westeuropa am stärksten verbreitet waren. Nach der Reformation wurden die Klöster aufgelöst und die Gebäude abgetragen. Dabei gingen auch die Bild- und Schriftquellen weitgehend verloren.
Geschichte der Klöster in Ostfriesland mini|Die Kommende Dünebroek im 17. Jahrhundert Mit der Auflösung der Klöster im Zuge der Reformation verschwanden die Gebäude der Niederlassungen. Am längsten blieb die Kirche des Franziskanerklosters in Emden. Sie wurde am 21. Juli 1938 bei einem Brand völlig zerstört und abschließend abgetragen. Einzig von der Kommende Dünebroek gibt es zeitgenössische Darstellungen. Wie die anderen Abteien einst ausgesehen haben, ist größtenteils unbekannt. Ihre Geschichte wird heute weitestgehend mit Methoden der Archäologie beleuchtet.
Auch Urkunden, Verträge, Bild- und Schriftquellen gingen im Zuge der Säkularisation überwiegend verloren.Karl-Ernst Behre / Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 241. Dies erschwert die Beurteilung des ostfriesischen Klosterwesens sehr, „weil man ständig zu Vermutungen gezwungen ist, die nicht belegt werden können.“Walter Deeters: Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, 1978, S. 73 ff.
Es ist nicht einmal möglich, eine genaue Zahl der in Ostfriesland gegründeten Klöster zu nennen. Sie kann nur mit ungefähr 30 wiedergegeben werden.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 87 (Ostfriesland im Schutze des Deiches; 6) Möglicherweise gab es im Hohen Mittelalter weitere Niederlassungen, die Cornelius Ignatius Damen in seiner Geschiedenis van de Benediktijnenkloosters in de provincie GroningenCornelius Ignatius Damen: Geschiedenis van de Benediktijnenkloosters in de provincie Groningen. ISBN 90-232-0958-3. für die Nachbarregion als Armutsklöster bezeichnet, die nach ihrer Gründung schnell wieder aufgegeben wurden.Axel Heinze: Margens. In: Josef Dolle unter Mitarbeit von Dennis Knochenhauer (Hrsg.): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 2, Bielefeld 2012, ISBN 3-89534-958-5, S. 988 ff. Andere waren ursprünglich möglicherweise selbstständig, so zum Beispiel die Kommende Hesel, wurden dann aber in größere Häuser inkorporiert.
Die ungewöhnlich hohe Zahl an Klöstern und Kommenden in Ostfriesland wird auch damit erklärt, dass sich keine Landesherrschaft herausbildete und es somit nur eine schwache Kontrolle der kirchlichen Obrigkeit in der Region gab. Dadurch kam es zu einer Symbiose der einheimischen Eliten mit den geistlichen Einrichtungen. So sorgten die Rekrutierung der Mönche aus dem Umland, die Schenkungen der lokalen Eliten, die weitgehenden Mitspracherechte der Laienbrüder und die relativ autonome Organisation der Ritterorden für eine Verwurzelung der Klöster im lokalen Bewusstsein.Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 243.
Der Beginn der Klostergründungen wird in die Herrschaftszeiten der Ottonen und der Salier datiert.Gesellschaft für Agrargeschichte, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie. Band 24–26. Frankfurt am Main 1976, S. 95. Nach der Eroberung und Integration Ostfrieslands in das Frankenreich nahmen die Franken die gescheiterte Christianisierung durch die Missionare Liudger und Willehad wieder auf. Die Region wurde zu einem Teil dem Bistum Bremen, zum anderen dem Bistum Münster zugeschlagen. In diese Zeit fallen die ersten Klostergründungen, die eher als Missionszentren denn als groß angelegte Gebetszentren zu sehen sind.Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 221.
Beinahe alle ostfriesischen Klöster wurden als Doppelklöster gegründet, in denen sowohl Mönche als auch Nonnen lebten. Im Verlauf des Mittelalters drängten aber die Orden verstärkt darauf, männliche und weibliche Bewohner räumlich zu trennen. In Ostfriesland traten sich dabei vor allem die Zisterzienser und die Prämonstratenser hervor. In der Folgezeit wurden einige Klöster separiert. So gründeten beispielsweise die Zisterzienser das Kloster in Ihlow, als die Bewohner des Doppelklosters Meerhusen darum baten, in den Orden aufgenommen zu werden. Die Genehmigung des Generalkapitels erfolgte schließlich nur unter der Bedingung, dass für die Mönche ein neues Kloster errichtet würde. Meerhusen blieb dabei wie die anderen nun zu Frauenklöstern gewordenen Ordensniederlassungen geistlich, rechtlich und wirtschaftlich vom Männerkloster abhängig. Bis zu ihrer Auflösung nach der Reformation bewirtschafteten Laien der Mutterabtei ihre Güter.Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 229.
Andere Klosterniederlassungen konnten sich dies finanziell nicht leisten. Sie errichteten häufig für Frauen ein neues Gebäude, das sich etwas abseits vom Mutterhaus befand. Bei den ärmsten Konventen der Augustiner, der Benediktiner und der Johanniter blieben die Klöster zunächst gemischt, entwickelten sich mit der Zeit aber zu Frauenklöstern unter männlicher Führung.
Dazu kamen Häuser mit Laienschwestern, in denen die Bewohner keine Chorgebete auf Latein sangen, sondern Kurzgebete in der Landessprache aufsagten. Hauptaufgabe war jedoch die Verrichtung von Arbeiten. Nach Angaben von Johannes A. Mol und Rolf Bärenfänger galten diese Häuser kirchenrechtlich zwar nicht als Klöster, waren es aber sehr wohl nach außen als auch in ihrer Zielsetzung.
Reepsholt, das erste Kloster Ostfrieslands Als das älteste Ordenshaus in Ostfriesland gilt das Kloster Reepsholt. Es soll nach einer Stiftung zweier Schwestern um 953 von Säkularkanonikern (Chorherren, die keinem Orden angehörten) gegründet worden sein und war dem Patron St. Mauritius geweiht. Das Kloster wird urkundlich in einem Dekret Kaiser Ottos II. aus dem Jahre 983 erwähnt. Es blieb lange Zeit das einzige Kloster in der Region, während in anderen Gebieten des damaligen Heiligen Römischen Reiches im 11. und im frühen 12. und 13. Jahrhundert zahlreiche Kanonikerstifte gegründet wurden, die als Vorposten bischöflich-gräflicher Macht wirkten.
Drei Gründungswellen Einen Schub erhielt das ostfriesische Klosterwesen erst im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde die Region von einer Frömmigkeits- und Armutswelle erfasst, die sich damals in ganz Europa ausbreitete und dazu führte, dass sich mehrere streng asketische Ordensgemeinschaften bildeten. In Friesland breiteten diese sich von den westlich der Ems bestehenden Konventen nach Osten aus. Die weitaus meisten Klöster wurden in dieser Zeit von vier Orden gegründet, den Dominikanern, den Benediktinern, den Prämonstratensern und den Zisterziensern. Später kamen noch die Johanniter oder Malteser hinzu. Vielfach trieben niederländische Mutterklöster Klostergründungen in Ostfriesland voran, beaufsichtigten diese im weiteren Verlauf und führten Reformen durch. So gilt das Kloster Feldwirth bei Appingedam als Mutterkloster der ostfriesischen Benediktinerklöster, Kloster Klaarkamp bei Dokkum als Mutterkloster der Zisterzienser und Dokkum als Ursprung der Prämonstratenser, während die ostfriesischen Johanniter der westfälischen Kommende in Steinfurt unterstellt waren.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 88, 93, 96, 100.
Die Gründungsdaten der ältesten Klöster auf der ostfriesischen Halbinsel sind bis dato ungeklärt. Vom Kollegiatstift Oestringfelde ist bekannt, dass es um 1175 durch die östringische Landesgemeinde zur Erinnerung an einen Sieg über die Rüstringer gestiftet wurde. Es soll auf einer heidnischen heiligen Stätte errichtet worden sein. In seiner Nähe soll sich zudem ein Thingplatz mit einer zentralen Eiche und zwölf sie umgebenden Linden befunden haben.Protokoll des Treffens der Arbeitsgruppe der Chronisten vom 21. Mai 2004 im Heimathaus in Heidmühle und im Klosterpark Östringfelde (PDF; 48 kB) Arbeitsgruppe der Ortschronisten der ostfriesischen Landschaft; abgerufen am 2. Januar 2010. Das Kloster bildet insofern eine Ausnahme zu dieser Zeitperiode, als die erste Phase der Gründungsbewegung im Südwesten Ostfrieslands begann und erst später den Osten erfasste. Auffällig ist dabei, dass die großen vier in Ostfriesland tätigen Orden Armut und asketische Lebensweise forderten. Auch die Benediktinerklöster in Ostfriesland unterschieden sich deutlich von den prachtvollen Klöstern der Karolingerzeit in anderen Regionen.
Als erste Klostergründer treten die Benediktiner in Ostfriesland auf. Ihre Niederlassungen waren fast alle Doppelklöster. Der heilige Hatebrand († 1198), Abt des Klosters Feldwirth, gründete zwischen 1183 und 1198 mit Meerhusen das zweitälteste Kloster in Ostfriesland.Karl-Ernst Behre / Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 194. Später kamen noch Thedinga, Sielmönken Marienthal, Marienkamp und Pansath, möglicherweise auch Boekzetel und weitere später von den Johannitern genutzte Häuser hinzu.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 93 (Ostfriesland im Schutze des Deiches; 6)