mini|Anna Barbara von Stetten auf einem Gemälde von Johann Walch Anna Barbara von Stetten (geb. von Amman, * 23. September 1754 in Augsburg; † 19. Februar 1805 ebenda) war eine Augsburger Wohltäterin und Stifterin. Ihre bedeutendste Stiftung zur Einrichtung einer höheren Töchterschule (Anna Barbara von Stettensches Institut) ermöglichte protestantischen Frauen in Augsburg erstmals eine Schulbildung, die über den Elementarunterricht hinaus ging.

Leben mini|Gedenktafel am Grab der Anna Barbara von Stetten mini|Wohngebäude von 1774 bis 1805 am heutigen Martin-Luther-Platz 3 (um 1865) Anna Barbara von Stetten wurde als Tochter des Stadtsekretarius Johann Adolf Amman († 1781) und dessen Frau Sibylla Maria Anna (geborene von Welser, † 1794) geboren.Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 81. Die Familie gehörte zum protestantischen Patriziat Augsburgs und zählte zu den sogenannten „Schwedischen Geschlechtern“, die 1632 während der schwedischen Besetzung Augsburgs (1632–1635) durch Gustav II. Adolf von Schweden in den Adelsstand erhoben worden waren. Ihr Vater wirkte zudem als Ungeldherr in der Steuerverwaltung und als Ratsmitglied.

Am 22. August 1774 heiratete sie im Alter von 19 Jahren den 51-jährigen Juristen und Gerichtsassessor Johann Ferdinand von Stetten (* 19. August 1723). Die Ehe blieb kinderlos. Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes am 4. Mai 1777 erbte sie dessen gesamtes Vermögen. Unterstützt durch fachkundige Berater verwaltete sie diesen Nachlass so erfolgreich, dass sie das ohnehin schon beträchtliche Erbe über die Jahre nochmal deutlich vermehren konnte. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1805 lebte sie zurückgezogen in ihrem Haus am Augsburger Annaplatz (dem heutigen Martin-Luther-Platz).

Anna Barbara von Stetten wurde zunächst auf dem Friedhof bei der Lueginsland-Bastion beigesetzt. Nach der Schließung dieses Friedhofs im Jahr 1850 erfolgte die Überführung ihrer sterblichen Überreste auf den Protestantischen Friedhof.Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 84.

Wirken und Stiftungen Anna Barbara von Stetten widmete nach dem Tod ihres Ehemannes ihr Leben und ihr Vermögen der Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen sowie der Förderung der weiblichen Jugend. Insgesamt errichtete sie 106 Stiftungen und Legate. So finanzierte sie die Versorgung mittelloser Kranker, übernahm deren Bestattungskosten und unterstützte gezielt blinde Menschen, arme Kinderbetterinnen sowie Kinder aus bedürftigen Verhältnissen. Zudem unterstützte sie sowohl das evangelische als auch das katholische Armen- und Kinderhaus der Stadt.Joseph Fischer vom Peterhof: Augsburger Frauen. E. Kieser, Augsburg, 1952, S. 82.

Ihr Hauptwerk, die Stiftung einer „Töchtererziehungs- und Unterrichtsanstalt“ in Verbindung mit einer „Erziehungs- und Pensionsanstalt“, legte sie in ihrem am 9. Mai 1803 unter Zeugen verfassten Testament fest. Anna Barbara von Stetten kritisierte, dass Mädchen nach dem Besuch der deutschen Schulen zwar lesen, schreiben und rechnen könnten sowie religiöses Wissen besäßen, danach aber – im Gegensatz zu Knaben – keine weiterführende Förderung erhielten, die sie auf ihre Bestimmung vorbereitete.

Für die Einrichtung stiftete sie 90.000 Gulden sowie ihr Wohnhaus am Annaplatz. Bereits ein Jahr nach ihrem Tod nahm die Schule den Betrieb auf.

Die Bereitstellung einer über den Elementarunterricht hinausgehenden Bildung für Mädchen galt zur damaligen Zeit als äußerst fortschrittlich und richtungsweisend. Dabei bewies sie auch eine außergewöhnliche Weitsicht. In ihrem Testament verfügte sie ausdrücklich, dem „fortschreitenden Geiste der Zeit keine Fesseln anlegen“ zu wollen; vielmehr forderte sie dazu auf, die Ausrichtung der Anstalt stets an den durch „Nachdenken und Erfahrung“ gewonnenen besseren Erkenntnissen auszurichten.

Für ihre Verdienste wurde Anna Barbara von Stetten in Augsburg mit einem FrauenOrt geehrt.

Literatur

K. Meiners: Der besondere Weg, ein Weib zu werden: Über den Einfluß von Leitbildern auf die Entwicklung der höheren Mädchenbildung seit dem 17. Jh. Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7094-8, S. 78 ff. M. Bregenzer: Anna Barbara von Stetten. Ein Beitrag zu ihren Stiftungen und ihrer Biographie. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben. 87. Band, Augsburg 1994, S. 143 ff. M. Panzer, E. Plößl: Bavarias Töchter. Frauenporträts aus fünf Jahrhunderten. Regensburg 1997, S. 29 ff. A. v. Specht: Frauen in Bayern. Von der Völkerwanderung bis heute. Augsburg 1998, S. 282. H. Frei, B. Beck (Hrsg.): Lebensbilder. Geschichte und Kunst in Bildnissen aus Schwaben. Oberschönenfeld 2002, S. 17.

Weblinks

Stetten (von Steden), Kaufmanns- und Patrizierfamilie auf Stadtarchiv Augsburg.

Einzelnachweise

Anna Barbara Kategorie:Geehrte des Projekts Frauenorte Kategorie:Person (Augsburg) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1754 Kategorie:Gestorben 1805 Kategorie:Frau