Der Flugplatz Celle „Immelmann-Kaserne“ (abgekürzt FlPl Celle, ) ist ein Militärflugplatz des deutschen Heeres in Niedersachsen. Die in der Gemarkung der Stadt Celle gelegene Einrichtung wurde im Jahr 1934 eröffnet und befindet sich seither durchgängig in militärischer Nutzung. Während der Berliner Luftbrücke 1948/49 war der Flugplatz ein bedeutender Einsatzstützpunkt, von dem aus Kohle und Lebensmittel in den Westteil der abgeriegelten Großstadt geflogen wurden. Heute wird die Anlage von der Bundeswehr überwiegend für die Ausbildung beziehungsweise Übungen von luftbeweglicher Infanterie, der taktischen Aus- und Weiterbildung von Hubschrauberpiloten sowie getrennt davon der Grundausbildung von Unteroffizier- und Feldwebelanwärtern genutzt.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lautete die Bezeichnung „Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch“; während der alliierten Besatzung von 1945 bis 1957 war sein Name zunächst „Airfield B.118“, dann „RAF Station Celle“. Später erhielt er zusätzlich den Namen „Immelmann-Kaserne“. Da der Flugplatz vom Deutschen Heer betrieben wird, wird er umgangssprachlich auch als Heeresflugplatz Celle bezeichnet.
Lage und Anfahrt mini|Lagekarte des Flugplatzes Celle
Geographische Lage Der Flugplatz Celle liegt 4,8 Kilometer südwestlich der Stadtmitte Celles und 31,2 Kilometer nordostwärts der Stadtmitte Hannovers. Im Westen schließt sich das Wietzenbruch an, ein moorähnliches Gebiet, das nach dem Fluss Wietze und dem umgebenden Bruchwald benannt ist. Das Gelände gab auch dem nördlich des Flugplatzes liegenden Stadtteil Wietzenbruch seinen Namen. Im Osten und Süden führt die Bahnstrecke Hannover–Hamburg vorbei. Der Mittelpunkt der Start- und Landebahn, der Bezugspunkt des Flugplatzes, liegt 39,3 Meter (129 Fuß) über Normalnull.
Verkehrsanbindung Der Flugplatz wird über eine Stichverbindung der Landesstraße 310 angefahren, die als Zubringer zu den Bundesautobahnen 7 und 352 dient. Neben den Autobahnen wird Celle und damit auch der Flugplatz überregional durch die Bundesstraßen 3, 191 und 214 erschlossen. Seit Dezember 2005 verfügt die Immelmann-Kaserne über eine „Kaserne“ benannte Haltestelle der städtischen Buslinie 13.
Geschichte
Für Details über die ehemals stationierten Einheiten und Luftfahrzeugtypen siehe Hauptartikel Liste ehemaliger Einheiten und Luftfahrzeuge des Heeresflugplatzes Celle
Vorgeschichte der Luftfahrt um Celle
1910 unternahm ein Privatmann namens Schlüter erste Flugversuche auf der Scheuener Heide im Randgebiet eines Stadtteils von Celle auf der nördlichen Allerseite. Zu diesen waren die Celler Bürger mittels Zeitungsannoncen als Zuschauer eingeladen. Bedeutung erlangte die Fliegerei um Celle jedoch erst, als sich die Kaiserliche Marine auf der Suche nach einem „Marine-Landeflugplatz“ für das Gelände bei Scheuen entschied. Der Flugplatz konnte am 3. Oktober 1918 fertiggestellt werden und fortan fand bis zum Kriegsende regelmäßiger Flugbetrieb statt. Durch die Piloten verbreitete sich die Nachricht vom Kieler Matrosenaufstand sehr schnell auch in Celle und am 7. November 1918 kam es – von Scheuen ausgehend – auch in Celle zum Aufstand.
Nach dem Kriegsende wurde der Flugplatz im Juni 1919 aufgegeben und weitere, nachweisbare Flüge fanden erst wieder ab Mitte der 1920er-Jahre statt. Jedoch erlangte das Gelände keine große Bedeutung mehr. Ab Mitte der 1930er erfuhr es als Außenlandeplatz des Fliegerhorstes Celle-Wietzenbruch erneut eine fliegerische Nutzung.
Das ehemalige Flugfeld umfasst heute teilweise das zivile Segelfluggelände Scheuen.
Wehrmacht 1933 bis 1945 mini|Paradeaufstellung der Fliegerschule mit Junkers Ju 52, Focke-Wulf Fw 44 und Heinkel He 72, 1934
mini|Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch, 1935
mini|Das Flugfeld wird 1937 zwei Spaten tief mit Bitumen vermischt
mini|Bodenmarke der KPM unter einer Servierplatte des Fliegerhorstes Wietzenbruch von 1941
Da dem Deutschen Reich nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag eine eigene Luftwaffe verboten war, bedienten sich die regierenden Nationalsozialisten der Tarnung des Deutschen Luftsportverbandes (DLV), um die Aufrüstung einer Luftstreitmacht voranzutreiben. So wurde – wie an vielen Orten Deutschlands – im Bereich um Celle nach einer geeigneten Stelle für einen Fliegerhorst gesucht. Die Wahl fiel auf ein Gelände bei Wietzenbruch. Dort sollte nach offizieller Angabe einer der Sitze der „Deutschen Verkehrs-Fliegerschule GmbH“ (DVS) entstehen. Die exakte Begründung für diese Standortwahl ist nicht überliefert. Die architektonische Leitung lag bei Ernst Sagebiel, der zur damaligen Zeit deutschlandweit tonangebend für den Bau von Fliegerhorsten war.
Mit der Vertiefung des Fuhsekanals im Osten und des Adamsgrabens im Westen begannen die umfassenden Arbeiten zur Einebnung und Trockenlegung des morastigen Geländes. Zeitgleich entstanden die ersten Gebäude, so dass 1934 die geplante Fliegerschule einziehen konnte.
Der nachgiebige, moorige Untergrund musste wenig später zwei Spaten tief mit Bitumen vermengt werden, um ein Einsinken der Luftfahrzeuge zu verhindern. Bedingt durch das Bitumen-Gras-Gemisch konnte das Oberflächenwasser nur schlecht abfließen, so dass regelmäßig große Wasserflächen auf dem Flugfeld entstanden. Aufgrund des federnden Untergrundes erhielt das Flugfeld von den Piloten den Namen „Gummiwiese“.
Am 9. März 1935 wurde mit einer Rede Hermann Görings die Tarnung durch den DLV deutschlandweit aufgegeben und die Luftwaffe trat auf dem Fliegerhorst offiziell als Hausherr auf, die Beschäftigten gaben sich offen als Soldaten zu erkennen und trugen die Uniformen der Wehrmacht.
Im weiteren Verlauf stationierte die Reichsluftwaffe immer größere Flugzeuge auf dem Fliegerhorst; der Ausbildungsbetrieb umfasste schließlich nahezu alle gängigen deutschen, militärischen Luftfahrzeugtypen der Zeit.
Der Schulbetrieb erforderte aufgrund seines Umfanges Außenlandeplätze bei den nahe gelegenen Orten Hustedt, Scheuen und Dedelstorf. 1937 musste aus Kapazitätsgründen die Blindflugausbildung (Vorläufer des Instrumentenfluges) auf den etwa 35 Kilometer weiter ostwärts gelegenen Fliegerhorst Wesendorf ausgelagert werden.
Nach dem Kriegsbeginn erfolgte die Verlegung der Flugschule zum Flughafen Leipzig-Mockau. Von November bis Dezember 1939 lag hier die I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 77 mit ihren Junkers Ju 87B. Im März 1940 starteten von hier aus die Heinkel He 111P der II. und III. Gruppe des Kampfgeschwaders 54. Aber schon im April wurden sie verlegt. Erst ab Mai 1943 lagen hier wieder reguläre Verbände, als hier nacheinander Teile der Transportgeschwader 1, 2 und 4 mit der Junkers Ju 52 stationiert waren. Nachdem im März 1944 die letzten Transportflieger abgezogen waren, kam ab Juli 1944 die I. Gruppe des Kampfgeschwaders 40 mit der Heinkel He 177 auf den Platz und blieb bis August. In den letzten Monaten des Krieges, ab März 1945, flog noch die II. Gruppe des Jagdgeschwaders 26 mit ihren Focke-Wulf Fw 190D von hier aus letzte Einsätze.
Ab dem Frühjahr 1944 unterstand der Flugplatz bis Kriegsende der Fliegerhorstkommandantur in Wesendorf.
Kampfhandlungen
Ab dem Jahr 1944 erfolgte in einer Flugzeughalle zeitweise die Endfertigung der Junkers Ju 88, dennoch blieb Celle-Wietzenbruch für die Kriegshandlungen insgesamt von untergeordneter Bedeutung. Daher und aufgrund eines geschickten Tarnanstrichs der Flugzeughallen war der Platz nur selten Ziel alliierter Luftangriffe. Dokumentiert sind Angriffe mit Bordwaffen alliierter Kampfflugzeuge am 8. April 1944 und ein Jahr später am 9. oder 10. April 1945.
Dabei wurde im Jahr 1944 nach Angaben der Angreifer eine Junkers Ju 52/3m zerstört sowie eine Messerschmitt Bf 109, drei Focke-Wulf Fw 190 und eine Ju 88 beschädigt. Deutsche Zeitzeugen berichteten hingegen, dass bei diesem Angriff ein US-amerikanischer Jagdpilot so lange die Flugzeughalle V angriff, bis sich die platzeigene Flugabwehr auf den Flieger eingestellt hätte und den Piloten .
Nach alliierten Angaben seien bei einem Angriff mit 40 Kampfflugzeugen am 10. April 1945 insgesamt zwölf Savoia-Marchetti SM.83, zwei Heinkel He 111 und drei nicht näher bezeichnete Schulungsluftfahrzeuge zerstört worden. Deutschen Angaben zufolge erfolgte dieser Angriff bereits am 9. April 1945 und erzielte keine Wirkung mehr, da die Angehörigen der letzten auf dem Fliegerhorst stationierten Einheit der Wehrmacht, der Flugzeugführerschule A/B 6, die verbliebenen Luftfahrzeuge gesprengt und anschließend die Kaserne verlassen hätten.
Das Gelände wurde am 11. April 1945 von einem zurückbeorderten Oberfeldwebel kampflos und nahezu unbeschädigt an die britischen Streitkräfte übergeben.
Alliierte Streitkräfte 1945 bis 1957 mini|RAF Station Celle, 1949
Die British Air Force of Occupation zog auf dem Platz ein, den die Alliierten zunächst als Airfield B.118 bezeichneten, später wurde daraus die RAF Station Celle. Bereits kurz nach der Einnahme verlegte die britische Luftwaffe metallene Lochplatten auf dem Flugfeld um dieses tragfähig für größere Flugzeuge zu machen. Nach anfänglichen Verbindungsflügen nach Großbritannien und Überwachungsflügen entlang der Luftkorridore nach Berlin sank die Zahl der Flugbewegungen schnell wieder und der Platz blieb von nachrangiger Bedeutung.
Ab Ende Mai 1945 lag hier mit einer dreimonatigen Unterbrechung im Sommer 1945 eine Staffel Spitfire PRXI/PR19 Fotoaufklärer der BAFO, die 2. Squadron. Sie war Ende 1946 zunächst die letztverbliebene Spitfire-Staffel auf deutschem Boden und verlegte Mitte April 1947 nach RAF Wunstorf.Bill Taylor: Royal Air Force Germany, Midland Publishing, Hinckley/England 2003; ISBN 1-85780-034-6, Seite 22/23/206"
1947 fand gar kein Flugbetrieb mehr statt und die Luftfahrzeughallen dienten als Abstellflächen für Möbel und Panzer.
Berliner Luftbrücke mini|Douglas C-54 Skymaster auf der Abstellfläche aufgereiht und für den Flug nach Berlin vorbereitet, 1949 mini|Das Luftbrückendenkmal beim Flugplatz Celle, 2008
Mit dem Beginn der Berliner Luftbrücke im Juni 1948 änderte sich dies schlagartig. Die Alliierten benötigten dringend weitere Flugplätze und Celle bot eine strategisch günstige Lage: kürzeste Distanz nach Berlin und direkt am mittleren Luftkorridor gelegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Standorten der Luftbrücke wurde RAF Station Celle jedoch nicht vollständig in US-amerikanische Verwaltung übergeben. Die britische Luftwaffe blieb mit einem kleinen Kontingent Soldaten vor Ort und behielt das Oberkommando.
Neben Faßberg und Wunstorf war der Fliegerhorst Celle der dritte Einsatzflughafen der Region. Für die Durchführung der Versorgungsflüge des 317th Troop Carrier Wing der US Air Force mit Douglas C-54 Skymaster, bei denen zunächst überwiegend Kohle nach Berlin geflogen wurde, musste der Flugplatz stark ausgebaut werden. Er erhielt unter anderem einen Gleisanschluss mit ungewöhnlich langer Verladerampe (etwa 300 Meter) und direkter Anbindung zum Flugfeld sowie nun erstmals eine befestigte Start- und Landebahn aus Teer und Makadam sowie weitläufige Abstellflächen nördlich und südlich der Piste.
Waren es zu Beginn der Luftbrücke noch etwa 600 Tonnen Fracht insgesamt, wurden im Frühjahr 1949 täglich 1000 Tonnen Kohle sowie 1000 Tonnen Lebensmittel transportiert. Somit entwickelte sich RAF Station Celle nach RAF Station Faßberg zum Platz mit dem zweithöchsten Warenumschlag überhaupt. Zu dieser Zeit wurde die Hälfte aller Güter zur Versorgung Berlins von diesen beiden Plätzen aus zu der eingeschlossenen Bevölkerung geflogen. 5000 deutsche Arbeitskräfte unterstützten die Arbeiten auf dem Fliegerhorst. Für sie und die Soldaten wurden nördlich der Kaserne großflächig Nissenhütten zur Unterbringung errichtet.