Die Eingeweidefische (Carapidae) leben in tropischen und subtropischen Regionen von Atlantik, Pazifik und des Indischen Ozean in Tiefen bis 2000 Metern. Echiodon drummondii lebt auch in der Nordsee. Ihren deutschen Namen erhielten sie, da sich einige Arten in den Körperhöhlen von Wirbellosen verstecken.
Merkmale Eingeweidefische sind aalartig, langgestreckt, der Körper ist schuppenlos und oft transparent. Rücken- und Afterflosse bilden Säume entlang der Ober- und Unterseite des am Ende zugespitzten Körpers, wobei die Flossenstrahlen der Afterflosse immer länger als die gegenüberliegenden Flossenstrahlen der Rückenflosse sind. Bauchflossen fehlen stets, die Brustflossen nur bei drei Arten der Gattung Encheliophis. Anus und Geschlechtsöffnung befinden sich sehr weit vorn, direkt hinter dem Kopf, unterhalb der Brustflossen, am Vorderende der Afterflosse. Die Kiemenöffnungen sind groß und reichen weit nach vorn, es gibt sechs bis sieben Kiemenreusen. Außer den Kiefern sind auch das Pflugscharbein und das Gaumenbein bezahnt. Eingeweidefische werden sieben bis 57 Zentimeter lang.
Lebensweise Eingeweidefische können frei (Echiodon, Eurypleuron) oder zusammen mit Seegurken, Seesternen, Muscheln oder Seescheiden als Kommensalen (Carapus, Onuxodon) oder eventuell als Parasiten (Encheliophis) leben.Brooke Luciano, Ashleigh Lyman, Selena McMillan, Abby Nickels: The symbiotic relationship between Sea cucumbers (Holothuriidae) and Pearlfish (Carapidae). Die Fische dringen mit dem Schwanz oder frontal zuerst in den Wirt ein und können auch paarweise in ihm leben.
Eingeweidefische fressen kleine Wirbellose und Fischbrut. Es ist umstritten, ob einige Arten, wie oft behauptet wird, die inneren Organe ihrer Wirte fressen.
Die Eier der Eingeweidefische sind pelagisch, die ebenfalls pelagischen Larven machen zunächst ein Vexillifer genanntes Stadium durch, bei dem sie einen langen, mit drei bis acht blattähnlichen Anhängen versehenen Fortsatz tragen. Das nächste Larvenstadium wird Tenuis genannt. Diese relativ lange Larvenform schmilzt von hinten nach vorne die Wirbelkörper ein und nutzt die frei gewordenen Nährstoffe u. a. für die Bildung von Otolithen. Tenuislarven leben am Meeresboden, sie ähneln schon den ausgewachsenen Fischen. Der Kopf ist relativ zum Körper noch recht klein und die volle Körperlänge noch nicht erreicht. In diesem Stadium besiedeln Eingeweidefische ihren Wirt.
Systematik Die Eingeweidefische wurden 1867 durch den kubanischen Naturforscher Felipe Poey als eigenständiges Taxon eingeführt. Sie gehören zur Ordnung der Eingeweidefischartigen (Ophidiiformes) und dort zur Unterordnung Ophidioidei, die die eierlegenden Familien der Ordnung umfasst. Die Schwestergruppe der Eingeweidefische sind die Bartmännchen (Ophidiidae).
Es gibt fast 40 Arten in neun Gattungen und vier Unterfamilien:
Unterfamilie Carapinae mini|Carapus dubius mini|Echiodon rendahli, Vexilliferlarve mini|Echiodon rendahli, adult mini|Encheliophis boraborensis schaut aus einer Körperöffnung einer Seegurke mini|Encheliophis homei mini|Onuxodon fowleri
In der Unterfamilie Carapinae sind die Brustflossen kürzer als die Kopflänge und haben 23 oder weniger Flossenstrahlen. Der Oberkiefer ist nicht protraktil (nicht vorstreckbar). Die Anzahl der Präcaudalwirbel (alle Wirbel außer Schwanzwirbel) liegt bei 17 bis 35. Gattung Carapus Rafinesque, 1810 Carapus acus (Brünnich, 1768) Carapus bermudensis (Jones, 1874) Carapus dubius (Putnam, 1874) Carapus mourlani (Petit, 1934) Carapus sluiteri (Weber, 1905) Gattung Echiodon Thompson, 1837 Echiodon anchipterus Williams, 1984 Echiodon atopus Anderson, 2005 Echiodon coheni Williams, 1984 Echiodon cryomargarites Markle, Williams & Olney, 1983 Echiodon dawsoni Williams & Shipp, 1982 Echiodon dentatus (Cuvier, 1829) Echiodon drummondii Thompson, 1837 Echiodon exsilium Rosenblatt, 1961 Echiodon neotes Markle & Olney, 1990 Echiodon pegasus Markle & Olney, 1990 Echiodon prionodon Parmentier, 2012 Echiodon pukaki Markle & Olney, 1990 Echiodon rendahli (Whitley, 1941) Gattung Encheliophis Müller, 1842 Encheliophis boraborensis (Kaup, 1856) Encheliophis chardewalli Parmentier, 2004 Encheliophis gracilis (Bleeker, 1856) Encheliophis homei (Richardson, 1846) Encheliophis sagamianus (Tanaka, 1908) Encheliophis vermicularis Müller, 1842 Encheliophis vermiops Markle & Olney, 1990 Gattung Eurypleuron Markle & Olney, 1990 Eurypleuron cinereum (Smith, 1955) Eurypleuron owasianum (Matsubara, 1953) Gattung Onuxodon Smith, 1955 Onuxodon fowleri (Smith, 1955) Onuxodon margaritiferae (Rendahl, 1921) Onuxodon parvibrachium (Fowler, 1927)
Unterfamilie Hypopleuroninae Gattung Hypopleuron Hypopleuron caninum Smith & Radcliffe, 1913
Unterfamilie Pyramodontinae mini|Pyramodon ventralis mini|Snyderidia canina
Bei der Unterfamilie Pyramodontinae sind die Brustflossen so lang wie die Kopflänge und werden von 24 bis 30 Flossenstrahlen gestützt. Der Oberkiefer ist protraktil (vorstreckbar). Die Anzahl der Präcaudalwirbel liegt bei 12 bis 22. Gattung Pyramodon Smith & Radcliffe in Radcliffe, 1913 Pyramodon lindas Markle & Olney, 1990 Pyramodon parini Markle & Olney, 1990 Pyramodon punctatus (Regan, 1914) Pyramodon ventralis Smith & Radcliffe in Radcliffe, 1913 Gattung Snyderidia Gilbert, 1905 Snyderidia canina Gilbert, 1905
Unterfamilie Tetragondacninae Die einzige Art der Unterfamilie Tetragondacninae unterscheidet sich durch zahlreiche Merkmale, z. B. ihre Beschuppung von anderen Eingeweidefischen. Gattung Tetragondacnus Anderson & Satria, 2007 Tetragondacnus spilotus Anderson & Satria, 2007
Quellen Joseph S. Nelson: Fishes of the World. 4th edition. John Wiley & Sons, Hoboken NJ u. a. 2006, ISBN 0-471-25031-7. Kurt Fiedler: Fische (= Lehrbuch der Speziellen Zoologie. Bd. 2: Wirbeltiere. Tl. 2). Gustav Fischer, Jena 1991, ISBN 3-334-00338-8.
Einzelnachweise M. Eric Anderson, Fayakun Satria (2007) A new subfamily, genus, and species of pearfish (Teleostei: Ophidiiformes: Carapidae) from deep water off Indonesia. Species Diversity, 12, 73–82. doi: 10.12782/specdiv.12.73
S. Ohashi (2018). Morphology of a unique ophidiid, Hypopleuron caninum Radcliffe 1913 (Ophidiiformes, Ophidiidae, Neobythitinae), suggesting a close relationship with the family Carapidae. Zootaxa, 4521(4), 499–538, doi: 10.11646/zootaxa.4521.4.2
Eric Parmentier et al.: Remodelling of the vertebrate axis during metamorphic shrinkage in pearlfish. (2003), Journal of Fish Biology, Volume 64 Issue 1, Pages 159 - 169.
Felipe Poey (1867): Cubensium genera piscium. Repertorio fisico-natural de la isla de Cuba. 2, 205–216. biodiversitylibrary.org
Man-Kwan Wong, Wei-Jen Chen: Exploring the phylogeny and depth evolution of cusk eels and their relatives (Ophidiiformes: Ophidioidei). Molecular Phylogenetics and Evolution, Juli 2024, Doi: 10.1016/j.ympev.2024.108164
Weblinks
Kategorie:Eingeweidefischartige