mini|Pippa Bacca Giuseppina Pasqualino di Marineo, bekannt unter ihrem Künstlernamen Pippa Bacca (* 9. Dezember 1974 in Mailand; † 31. März 2008 in der Nähe von Gebze), war eine italienische Aktionskünstlerin. Als sie in Brautkleidung von Mailand in Richtung Naher Osten trampte, um auf diese Weise für den Weltfrieden zu werben, wurde sie in der Türkei vergewaltigt und ermordet.

Zur Person Pippa Bacca, eine Nichte des bekannten Künstlers Piero Manzoni (1933–1963), war eine Vertreterin der Performance Art.

Ein Beispiel ihrer Kunst war die Umwandlung von Objekten in andere Objekte, wofür sie häufig einfache Scheren benutzte. So entstand ihr Kunstwerk „Chirurgische Umwandlungen“ (Mutazioni chirurgiche) aus im Wald gesammelten Blättern, die so zurechtgeschnitten wurden, dass sie das Aussehen von Blättern anderer Pflanzenarten annahmen.

„Brides on Tour“ Im Verlauf ihrer letzten Kunstaktion wurde sie Opfer eines Verbrechens. Pippa Bacca und ihre Künstlerkollegin Silvia Moro begannen am 8. März 2008 von Mailand aus eine „Friedensreise“ durch insgesamt elf Länder in Richtung Naher Osten., abgerufen am 12. April 2008 Die beiden Frauen fuhren, als Bräute verkleidet, per Anhalter durch Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien und Bulgarien, von wo sie am 20. März in die Türkei einreisten. In Istanbul trennten sich ihre Wege. Sie hatten vor, den Weg über Syrien einzuschlagen und sich am 31. März im Libanon wieder zu treffen. Von dort wollten die beiden die Reise gemeinsam in Israel und den Palästinensergebieten abschließen.

Auf ihrer Website hatten sie geschrieben, dass sie das weiße selbstgenähte Brautkleid bis zur Ankunft im Nahen Osten tragen wollten, „mit all den Flecken, die es während der Reise annimmt“. Auf diese Weise sollte in Gegenden, wo der Hass aufeinander die Menschen nicht loslässt, für den Frieden geworben werden. Die Künstlerinnen hatten sich ganz bewusst dafür entschieden, per Anhalter zu reisen, um das Vertrauen in fremde Mitmenschen zu demonstrieren.Elisabetta Povoledo: Performance Artist Killed on Peace Trip Is Mourned, in: The New York Times, 19. April 2008

Das Verbrechen Lebend gesehen wurde Pippa Bacca zuletzt am 31. März 2008 in der am anatolischen Stadtrand von Istanbul gelegenen Stadt Gebze. Danach blieb sie verschollen und wurde vermisst. Ihre Schwester reiste daraufhin in die Türkei, um sie wiederzufinden. Die Leiche der Gesuchten wurde schließlich am 11. April nicht weit entfernt von Gebze in einem Waldstück entdeckt. Ein 38-jähriger türkischer Lastwagenfahrer, der die Polizisten zu dem Fundort führte, wurde festgenommen. All Headline News, abgerufen am 12. April 2008 Die Polizei war ihm auf die Spur gekommen, weil er versucht hatte, Pippa Baccas Mobiltelefon zu benutzen. Der Mann gestand, die Anhalterin, die er in seinem Lieferwagen mitgenommen hatte, vergewaltigt und erwürgt zu haben. In einem späteren Prozess wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt., in: La Stampa, 12. April 2008https://www.sueddeutsche.de/panorama/tuerkei-lebenslange-haft-die-tote-im-brautkleid-1.124637

Pippa Bacca, die auf ihrer Reise gewöhnlich die Fahrer der Wagen, in die sie einstieg, im Bild festhielt, soll ihren mutmaßlichen Mörder Murat Karataş fotografiert haben. Die Polizei konnte die Kamera der Künstlerin im Haus des Beschuldigten sicherstellen.[, in: Sabah, 14. April 2008

Öffentliche Anteilnahme und politische Reaktionen Der Mordfall rief in Italien und vor allem in der türkischen Öffentlichkeit große Erschütterung hervor. Mehrere Tageszeitungen erschienen mit Schlagzeilen in italienischer Sprache wie Pippa verzeih uns (Sabah). Hierbei wurde das tragische Ereignis vielfach mit früheren Kriminalfällen und innertürkischen Themen verknüpft, der Diskussion über Gewalt gegen Frauen, grausame Traditionen und das vermeintliche „Wegschauen von Justiz und Gesellschaft“.Kai Strittmatter: Per Anhalter in den Tod, in: Süddeutsche Zeitung, 14. April 2008

Eine führende Zeitung des Landes schlug vor, eine türkische Künstlerin solle – in einem weißen Brautkleid und trotz der damit eventuell verbundenen Gefahr – die unterbrochene Reise Pippa Baccas fortsetzen und in einen „Freiheitsmarsch“ der türkischen Frauen umwandeln.Mehmet Yilmaz: „peace walk“ of Pippa, „freedom walk“ of Turkish women, in: Hürriyet, 15. April 2008

Staatspräsident Abdullah Gül drückte seinem italienischen Amtskollegen Giorgio Napolitano im Namen des gesamten türkischen Volkes sein Beileid aus. Am 19. April fand in Mailand unter großer öffentlicher Anteilnahme die Trauerfeier für Pippa Bacca statt.

Film

Der Dokumentarfilm La Mariée (The Bride) des französischen Regisseurs Joël Curtz aus dem Jahr 2012 erzählt Pippa Baccas Schicksal und bedient sich dazu Videoaufnahmen aus ihrer Kamera.

Der Film Köpek (2015) der türkisch-schweizerischen Regisseurin Esen Işık ist Pippa Bacca gewidmet.Interview mit der Regisseurin. In: Tages-Anzeiger, 8. Dezember 2015, abgerufen am 4. Februar 2016.

Weblinks

Brides on Tour Website von Pippa Bacca Fazile Zahir Muğla: Pippa Bacca: Dead but not forgotten, in: Sunday’s Zaman, 20. April 2008 (englisch) politische Einordnung des Falls Laura King: Italian Pippa Bacca's fatal journey, in: Los Angeles Times, 30. Mai 2008 (englisch)

Einzelnachweise

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