mini|Caspar David Friedrich: Kreuz an der Ostsee, um 1815
Das Kreuz ist eines der Hauptsinnzeichen des Christentums.
Einführung mini|upright=0.5|Christusmonogramm
Das ursprüngliche Symbol des frühen Christentums ist nicht das Kreuz, sondern es sind das Staurogramm und das Christusmonogramm ΧΡ (erste Buchstaben Chi und Rho der griechischen Schreibung ΧΡΙΣΤΟΣ ‚Christus‘). Es wurde aber schon früh auch ornamental in Kreuzform angeordnet. Erst im 5. Jahrhundert trat es zurück, und das Kreuz übernahm die Funktion, nachdem schon im 3. Jahrhundert der Gebrauch des Bekreuzigens mit den Fingern gekommen war. Die Erstform war die T-förmige Crux commissa (Taukreuz, auch ägyptisches Kreuz, mittlerweile Antoniuskreuz genannt), aus dem früh auch die Crux ansata (koptisches Kreuz, Henkelkreuz) entstand.
Die heute übliche Crux immissa (Hochkreuz, lateinisches Kreuz, Passionskreuz) ist ab dem 4. Jahrhundert (Zeit Kaiser Konstantin des Großen, 324–337 n. Chr.) als Symbol nachweisbar und kam mit der Verehrung des Kreuzes Christi auf.I. Schwarz-Winklhofer, H. Biedermann: Das Buch der Zeichen und Symbole. Verlag für Sammler, Graz 1972, ISBN 3-85365-011-2, Kapitel Christliche Symbol, S. 73–98
Bedeutung des Kreuzes Exegetische Bedeutung Nach dem Neuen Testament wurde Jesus Christus an einem Kreuz hingerichtet. Das Neue Testament kennt in seiner altgriechischen Fassung zwei Begriffe, die in deutschen Übersetzungen häufig mit „Kreuz“ wiedergegeben werden. Der seltener gebrauchte Begriff umfasste ursprünglich nur die Bedeutung „Holz“ im Sinne von „Baum, Pfahl, Balken“, wird aber bereits seit dem 1. Jhd. auch als „Kreuz“ übersetzt, da das Griechische hier nicht zwischen dem Material und dem Zweck des Gegenstandes unterscheidet (das hebräische etz bedeutet sowohl Holz als auch Baum). Es findet sich ausschließlich in der Apostelgeschichte, dem ersten Petrusbrief und gehäuft in den paulinischen Briefen.
Der öfter gebrauchte Begriff Das altphilologische „Griechisch-Deutsche Handwörterbuch Gemoll“ nennt als Primärübersetzung Stamm und Kreuz, das hiervon abgeleitete Verb nennt als Bedeutungen „einen Pfahl einschlagen“ und „kreuzigen“ hingegen umfasst zwei Bedeutungsebenen, nämlich „Balken“Ursprünglich Pfahl, siehe Autenriet für homerisches Griechisch. Im Zusammenhang mit einer römischen Kreuzigung ist aber der Querbalken (patibulum gemeint), siehe Kreuz/Kreuz Christi. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Band 4, 4. Auflage. Tübingen 2001, S. 1745 f. und „Kreuz“. Dieses Wort findet sich in den Evangelien, in den paulinischen Briefen sowie im Hebräerbrief.Das dazu verwandte Verb σταυρόω kommt über vierzig Mal im NT vor, neben den für σταυρός genannten Werken auch in der Apostelgeschichte und in . Der Begriff erfuhr erst durch die Übersetzung in die lateinische Sprache eine Verengung auf das KreuzA. Walde: Lateinisches Etymologisches Wörterbuch; Stichwort Crux. (crux, lat.) hin, die historisch die bessere Übersetzung darstellt.
Theologische Bedeutung und Symbolik
mini|hochkant|Barockes Kreuz im Mariendom in Neviges Die Christen glauben, dass die Kreuzigung an einem Kreuz stattfand; demnach symbolisiert das Kreuz die Verbindung bzw. den Bund zwischen dem Irdischen (waagerechte Achse des Kreuzes) und dem Himmlischen oder Göttlichen (senkrechte Achse des Kreuzes). Das Kreuz symbolisiert somit zum einen den Opfertod Jesu Christi, zum anderen die Verbundenheit des Menschen mit der Erde und den Mitmenschen (waagerechte Achse des Kreuzes) sowie mit dem Göttlichen (senkrechte Achse des Kreuzes). Vertikale und Horizontale stehen auch für die beiden Seiten der Schöpfung: Himmel und Erde, Geist und Materie, Seele und Leib, das Männliche und das Weibliche in der biblischen Zahlensymbolik.
Durch die Auflehnung und Rebellion gegen Gott (Sünde) ist die ursprüngliche Verbindung zwischen Mensch und Gott zerrissen oder der Bund gebrochen. Die dadurch entstandene Kluft zwischen dem sündigen Menschen und Gott ist nur durch das Eingreifen Gottes selbst zu überbrücken. Der Mensch ist von sich aus nicht in der Lage, den Bund wiederherzustellen und so die Sünde zu beseitigen. Diese Sünde musste gesühnt werden, damit der Mensch gerecht vor Gott sein kann. Durch seinen Tod am Kreuz, durch sein vergossenes „Blut des Bundes“ (; vgl. ) im „Bundesopfer“, hat Jesus Christus die Verbindung zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt. Als Sohn Gottes starb er für die „gottlosen Sünder“ und bewirkte damit die Versöhnung zwischen Gott und Mensch (vgl. 2 Kor 5,18–21). Damit ist der Weg zu Gott frei für jeden, der diese Versöhnung annimmt. Daher wird das Kreuz vom Zeichen des Fluches (vgl. ; ) zum Zeichen der Versöhnung, der Wiederherstellung, der Gottesbeziehung und des Bundes und damit zum Hoffnungszeichen („Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“, Antiphon am Karfreitag).
In westlichen Kulturen steht das Kreuz, vom Gebrauch als Zeichen des Sieges über den Tod auf Gräbern angebracht, zudem als Symbol für den Tod. Das Kreuz steht in der Westkirche seit dem 13. Jahrhundert auch als Symbol der Qualen, die Jesus Christus bei der Kreuzigung erleiden musste. Das Kreuz Jesu trug den Evangelien zufolge eine Inschrift mit der Angabe, dass Jesus der König der Juden sei. Die lateinische Abkürzung des Satzes in lautet INRI und findet sich auf vielen Darstellungen der Kreuzigung Jesu.
Ein Kreuz mit dem Leib des Gekreuzigten nennt man Kruzifix.
Kreuz und Sakrament Ursprung und Zentrum der Eucharistie ist das Kreuz, weil nach Deutung der Kirchenväter Blut und Wasser aus der geöffneten Seite des Gekreuzigten zeichenhaft auf die beiden Hauptsakramente der Kirche, Eucharistie und Taufe, hinweisen.
Kreuz Christi
Verschiedene Formen des christlichen Kreuzes Die verschiedenen Kreuzformen sind häufige Motive der Heraldik, Sphragistik und Vexillologie. Oft existieren verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Darstellung. In der Heraldik sind viele Kreuze nach der Ausbildung der Kreuzenden benannt. Beispiele sind Lilienendenkreuz, Apfelkreuz, Nagelspitzkreuz. Ist die Darstellung aus gekreuzten symbolischen Ästen, so ist es ein Astkreuz. Wird dieses Kreuz um 45 Grad gedreht, entsteht ein Burgunderkreuz. Ein Radkreuz sieht wie ein Wagenrad aus.
Allgemein wird bei christlichen Kreuzen anhand der Länge des unteren Kreuzarms zwischen griechischem bzw. gleicharmigem Kreuz und lateinischem bzw. Hochkreuz unterschieden.