mini|Johannes Stroux (1946), Rektor der Berliner Universität und Präsident der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin Johannes FranzGeburtsurkunde Stroux (Aussprache: ; * 25. August 1886 in Hagenau; † 25. August 1954 in Berlin) war ein deutscher klassischer Philologe und Althistoriker.

Er wirkte ab 1914 an verschiedenen Universitäten als Professor, darunter von 1935 bis zu seinem Tod an der Universität Berlin, deren Rektor er von 1945 bis 1947 in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg war. Er leitete zudem als Präsident von 1945 bis 1951 die Berliner Akademie der Wissenschaften (zuerst Preußische Akademie der Wissenschaften, nach Umbenennung Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin), die in seiner Zeit eine erhebliche Erweiterung erfuhr.

Er war Herausgeber bzw. Mitherausgeber der Fachzeitschriften Philologus, Gnomon, Die Antike und der Deutschen Literaturzeitung. Nach erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit als Latinist war er vor allem als Wissenschaftsorganisator und Wissenschaftspolitiker tätig. Als Vizepräsident des Kulturbundes war er bis 1954 Mitglied der Volkskammer.

Leben Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Studium in Straßburg und Göttingen Johannes Stroux war Sohn des Gymnasialprofessors für Mathematik Heinrich Stroux und dessen Ehefrau Maria Franziska Stroux geborene Faber. Er studierte von 1904 bis 1909 klassische Philologie und Geschichte an der Universität Straßburg und an der Universität Göttingen.Wolfgang Knobloch: Biogramm Johannes Stroux. In: Heinz Stiller (Hrsg.) Altertumsforscher – Wissenschaftsorganisator – Humanist. Zum 100. Geburtstag von Johannes Stroux. Akademie-Verlag, Berlin 1987. Zu seinen akademischen Lehrern zählten insbesondere Bruno Keil für die Epigraphik, Richard Reitzenstein für Spätantike und religiösen Synkretismus, Jacob Wackernagel für die linguistische Betrachtung alter Sprachen und altitalischer Dialekte, Eduard Schwartz für methodische Textbehandlung sowie Friedrich Leo für die Entwicklung der römischen Literatur.Ioannes Stroux: Vita. In: Ioannes Stroux: De Theophrasti Virtutibus Dicendi. Pars I. Teubner, Leipzig 1912, S. 44.Johannes Stroux: Antrittsrede des Hrn. Stroux, In: Preußische Akademie der Wissenschaften: Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Jahrgang 1938. Philosophisch-historische Klasse. Verlag der Akademie der Wissenschaften, Berlin 1938. S. CIII ff.Lebenslauf im Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Akademieleitung 720, Blatt 4Johannes Irmscher: Johannes Stroux. Altertumsforscher – Wissenschaftsorganisator – Humanist. In: Heinz Stiller (Hrsg.) Altertumsforscher – Wissenschaftsorganisator – Humanist: Zum 100. Geburtstag von Johannes Stroux. Akademie-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-05-000520-3, S. 20. Ab 1909 war er zunächst als Gymnasiallehrer in seiner Geburtsstadt Haguenau und am Lyceum in Straßburg tätig.Sören Flachowsky: Der Wissenschaftsorganisator Johannes Stroux an der Berliner Universität 1945–1947. In: Jahrbuch für Universitätsgeschichte. 7/2004. Franz Steiner Verlag, S. 197. Im Jahre 1911 promovierte er mit seiner Arbeit De Theophrasti Virtutibus DicendiDe Theophrasti Virtutibus Dicendi. (). zum Einfluss der Theorien des Theophrast auf Ciceros Theorie der Rhetorik. In den Jahren 1911/1912 unternahm er zusammen mit Werner Jaeger eine einjährige Studienreise zu handschriftlichen Forschungen in Bibliotheken Italiens,Eckart Mensching: Nugae zur Philologie-Geschichte 4. Über U. von Wilamowitz-Moellendorff, W. Kranz, W. Jaeger und andere. Univ.-Bibliothek der Techn. Univ., Abt. Publ. 1991, ISBN 3-7983-1393-8, S. 27. Frankreichs und Englands, aus denen seine Schrift über Quellen zu Ciceros de oratore resultierte.

Stroux wurde in Straßburg Mitglied und später Alter Herr des Philologisch-Historischen Vereins im Naumburger Kartellverband.M. Göbel, A. Kiock, Richard Eckert (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Herren und Ehrenmitglieder des Naumburger Kartell-Verbandes Klassisch-Philologischer Vereine an deutschen Hochschulen, A. Favorke, Breslau 1913, S. 12.

Professor in Straßburg, Basel, Kiel, Jena und München mini|Stroux wurde Professor in Basel: Einladung zur öffentlichen Antrittsvorlesung 1916 zum Thema Die Selbständigkeit der römischen Literatur Anschließend war er 1914 für ein Semester als Privatdozent in Straßburg tätig, nachdem er dort 1911 promoviert und 1914 habilitiert worden war. Im gleichen Jahr wurde er außerordentlicher und 1917 ordentlicher Professor für klassische Philologie an der Universität Basel. In Basel war er Mitbegründer der Volkshochschule, leitete den Bücherversand der Universität und war von 1914 bis 1918 Vizepräsident des „Schweizer Hilfswerks für deutsche kriegsgefangene Akademiker“. 1922 wurde er als Professor für klassische Philologie an die Universität Kiel berufen, wechselte aber bereits 1923 an die Universität Jena. Ab 1924 war er Ordinarius für lateinische Philologie an der Universität München. Er erhielt weitere Angebote für die Universitäten Greifswald (1922), Hamburg (1924) und Göttingen (1928), die er jedoch nicht annahm.

Für die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, der Vorläuferorganisation der heutigen Deutschen Forschungsgemeinschaft, fungierte er als alleiniger Gutachter für das Fachgebiet der Latinistik.

Herausgeber des Philologus und Bayerische Akademie Johannes Stroux wurde 1929 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, nach seinem Wegzug aus München blieb er korrespondierendes Mitglied. In München war Stroux ab 1927 an der wissenschaftlichen Leitung des Akademie-Unternehmens Thesaurus Linguae Latinae, des vollständigen Wörterbuchs der lateinischen Sprache, beteiligt, zunächst als Einzelmitglied der Thesaurus-Kommission des Kartells der Akademien, ab 1931 als Vertreter der Münchner Akademie und ab 1934 bis 1949 als Präsident der Thesaurus-Kommission.Dietfried Krömer, Manfred Flieger (Hrsg.): Thesaurus-Geschichten. Beiträge zu einer Historia Thesauri linguae Latinae von Theodor Bögel (1876–1973). Mit einem Anhang: Personenverzeichnis 1893–1995. Verlag Teubner, Stuttgart/Leipzig 1996, S. 210, ISBN 3-8154-7101-X. Von 1925 bis 1933 wirkte er als Mitbegründer und Herausgeber von Gnomon, einer Fachzeitschrift für klassische Altertumswissenschaften.Johannes Irmscher: Johannes Stroux, der erste Präsident der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät. 15/1996. Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, S. 40 . Von 1929 bis 1954 war er Herausgeber der seit 1848 bestehenden renommierten Fachzeitschrift Philologus, bis 1937 zusammen mit dem befreundeten Albert Rehm, zweifachem Rektor der Universität München, von 1943–1947 mit Instinsky und Snell sowie 1954 mit Zucker und Kleinknecht.Anonymous: Johannes Stroux. Herausgeber des Philologus 1929–1954. In: Philologus. Jahrgang 99, 1954/1955. Akademie-Verlag, S. 1, . Der Philologus veröffentlichte noch 1937 eine Arbeit von Friedrich Münzer, die geplante Herausgabe einer Arbeit von Eduard Norden im selben Jahr wurde jedoch verhindert, weshalb Rehm den Philologus verließ. Noch 1944 konnte im Philologus ein Artikel von Walther Kranz erscheinen.Walter Kranz: Lukrez und Empedokles, Philologus, 96 (1944) S. 68.E. G. Schmidt: 100 Jahre Philologus. In: Philologus, Band 140, 1994, S. 13 In den ausgehenden 1920er Jahren stand Stroux den aktiven Vertretern des Dritten Humanismus nahe, wie Otto Regenbogen und vor allem Werner Jaeger.Fridolf Kudlien: Johannes Stroux (1886–1954). In: Eikasmós. Quaderni Bolognesi di Filologia Classica. 4/1993. Universität Bologna, S. 360,

Professor in Berlin, Preußische Akademie und Mittwochsgesellschaft mini|Wohnhaus der Familie Stroux in Berlin-Lichterfelde seit 1935. In der Nähe wohnten Eduard Norden, Ludwig Beck und Eduard Spranger.

Im Jahr 1935 wechselte er in Nachfolge und mit Unterstützung von Eduard NordenJohannes Irmscher: Johannes Stroux. Altertumsforscher – Wissenschaftsorganisator – Humanist In: Heinz Stiller (Hrsg.) Altertumsforscher – Wissenschaftsorganisator – Humanist: Zum 100. Geburtstag von Johannes Stroux. Akademie-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-05-000520-3, S. 24. und Werner Jaeger, einem Kollegen und persönlichen Freund,Eckart Mensching: Nugae zur Philologie-Geschichte 2. Über Ed. Norden, F. Jacoby, W. Jaeger, R. Pfeiffer, G. Rhode und andere. Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin, Berlin 1989, ISBN 3-7983-1265-6Eckart Mensching: Nugae zur Philologie-Geschichte 4. Über U. von Wilamowitz-Moellendorff, W. Kranz, W. Jaeger und andere. Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin, Berlin 1991, ISBN 3-7983-1393-8, S. 25–75 als Ordinarius für lateinische Literatur und Sprache an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und übernahm dort die Leitung des Instituts für Altertumskunde. In Berlin wurde er 1937, auf Empfehlung des Kirchenhistorikers Hans Lietzmann,Kurt Aland (Hrsg.): Glanz und Niedergang der deutschen Universität. 50 Jahre deutscher Wissenschaftsgeschichte in Briefen an und von Hans Lietzmann (1892–1942). de Gruyter, Berlin 1979, ISBN 3-11-004980-5, S. 870. Mitglied der Mittwochsgesellschaft, der unter anderem auch Generaloberst Ludwig Beck, der Physiker Werner Heisenberg, Finanzminister Johannes Popitz und der Pädagoge Eduard Spranger angehörten.Klaus Scholder: Die Mittwochsgesellschaft. Protokolle aus dem geistigen Deutschland 1932–1944. Zweite Auflage. Severin und Siedler, Berlin 1982, ISBN 3-88680-030-X; Eckart Mensching: Nugae zur Philologie-Geschichte 7. Über Theodor Mommsen, Hermann Diels, Johannes Stroux, Joachim Stenzel und andere. Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin, Berlin 1994. ISBN 3-7983-1600-7 Die Mittwochsgesellschaft war eine Gruppe liberal bis national-konservativer Wissenschaftler und Politiker, von denen einige im Widerstand aktiv wurden und deshalb nach dem 20. Juli 1944 hingerichtet wurden. 1937 wurde Stroux zusammen mit Schadewaldt und Schweitzer Mitherausgeber der von Jaeger und der Gesellschaft für Antike Kultur gegründeten und herausgegebenen Zeitschrift Die Antike, da dieser Deutschland verlassen musste und nach Amerika ging. Ebenfalls 1937 wurde er in die Preußische Akademie der Wissenschaften gewählt, wo er zunächst unter Hans Lietzmann und mit Eduard Norden in der Kirchenväter-Kommission arbeitete sowie im Corpus inscriptionum Etruscarum, später leitete er auch das Corpus inscriptionum Latinarum. Seine ersten Akademievorträge hatten den antiken Begriff des Bellum Iustum sowie einen Kommentar des Porphyrios zur Harmonielehre des Ptolemaios zum Thema.Preußische Akademie der Wissenschaften: Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Jahrgang 1938. Philosophisch-historische Klasse. Verlag der Akademie der Wissenschaften, Berlin 1938. S. X–XI,CIII ff.,155, 244.

Kriegsjahre, Akademie und Union Académique Internationale