mini|Band, Mütze und Zipfelbund – die wichtigsten Couleurelemente Die Couleur () ist die Kombination bestimmter Farben, die als Zeichen einer farbentragenden oder farbenführenden Studenten- oder Schülerverbindung dient. Verallgemeinert wird unter Couleur auch die Prägung eines Menschen zu einer weltanschaulichen Einstellung verstanden: Jemand sei dieser oder jener Couleur.

Gebrauch mini|Zum ersten Mal in Wichs (Student in Festtracht), Gemälde von Georg Mühlberg (1900)

Bei den Mitgliedern einer farbentragenden Verbindung befindet sich die als Couleur festgelegte Kombination von Farben auf Kleidungs- und Schmuckstücken und auf Accessoires und Gebrauchsgegenständen. Der Begriff Couleur wird sowohl abstrakt für die Farbkombination als auch für die Gegenstände verwendet, auf denen sich die Farben der Kombination befinden. Die wichtigsten Gegenstände der Couleur sind das um die Brust getragene Band und die Mütze, die als Abzeichen für die Mitgliedschaft bei der entsprechenden Verbindung dienen. Des Weiteren tragen viele Verbindungsstudenten am Gürtel einen Zipfelbund, an dem mindestens ein sogenannter „Zipfel“ oder „Zipf“ (auch „Bierzipfel“) hängt, kleine Stückchen farbigen Bandes, deren Enden in Metall gefasst sind.Bund Nürnberger Studenten zu „Band“ und weiteren Couleurabzeichen, Schwerpunkt der Darstellung liegt auf spät entwickelten Sitten und Gebräuchen christlicher, nichtschlagender Verbindungen ().

Die Mitglieder farbenführender Verbindungen tragen die Couleur nicht. Ihre Farben finden sich nur im Wichs (eine Art Uniform für besondere Anlässe) und auf Couleurgegenständen. Gelegentlich wird ein Zipfel getragen. Manche Verbindungen in Süddeutschland und in Österreich tragen zwar ein Band, aber keine Studentenmütze. Schwarze Studentenverbindungen tragen keine Farben.

Die Couleur – inklusive verschiedener Vorgängerphänomene – war im Laufe der Zeiten immer ein Ausdruck von Loyalität, Zugehörigkeit und Identität einer Gruppe gegenüber, aber auch von Rivalität zu und Distanzierung von anderen Gruppen und Einzelnen. Dementsprechend war in verschiedenen Phasen der Geschichte das Verhältnis von Trägern unterschiedlicher Couleur, aber auch das Verhältnis von Couleurträgern zu Nicht-Couleurträgern stark emotional aufgeladen, was sich im gesellschaftlichen und politischen Bereich bis heute auswirkt.

Die Farben von Studentenverbindungen beeinflussten die Farbwahl der Flagge Deutschlands und der Flagge Estlands.

Die Farben heute Gestaltung Im abstrakten Sinne besteht die Couleur einer Verbindung aus einer Kombination von meist drei Farben mit festgelegter Reihenfolge. Es gibt auch einige – zumeist sehr alte – Verbindungen mit nur zwei Farben. Auch vier oder fünf Farben werden relativ selten verwendet. Häufig sind solche Kombinationen sekundär aus Zusammenschlüssen von Verbindungen unterschiedlicher Couleur entstanden, die sich auf eine Farbfolge festlegen mussten.

Die zwei bis fünf Farben verlaufen immer quer und weisen keine Musterung oder zweidimensionale Gestaltung in irgendeiner Form auf, wie es Farbfelder in der Heraldik oder Flaggen in der Vexillologie haben können. Grundsätzlich weisen alle Farbstreifen dieselbe Breite auf, Ausnahmen von dieser Regel sind selten. Es kommt beispielsweise – vor allem bei Zusammenschlüssen von Verbindungen – vor, dass zwei oder drei Hauptfarben von zwei schmaleren Streifen in einer weiteren Farbe umgeben sind nach dem Muster „rot-grün auf weißem Grund“.

Wie auch bei Nationalflaggen haben die Farben eine relevante Reihenfolge, sie können also nicht willkürlich kombiniert werden. Genannt werden sie dabei in der Regel von oben nach unten. Ausnahmen sind beispielsweise die Universitätsstädte Halle, Jena und Leipzig, deren Verbindungen ihre Farben zum Teil von unten nach oben lesen. Ebenso handhaben es auch einzelne Corps in Deutschland, zum Beispiel in Heidelberg und Freiburg im Breisgau.

Die Farben stammen im Wesentlichen aus dem Repertoire der Heraldik, am verbreitetsten sind schwarz, blau, rot, grün, aber auch weiß und gelb sowie gold und silber. Verwendet werden ebenfalls die selteneren Farben violett, rosa und orange sowie (ganz selten) grau und braun.

Im Gegensatz zur Farbenlehre der Heraldik sind weiß und silber, aber auch gelb und gold jeweils verschiedene Farben. Dabei fällt auf, dass gold vergleichsweise häufig ist, silber aber selten. Gold und silber werden auch nicht miteinander kombiniert. Ein weiterer Unterschied zur Heraldik besteht in den Nuancierungen der Farben blau, rot und grün. Dunkelblau ist etwas anderes als blau, hellrot anders als rot. Unterschiedliche Nuancierungen derselben Farbe können auch unmittelbar aufeinander folgen, so ist zum Beispiel auch die Kombination „dunkelblau-hellblau-weiß“ möglich. Bei den Nuancierungen wird meist großes Gewicht auf Mustertreue gelegt, das heißt, dass die überlieferte Farbabstufung akribisch genau eingehalten wird, besonders bei der Fertigung der Bänder. Dies führt vielfach zu metaphorischen Farbbezeichnungen, wie „alpenrosenrot“, „moosgrün“ oder „ätherblau“. Die (Metall-)Farben gold, gelb, silber und weiß sowie schwarz weisen keine Nuancierungen auf, ebenso wenig wie die Mischfarben violett und orange.Vorstand des Verbandes Alter Corpsstudenten e. V. (VAC) (Hrsg.): Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Band II. Würzburg 1985, Ziffer 1 „Die einzelnen Corps im KSCV“, A „Vorbemerkungen“, B „Verzeichnis der Kösener Corps im KSCV“ und C „Verzeichnis der erloschenen Corps im KSCV“.De Clubcodex: voor een stijlvol studentenleven. In: plutonica.be, abgerufen am 8. April 2025 (Klick auf „Mitgliedsbünde“).

Bezug und Bedeutung mini|Jubiläumsbriefmarke „125 Jahre Coburger Convent“ mit den Farben des Verbandes mini|Verbandsdreieck des VVDSt inschwarz-weiß-rot

Die Farben symbolisieren eine bestimmte Verbindung an einem bestimmten Ort beziehungsweise die Zugehörigkeit ihres Trägers zu einer bestimmten Verbindung. Da manche Farbkombinationen häufig sind, gibt es auch Verbindungen, deren Farben sich gleichen, was aber für das Verhältnis der Verbindungen zueinander keine Bedeutung haben muss. Um Verwechslungen möglichst auszuschließen, werden jedoch gleiche Farbkombinationen am selben Hochschulort meist vermieden. Verstöße gegen diese Maxime gab es vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Verbindungen aus östlichen Hochschulorten in den Westen verlegten und dort auf Verbindungen mit gleichen Farben trafen. In Städten mit sehr vielen Verbindungen verschiedener Typen kommen Farbgleichheiten naturgemäß auch sonst vor, nicht zuletzt zwischen Hoch- und Mittelschulverbindungen.

Es gibt auch Korporationsverbände mit Farben. Am bekanntesten sind die Burschenschafterfarben Schwarz-Rot-Gold, die von mehreren burschenschaftlichen Dachverbänden geführt werden, die sich auf die Urburschenschaft in Jena von 1815 zurückführen. Diese Bewegung breitete sich von Jena deutschlandweit aus und trug die Farben in viele Universitäten. Da sich die burschenschaftliche Bewegung schnell zersplitterte und bald mehrere Burschenschaften pro Universität existierten, tragen nicht alle Burschenschaften diese Farben. Auch gibt es unterschiedliche Kombinationen und Reihenfolgen (schwarz-gold-rot, schwarz-rot auf Gold etc.). Die weite Verbreitung, die große Popularität und die politische Bedeutung haben dafür gesorgt, dass diese Farben heute die deutsche Nationalflagge bilden.

Eine Farbkombination führt auch der Coburger Convent (weiß-grün-rot-weiß), der Dachverband der pflichtschlagenden Landsmannschaften und Turnerschaften. Diese Farben werden dort aber von keiner Einzelverbindung getragen und treten auch nicht in Form von Band und Mütze auf. Insofern andere Verbindungen diese Farben tragen, besteht kein Zusammenhang. mini|Bierseidel der zionistischen Verbindung Nehardea, 1915, in der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts formierten sich die ersten christlichen Verbindungen, die oftmals in anderen Städten Tochterverbindungen mit den gleichen oder ähnlichen Farben gründeten. Daraus entstanden Dachverbände mit mehr oder weniger einheitlichem Couleur wie der Wingolfsbund (schwarz-weiß-gold) oder der Unitas-Verband (blau-weiß-gold). Die Farben sind dabei sowohl die Farben des Dachverbandes, als auch die Couleur der weitaus meisten Mitgliedsverbindungen. Dies ist möglich, weil einige Dachverbände nur eine Mitgliedsverbindung pro Universitätsstadt zulassen (Singularitätsprinzip). Im Falle des Unitas-Verbands sind mehrere Verbindungen pro Stadt möglich und auch nötig, da auch Frauen in eigenen Verbindungen in den Verband aufgenommen werden. Die Farben blau-weiß-gold werden von den einzelnen Vereinen in beliebiger Reihenfolge als Trikolore angeordnet. Ähnliches gilt für den Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt) mit seinen Farben Schwarz-Weiß-Rot, der diese Farbkombination in den 1880er Jahren aus Begeisterung für den kurz zuvor gegründeten deutschen Nationalstaat wählte.

Da jüdische Studenten von den christlichen Verbindungen ausgeschlossen waren, gründeten sie im 19. Jahrhundert häufig ihre eigenen. Ihre Motivation leitete sich unter anderem aus dem damaligen Antisemitismus einerseits und den jüdischen Zionismus andererseits. Vom Zionismus leiteten sie häufig die Farben blau und weiß her. Der abgebildete Bierseidel aus Basel, 1915, gehörte der zionistische Verbindung Nehardea und verkörpert die komplexe Selbstwahrnehmung der jüdischen Studenten in der Schweiz. Die Name Nehardea verweist auf das jüdische Exil (Nehardea war ein Ort in Babylonien) und die Farben und das Motiv auf die neuen Ziele des Zionismus. Der Basilisk auf dem Deckel zeigt zudem die lokale Verbindung zur Stadt Basel.

Farbentragende, farbenführende und schwarze Verbindungen Eine in der Praxis oft verwendete Differenzierung zwischen Verbindungstypen ist die Unterscheidung zwischen farbentragenden und farbenführenden Korporationen. Mitglieder farbentragender Verbindungen tragen die Couleur (Band, Mütze) ihrer Verbindung bei internen und öffentlichen Veranstaltungen. Farbenführende (meist gleichgesetzt mit nicht farbentragend) haben für ihre Korporation spezifische Farben, die sich häufig in dem Wichs und in Couleurgegenständen wie Flaggen, Fahnen und Zipfeln finden. Manche nicht farbentragende Verbindungen in Süddeutschland und in Österreich tragen zwar ein Band, aber keine Studentenmütze. Schwarze Studentenverbindungen tragen und führen keine Farben.

Das Band mini|Burschenband (orange-weiß-blau); Fuxenband (orange-blau) der AV Cheruskia Tübingen mini|Vierfacher Bandspreizer

Konkrete Realisierung findet Couleur in zahlreichen Kleidungsbestandteilen und Gegenständen. Wichtigstes Couleurelement ist für die meisten Verbindungen das Couleurband, das „Mitgliedsabzeichen“ der farbentragenden Verbindungen.Erich Bauer: Schimmerbuch für junge Corpsstudenten. 4. Auflage. Verband Alter Corpstudenten, Bonn 1971, , S. 13 f.

Gestaltung und Trageweise Es handelt sich dabei um ein meist 27 Millimeter breites Seidengewebe (das sogenannte Bierband), das über die rechte Schulter gelegt und unter der linken Achsel ungefähr in Höhe des Bauchnabels von einem Bandknopf zusammengehalten wird. Das Band wird unter dem Jackett, aber über Hemd, Krawatte und Weste getragen. Bei Frack oder Smoking wird oftmals ein schmaleres Band (etwa 14 Millimeter), das sogenannte Weinband (Smoking) oder Sektband (Frack), quer über die Brust getragen. In Leipzig wird das „Leipziger Format“ getragen, ein Band mit 32 Millimeter Breite. Es gibt vereinzelt auch (oftmals sehr alte) Verbindungen, deren Band bis zu 36 Millimeter breit ist. Bei einzelnen Verbindungen kommt es vor, dass ein Konkneipant das Band gegenläufig (von links nach rechts) trägt.