mini|hochkant=1.3|Dwain Chambers (Mitte) im Sprint der britischen Olympiaqualifikation 2008 Der 100-Meter-Lauf ist eine olympische Sprintdisziplin in der Leichtathletik und wird auf einer geraden Strecke ausgetragen, wobei jeder Läufer vom Start bis zum Ziel in seiner eigenen Bahn bleiben muss. Gestartet wird im Tiefstart mit Hilfe von Startblöcken. Bei den Olympischen Spielen ist die 100-Meter-Strecke die kürzeste Sprintdistanz.
mini|Video eines 100-Meter-Laufs (hier aus der Sommer-Universiade 2015) Die besten Männer erreichen eine Zeit unter 10 Sekunden, die besten Frauen eine Zeit von unter 11 Sekunden. Wie schnell ein Mensch unter optimalen Bedingungen die 100-Meter-Strecke laufen könnte, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Mark Denny von der Stanford University geht von einer Zeit von 9,48 Sekunden aus, John Barry (Cambridge University) und Reza Noubary (Bloomsburg University) halten 9,4 Sekunden für möglich., Reuters, 31. Juli 2012 Der Australier Jeremy Richmond zeigt in einer Studie, dass eine menschliche Bestzeit von 9,27 Sekunden erreichbar ist. auf runnersworld.com, abgerufen am 2. Juli 2014 (englisch)
Die Höchstgeschwindigkeit, die ein Athlet während eines Laufes erreicht, liegt bei Männern deutlich über 40 km/h.
Der im Jahr 2009 bei den Weltmeisterschaften in Berlin von Usain Bolt aufgestellte und amtierende Männerweltrekord in 9,58 s entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,44 m/s oder 37,58 km/h. Usain Bolt erreichte bei seinem Rekordlauf von 9,58 s eine Spitzengeschwindigkeit von rund 12,42 m/s oder 44,72 km/h. Donovan Baileys Höchstgeschwindigkeit bei seinem Weltrekord im Jahre 1996 von 9,84 s betrug ungefähr 12,1 m/s oder 43,56 km/h.
Der im Jahr 1988 von Florence Griffith-Joyner aufgestellte Frauenweltrekord von 10,49 s entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,53 m/s oder 34,31 km/h.
Obwohl mit zunehmender Laufstrecke die Geschwindigkeit abnimmt (und in der Kurve nicht mit Top-Speed gelaufen werden kann, da einige Kraft in die Richtungsänderung hineingesteckt werden muss), liegen die Durchschnittsgeschwindigkeiten im 200-Meter-Lauf oft geringfügig höher als beim 100-Meter-Lauf, bedingt durch die vergleichsweise längere Strecke, auf der nach der langsameren Startphase mit Höchstgeschwindigkeit gelaufen werden kann. Außerdem wird die Reaktionszeit am Start nur einmal mit einberechnet, die etwa 15 Hundertstelsekunden beansprucht.
Rekorde mit Rückenwindunterstützung werden nur anerkannt, wenn die Windgeschwindigkeit höchstens 2,0 m/s beträgt (World-Athletics-Regel 163.8). Seit 1938 sind dazu für die Anerkennung von Rekorden Windmessungen vorgeschrieben.
Die 100-Meter-Strecke findet auch beim 4-mal-100-Meter-Staffellauf (Männer und Frauen) sowie als erste Teildisziplin beim Zehnkampf Anwendung. Bis 1949 war der 100-Meter-Lauf eine Teildisziplin beim Mehrkampf der Frauen (Dreikampf, Fünfkampf).
Die Reibung und Elastizität beim Abstoß vom Untergrund beeinflussen die Laufgeschwindigkeit, darum sind die Art der Laufschuhe und die Beschaffenheit des Belages von Bedeutung für die erzielbare Zeit.Josef Kluckert: Hat die Aschenbahn ausgedient? Kunststoffpisten in den deutschen Arenen, bei Zeit online
Im internationalen Spitzensport liegt ein entscheidender Zeitverlust bei den neuronalen Rückkopplungsprozessen im Gehirn, die bei jedem Schritt stattfinden. Verkürzend auf diese Rückkopplungszeit wirken weniger Schritte (durch weitere Schrittlänge) und eine vollständige Symmetrie der Beine.Arnd Krüger: Symmetrie als Talentkriterium? Leistungssport 45(2015)1, S. 29; Arnd Krüger: Sprintvermögen und Informationsverarbeitungskapazität des Menschen, in: Die Lehre der Leichtathletik 30 (1979), Nr. 44/45.
Am 22. August 2026 absolvierte erstmals ein humanoider Roboter den 100-Meter-Lauf schneller als der schnellste Mensch; der Lightning genannte Roboter benötigte bei dem Lauf in Peking 9,32 Sekunden und brach damit den von Usain Bolt aufgestellten Weltrekord.
Geschichte Der 100-Meter-Lauf ist vom 100-Yards-Lauf (91,44 m) abgeleitet, der im 19. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Leichtathletik in den englischsprachigen Ländern auf Gras- und Aschenbahnen ausgetragen wurde.
1887 erfand der US-Amerikaner Charles H. Sherrill den Tiefstart, indem er sich kleine Vertiefungen grub, in denen die Füße beim Abstoßen Halt fanden. 1921 baute der australische Sprinter Charlie Booth die ersten, noch primitiven Startklötze aus Holzblöcken mit einem Metallfuß und entwickelte sie immer weiter.
1928/29 entwickelten die US-amerikanischen Trainer George Breshnahan und William Tuttle die bis in die Gegenwart verwendeten Startblöcke, die von der Internationalen Leichtathletik-Assoziation IAAF ab 1937 zugelassen wurden.
In den 1920er Jahren begannen Experimente mit elektronischen Stoppuhren, erstmals bei Olympischen Spielen wurde 1932 in Los Angeles eine Zielkamera eingesetzt. Seit Anfang 1977 werden Rekorde nur noch nach elektronischer Zeitmessung anerkannt.
Einen wesentlichen Leistungsfortschritt brachte die Einführung von Laufbahnen mit Kunststoffbelag in den 1960er Jahren; der erste 100-Meter-Weltrekord darauf waren die 9,95 s von Jim Hines bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt.
Der erste Sprintwettkampf in Deutschland fand am 6. Juni 1880 auf der Pferderennbahn in Hamburg-Horn auf Yard-Strecken statt und war zugleich der erste Leichtathletikwettkampf in Deutschland überhaupt. Gelaufen wurden 100 und 120 Yards mit Vorgabe (außerdem eine englische Meile). Läufe über 100 Meter sind von Mitte der 1890er Jahre bekannt. Bereits bei der erstmaligen Teilnahme von Frauen an den Deutschen Meisterschaften, am 14./15. August 1920, gehörte der 100-Meter-Lauf zum Wettkampfprogramm (zusammen mit der 4-mal-100-Meter-Staffel, dem Weitsprung und dem Kugelstoßen).
Bei Olympischen Spielen steht der 100-Meter-Lauf für Männer seit 1896 in Athen und für Frauen seit 1928 in Amsterdam im Programm. In den Jahren 1900 in Paris und 1904 in St. Louis wurde als weitere Kurzsprintstrecke der 60-Meter-Lauf ausgetragen.
Regeln mini|Start eines 100-Meter-Laufs Die Regeln für den 100-Meter-Lauf werden vom Leichtathletikweltverband World Athletics festgelegt.
Die Reaktionszeit beim Start wird durch Sensoren in der Startpistole und den Startblöcken gemessen. Eine Reaktionszeit von weniger als 100 Millisekunden gilt als Frühstart. Bis 2003 war ein Frühstart pro Teilnehmer erlaubt, erst der zweite führte zu einer Disqualifikation. Seit 2003 wurde ein Fehlstart dem gesamten Teilnehmerfeld zugerechnet. Da es immer noch zu absichtlichen Frühstarts kam, um die Konzentration der Konkurrenten zu stören, wurde die Regel 2009 nochmals geändert, seitdem führt bereits der erste Frühstart zur Disqualifikation des Teilnehmers. Die Regelverschärfung wurde kontrovers diskutiert, insbesondere nachdem Usain Bolt bei den Weltmeisterschaften 2011 in Daegu deswegen disqualifiziert wurde.False Start Rule Scrutinized After Bolt’s Early Exit, New York Times, 29. August 2011
Wer auf die Bahn eines Konkurrenten kommt, wird ebenfalls disqualifiziert.
Für die Zeitnahme ist das Erreichen der Ziellinie mit dem Rumpf maßgeblich.
Doping Die Leichtathletik ist wie fast alle anderen Sportarten auch vom Problem des Dopings betroffen. Gerade im 100-Meter-Lauf wurden in der Vergangenheit zahlreiche Athleten überführt oder es gab kaum zu widerlegende Hinweise auf eine Dopingvergangenheit, ohne dass Konsequenzen erfolgten. Das Dopingkontrollsystem unterliegt einem intensiven Wechsel über Zeiten und Epochen hinweg und wird in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich angewendet. Deshalb sind viele der hier genannten Leistungen mit einer gewissen Skepsis zu sehen. Schnellste 100-m-Läufer: Acht von zehn mit Doping-Vergangenheitfaz, 18. Januar 2017 Dopingfälle im SprintDer Tagesspiegel, 23. September 1998 Schnell wie der Todsportbild.de, 26. August 2015 Prof. Sörgel, 100 Meter sind das schmutzigste RennenÄrztezeitung online, 2. August 2012 Wer gewinnt die 100 Meter – und warum?n-tv, 21. Juli 2013 Entwicklung im Sprint "einfach nicht plausibel"sportwissenschaft.de, Universität Augsburg, dvs-Informationen 17 (2002) 4 Prof. Dr. Martin Lames, Ist Doping als leistungsfördernder Effekt identifizierbar? (PDF)
Meilensteine Männer: erste registrierte Zeit: 11,0 s über 110 Yards (100,584 m), , 27. Juli 1867 in Haslingden erste Zeit unter 11 Sekunden: 10,8 s (10 4/5 s), , am 25. September 1891 in Brüssel (Stoppuhren: 10,6 s, 10,8 s, 11,0 s) erster offizieller Weltrekord: 10,6 s, , 1912 erste Zeit von 10,0 s, , 21. Juni 1960 in Zürich (Letzigrund) erste Zeit unter 10 Sekunden: handgestoppt: 9,9 s, jeweils am 20. Juni 1968 in Sacramento: , und elektronisch gestoppt: 9,95 s, am 14. Oktober 1968 in Mexiko-Stadt
Frauen: erste registrierte Zeit: 17,4 s, , 15. Mai 1902, Helsinki erster offizieller Weltrekord: 13,6 s (13 3/5 s): , 5. August 1922 erste Zeit unter 13 Sekunden: 12,8 s (12 4/5 s), , 20. August 1922 erste elektronisch gestoppte Weltbestleistung: 12,18 s, erste Zeit unter 12 Sekunden: 11,9 s, , am 5. Juni 1932 in Haarlem erste Zeit unter 11 Sekunden: handgestoppt: 10,9 s, , am 7. Juni 1973 in Ostrava elektronisch gestoppt: 10,88 s, , am 1. Juli 1977 in Dresden
Weltrekorde mit dem längsten Bestand: Männer: 10,2 s, , am 20. Juni 1936 in Chicago, unterboten nach 20 Jahren in 10,1 s am 3. August 1956 in Berlin durch Frauen: 10,49 s, , am 17. Juli 1988 in Indianapolis; gültiger Weltrekord (Stand: 13. September 2026)
Erfolgreichste Sportler drei Olympiasiege: , 2008, 2012 und 2016 zwei Olympiasiege: , 1964 und 1968 , 1984 und 1988 , 1992 und 1996 , 2008 und 2012 , 2016 und 2020
fünf Weltmeistertitel: , 2009, 2013, 2015, 2019 und 2022 drei Weltmeistertitel: , 1983, 1987 und 1991 , 1997, 1999 und 2001 , 2009, 2013 und 2015 zwei Weltmeistertitel: , 1997 und 1999 erfolgreichste Deutsche: , Olympiasieger 1960 , Olympiasiegerin 1972 und Olympiazweite 1976 , Olympiasiegerin 1976 , Weltmeisterin 1983 , Weltmeisterin 1987 , Weltmeisterin 1991
Geschwindigkeitsverlauf eines 100-Meter-Rennens Bei den Weltmeisterschaften 1991 in Tokio gelang den sechs Ersten des Endlaufs eine Zeit unter 10 Sekunden. Die nachfolgenden Tabellen zeigen beispielhaft den Verlauf dieses 100-Meter-Rennens. Eine Beschleunigung gelingt bis ca. 40 Meter, danach können die Läufer ihre Geschwindigkeit nur noch geringfügig erhöhen. Der Sieger, Carl Lewis, konnte in diesem Rennen sogar bis ca. zum 80-Meter-Punkt beschleunigen.
Er erreichte während seiner schnellsten Phase eine Laufgeschwindigkeit über 43 km/h (12,05 m/s). Dieses hohe Tempo in der Endphase verhalf ihm zum Sieg, denn bis etwa zum 80-Meter-Punkt führte Leroy Burrell.
Der Dritte, Dennis Mitchell, gehört – auf den schnellsten 10-Meter-Abschnitt bezogen – zu den Langsamsten dieser sechs Läufer, profitierte aber am Ende von seinem schnellen Start, der heutzutage aber als Fehlstart deklariert würde, weil er weniger als 100 Millisekunden Reaktionszeit aufwies.
Der britische Sprinter Linford Christie äußerte in einem Gespräch, er habe seine Trainingsarbeit in den letzten Jahren (seiner Laufbahn) verstärkt darauf abgestellt, auf den letzten 20 Metern die Geschwindigkeit zu halten. Hiervon versprach er sich eine Verbesserung seiner Gesamtzeit. Physiologen weisen in diesem Zusammenhang auf die Begrenztheit der kurzfristigen Energiereserven – ATP und Kreatinphosphat – hin, die durchschnittlich auf diesem Leistungsniveau acht Sekunden vorhalten. Insofern ist der Leistungsabfall auf den letzten 20 Metern natürlich und nicht ausschließlich auf Ermüdungserscheinungen im koordinativen Bereich zurückzuführen. Welchen Anteil die beiden Ursachen – Kreatinphosphatverarmung einerseits, Ermüdung andererseits – haben, ist nicht bekannt.