Die Pazifische Taifunsaison 2008 hatte im Gegensatz zur Pazifischen Hurrikansaison keine offiziellen Grenzen, sondern lief das ganze Kalenderjahr hindurch. Die meisten tropischen Wirbelstürme bilden sich im nordwestlichen Pazifischen Ozean allerdings zwischen Mai und November.
Tropische Stürme, die sich auf der Nordhalbkugel im Pazifischen Ozean westlich der Datumsgrenze bildeten, nennt man Taifune. Die sich 2008 im Pazifischen Ozean östlich der Datumsgrenze und nördlich des Äquators gebildeten Hurrikane sind Gegenstand der Pazifischen Hurrikansaison 2008. Tropische Wirbelsturmsysteme, die mindestens die Stärke eines tropischen Sturmes erreichen, werden im gesamten westlichen Pazifik durch die Japan Meteorological Agency mit einem Namen versehen. Hurrikane, die aus dem Verantwortungsbereich des Central Pacific Hurricane Centers über die Datumslinie nach Westen wandern, behalten ihren Namen. Alle tropischen Tiefdrucksysteme erhalten durch das Joint Typhoon Warning Center der Vereinigten Staaten eine Nummer, der für Systeme im westlichen Pazifik ein „W“ angehängt wird. Tropische Tiefdruckgebiete, die sich innerhalb des Verantwortungsbereiches der Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA) bilden oder in dieses Gebiet wandern, werden von dieser Behörde mit einem nur für die Philippinen gültigen Namen versehen. Dies kann dazu führen, dass benannte Stürme unter zwei verschiedenen Namen bekannt sind.
Saisonprognosen +Prognosen über die tropische Aktivität in der Taifunsaison 2008QuelleDatumGesamtSystemeBenannteStürmeTaifuneCUHKDurchschnitt (1950–2000) 31 27 17CUHK18. April 2008 33 30 19CityUHK24. Juni 2008 33 30 19Tatsächliche AktivitätJMA 22 11JTWC 26 22 11 Seit der Pazifischen Taifunsaison 2000 erstellt das Laboratorium für atmosphärische Forschung an der City University of Hong Kong (CUHK) Prognosen über die erwartete Zahl tropischer Wirbelstürme, der benannten Stürme und der Stürme, denen durch die JMA der Status eines Taifuns zugeteilt wird. Es wurden zwei Vorhersagen veröffentlicht, eine im April und eine aktualisierte im Juni.
Die diesjährige Saison wurde durch die CUHK etwas aktiver eingeschätzt als die des Vorjahres. Eine durchschnittliche Saison besteht aus 31 tropischen Wirbelstürmen, von denen 27 benannt werden und 17 zu Taifunen werden. In der April-Prognose sagte die CUHK 33 tropische Wirbelstürme voraus, davon 30 benannte. Die Zahl der Wirbelstürme, die Taifunstärke erreichen, wurde mit 19 vorausgesagt. Am 24. Juni bestätigte das Laboratorium seine im April gemachte Prognose ohne Veränderung.
Stürme JTWC Tropische Depression 01W
In der zweiten Januarwoche bildete sich westlich der Philippinen langsam eine tropische Störung, die am 13. Januar vom Joint Typhoon Warning Center zum Tropischen Tiefdruckgebiet 01W erklärt wurde. Die JMA beobachtete das System, klassifizierte es jedoch nicht als tropisches Tiefdruckgebiet. Nach Ansicht des JTWC verstärkte sich das System in der Frühe des 14. Januars zu einem tropischen Sturm, ließ aber in der Intensität im Tagesverlauf wieder nach. Am Morgen des 15. Januars gab das JTWC zunächst seine letzte Warnung zu diesem System aus; das System konnte aber wieder an Stärke gewinnen und wurde ab 21:00 Uhr UTC an diesem Tag erneut als tropisches Tiefdruckgebiet geführt. Da sich das System aber nicht weiter intensivierte, gab das JTWC am 16. Januar um 15:00 Uhr UTC zum zweiten Mal eine letzte Warnung auf dieses System aus.
Tropische Depression
Taifun Neoguri (Ambo)
Am 11. April befand sich zwischen Palau und Yap ein Tiefdruckgebiet, das Konvektion ausbildete. Eine oberflächennahe Zirkulation entwickelte sich in der Nähe von Mindanao. Am 14. April bildete sich daraus nördlich von Zamboanga City ein tropisches Tiefdruckgebiet, das westwärts zog und sich im Südchinesischen Meer am 15. April zu einem tropischen Sturm verstärkte. Die Japan Meteorological Agency wies dem ersten offiziellen Sturm der Saison den Namen Neoguri zu;Japan Meteorological Agency: für das Joint Typhoon Warning Center handelte es sich bei Neoguri bereits um den zweiten Sturm der Saison. In der Frühe des 16. Aprils wurde Neoguri durch die JMA zum Schweren tropischen Sturm Japan Meteorological Agency: und einige Stunden später zum Taifun hochgestuft. Japan Meteorological Agency:
Auf seinem Weg nach Norden schwächte sich der Taifun ab und beim Auftreffen auf das Festland in der Provinz Guangdong erreichte Neoguri nur noch den Status eines schwachen tropischen Sturmens; sowohl JTWC als auch JMA gaben deswegen ihre letzten Warnungen zu diesem System aus.
Als der Taifun sich der Provinz Hainan näherte, wurden etwa 120.000 Bewohner niedrig gelegener Gebiete evakuiert. Nach den Angaben des Chinesischen Amts für Meteorologie handelte es sich bei Neoguri um den jahreszeitlich frühesten Taifun, der Auswirkungen auf China hatte (der vorherige Rekordwert war durch Taifun Wanda am 3. Mai 1971 gesetzt worden). Nach dem Durchzug des Wirbelsturmes konnten zunächst 42.000 Personen nicht in ihre Häuser zurückkehren, 18 chinesische und 22 vietnamesische Fischer blieben nach dem Sturm vermisst. In der Volksrepublik China wurde der Tod von drei Personen bestätigt.
Der Name Neoguri wurde durch Südkorea vorgeschlagen und ist der Name für einen Marderhund. PAGASAs Name für dieses System war Ambo.
Taifun Rammasun (Butchoy)
In der Frühe des 7. Mai erklärte PAGASA eine Wetterstörung 790 km östlich von Mindanao und südwestlich von Yap zum Tropischen Tiefdruckgebiet Butchoy. Etwa zum selben Zeitpunkt wurde das System auch durch die JMA als tropisches Tief klassifiziert. Im Tagesverlauf stufte die JMA das System zum tropischen Sturm hoch und vergab den Namen Rammasun. Der Name Rammasun wurde durch Thailand vorgeschlagen und ist der thailändische Name für den Gott des Donners. Das System organisierte sich rasch besser und intensivierte sich am 9. Mai zu einem Taifun.
Rammasum verstärkte sich nordwärts wandernd und erreichte am 10. Mai mit zehnminütigen Windgeschwindigkeiten von 105 Knoten und einem Luftdruck von 915 hPa in seinem Inneren seine stärkste Intensität. Einige Stunden später geriet der Sturm über kühleres Wasser und begann mit seiner Abschwächung. Am 12. Mai begann sich der Abwärtstrend des nun nach Nordosten ziehenden Wirbelsturmes zu beschleunigen und die JMA setzte den Status von Rammasum auf einen schweren Tropensturm zurück und das JTWC stellte in seiner an dem Tag ausgegebenen letzten Warnung bereits die Wandlung in ein außertropisches Frontensystem fest. Offiziell wurde Rammasum erst in den frühen Morgenstunden des 13. Mai zu einem Tiefdrucksystem abgestuft, als die JMA ihre letzte Warnung ausgab.
Als außertropischer Sturm verursachte Rammasun an der japanischen Ostküste einen hohen Wellengang und starken bis sehr starken Niederschlag mit Windböen bis zu 83 km/h.
Schwerer Tropischer Sturm Matmo (Dindo)
Östlich der Philippinen bildete sich am 13. Mai eine tropische Störung. Im Tagesverlauf gab das JTWC einen Tropical Cyclone Formation Alert aus und erklärte das System am nächsten Tag zum Tropischen Tiefdruckgebiet 04W. Am 15. Mai um 12:00 Uhr UTC klassifizierte die JMA das System als Tropischen Sturm und wies den Namen Matmo sowie die Bezeichnung 0803 zu.
In der Nachanalyse durch das RSMC Tokio stellte die JMA fest, dass sich Matmo weiter intensiviert hatte und stufte das System nachträglich zum schweren tropischen Sturm Matmo hoch. Das System schwächte sich ab, als es sich nordwärts von den Philippinen entfernte, und am 17. Mai wurde Matmo außertropisch. Einige Stunden später löste sich Matmo auf.
Der Name Matmo wurde durch die Vereinigten Staaten vorgeschlagen und bedeutet „heftiger Regen“ in Chamorro.Chamorro-English Dictionary, University of Hawaii Press PAGASAs Name für das System war „Dindo“. Der Sturm verursachte keine gemeldeten Schäden oder Verluste an Menschenleben.
Schwerer Tropischer Sturm Halong (Cosme)
Am Morgen des 14. Mai erklärte PAGASA eine tropische Störung westlich der Philippinen zum Tropischen Tiefdruckgebiet Cosme und etwas später gab das JTWC die ersten Warnungen zum System 05W aus, dem die JMA am 16. Mai den Namen Halong zuwies. Dieser Name wurde von Vietnam vorgeschlagen und ist von der Bucht von Halong abgeleitet, einem UNESCO-Welterbe und Touristenziel.Meaning of Tropical Cyclone Names, Hong Kong Observatory Das Tiefdrucksystem intensivierte sich schnell zum schweren tropischen Sturm (zu einem leichten Taifun nach den Kriterien des JTWCs) und erreichte seine höchste Windgeschwindigkeit von 60 Knoten in der Frühe des 17. Mai. Nach dem Landfall im Westen von Pangasinan überquerte Halong den Norden Luzons, wobei sich das System leicht abschwächte. Dort kamen durch die Auswirkungen des Sturms 58 Menschen ums Leben, 43.365 Häuser wurden zerstört und 188.830 beschädigt. Die Schäden, die im Norden Luzons am stärksten waren, summierten sich auf 94 Millionen US-Dollar (2008). Auch die Inseln Mindoro und Panay waren durch die Regenfälle betroffen, die der Sturm in die Region brachte.
Nachdem Halong wieder das offene Wasser erreichte, regenerierte sich das System und erhöhte dabei seine Vorwärtsgeschwindigkeit nach Nordosten. Es erreichte zwar erneut die Intensität eines schweren tropischen Sturms, konnte jedoch seine frühere Stärke nicht zurückzugewinnen. Am 20. Mai gab die JMA die letzte Warnung zu Halong aus.ftp://ftp.met.fsu.edu/pub/weather/tropical/GuamStuff/2008052003-WTPN.PGTW
Taifun Nakri (Enteng)
Am 25. Mai bildete sich südlich von Guam ein Tiefdruckgebiet, das langsam in westlicher Richtung zog und von der JMA am Tag darauf als schwaches tropisches Tiefdruckgebiet klassifiziert wurde. Am 27. Mai klassifizierte zunächst das JTWC das System als tropisches Tiefdruckgebiet mit der Bezeichnung 06W, die JMA erklärte das System etwa 550 km nördlich von Yap zum Tropischen Sturm Nakri, einen Tag später zum schweren tropischen Sturm.
Zwölf Stunden später erklärte das Joint Typhoon Warning Center 06W zum Taifun. Im Tagesverlauf gewann Nakri noch schneller an Kraft und am 29. Mai hatte der Taifun die Stärke eines Hurrikans der Kategorie 4 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala erreicht. Etwa zu diesem Zeitpunkt gelangte das System in den Verantwortungsbereich der philippinischen Meteorologen und PAGASA wies dem Sturm in der Frühe des 30. Mai den Namen Enteng zu. Das System wanderte nordwärts und am 31. begann die Abschwächung. Nach einer kurzen Phase des Wiedererstarkens begann am 2. Juni die Umwandlung zu einem außertropischen Wirbelsturm und sowohl das JTWC als auch die JMA gaben ihre letzten Warnungen zu dem System aus. Der Sturm blieb auf See und verursachte keine Schäden.
Der Name Nakri wurde von Kambodscha vorgeschlagen und bezieht sich auf eine im Land vorkommende Blütenpflanze.
Taifun Fengshen (Frank)