Buhaya ist das historische Reich der Haya-Bevölkerungsgruppe im Nordwesten Tansanias auf einem Hochland am Westufer des Viktoriasees, das geografisch zwischen und geschichtlich betrachtet im Schatten der ostafrikanischen Königreiche Burundi und Ruanda im Süden und Buganda im Norden liegt. Das Siedlungsgebiet der Haya erstreckt sich etwa über die Distrikte Bukoba, Muleba und Karagwe im Verwaltungsbezirk Kagera.

Grundlage für eine relativ hoch entwickelte Agrarwirtschaft waren Bananen als Dauerkultur und ein hierarchisch strukturiertes Gesellschaftssystem mit einem Herrscher (Omukama, Plural Bakama) an der Spitze einzelner Kleinreiche.

Geografie mini|Viktoriaseeküste bei Bukoba Landschaftlich und kulturell ist das Gebiet mehr mit Ruanda und dem Süden Ugandas verbunden, die hohen Niederschläge sind für Tansania eine Ausnahme. Begrenzt wurde Buhaya im Norden durch den Kagera, im Westen durch das Hochland von Karagwe oder den Oberlauf des Kagera (je nachdem, ob Karagwe zu Buhaya dazu gezählt wird oder nicht), im Süden etwa durch die Grenze zum Biharamulo-Distrikt und im Osten durch den Viktoriasee.

Mehrere nord-südlich verlaufende Gräben und Schollen bilden eine zonale Gliederung. Zum dicht besiedelten Kernland von Buhaya, das mit 1400–2000 mm JahresniederschlagUnited Republic of Tanzania. Kagera Region. Offizielle Webseite mit Klima- und anderen Daten am regenreichsten ist, gehören die rund 25 km breiten Küstenhügelketten und die vorgelagerten Inseln. Es ist das traditionelle Anbaugebiet für Bananen, Getreidearten, Cassava und Kaffee. Die Bezeichnung „Buhaya“ galt ursprünglich nur für diesen schmalen Küstenstreifen und wurde erst später auf das größere Gebiet übertragen.Peter Schmidt: Historical Archaeology. A Structural Approach in an African Culture. Westport, Connecticut 1978, S. 12 Im Regenschatten der Hügel westlich angrenzend folgt eine dünn besiedelte zentrale Senke, die früher eine Pufferzone zwischen Buhaya und dem trockenen, eher für Viehweiden geeigneten Hochland von Karagwe bildete. Die anschließende fruchtbare Senke entlang des Kagera gehört zu den frühesten Siedlungsgebieten.

Mythos und (Vor-)Geschichte Über die Tatsache, dass ab Mitte des ersten Jahrtausends Ackerbau treibende Bantu siedelten, herrscht mehr Einigkeit als über die Datierung des möglicherweise vorchristlichen Gebrauchs von Eisen im Gebiet von Buhaya, der von Archäologen diskutiert wird.Peter Schmidt: Archaeological views on a history of landscape change in East Africa. The Journal of African History, 1. Oktober 1997. Anfang des Artikels (Vgl. auch das Kapitel Anbaumethoden weiter unten.) Eisenverarbeitung, die in Zusammenhang mit der sich ausbreitenden Bantubevölkerung gebracht wird, ging aus der Geschichte in eine bis heute lebendige Mythologie ein. Schlagen der Trommel (Nyambatama), durch das die Inthronisierung der Buhaya-Könige begleitet wurde, symbolisierte das Schlagen vom Hammer auf den Amboss der frühen Eisenschmelzer. Trommel, Speer und Stühle waren die Insignien königlicher Macht. Die im Kult verwendeten Eisenobjekte und der Speer des Königs waren in Wirklichkeit das Werk von Ndahura, dem Begründer des Reichs der Bachwezi. Dieses Volk regierte Kitara, das den Buhaya und den anderen Staaten im Zwischenseengebiet vorausgegangene große Reich aus Halbgöttern. Nach mündlicher Überlieferung waren sie zwar als Menschen geboren, wurden aber unsterblich und verschwanden einfach nach ihrer Zeit.

Historisch betrachtet handelte es sich um ein lose organisiertes Bantu-Reich in der Zeit von etwa 1100–1600, das sich im Süden bis Burundi und im Westen bis in den Kongo erstreckte. Der Überlieferung nach gab es ein Machtzentrum, das aufgrund von Ausgrabungen in Süduganda am Mittellauf des Katonga-Flusses vermutet wird (möglicherweise Bigo Bya Mugenyi). Ihre Nahrungsgrundlage waren Getreideanbau und Ziegenhaltung, in einzelnen Clangruppen breiteten sie sich in dünn besiedeltes Gebiet aus. Dabei verhalf den Bachwezi der zunehmende Gebrauch von Eisengerät beim Ackerbau und der Jagd zu wirtschaftlicher Dominanz und zugleich ritueller Macht. Für diesen Zeitraum wird auch die Ausbreitung des Ankolerindes und des Kaffeeanbaus angenommen.

Noch weiter vorher lebten die mythischen Batembuzi.Peter Robertshaw: Seeking and keeping power in Bunyoro-Kitara, Uganda. In: Susan Keech McIntosh (Hrsg.): Beyond Ciefdoms. Pathways to Complexity in Africa. Cambridge University Press, New York 1999, Kap. 10, S. 124–135. Robertshaw referiert die Debatte, ob bei den Batembuzi/Bachwezi Götter oder Herrscher eines Reichs regiert hätten. Mittelweg sind lose Clangruppen. Hierzu Zitatsammlung: Peter Robertshaw: (PDF; 180 kB) Als erste Menschen auf der Erde waren sie unsterblich und verschwanden in der Unterwelt. Schöpfer ist Ruhanga, Nachfolger Nkya, dessen Sohn Isaza, der letzte Herrscher der Batembuzi. Aus seiner Verbindung mit Nyamate, der Tochter von Nyamyonga, dem König der Unterwelt, ging der Sohn Isimbura hervor. Dessen Sohn ist der bereits erwähnte erste Bachwezi Ndahura. Historische Aussagen zur Lebenszeit Ndahuras (14. Jahrhundert?), zur Größenordnung einzelner Zwergstaaten (Bevölkerungszahl wenige tausend) und Gründe für den Untergang des Reiches (große Dürre?) sind Spekulation.

In den 1970er Jahren nutzte Peter Schmidt bei einer Feldforschung in dem Gebiet die orale Tradition der Buhaya, um damit archäologische Plätze zu identifizieren.Peter Schmidt: Historical Archaeology: Kritik wurde später mit der Frage geübt, ob eine Gedächtnisüberlieferung seit der Eisenzeit erhalten sein kann. Schmidts Beitrag zum Verständnis der Bachwezi und der Geschichte der Großen Seen wird allgemein gewürdigt. Als Ursache für den Niedergang der Bachwezi-Dynastie im 16. Jahrhundert wird eine zu große Ausdehnung des Reiches angenommen, das nicht mehr in der Lage war, mögliche Aufstände zu kontrollieren. Der Zerfallsprozess wurde durch die Invasion von Luo nur beschleunigt. Dieses nilotische Hirtenvolk aus dem Bereich des heutigen Südsudan gelangte in mehreren Einwanderungswellen ab dem 15. Jahrhundert ins Zwischenseengebiet, was in der Folge zur Gründung mehrerer großer hierarchisch aufgebauter Reiche führte. Als erstes gründete sich in Bunyoro die Babiito-Dynastie.

Wirtschaftliche Entwicklung mini|Bananenhain Über das vorkoloniale Buhaya wurde abfällig, um seine Bedeutung einem Reich wie Buganda gegenüberzustellen, als „die Fischerdörfer an der Küste“ gesprochen. Gemeinsam mit dem Königreich Buganda hat Buhaya aber seine wirtschaftliche Grundlage im Anbau von Bananen, die als Dauerkultur zu Sesshaftigkeit und bald zu Privatbesitz an Land führten. Wann der Anbau von Bananen begann, ist unklar. Schätzungen liegen zwischen dem 6. und 13. Jahrhundert für das Gebiet.Satoshi Maruo: . African Study Monographs, 23(4) 2002, S. 147–175.

Unterschiedliche Folgerungen werden gezogen, was privater Landbesitz für die Clangesellschaft bedeutete: Clanchefs, die zuvor die Verteilung des freien Landes organisiert hatten, sind entweder durch landbesitzende Privathaushalte geschwächt worden, oder es wird für Buhaya ein Feudalismus herausgearbeitet, bei dem ein zentraler Herrscher die Clanchefs schwächte. Bei letzterer These begann der Omukama, größere Bananenhaine (Nyarubanja) an Günstlinge zu verteilen, die damit zu Gutsherren (Abatwazi) wurden, die landlose Arbeiter (Abatwarwa) beschäftigten. Diese vom König eingeführten feudalen Strukturen hätten die traditionellen Abhängigkeiten innerhalb der Clans aufgeweicht.Buluda Itandala: Feudalism in East Africa. Utafiti Vol VIII No.2, University of Daressalaam 1986. Online (PDF; 1,1 MB) Rechtlich besaßen wohl die Bakama die Verfügungsgewalt über das ganze Land, praktisch wurde es als Familienbesitz bewirtschaftet. Jedenfalls entwickelte sich auch in dieser Bananen-Wirtschaft eine Herrscherschicht ähnlich wie in den Gebieten mit vorherrschender Rinderzucht (wozu das trockene Bergland von Karagwe zählt), wo sich die dominierende Schicht (Hima, Tutsi) über den Besitz von Rindern definierte.Markus Boller. Kaffee, Kinder, Kolonialismus. Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung in Buhaya (Tansania) in der deutschen Kolonialzeit. Münster, Hamburg 1994. – Die Anwendbarkeit des Begriffs Feudalismus wird S. 34 ff. diskutiert. Zum Landrecht S. 74 f.

Gegenüber dem weiter südlich (Sukumaland) betriebenen Wanderfeldbau mit ausgedehnten Brachezeiten erlaubte die Bananenkultur eine höhere Bevölkerungsdichte, da bei ganzjähriger Ernte Arbeitskräfte auch ganzjährig eingesetzt werden können, und die Zahl der Arbeitskräfte als der wichtigste, die wirtschaftliche Entwicklung begrenzende Faktor galt. Als Beweis für eine vorkoloniale Überschussproduktion werden Bierfeiern angeführt, zu denen große Mengen Pombe (Bananenbier) benötigt wurden. Rund ein Drittel aller Bananen (unterste Schätzung) wurde zu Pombe verarbeitet. Zwischen den Bananenstauden wurden Bohnen und Kaffee gepflanzt, außerhalb gediehen Süßkartoffel, Sorghum und Erdnüsse.

In vorkolonialer Zeit wurde Kaffee in Buhaya nicht als Getränk zubereitet, es wurde die ganze Frucht in Wasser gekocht, getrocknet und als Delikatesse gegessen oder zu bestimmten Zeremonien gebraucht. Außerdem war der Anbau mit Tabus verbunden. Kaffee war ein königliches Privileg. Jedem Mann war nur ein Kaffeebaum erlaubt, mit dessen Schicksal er sich verbunden fühlte, den er deshalb gut pflegte und in die Höhe wachsen ließ.

Anbaumethoden mini|Karagwe-Distrikt. Wiesen für Rinderzucht. Im Hochland ist Bananenanbau nur in Gunsträumen von Tälern möglich. Beim Ort Bugene, 8 km vom Verwaltungssitz Kayanga Bereits in vorchristlicher Zeit wurde begonnen, wie Pollenanalysen zeigen, den immergrünen Regenwald abzuholzen. Dass hierzu Eisenwerkzeuge gebraucht wurden, wird neben archäologischen Befunden als weiterer Beweis für eine frühe Eisenzeit gesehen. Abholzung führte zu Bodenverschlechterung, die Sekundärvegetation litt unter Abweidung, die bessere technische Ausrüstung führte also zunächst zu einer Verschlechterung der Ressourcen. Es musste ein geeignetes Agrarsystem entwickelt werden.

Ein Dorf stellte sich wie ein einziger großer Bananenhain mit versteckt dazwischen liegenden Häusern dar, umgeben und deutlich getrennt von extensiv bewirtschaftetem Grasland. Im Grasland erfolgte der Anbau von Erdnuss oder Bambara-Erdnuss im Wechsel mit mehrjährigen Brachen. Die lehmhaltigen Böden der Bananenhaine erhielten Nährstoffe durch Dung von auf dem Grasland weidendem Vieh und durch Vermulchung von Pflanzenresten. Zusätzlich wurde von außerhalb herbei gebrachtes Gras verteilt.

Handel Von regionalem Handel ist wenig bekannt. Salz wurde vermutlich aus den Salzseen von Katwe am Edwardsee bezogen (Acholi-Gebiet) und gegen Rindenstoffe und Kauris getauscht. Größere Salzvorkommen gab es weiter südlich in der Gegend um Tabora. Als ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Elfenbeinhändler auch an den Viktoriasee kamen, brachten sie Salz aus Tabora mit. Auf ihrem Weg lag auch Buzinza (Kleinstaat südlich Buhaya), von wo die Händler Hackenblätter und Speerspitzen mitbrachten. Ansonsten kam das Eisengerät von den Erzlagern in Bunyoro. Zum Elfenbeinhandel hatte Buhaya wenig beizutragen. Nur etwas Kaffee ging in den Fernhandel, Haya waren aber als Träger und Wiederverkäufer geschäftlich aktiv.

Der Sklavenhandel um den Viktoriasee war insgesamt gering. Das Monopol lag bei den Ganda, welche die bei gelegentlichen Überfällen verschleppten Gefangenen an Händler verkauften. Es waren zumeist Frauen, die in andere Staaten des Zwischenseengebiets verschleppt wurden.

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