Die Zeche Nachtigall ist ein ehemaliges Steinkohlebergwerk in Bommern. Das Bergwerk war auch unter den Namen Zeche Nachtigal im Hetberge, Zeche Nachtigall im Hedtberge, Gewerkschaft im Hedtberge und Kohlenbank im Hettberger Holtz bekannt. Das Bergwerk befindet sich in Bommern am Eingang des Muttentals und ist Teil des Bergbauwanderwegs Muttental. Die Zeche war eine der größten Tiefbauzechen der Region. Auf dem Bergwerk wurde im Tiefbau stückreiche Fettkohle abgebaut, die eine gute Qualität hatte. Heute befindet sich auf dem Werksgelände das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall.
Geschichte Die Anfänge Bereits im Jahr 1645 wurde die Zeche Nachtigall in den Unterlagen erwähnt. Im Jahr 1714 wurde die Mutung unter dem Namen Kohlenbank im Hettberger Holz eingelegt. Als Muter traten zwei Bauern aus der Umgebung auf. Bereits nach Einlegung der Mutung wurde mit der Gewinnung begonnen. Am 24. August des Jahres 1716 wurde ein Längenfeld an Berghaus, Frielinghaus & Consorten verliehen. Im Anschluss an die Verleihung wurde mit dem Abbau von „Kalkkohlen“ begonnen. Der Abbau erfolgte im Stollenbau. Das Stollenmundloch befand sich an der Einmündung der heutigen Straße Auf der Martha in die Muttentalstraße. Im Jahr 1739 war der Stollen zwar noch in Betrieb, es fand jedoch nur wenig Absatz der Kohlen statt. Da das Bergwerk als Bergrechtliche Gewerkschaft gegründet worden war, bestand jederzeit die Möglichkeit, dass Anteile dieser Gewerkschaft von anderen Personen aufgekauft wurden. Am 8. September des Jahres 1742 kaufte der Freiherr von Elverfeldt das Bergwerk und wurde somit Hauptgewerke des Bergwerks. Am 8. Januar des Jahres 1743 erfolgte die erneute Verleihung des Längenfeldes unter dem Namen „Nachtigall am Hettberge“. In den 1750er Jahren war das Bergwerk in Betrieb. Im Jahr 1781 wurde am Hedtberg ein Stollen angesetzt. Im Anschluss daran war das Bergwerk mehrere Jahre außer Betrieb. Im Jahr 1787 wurde das Bergwerk in der Niemeyerschen Karte eingetragen. In den Jahren 1790 bis 1793 wurden fünf Längenfelder vermessen. Im Jahr 1803 wurde die Kohlenniederlage an der Ruhr durch das Ruhrhochwasser fast weggespült. Im Jahr 1805 wurde ein 2516 Fuß langer Schiebekarrenweg zur Ruhr erstellt. Am 15. Februar des Jahres 1824 wurde mit der Zeche Eleonore ein Vertrag zur Bildung einer Betriebsgemeinschaft unter dem Namen Zeche Eleonore & Nachtigall geschlossen.
Ausbau der Schachtanlage Um das Jahr 1830 waren die Lagerstättenvorräte oberhalb des Stollensohle weitgehend erschöpft. Auf Anregung aus dem Kreis der Bergbauunternehmer wurde vom Bergamt ein Plan für den Zusammenschluss der Hardensteiner Bergwerke ausgearbeitet. Der Berggeschworene Jakobs aus Bommern arbeitete im Jahr 1831 einen Konsolidationsplan aus, den er am 1. Juli desselben Jahres vorlegte. Dieser Plan sah den Zusammenschluss von 13 Stollenzechen vor. Außerdem sollte ein Tiefbauschacht mit einer Teufe von 28 Lachtern in der Nähe der Ruhr abgeteuft werden. Am 25. April des Jahres 1832 wurde der unter der St. Johannes Erbstollensohle geplante Tiefbaubereich von Eleonore & Nachtigall wieder ausgegliedert. Im Laufe des Jahres 1832 vereinigte sich die Zeche Nachtigall mit weiteren Kleinzechen. Zunächst wurde am 25. April desselben Jahres eine Vertragsgemeinschaft zwischen den Zechen Nachtigall, Eleonore, Theresia, Widerlage, Aufgottgewagt, Braunschweig Nordflügel und Turteltaube Nordflügel geschlossen, um gemeinsam zum Tiefbau überzugehen. Geplant wurde der Tiefbau unterhalb der St. Johannes Erbstollensohle. In dem Vertrag verpflichteten sich die beteiligten Bergwerke, ihre Baufelder auch weiterhin auf eigene Rechnung zu betreiben. Die Wasserhaltung des gesamten Grubenfeldes und die Schachtförderung sollte für alle beteiligten Bergwerke gemeinsam erfolgen. Die Kosten für das Abteufen des Schachtes, die Maschinen, die Pumpen und das Schachtgebäude sollte von allen Bergwerken anteilmäßig getragen werden. Die Höhe der Förderanteile sollte entsprechend der im jeweiligen Baufeld noch anstehenden Kohlenmenge ermittelt werden. Von der Bergbehörde wurde als Auflage die Beibehaltung eines zehn Lachter mächtigen Sicherheitspfeilers gefordert. Dieser Pfeiler sollte unterhalb des Niveaus der Erbstollensohle des St. Johannes Erbstollens beibehalten werden.
Übergang zum Tiefbau Noch im Jahr 1832 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht Neptun begonnen. Der Schacht wurde in dem Bereich angesetzt, wo der Muttenbach in das Ruhrtal mündet. Der Schacht Neptun wurde als tonnlägiger Schacht ausgeführt. Der Ausbau des Schachtes erfolgte in Holz. Das Holz wurde von Niederste-Frielinghaus geliefert und vom Schreinermeister Friedrich zurechtgezimmert. Im August desselben Jahres mussten die Teufarbeiten unterbrochen werden. Grund für die Unterbrechung der Arbeiten waren die vermehrten Wasserzuflüsse, die sich mit Handpumpen nicht mehr bewältigen ließen. Um die Wasser abzupumpen, wurde im Dezember eine dampfgetriebene Wasserhaltungsmaschine installiert. Die Maschine hatte einen stehenden Zylinder und brachte eine Nutzleistung von acht PS. Die Dampfmaschine, der Dampfkessel, die Rohrleitungen und die Druckpumpe wurden von Friedrich Harkort aus Wetter gebaut. Harkort lieferte somit die komplette Maschinenanlage. Ab Januar des darauffolgenden Jahres wurden die Teufarbeiten wieder aufgenommen. Bereits am 24. August desselben Jahres erfolgte der Durchschlag mit der 1. Sohle. Diese Sohle war bereits im Vorfeld durch Abhauen aufgefahren worden und befand sich in einer Teufe von 33 Metern (+ 49 m NN). Im selben Jahr wurde die Muttentalbahn verlängert. Sie reichte nun bis zum Ruhrmagazin und bis zum Schacht. Ab August mussten die Teufarbeiten wegen erneuter Wasserzuflüsse wieder eingestellt werden. Um für die Tagesanlagen ausreichend Platz zu erhalten, wurde ab dem Jahr 1834 begonnen, einen Teil des südlich der Tagesanlage befindlichen Berghanges zu entfernen. Im Jahr 1834 wurde eine stärkere Dampfmaschine zur Wasserhaltung installiert, die bereits installierte Dampfmaschine wurde für den Antrieb der Fördermaschine verwendet. Diese Änderung der Funktion war ohne größere Umbauten möglich, da die damaligen Fördermaschinen genauso konstruiert waren wie die Dampfwasserhaltungsmaschinen. Um die Grubenwässer zur Ruhr abzuleiten, wurde ein unterirdisches Geflute erstellt. Noch im selben Jahr wurde mit der Förderung im Schacht Neptun begonnen.
Betrieb als Tiefbauzeche mini|Ehemalige Kohlenniederlage der Zeche Nachtigall, 2013
In den Jahren 1834 und 1835 wurden die stillgelegten Bergwerke, die zur Vereinigung gehörten, wieder in Betrieb genommen. Hierbei handelte es sich um die teilweise stillgelegten Felder Aufgottgewagt, Braunschweig, Turteltaube, Theresia und Widerlage. Die Felder wurden über einen Querschlag von der Zeche Nachtigall aufgeschlossen. Der Schacht Neptun wurde tiefer geteuft und bei einer Teufe von 60 Metern (+ 22 m NN) wurde als 2. Sohle die Maschinensohle angesetzt. Im Jahr 1836 wurde eine vergrößerte Kohlenniederlage an der Ruhr in Betrieb genommen. Im Jahr 1837 wurde mit der Erzeugung von Koks begonnen. Nachdem der Schacht Neptun einige Jahre in Betrieb war, mussten die Gewerken feststellen, dass der Schacht zu klein dimensioniert worden war. Hinzu kam, dass der Wasserzufluss aus den Baufeldern sehr stark war. Alleine aus dem Feld Widerlage flossen pro Minute vier Kubikfuß Grubenwasser zu. Um die Wassermenge zu bewältigen, war eine noch leistungsfähigere Wasserhaltungsmaschine erforderlich.
Schon mit Beginn der Ruhrschifffahrt wurde an der Zeche Nachtigall eine Kohlenniederlage angelegt. Dieser ummauerte und hochwassersichere Lagerplatz war notwendig, da die Schifffahrt auf der Ruhr in der Regel für mehrere Monate nicht möglich war. Als die Zeche zum Tiefbau überging und die Förderzahlen anstiegen, musste die Niederlage erweitert werden. Die 2018 noch sichtbaren Überreste umfassten eine Lagerfläche von etwa 1.600 m².
Im Jahr 1837 konsolidierten die Vertragsgemeinschaft Eleonore & Nachtigall mit der Zeche Turteltaube, dem westlichen Feldesteil der Zeche Theresia mit Haupt- und Nebenflöz, dem Nordflügel der Zeche Braunschweig und Teilen der Zechen Aufgottgewagt und Widerlage. Bereits am 5. Januar des Jahres 1839 konsolidierten die Bergwerke unterhalb der Maschinensohle Neptun zur Gewerkschaft Vereinigte Nachtigall & Aufgottgewagt. Wegen des zu klein dimensionierten Schachtes Neptun waren die Gewerken gezwungen, einen leistungsfähigeren Schacht abzuteufen. Insbesondere die Notwendigkeit einer größeren Wasserhaltungsmaschine machte das Abteufen eines neuen Schachtes unumgänglich. Aus diesem Grund wurde vom Berggeschworenen Lind ein Plan für einen neuen Maschinenschacht entworfen. Dieser Plan sah einen Schacht mit einer rechteckigen Schachtscheibe vor. Der seigere Schacht hatte die Abmessungen von 27,5 mal 8 Fuß und sollte 70 Lachter östlich von Schacht Neptun angesetzt werden. Im Juni des Jahres 1839 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht Hercules begonnen. Einige Zeit danach kam es zu einem Defekt an der Wasserhaltungsmaschine an Schacht Neptun. Dadurch konnten die zuströmenden Grubenwässer nicht abgepumpt werden und die Grubenbaue füllten sich stetig mit Grubenwasser. Der Betrieb des Bergwerks musste für längere Zeit eingestellt werden.
Weiterer Ausbau der Tiefbauzeche mini|Schacht Hercules mini|Das Fördermaschinengebäude innen Die Teufarbeiten am Schacht Hercules wurden weiter fortgeführt. Im Jahr 1840 erreichte man bei einer Teufe von 60 Metern (+ 22 m NN) die Maschinensohle des Schachtes Neptun. Noch im selben Jahr wurde begonnen, die Tagesanlagen zu errichten. Im Jahr 1842 wurde bei einer Teufe von 92 Metern (- 10 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Danach wurden die Teufarbeiten zunächst eingestellt und die Fördermaschine in Betrieb genommen. Problematisch blieb weiterhin der Zufluss des Wassers. Im Jahr 1843 wurde eine Wasserhaltungsmaschine in Betrieb genommen. Die Maschine hatte einen Zylinderdurchmesser von 66 Zoll. Später wurde diese Maschine durch eine weitere Maschine verstärkt, die einen Zylinderdurchmesser von 91½ Zoll hatte. Der Schacht wurde zunächst mit einem Förderturm aus Holz ausgestattet, später wurde der Turm durch einen gemauerten Turm aus Bruchsteinen ersetzt. Im selben Jahr wurden auch die Teufarbeiten wieder aufgenommen. Bei einer Teufe von 109 Metern (- 27 m NN) wurde das Flöz Aufgottgewagt erreicht. Im darauffolgenden Jahr wurde bei einer Teufe von 109 Metern die 4. Sohle als Maschinensohle des Schachtes Hercules angesetzt. Ab diesem Jahr wurden auch die untertägigen Arbeiten wieder aufgenommen. Außerdem wurde ab dem Jahr 1844 zum ersten Mal im Schacht Hercules die Kohlenförderung getätigt. Bei den Auffahrungsarbeiten kam es erneut zu starken Wasserzuflüssen. Außerdem kam es zu mehreren Brüchen am Pumpengestänge und der Wasserhaltungsmaschine. Dies führte zu Störungen bei der Schachtförderung. Am 9. Juli des Jahres 1845 kam es zu einem starken Wassereinbruch. Aufgrund dieses Wassereinbruchs soff die gesamte 4. Sohle ab und musste gesümpft werden. Am 10. Oktober desselben Jahres war die Sohle wieder nutzbar und die Sümpfungsarbeiten wurden eingestellt. Im Jahr 1846 wurde ab der 4. Sohle in der Nähe des Schachtes begonnen, ein Abhauen ins Flöz Geitling zu erstellen. Im Jahr 1847 war das Abhauen bis unter die Ruhr aufgefahren. Bei einer Länge von 325 Metern wurde die 5. Sohle angesetzt. Die Sohle befand sich bei einer seigeren Teufe von 153 Metern (- 71 m NN).