Němčičky (deutsch Klein Niemtschitz) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt in Südmähren im Okres Brno-venkov (Bezirk Brünn-Land), 20 km südlich von Brünn.
Geographie Das Straßendorf mit Dreiecksanger liegt linksseitig der Jihlava in, 220 m ü. d. M.
Nachbarorte sind Mělčany (Mieltschan) im Norden, Bratčice (Bratschitz) und Sobotovice (Sobotowitz) im Nordosten, Ledce (Laatz) im Osten, Medlov (Mödlau) im Südosten, Malešovice (Malspitz) im Süden, Kupařovice (Kuprowitz) im Südwesten, Trboušany (Pausche) im Westen sowie Pravlov (Prahlitz) im Nordwesten.
Geschichte Die Anlage des Ortes und die „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, weist auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9 Der Ort wurde 1349 erstmals und 1416 erneut in einer lateinischen Urkunde als „Nyemczycz, Prope Pogorzelicz“ und in einer Brünner Urkunde „Nyempcziczka“ am 11. Juli 1441 genannt. Seit 1500 erscheint die Schreibweise „Nembschitz“ oder „Nempcziss“, so auch im 1771 angelegten Bergbuch. Von 1417 bis 1848 gehörte das Dorf zur Herrschaft Kanitz. Klein Niemschitz war von 1562 bis 1622 einer der Mittelpunkte der südmährischen Täuferbewegung. Bis 1565 lebte deren Bischof, der Seilermeister Leonhard Lanzenstiel, im Ort.
Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Bevölkerung viel zu erleiden, bewirtschaftet blieben nur mehr 24 Häuser. Im Jahre 1622 wurde die Täufer (Hutterer) des Landes verwiesen und zogen daraufhin nach Siebenbürgen weiter.Bernd Längin: Die Hutter, 1986, S. 237 Der Ort führt seit 1634 Matriken. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 21. März 2011. Im Jahre 1884 wird eine einklassige Schule im Ort errichtet. Um 1900 wurde eine Wassergenossenschaft zum Bau eines Igeldamms zum Schutz der Felder gegen jährliche Überschwemmung gegründet. Die Einwohner von Klein-Niemtschitz lebten größtenteils von der Landwirtschaft. Angebaut werden alle Getreidearten, Zuckerrüben, Gemüse und Obst. Schmied, Schlosser, Zimmermann finden sich als Handwerker. Ebenso gibt es eine Brennmühle, welches das größte Wasserrad Mährens besitzt.
Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Die Bewohner von Klein-Niemtschitz waren im Jahre 1910 zu 96 % Deutschsüdmährer. Der Friedensvertrag von Saint GermainFelix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919–1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X erklärte den Ort zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit kam es zu einem vermehrten Zuzug von Personen mit tschechischer Nationalität. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918–1938, München 1967 Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1930. Nach dem Münchner Abkommen 1938, in dem die sudetendeutschen Gebiete an Deutschland abgetreten wurden, rückten im Oktober deutsche Truppen im Ort ein, der bis 1945 zum Reichsgau Niederdonau gehörte. Im Jahr 1940 wurde ein Kindergarten eröffnet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, welcher 20 Opfer unter den Einwohnern forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bei den einsetzenden Nachkriegsexzessen kamen fünf Zivilpersonen zu Tode.Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, Totenbuch S. 216 Zwischen März und September 1946 wurden 203 deutschmährische Ortsbewohner in sechs Transporten nach Deutschland zwangsausgesiedelt. Archiv Mikulov: Odsun Němcå – transport odeslaný dne 20. května, 1946 Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995 Vier Familien verblieben im Ort, vier Familien fanden in Österreich, eine in USA und die restlichen Klein-Niemschitzer in Deutschland ein neues Zuhause.
Wappen und Siegel Das älteste erhaltene Siegel weist eine Urkunde vom 21. April 1509 aus. Es zeigt ein Rundschild mit zwei schräggekreuzten Rebzweigen mit je einer Traube und über den Reben ein Winzermesser. Im 18. Jahrhundert wurde dieses Siegel vereinfacht und zeigte in der Umschrift „GEMEINDE KLEIN NEMTSCHITZ“ ein Schild mit einem Pflugeisen darin. Ab 1848 verwendete der Ort nur noch einen bildlosen Gemeindestempel.Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Bd. VIII, S. 2
Bevölkerungsentwicklung Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner Jahr Deutsche Tschechen andere 1793 40 246 1836 47 255 1869 57 306 1880 59 318 298 20 0 1890 63 341 323 18 0 1900 67 312 289 23 0 1910 71 315 301 14 0 1921 69 321 276 39 6 1930 73 333 280 51 2 1939 359 Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A–Z, Frodl, Blaschka Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
Sehenswürdigkeiten Im Jahr 1903 wurde eine Marienkapelle mit einem in Tirol gearbeiteten Altar errichtet und 1904 geweiht.
Literatur Anton Schwetter, Siegfried Kern: Abriß der Geschichte Mährens, 1884 Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Klein-Niemtschitz S. 120 Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941 Archiv Mikulov: Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. května, 1946 Karl Wittek: Die Wiedertäufer in Südmähren Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, 1990
Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, 2006
Weblinks Kulturdatenbank der Heimatvertriebenen
Einzelnachweise
Kategorie:Ersterwähnung 1349