Die Truppenübungsplätze Munster Nord und Süd sind Manövergelände der deutschen Bundeswehr in der Lüneburger Heide in Niedersachsen. Sie bestehen aus zwei getrennten Teilen mit unterschiedlichem Nutzungskonzept, Munster-Nord (Größe: 102 km²) und Munster-Süd (Größe: 74 km²). Beide Plätze sind räumlich durch die Stadt Munster sowie mehrere Kasernenanlagen voneinander getrennt. Gleichzeitig mit der Einrichtung des Truppenübungsplatzes wurde etwa 1,5 Kilometer vom damaligen Ortszentrum entfernt ein Truppenlager errichtet, das man Munsterlager nannte. Beide Plätze sind dem Unterstützungskommando der Bundeswehr unterstellt und gehören zum Bereich der Truppenübungsplatzkommandantur NORD.

Zwischen dem Truppenübungsplatz Munster und dem nahegelegenen NATO-Truppenübungsplatz (TrÜbPl) Bergen gibt es einen Straßenkorridor, auf dem sich die übende Truppe bewegen kann. Auf dem Gelände finden sich heute viele seltene, vom Aussterben bedrohte Tierarten, die sich an die Lebensbedingungen auf den Truppenübungsplätzen angepasst haben.

Truppenübungsplatz Munster-Süd mini|Übersichtskarte Munster Nord und Süd mini|Der Hindenburg-Bunker, wahrscheinlich aus den 1930er Jahren

1892 begann das preußische Kriegsministerium damit, Heide- und Moorflächen zwischen Munster, Reiningen und Wietzendorf aufzukaufen und für das X. Armee-Korps der preußischen Armee einen Truppenübungsplatz und ein Truppenlager anzulegen. Die erste Belegung des Lagers erfolgte im Juni 1893 durch das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 unter seinem Kommandeur, dem späteren Reichspräsidenten Hindenburg.

Später benannte die Bundeswehr an diesem Standort eine Kaserne nach ihm, die jedoch am 10. September 2025 in Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne umbenannt wurde. Das Gelände, das ursprünglich für Manöver und Truppenbewegungen genutzt wurde, wird seit Aufstellung der Bundeswehr als Artillerie-Schießplatz verwendet. Er hat eine Größe von 7.400 ha und liegt in den Landkreisen Heidekreis und Celle. Im Norden reicht der Platz bis an die südliche und westliche Stadtgrenze von Munster. Im Osten reicht er bis Trauen und Poitzen. Die südliche Grenze liegt bei Reiningen bzw. Wietzendorf. Im Westen bildet über weite Strecken die Aue, ein Nebenfluss der Wietze, die Grenze. Auf dem speziell für Rohr-, Raketenartillerie und Mörser angelegten Platz wird von Außenfeuerstellungen in den Truppenübungsplatz hineingeschossen.

Hier wird mit der Panzerhaubitze 2000 geschossen. Zum Einsatz kommen außerdem der Schützenpanzer Marder, der mit der MILAN-Boden-Boden-Panzerabwehrlenkwaffe ausgerüstet ist und der Spähwagen Fennek. Daneben bestehen auf dem Übungsplatz Süd Biwakplätze, Schießbahnen für Hand- und Panzerabwehrhandwaffen. Der Einsatz mit der MILAN-Boden-Boden-Panzerabwehrlenkwaffe wird hier vom Boden aus geprobt. Außerdem befinden sich auf dem Platz Handgranatenwurf- und Sprengplätze, Infanteriegefechtsbahnen, sowie Zielbereiche für Raketen und Bomben der Luftwaffe, die den Einsatz mit dem Jagdbomber Tornado probt. Der Panzerabwehrhubschrauber Bo 105 übte hier den Einsatz mit dem HOT 3105 (Lenkflugkörper). Die übenden Truppen aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien werden während ihres Aufenthalts im Lager Trauen untergebracht. Dort stehen Unterkünfte für 1750 Soldaten zur Verfügung.

Landschaftsbild mini|Die Örtze in ihrem natürlichen Flussbett Der Platz Munster-Süd besteht zu großen Teilen aus Gras- und Heidelandschaft, der Munster Heide, mit mehreren Anhöhen >70 m über NHN. Der Kronsberg () ist hierbei die höchste Erhebung. Am Ostrand verläuft das Tal der Örtze. Der Fluss mäandert hier in seinem ursprünglichen naturnah belassenen Bett durch das Gelände. Weiter befinden sich einige Moore, das Reininger Moor, das Sültinger Moor und das Süllmoor auf dem Gelände. In den Sumpfgebieten haben sich Bruchwälder angesiedelt. Kleinere Bäche, die zur Örtze oder zur Wietze fließen, entwässern das Gebiet. Größere Forstflächen bestehen überwiegend aus Kiefernwäldern.

mini|160px|Gedenkstein an einen hier verbluteten Welfen-Herzog Sackers Kreuz Nahe der sogenannten Wincklerhöhe (84 m ü. NHN) ist ein Gedenkstein errichtet. Die Inschrift lautet:

Sültingen mini|Sültinger Mühle mit Wehr und Mühlenteich mini|links|Ehemalige Dorfstraße von Sültingen Auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Munster-Süd befand sich das Dorf Sültingen. Im Rahmen der Erweiterung des Platzes musste es 1937 weichen. Ein Bauernhof dieses Dorfes, der sich seit 300 Jahren im Besitz der Familie Winkelmann befand, wurde bereits 1381 erstmals urkundlich erwähnt. Mit 2.900 Morgen war es der größte Hof des Kirchspiels. Bis zum Ersten Weltkrieg betrieb die Familie auch die an der Örtze gelegene Wassermühle. Nach Abgabe der Ländereien für den Truppenübungsplatz wurde der Hof in den Landkreis Uelzen umgesiedelt. Aus Sicherheitsgründen wurden 1956 sämtliche Gebäude, einschließlich der Schule des Dorfes, abgerissen. Als einziges Gebäude blieb die Sültinger Mühle erhalten, die bis 1900 durch ein Holzwasserrad angetrieben wurde. 1934 wurde hier eine Wasserturbine eingebaut und 2009 durch eine Wasserkraftanlage ersetzt, die jährlich ca. 8.700 kWh in das Stromnetz einspeist..

Truppenübungsplatz Munster-Nord mini|Leopard 2 A7 mini|Schützenpanzer Puma Während des Ersten Weltkrieges wurde 1916 im Norden Munsters eine Kampfstoffproduktionsstätte (Gasplatz Breloh) errichtet. Aus diesem Areal entstand 1935 der Truppenübungsplatz Munster-Nord. Er befindet sich in den Landkreisen Heidekreis, Lüneburg und Uelzen. Hier befinden sich Schießbahnen für die Gefechtsausbildung gepanzerter Fahrzeuge.

Der Platz hat eine Größe von 102 km², sein nördlichster Punkt liegt an der Bundesstraße 209 nahe bei Ehlbeck. Im Osten verläuft die Grenze kurz vor Schatensen. Die südliche Platzgrenze ist bei Kohlenbissen, im Südosten von Munster. Im Westen geht der Übungsplatz bis in die Nähe des Center Parcs Bispingen. Die einzelnen Schießbahnen bestehen überwiegend aus Sand- und Heideflächen. Auf dem Platz finden sich aber auch Wälder mit Kiefern und zum Teil alten Buchen- und Eichenbeständen. Mit mehreren Quellsümpfen liegt in Munster-Nord auch das Ursprungsgebiet der Örtze. Um Trübstoffe und Sedimente abzufangen, die bei Starkregen von den vegetationsarmen Panzerübungsflächen abgeschwemmt werden, wurden auf dem Truppenübungsplatz vier hintereinander liegende Teiche (Munoseen) angelegt.

Neben vier Großschießbahnen für die Bordwaffen von Panzerfahrzeugen und Panzerabwehrlenkwaffen sind dort Bahnen für Infanteriegefechtsschießen und Panzerabwehrhandwaffen zu finden. Darüber hinaus gibt es Handgranaten-Wurfplätze, Sprengplätze und eine Anlage zur Ausbildung in der Fliegerabwehr. Für das Gefechtsschießen der verbundenen Waffen stehen Feuerstellungen für Artillerie und Mörser zur Verfügung. An Waffensystemem sind auf diesem Übungsplatz der Leopard 2 in den Versionen A5, A6 und A6M, der Schützenpanzer Marder und der Spähwagen Fennek im Einsatz.

Auch nichtmilitärische Einrichtungen wie der Kampfmittelräumdienst des Landes Niedersachsen, die Bundespolizei und paramilitärische Spezialeinsatzkommandos nehmen die Ausbildungsmöglichkeiten in Anspruch.

Anfang der 1980er Jahre wurde auf dem Truppenübungsplatzes Munster Nord die Schießbahn 7 neu gebaut. Dabei fiel der Ort Lopau in den Sicherheitsbereich und seine Bewohner wurden umgesiedelt.

Die ursprüngliche Planung der Bundeswehr, die Schießbahn in Nähe des Dorfrandes zu errichten und eine Panzerringstraße durch das Lopautal zu führen, stieß auf Widerstand bei der regionalen Bevölkerung und führte zur Gründung der Aktionsgemeinschaft Rettet das Lopautal. Die Inbetriebnahme der Schießbahn verzögerte sich in der Folge um über zehn Jahre. Die Ausweisung des Tals als Naturschutzgebiet scheiterte am Veto der Bundeswehr. Auf der Schießbahn 7 dürfen die Panzer nur auf befestigten Wegen fahren, damit das Wasser im Quellgebiet der Lopau nicht verschmutzt wird. mini|Wolfsrüde MT6, genannt „Kurti“, 2014 auf dem Truppenübungsplatz geboren, wurde 2016 hier geschossen, da er wenig Menschenscheu zeigte. Der präparierte Tierkörper befindet sich in den NaturWelten des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover.

Im Mai 2012 gelang ein sicherer Nachweis (C1-Nachweis) für einen Wolf. Im Juni 2012 wurde ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz fotografiert. Am 23. Juli 2012 wurde eine Wölfin mit drei Welpen im Alter von drei Monaten von einer Videokamera gefilmt.. Genetische Analysen der Losungsfunde haben ergeben, dass es sich bei dem Muttertier um eine Fähe des Nochtener Rudels aus der Lausitz handelt. 2013 brachte hier ein Wolfspaar sieben Welpen zur Welt.Chronologie der Wölfe in Niedersachsen.

Seit dem Jahr 2022 stehen der Bundeswehr in Munster zur Übung von Panzergefechten bewegliche Robotermodelle von Feindpanzern (T-72, T-90A und T-14 Armata) in Originalgröße zur Verfügung, die zudem ihrem Original vergleichbare thermische Spuren oder Radar-Signaturen erzeugen.

Gasplatz Breloh Im Ersten Weltkrieg 1916 wurde im Norden von Munster zunächst vom Gaspionier-Regiment das so genannte Breloh-Lager errichtet. Im Januar 1917 erteilte das preußische Kriegsministerium den Befehl zum Aufbau einer Gasmunitionsanstalt. Auf einem rund 6.500 Hektar großen Gelände in dem Raubkammer-Forst (ein Teil des heutigen Truppenübungsplatzes Munster-Nord) entstand der „Gasplatz Breloh“ mit drei Werken für die Herstellung von chemischen Kampfstoffen und zur Fertigung von entsprechender Munition. Bereits im Juli desselben Jahres lief die Produktion an, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 hatte man umfangreiche Anlagen errichtet und größtenteils in Betrieb genommen.

Werke des Gasplatzes Breloh (im Ersten Weltkrieg) Werk Größe hergestellt wurde Klopperwerk I 560 m² Grünkreuz: Phosgen, Chlorpikrin (Klop) und Perstoff (Per) Klopperwerk II 560 m² Grünkreuz: Phosgen, Chlorpikrin (Klop) und Perstoff (Per) Lostwerk I 2.400 m² Gelbkreuz: Schwefellost, Lewisit und Dick Lostwerk II 660 m² Gelbkreuz: Schwefellost, Lewisit und Dick Clarkwerk >2.500 m² Blaukreuz: Clark I Clark II (Chlor-Arsen-Kampfstoffe)Das Werk wurde bis Kriegsende 1918 nicht mehr fertiggestellt Darüber hinaus existierten folgende Anlagen der Infrastruktur:

Kraftwerk mehrere Barackenlager für insgesamt etwa 4.500 Personen rund 100 km Schienen der Werksbahn eine Schießbahn (bis zu 4.000 m) zu Versuchszwecken mehrere Versuchsgelände und -gebäude mehrere Beutemunitionslager außerdem war noch eine Versuchsanstalt im Gut Westerhorn geplant.

Mehr als 6.000 Menschen (75 Offiziere, 677 Unteroffiziere und 5.775 sonstiges Personal) produzierten in diesen Anlagen rund ein Viertel der gesamten Kampfstoffmunition für das deutsche Heer. Die Arbeitsbedingungen waren nach heutigen Maßstäben katastrophal. Fachgerechte Schutzkleidung existierte nicht. Man ging mit den gefährlichen Stoffen sorglos um. Neben der Produktion und Lagerung der eigenen Kampfmittel wurde hier auch Kampfstoffmunition befüllt. Daneben lagerte in Munster auch Beutemunition, so u. a. etwa 20.000 Chlorgasflaschen russischer Herkunft und Nebeltöpfe. Auf Schießbahnen und Erprobungsflächen wurden umfangreiche Versuche mit Kampfstoffen und Munition durchgeführt.

Zwischen den Weltkriegen mini|Kontaminierte Flächen in Munster Nord, die von der Gruppe Kampfmittelbeseitigung geräumt werden Nach Kriegsende 1918 lagerten auf dem Gasplatz etwa 48.000 Tonnen Kampfstoff-Munition, mehrere tausend Tonnen kampfstoffgefüllte Beutemunition und 40 Kesselwagen unverfüllte Kampfstoffe. Diese Vorräte sollten in der Nord- und Ostsee versenkt werden.