mini|Societas Urielis
Die Societas Urielis (lat.; deutsch Gesellschaft Uriels, Kurzform: SoU oder SU) entstand 2005 aus dem Zusammenschluss der beiden katholischen Laienvereinigungen Katholischen Glaubensgemeinschaft Saarbrücken (1984–2005) und der Laienbruderschaft OGFU (Abk. f. Ordo nova militia gladii fraternitas equitum sancti urielis archangeli, seit 2002 reduziert auf Ordo gladii fraternitas sancti urielis archangeli; 2000–2005). Es handelt sich um einen klassischen Verein mit internationalen Kontakten und Wirkungskreis, im Einklang mit dem Apostolicam actuositatem und II. Vaticanum. Der Name greift dabei Aspekte der beiden Laienvereinigungen auf: mit societas den Gemeinschaftsaspekt und mit Uriel den ausgeprägten Afrikabezughttps://societas-urielis.de, Abs. Wie lässt sich die Societas Urielis charakterisieren? [12.7.2020]..
Einer der zentralen, selbstgesteckten Aufgabenbereiche gem. den Statuten ist die Missionierungsarbeit in Deutschland. Dabei ist die SoU eine der wenigen deutschen Laienorganisationen und mit Stand 2008 eine von nur zwei katholisch geprägten unabhängigen Organisationen,Vgl. Obst, Rainer: Missionierung in Deutschland, Vortragsreihe 2007.Vgl. Rau, Andrea: Entwicklung der Laienkirchen, Saarbrücken 2006. die sich nicht vordringlich um die Missionierung außerhalb, sondern vielmehr innerhalb Deutschlands bemühen. Ausgehend von der Maxime, dass „die apostolische Tätigkeit Nähe zwischen den Menschen und Kenntnisse der Probleme und Wünsche der anzusprechenden Menschen benötigt“, setzt sie, im Gegensatz zu traditionellen kirchlichen Einrichtungen, nicht auf eine große zentral geleitete Organisationsform mit überregionalen Werbemaßnahmen, sondern auf regionale Präsenz durch unterschiedliche Aktivitäten der einzelnen SoU-Gruppen. Dabei besteht die Arbeit auch aus Gemeinschaftsprojekten mit Bildungsträgern und Kirchengemeinden.Vgl. https://societas-urielis.de, Abs. Wie lässt sich die Societas Urielis charakterisieren? [12.7.2020].
Die Societas beabsichtigte ursprünglich bis 2016Vgl. SoU: Novemberkonvent 2012, in: Im interkonfessionellen Dialog, Sammlung von Abstracts der Akademie in Trier, Köln 2012, 7–11. den Wandel von einer studentisch-religiösen Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche hin zu einer Gemeinschaft der katholischen Kirche vollzogen zu haben. Dieses Ziel wurde auf dem Konvent in 2013 auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, da man die papsttreue Haltung und die bischöfliche Lehrmeinung teils in Konkurrenz sah. Diese Mehrheitsentscheidung führte zu einer kleinen Zäsur, da mehrere Mitglieder die Gemeinschaft in der Folgezeit verließen. „Auf dem Gesamtkonvent 2019 wurde diese Entscheidung nochmals kritisch hinterfragt und der mehrheitliche Beschluss gefasst die Fortsetzung des Anerkennungsprozesses neu zu prüfen.“
Struktur und Mitgliedschaft Die Societas Urielis ist teils als Brüdergemeinschaft und teils als offener Verein organisiert. Dabei sehen die Statuten der Societas keinen großen institutionellen Handlungs- und Verwaltungsapparat vor. Sie setzt maßgeblich auf einen Multiplikatoreffekt in den selbstgesteckten Tätigkeitsbereichen.
Verwaltungstechnisch besteht sie aus dem Kapitel und den regionalen Commendaturae. Letzteren sind die kooperierende und korrespondierende Mitglieder unter dem Begriff Auxiliares zugeordnet. Alle Ämter und Positionen sind ehrenamtlich. Die Entscheidungsprozesse findet basisdemokratisch auf den Regionalkonventen sowie dem Gesamtkonvent statt. Jede Gruppe oder Person, die der SoU beitritt, geht eine vertragliche Verpflichtung mit dem Kapitel ein, wobei diese vor allem die Verwendung von Namen, Regularien und das Auftreten für die Gemeinschaft regelt. Die mit Stand 2020 mitgliederstärksten der insg. sechs Commendaturae bestehen in Köln-Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) und Berlin (Metropolregion Berlin/Brandenburg). Dabei ist es Usus die lateinischen Namen hinter den Begriff Commendatura zu setzen.Vgl. https://societas-urielis.de, Abs. Organisation der Societas Urielis [12.7.2020].
Als Vollmitglieder, i. S. v. ordentliche Mitgliedschaften, können der Societas laut dem Codex Societatis „erwachsene Katholiken jeglichen Alters, Berufes, Bildungsstandes oder Geschlechtes angehören“https://societas-urielis.de, Abs. Organisation der Societas Urielis [12.7.2020].. Gehören sie dem katholischen Klerus an, gelten sie als natürliche Mitglieder. Als Auxiliares, korrespondierende und kooperierende Mitgliedschaften, können Nichtkatholiken und Angehörige anderer Religionen der Gemeinschaft angehören und sich projektbezogen einbringenVergleiche hierzu auch Flyer und Plakat SoU ab 2006.. Diese Öffnung ist der apostolischen Tätigkeit in einem multikulturellen wie auch -religiösem Umfeld geschuldetSoU: Missionierung in Deutschland. Die Kirche an der Wende, Sammlung von Abstracts der Akademie in Köln, Köln 2006, 87f.. Was sich auch an der Aussage „Denn erst durch den Dialog miteinander, kann die Lehre und Gnade Gottes von allen erkannt werden.“SoU: Markt der Religionen?, Sammlung von Abstracts der Akademie in Bonn, Wadgassen u. Bonn 2010, 15. und der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Forum Theologie in 2014 festmachen lässtVgl. https://societas-urielis.de Ständige Arbeitsgemeinschaften der Societas [11.7.2020]..
Die Societas kennt seit 2009 weder eine aktive Mitgliederwerbung noch einen aktiven Beitritt. Nach einer Kennenlernphase wird ein Neumitglied vorgeschlagen und beginnt nach Zustimmung des Konventes ein dreijähriges Postulat. In dieser Zeit werden die angehenden Neumitglieder als Numeri geführt. Die aktive Verlangsamung des Wachstums soll die Homogenität der Gemeinschaft wahren und die persönliche Ebene stärken.https://societas-urielis.de/#open-modalmglP Information [12.7.2020].
Mit Stand 2020 weist die Societas rund 500 ordentliche Mitgliedschaften bundesweit aus. Eine differenziertere Aufschlüsselung ergibt sich aus der Anfrage in 2008Antwortbrief SoU-Vorstand zu den aktuellen Mitgliederzahlen, Stand April 2008, 18. April 2008. – Gebetsgemeinschaften 362, aktive Mitgliedschaften 102, Auxiliares 441 Mitglieder – und Veröffentlichungen, wie die der Commendatura Wadegotia in 2007: Numeri (34), Kamerun (12), Elfenbeinküste (2), Kongo (22), Indien (3).Wadegotia: Festschrift 2007, in: SoU: Syro-Malabarische Kirche und Rom, Sammlung von Abstracts der Akademie in Saarlouis, Wadgassen u. Köln 2007, 57–63.
Ziele der Societas Das generelle Ziel, mit verschiedenen Varianten, ist die Umsetzung der apostolischen Tätigkeit der Gläubigen als Gruppe im Einklang mit dem 2. Vatikanischen Konzil. Dabei stellt die Gemeinschaft selbst fest, dass sie einzig der katholischen Kirchenlehre folgt und diese verbreitet. Aber sie die Freiheit und den bestehenden Pluralismus in allen Bereichen, in denen durch die Kirche die Katholiken nicht auf etwas Bestimmtes festgelegt werden, nutzt und fördert. Besondere Betonung besitzt die Papsttreue.
Abgesehen von den Arbeitskreisen Christen in Not und Forum Theologie kann man die Tätigkeitsbereiche wie folgt untergliedern:
Bereich Theologische Ausbildung der Mitglieder als Grundlage der apostolischen Tätigkeit
Da eine umfassende theologische Ausbildung Grundlage einer jeder Missionsarbeit darstellt, wie man der Präambel der Statuten entnehmen kann, bietet die SoU ihren Mitgliedern zahlreiche Unterstützungsangebote, finanzieller und persönlicher Art, und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Gleichzeitig stehen aber auch eine Reihe von Veranstaltungen der breiten Öffentlichkeit kostenlos zum Besuch frei, da „Glaubensfestigung in der Regel leichter ist, als die Arbeit Menschen zum katholischen Glauben hinzuführen“, wie Diakon P. Oranuba in der Eröffnungsrede der Akademie in Fulda erklärte. Aus diesen Gründen gewährt die SoU grundsätzlich Unterstützung beim Theologiestudium von Mitgliedern sowie von Mitgliedern, die sich zum Dienst in der Kirche berufen fühlen bzw. regt Mitglieder zur Aufnahme eines Studiums an. Der Prozess der Weiterbildung dauert für Mitglieder, den Impulsen des Zweiten Vatikanischen Konzils zur „formatio continua“ entsprechend, ein Leben langVgl. https://societas-urielis.de, Abs. Publikationen der Societas [14.7.2020]..
Bereich Aktive Teilnahme am Missionierungsprozess in Deutschland
Die Societas ist in Form von Akademien, Symposien und kostenlosen Lehrveranstaltungen, der Ausrichtung von Bibelkreisen und Gebetsgemeinschaften, der Bereitstellung von kostenlosen Lern- und Lehrmaterialien (siehe Open-Source-Projektierungen) sowie zahlreichen regional-bezogenen Tätigkeiten (siehe Handapparate der Bibliothek, siehe Gedenkwanderungen) aktiv. Neben kommerziellen Angeboten, deren Erlös in die Spendenaktionen der SoU fließen,Gesammelte Spendenberichte der academia wadegotia, 2005–2007. bietet sie eine Reihe von regelmäßig stattfindenden, kostenlosen Kursen und Seminaren, unter dem Motto „Missionierung in Deutschland“SoU-Kapitel: Rechenschaftsbericht, III. Bildungstätigkeiten vor Ort, in: Ip 2007, 9. in den drei größten Commendaturae an. Die Bibelkreise werden hierbei nicht mitgezählt.
Bereich Afrikahilfe
Die Societas führte den Bereich Afrikahilfe der Laienbruderschaft nach ihrer Gründung fort. Von 1991 bis 2006 wurden primär Projekte an der Elfenbeinküste, in Ghana und KamerunDillinger, Edmund: Personelle Hilfe und Sachspenden für die Lepra-Station „Nkol Afidi“ in Mbalmayo (Kamerun), in: Jahresheft des OGFU, Dankschreibung des Bischofes von Mbalmayo, 1999. In: Le Messager: Nkol Afidi, Kamerun 2004 und Nouvelle Expression: Interview avec Monseigneur Adalbert Ndzana, Kamerun 2007.Dankschreibung des Leiters, Komplettaufbau des Krankenreviers des Jugendzentrums im Bistum Yamousoukro (Elfenbeinküste), in: Jahresheft der SoU, Wadgassen 2003. In: Le Nouveau Reveil – République de Côte d’Ivoir, N'Chaud Bertin 08/2006, 12.Bücher- und Sachspenden an den katholischen Kindergarten in Ngomedzap, Kamerun, in: Africa Positive 04/2007.Grevelding, H.G., Diakon: Dankschreiben CV Afrikahilfe e.V.: Spenden an sowie Spendensammlung für die CV Afrikahilfe des deutschen Cartellverbandes zur Unterstützung der CV-Afrika-Hilfe-Projektierungen, in: Der Weg, Köln 2007, 2008.Vgl. https://societas-urielis.de/#open-modalcvah Die ersten Jahre: Gemeinsam mehr erreichen, nachhaltige Hilfe vor Ort [12.7.2020]. in Kooperation mit einem befreundeten Verein unterstützt. Von 2007 bis 2014 setzte sie 27 Projekte in sechs afrikanischen Staaten in eigener Regie umVgl. https://societas-urielis.de/#open-modalafrika Gemeinsam mehr erreichen, nachhaltige Hilfe vor Ort [12.7.2020]. Je nach Projekt besteht die Förderung dabei durch Bereitstellung von Sach-, Geldspenden und / oder aktiver personeller Hilfe vor Ort. Primärziel ist stets die Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe., zugegriffen am 28. April 2008.
Open-Source-Projekte Die Bereitstellung von theologischen Texten, sei es für das Studium oder die eigene Vertiefung des Wissens in Glaubensfragen, zählt mit zu den wichtigsten Punkten für die Societas. Dabei ist ein erheblicher Teil entweder als Online-Versionen oder als Nachschlagewerke in einer der Präsenzmediatheken in Berlin und Köln auch für Nichtmitglieder, verfügbar. Alle Commendaturae sind angehalten eigene theologische Handapparate vor Ort bereitzustellen.