Thomas Kessler (* 25. September 1937 in Zürich; † 25. April 2024) war ein Schweizer Komponist. Er gehörte zu den Pionieren der elektronischen Musik.
Leben mini|Gedenktafel am ehemaligen Electronic Beat Studio in Berlin-Wilmersdorf Kessler studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Zürich und Paris und anschließend Komposition bei Heinz Friedrich Hartig, Ernst Pepping und Boris Blacher an der Staatlichen Hochschule für Musik Berlin.
Er gründete 1965 sein eigenes elektronisches Studio und wurde Mitglied der Komponistenvereinigung Gruppe Neue Musik Berlin. Er begegnete Komponisten wie Luc Ferrari und Vinko Globokar. Später war er Leiter des Electronic Beat Studio Berlin und Musikdirektor des Centre Universitaire International de Formation et de Recherche Dramatiques in Nancy. Thomas Kessler unterrichtete von 1973 bis 2000 Komposition und Musiktheorie an der Musik-Akademie der Stadt Basel und rief dort das bekannte Elektronische Studio Basel ins Leben. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Wolfgang Heiniger, Max E. Keller, Bettina Skrzypczak, René Wohlhauser und Thomas Chr. Heyde.
Zusammen mit Gérard Zinsstag gründete er die Tage für Neue Musik in Zürich und mit Wolfgang Heiniger das Festival ECHT!ZEIT in Basel. 2001 wurde er Composer in Residence bei den New Music Concerts in Toronto. Im Rahmen des Projekts Œuvres Suisses komponierte er für das Tonhalle-Orchester Zürich das Werk «Utopia III» für Orchester (in fünf Gruppen) und multipler Live-Elektronik, das am 18. November 2016 unter der Leitung von Pierre-André Valade in der Tonhalle Zürich uraufgeführt wurde.
Kessler starb im April 2024 im Alter von 86 Jahren.
Auszeichnungen 1968 wurde er mit dem Kunstpreis für die junge Generation in Berlin ausgezeichnet 2007 erhielt er den mit 50000 Franken dotierten Kompositionspreis Marguerite Staehelin in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste als Musiker 2011 wurde er in die Akademie der Künste Berlin gewählt 2018 wurde er mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet.
Tonsprache Zu seinen Werken gehören Kammermusikstücke, Orchesterwerke und Kompositionen mit Live-Elektronik. Seit 1973 setzte er vermehrt Tonband, Synthesizer und Computer ein. In Los Angeles traf er mit Saul Williams zusammen, dessen Rap-Texte ihn inspirierten.CD von Thomas Kessler
Werke Konstellationen I (1965) für Flöte, Posaune, Violoncello und Klavier Vier Stücke (1965) für Streichquartett Countdown für Orpheus (1966) für Tonband Musik für Flöte, Klavier und Tonband (1966) Musik für Kontrabass, Klavier und Tonband (1966) Konstellationen II (1967) für Flöte, Klavier, Violine und Violoncello Trio (1968) für Streichtrio Maimusik (Revolutionsmusik) (1968) für Ensemble und Tonband Nationale Feiertage (1969) Smog (1971) für Posaune und Orchester Portrait (1972) für Posaune, Klavier und Schlagzeug Loop (1973) für Bandschleife und 4 variable Instrumente Aufbruch (1973) für außereuropäische Instrumente Piano Control (1974) für Klavier und Synthesizer Klangumkehr (1975) für großes Orchester Lost Paradise (1975) für Klavier, Harfe, Altflöte, Viola, Englischhorn und Live-Elektronik Dialoge (1977) für 2 außereuropäische und 2 europäische Musiker und Vocoder Unisono (1978) für 3 Klarinetten Violin Control (1978) für Violine und Synthesizer Schallarchiv (1979) Pujaparwata (1980) für Gamelan-Ensemble und Tonband Traumklang (1981) für Ensemble und Live-Elektronik Drumphony (1981) für Schlagzeug, computer und Orchester Drum Control (1983) für Schlagzeug und Computer Flute Control (1984–1988) für Flöte und Live-Elektronik La Montagne Ardente (1985) für 3 Synthesizer String Control (1987) für 1 Streichinstrument und Live-Elektronik Polysono (1987) für Fagott Aufbruch (1989–1990) für 5 sampler und Orchester Hades (1989) für Orgel und Tonband Harpsichord Control (1990–2005) für Cembalo und Live-Elektronik Kontrabass Control (1990–1991) für Kontrabass und Live-Elektronik Pièce de Concours (1990) für Violine und Tonband Choral (1991) für 4 Alt-Saxophone Ki (1992) für Orgel Message (1993) für Tonband Voice Control (1994–2000) für 3 Stimmen und Live-Elektronik Trombone Control (1994) für Posaune und Live-Elektronik Inselmusik (1995) für Altsaxophon, Marimbaphon und Klavier Windharfe (1996) für Violine, Flöte und Live-Elektronik Ego (1998) Irasshaimase (1999) für Shakuhachi und Tonband Guitar Control (1999) für Gitarre und Live-Elektronik Dichterlesung (2001–2002) für drei Musiker und Live-Elektronik „Is it?“ (2002) für Sopran und Sopran-Saxophon „,said the shotgun to the head.“ (2003) für Poetry-Sprecher, Rap-Chor und Orchester Utopia (2004) für 72 Orchestermusiker mit 72 live-elektronischen Instrumenten Oboe Control (2005) für Oboe und Live-Elektronik Engelberger Variation (2005) für Orgel Lufttore (2006) für Bassklarinette und Akkordeon NGH WHT (2007) für Sprecher und Streichquartett sweet sounds (2008) für Saxophon und Vokalensemble Utopia II (2010/2011) Auftragskomposition für die Kölner Philharmonie für Orchester und Elektronik; UA: 1. Juli 2011.
Literatur Lydia Jeschke: Thomas Kessler. In: Komponisten der Gegenwart (KDG). Edition Text & Kritik, München 1996, Loseblattsammlung.rs Fritz Muggler, Bruno Spoerri: Thomas Kessler und die Live-Elektronik. In: Bruno Spoerri (Hrsg.): Musik aus dem Nichts. Die Geschichte der elektroakustischen Musik in der Schweiz. Chronos, Zürich 2010, ISBN 978-3-03-401038-2, S. 124–128.
Weblinks
Website von Thomas Kessler
Thomas Kessler bei Boosey & Hawkes
Einzelnachweise
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