Sitten (, Walliser Patois ,Yè é ouey i noûtro patouè: dictionnaire du patois de Nendaz: 1998 walliserdeutsch Sittu, ) ist eine Munizipalgemeinde, eine Burgergemeinde mit einem Burgerrat und der Hauptort des Kantons Wallis, Schweiz. Sitten ist Hauptort des Bezirks Sitten und liegt an der Mündung der Sionne in die Rhone.
Geografie Lage Die Stadt Sitten liegt auf etwa im Mittelwallis beidseits der Rhone. Der alte Siedlungskern befindet sich nördlich des Rhoneufers. Er wird vom Bachlauf der Sionne durchflossen, der heute streckenweise unterirdisch gefasst ist.
Im Stadtgebiet münden ausserdem von Norden die Lienne und die Morge sowie von Süden die Borgne und die Printze in die Rhone.
Topografie Das Gelände der Altstadt fällt vom Norden nach Süden und Südwesten in Richtung des Flusslaufes spürbar ab. Dabei ergibt sich eine Höhendifferenz von über 30 Metern. Durch den Schüttungskegel der Sionne wurde die Rhone in einem Bogen leicht in Richtung Südost und von der Altstadt abgedrängt.
Im Osten des historischen Stadtkerns schliesst sich der hohe Fels Valère und nordöstlich eine weitere Felserhebung mit der Festungsruine Tourbillon an. Im Westen, mit einem Abstand von etwa 1000 Metern zur Altstadt, grenzt der dominante Mont d’Orge () an das heutige bebaute Areal der Stadt. Die jüngeren Stadtteile um den Bahnhof und auf dem südlichen Rhoneufer sind flache Ebenen aus quartären Ablagerungen. Auf weiteren Sedimentterrassen liegen im westlichen Stadtgebiet der regionale Flughafen Sitten und ausgedehnte Gewerbegebiete.
Ausserhalb der alten Stadtsiedlung umfasst das Stadtgebiet die Ortschaften Uvrier im Osten bis zur Mündung der Lienne in die Rhone sowie südlich des Flusses die in jüngerer Zeit nach Sitten eingemeindeten Bramois, Salins und Les Agettes. Im Westen ist bei der Brücke über die Morge das Gewerbegebiet Pont de la Morge entstanden.
Auf dem Gipfel des Oldenhorns befindet sich ein Dreikantonseck zu den Kantonen Bern und Waadt ().
Die Flächennutzung von Sitten gliedert sich in einen urbanen, historischen Bebauungsbereich der Stadt, an dessen Randbereich sich vorzugsweise der Übergang in eine lockere Bebauung zu Gewerbezwecken vollzieht, ferner in steile Hanglagen mit intensivem Wein- und Obstbau und in die flussnahe Ebene mit weiteren landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Anlagen sowie umfangreichen Verkehrseinrichtungen.
Klima Sitten hat wie das gesamte mittlere Wallis ein sehr mildes Klima, da es von den hohen Bergketten der Walliser und Berner Alpen umringt ist. Heisse, trockene Sommer und kalte, trockene Winter sind die Folge. Es herrscht ein Steppenklima, weshalb nebst Reben auch verschiedene Kakteenarten gedeihen.
Die Jahresmitteltemperatur für die Normalperiode 1991 bis 2020 betrug 10,7 °C, wobei im Januar mit 0,5 °C die kältesten und im Juli mit 20,6 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen wurden. Im Mittel sind hier rund 88 Frosttage und 6 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 75, während normalerweise 21 Hitzetage zu verzeichnen sind. Mit 20,9 Hitzetagen pro Jahr für die Normalperiode 1991 bis 2020 zählte Sitten schweizweit die höchste Anzahl Tage, an welchen die Temperatur auf 30 °C oder mehr stieg. Zudem ist Sitten, zusammen mit Zermatt, mit 61 % relativer Sonnenscheindauer der sonnigste Ort der Schweiz.
Der Allzeitrekord wurde am 8. Mai 2003 mit 37,6 °C gemessen.
Die Messstation des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) liegt auf
Geschichte mini|Luftbild (1955)
Ausgrabungen haben ergeben, dass die Gegend des heutigen Sitten bereits in der Steinzeit besiedelt war. Die Dolmen von Petit-Chasseur (2900 bis 2200 v. Chr.) gehören zu den herausragenden Relikten des Megalithbaus im Alpenraum. 2008 wurde eine der grössten keltischen Nekropolen der Schweizer Alpen mit über 200 Gräbern freigelegt. Die Gräber stammen aus der ersten Eisenzeit zwischen 800 und 500 v. Chr.
Als im Jahr 15 v. Chr. die Römer das bis dahin keltische Wallis erobert hatten, entstand auf dem Gelände der heutigen Stadt eine römische Siedlung, deren keltischer bzw. römischer Ortsname nicht überliefert ist. Die lateinische Bezeichnung Sedunum für Sitten stammt sicher vom einst im Wallis ansässigen Stamm der Seduner. Vermutlich entstand die römische Siedlung an der Stelle des Oppidums der Seduner.Albert Hamon: Sion et les Sédunes. In: Annales valaisannes. 1996, S. 153–157.Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart/Raggi, Jona, 1988, S. 507.
Im Jahre 580 wurde der Bischofssitz von Martigny hierher verlegt, und ab 999 amtierte der Bischof des Bistums Sitten gleichzeitig als Landesherr.
Nahe der Stadt, auf dem Felde «la Planta», siegten am 13. November 1475 Oberwalliser und Berner über die Savoyer.
Am 6. August 1918 wurde wegen der Spanischen Grippe in der École normale des filles eine Pflegestation eingerichtet. Zehn Tage später waren bereits alle Betten belegt.
Im Mai 1933 gründete der Faschist Adolphe Sauthier den Front valaisan, seine Organisation wurde ein Jahr später eine Walliser Sektion der Schweizerischen Faschistischen Bewegung. Auch seine Zeitung Le Courrier de Sion verbreitete faschistische Propaganda.
Als sich die Schweiz im Zweiten Weltkrieg befand, hielt General Henri Guisan in Sitten im September 1941 eine grosse Parade der Schweizer Armee ab.
1968 wurde die Gemeinde Bramois (deutsch Brämis) mit Sitten zusammengelegt, 2013 folgte die Gemeinde Salins und 2017 Les Agettes.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1610 1670 1786 1798 1811 1837 1846 1850 1860 1870 1888 1900 1910 1920 1930 1950 1980 1990 2000 201020122014 2016201820202022 Einwohner 1835 1905 1880 2201 2790 2668 2815 3307 3030 5456 6099 6751 7254 6964 8657 11'770 22'877 25'336 27'171 31'67332'49733'62833'99934'70834'97836'650
Sprachen Während Sitten in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine zweisprachige Stadt war (1870 sprachen über 50 % der Einwohner Deutsch), hat Französisch inzwischen die deutsche Sprache weitgehend verdrängt. Etwa 70 % der Sittener sind französischer, nur noch 3,8 % deutscher und 4,6 % italienischer Muttersprache.sion.ch Rapport Statistiques de gestion de la ville de Sion S. 10, Sprachen, die in Sitten gesprochen werden.
Konfessionen Die Bevölkerung gehört grossmehrheitlich der römisch-katholischen Pfarrgemeinde Sitten an, die zum Dekanat Sitten des Bistums Sitten gehört. Die evangelisch-reformierte Minderheit gehört zur protestantischen Kirchgemeinde Sitten der Evangelisch-Reformierten Kirche des Wallis.
Politik Stadtparlament
Der Sittener Generalrat (conseil général) besteht aus 60 Mitgliedern und setzt sich wie folgt zusammen (Stand November 2020):. Stadt Sion (PDF; 72 kB).
Christlichdemokratische Volkspartei: 19 Sitze FDP.Die Liberalen: 15 Sitze Grüne Partei: 12 Sitze Sozialdemokratische Partei: 8 Sitze Schweizerische Volkspartei: 6 Sitze
Stadtregierung Die Exekutive der Stadt Sitten, der Conseil municipal, besteht aus neun Mitgliedern. Die parteipolitische Zusammensetzung für die Legislaturperiode 2021–2024 ist folgendermassen: FDP 3, Mitte 3, SP 1, Grüne 1, SVP 1.
Stadtpräsident Stadtpräsident von Sitten ist seit 2017 Philippe Varone (FDP).
Nationalratswahlen Wähleranteile bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 in der Gemeinde Sitten:
Mitte 25,6 % (+0,8), SVP 20,9 % (+6,9), SP 20,6 % (−0,8), Grüne 15,3 % (−3,2), FDP 13,6 % (−2,3), glp 3,2 % (+2,4), PdA 0,8 % (+0,8).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
In Sitten gibt es mehrere Museen, darunter ein Musée d’art du Valais, ein Naturhistorisches Museum, ein Archäologisches Museum und das Musée de Valère, das Kultgegenstände, Mobiliar, Waffen und Uniformen ausstellt.
Das Sion Festival ist eines der bedeutendsten klassischen Musikfestivals der Schweiz und findet jährlich in der Stadt Sitten im Kanton Wallis statt. Es wurde 1964 vom ungarischen Geiger Tibor Varga gegründet und hiess ursprünglich Festival international de musique Tibor Varga.
Charakteristisch für Sitten ist das Stadtbild mit den beiden markanten Hügeln Valère () mit der Wallfahrtskirche Notre-Dame de Valère (12./13. Jahrhundert) und Tourbillon () mit der Ruine des ehemaligen bischöflichen Schlosses Tourbillon aus dem 13. Jahrhundert. Die Basilika von Valeria (französisch Basilique de Valère) ist die Kirchenburg auf dem südlichen der zwei Burghügel an der östlichen Altstadtgrenze. Sie beherbergt die älteste spielbare Orgel der Welt, die um 1430 gebaut wurde. In den Häusern auf Valeria befindet sich das kantonale historische Museum. Auf dem westlichen Ausläufer des Tourbillon-Hügels stehen die Reste der ehemaligen Bischofsburgen Majoria und Vidomnat, in welchen seit 1947 das Kunstmuseum Wallis untergebracht ist.Patrick Elsig: Die Schlösser von Sion-Sitten. Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2019.
Westlich der Stadtsiedlung liegt der dritte Hügel Mont d’Orge auf Stadtgebiet, auf welchem sich die Überreste der mittelalterlichen Burg Burg Montorge befinden.
In der Altstadt westlich der zwei Hügel befindet sich die Kathedrale Notre-Dame-du-Glarier aus dem 15. Jahrhundert mit einem romanischen Turm, der aus dem 12. Jahrhundert stammt. Südwestlich der Kathedrale steht neben dem Gebäude der Kantonsverwaltung die Kirche St. Theodul. Sie wurde 1516 vom Baumeister Ulrich Ruffiner als spätgotischer Bau begonnen, jedoch erst zwei Jahrhunderte später fertiggestellt.
Bedeutende Gebäude an der Rue du Grand-Pont sind das kantonale Grossratsgebäude und das Rathaus der Stadt. Dieses wurde 1657 bis 1665 im Renaissancestil erbaut und birgt in seinem Treppenvorhaus römische Inschriftensteine. Sein Turm trägt eine astronomische Uhr.
Sehenswerte Bauten im Stadtzentrum sind ausserdem: Die Kollegiumskirche (Sainte-Trinité) Die Chapelle de Tous-les-Saints am Hügel ValeriaChapelle de Tous-les-Saints auf ETHorama Das Palais du Gouvernement (Regierungsgebäude) Die Mediathek Wallis Die Maison de la DièteMaison de la diète. bourgeoisie-de-sion.ch. Abgerufen am 4. Juli 2022. Der Hexenturm, ein Rest der alten Stadtbefestigung Das Haus SupersaxoCharles-André Meyer, Patrice Tschopp: Les Supersaxo et leur maison à Sion. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 519). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1992, ISBN 978-3-85782-519-4. Das Schloss La MajorieChâteau La Majorie auf ETHorama Das Kantonsgericht Das Kapuzinerkloster Sitten, dessen Erweiterungsbau ein herausragendes Bauwerk der modernen Architektur istBourgeoisie de Sion (Hrsg.): Le Couvent des Capucins. Sion 2017. Die Kirche Église du Sacré-Cœur mit der chapelle de la Sainte TrinitéParoisse du Sacré-Cœur. Abgerufen am 4. Juli 2022. Die Villa Veuillet (auch Villa Soleil)La villa «Soleil» classée monument historique. In: Le Nouvelliste, 13. Juni 2008, abgerufen am 9. Juni 2026. Platz Sous-le-Scex, archäologische InstallationSion: la place Sous-le-Scex offre une vitrine sur 7000 ans d’histoire. cath.ch. Abgerufen am 4. Juli 2022.
Weitere Baudenkmäler ausserhalb des Stadtzentrums: Einsiedelei Unsere Liebe Frau von Longeborgne im Ortsteil Bramois Steinbrücke über die Borgne und Brückenkapelle Das Kraftwerk Chandoline, EOS Die Kapelle von Vissigen, im Gebiet Champsec östlich der RhoneModerne, sobre et spacieuse, en harmonie avec l’architecture du quartier. cath.ch. Abgerufen am 4. Juli 2022. Die Kapelle St. Anna in Molignon Kirche Saint-François in Salins Kapelle Notre-Dame de la Visitation im Ortsteil Les Agettes
Sport In Sitten wurde 2021 ein Wellenbecken ausschliesslich zum Surfen in Betrieb genommen. Von Sitten aus sind viele Wintersportgebiete des Wallis erreichbar, weshalb sich die Stadt schon mehrmals um die Austragung der Olympischen Winterspiele beworben hat, zuletzt um jene von 2006. Damals wurde Sitten jedoch von der Bewerbung Turins (Torino 2006) geschlagen.