Fabiana ist eine Gattung innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die etwa 16 Arten kommen ausschließlich in Gebieten des westlichen Südamerikas vor.

Beschreibung mini|Illustration von Fabiana imbricata aus Edwards's botanical register, 1839, Tafel 59

Vegetative Merkmale Die Fabiana-Arten sind kleinblättrige und bodenbedeckende Sträucher, die Wuchshöhen von meist 0,2 bis 1,5 (0,04 bis 3,5) Metern erreichen. Bei einigen Arten unterscheiden sich die Verzweigungsformen junger und älterer Pflanzen. Der Sprossachse und den Laubblättern fehlt Kristallsand, jedoch bilden sie Drusen und sind aufgrund einer dichten, drüsigen Behaarung harzend. Das Phellogen bildet die Epidermis, das Perizykel besitzt starke Fasern, das innenliegende Phloem ist nicht faserig.

Die sitzenden Laubblätter sind überlappend, in Büscheln, Rosetten oder einzeln angeordnet. Ihnen fehlen Blattadern umschließende Fasern. Die Blattspreiten sind bei einer Länge von nur 1 bis 8 Millimetern sowie einer Breite von 0,5 bis 0,8 Millimetern sehr klein, ihre Form ist schmal verkehrt-eiförmig, eiförmig, zylindrisch, linealisch oder schuppenartig, gelegentlich sind sie winzig oder fehlen ganz.

Blüten Die Blüten stehen einzeln an 0,8 bis 6 Millimeter langen Blütenstielen oder sind sitzend. Die Blüten sind fünfzählig, radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle und etwas duftend. Fünf Kelchblätter sind teilweise miteinander zu einem Kelch verwachsen, er ist bei einer Länge von meist 3 bis 9 (2,5 bis 15) Millimetern zylindrisch, glockenförmig oder leicht urnenförmig. Die Kelchzipfel sind linealisch oder dreieckig und meist etwas kürzer als die Kronröhre, nur selten genauso lang. Die Krone ist bei einer Länge von 8 bis 20 Millimetern glocken- oder tellerförmig. Sie ist meist weißlich gefärbt, nur in Ausnahmen violett oder bläulich, gelegentlich ist sie gelb mit roten oder violetten Streifen versehen.

Die fünf Staubblätter teilen sich meist in drei kurze und zwei lange auf, nur in zwei Arten sind alle fünf gleich lang. Alle Staubfäden setzen in der gleichen Höhe in der unteren Hälfte der Kronröhre an, meist sind sie an beiden Enden knieförmig umgebogen. Die Staubbeutel sind rückseitig fixiert, können etwas breiter als lang und dann 0,5 bis 0,7 Millimeter lang oder länglich und dann 1 bis 1,3 Millimeter lang sein. Die Theken stehen getrennt voneinander oder sind in sieben Arten miteinander verwachsen und stehen nur in der unteren Hälfte frei voneinander. Die Pollenkörner sind mit einem Durchmesser von 25 bis 28 µm klein, kugelförmig oder abgeflacht-kugelförmig. Sie sind getrennt voneinander, meist trizonocolpat (die drei Keimfalten liegen am Pollenäquator) oder manchmal auch tetracolpat (mit vier Keimfalten versehen). Die Pollenkornwand (Exine) ist schwach faltig. Die Nektarien sind eingestülpt-zweilappig. Die Narbe ist meist sattelförmig oder köpfchenförmig.

Früchte und Samen Die Kapselfrüchte öffnen sich scheidewandspaltig mit zwei zweigespaltenen Fruchtfächern und enthalten jeweils 30 bis 52 Samen gebildet. Die Samen sind vielflächig, gewinkelt und 0,6 bis 1,6 Millimeter lang, die Samenoberfläche ist fein wabenartig. Der Embryo ist gerade oder nur leicht gebogen, die Keimblätter sind klein und deutlich kürzer als der restliche Embryo. Endosperm ist reichlich vorhanden.

Chromosomensätze und Inhaltsstoffe Chromosomenzahlen sind nur aus Fabiana denudata und Fabiana imbricata bekannt, wobei bzw. festgestellt wurde. Untersuchungen zu Sekundäre Pflanzenstoffen gibt es vor allem zu Fabiana imbricata, aus dieser Art wurde unter anderem das Alkaloid Fabianin extrahiert.

mini|Fabiana denudata mini|Fabiana foliosa mini|Fabiana imbricata mini|Fabiana nana

Ökologie Die Befruchtung erfolgt durch Schwärmer.

Vorkommen Die Gattung Fabiana kommt ausschließlich zwischen dem 16 und 51 südlichen Breitengrad im westlichen Südamerika, entlang der Anden vor. Dabei kommen in Argentinien zehn Arten vor, fünf davon sind endemisch, zwei Arten sind nur in Chile zu finden, eine ausschließlich in Bolivien.

Die meisten Arten wachsen in Höhenlagen von 1000 bis 4900 Metern, nur die patagonischen Arten Fabiana fiebrigii und Fabiana nana gedeihen im Flachland und kommen kaum oberhalb von 300 Metern vor.

Systematik Die Gattung Fabiana wurde 1799 mit der Erstbeschreibung von Fabiana imbricata durch Hipólito Ruiz López und José Antonio Pavón in Flora Peruviana, et Chilensis, Band 2, Seite 22, Tafel 122 mit der Erstbeschreibung der Typusart Fabiana imbricata aufgestellt. Der wissenschaftliche Gattungsname Fabiana ehrt Francisco Fabián y Fuero (1719–1801), Erzbischof von Valencia (1773–1794) und Mäzen der Botanik. Innerhalb der Gattung Fabiana gibt es seit 2022 16 Arten:

Fabiana australis : Sie wurde 2022 aus dem südlichen Argentinien erstbeschrieben. Fabiana bryoides : Sie kommt in Bolivien, Chile und im nordwestlichen Argentinien vor. Fabiana densa : Sie kommt in Bolivien, im nördlichen Chile und im nordwestlichen Argentinien vor. Fabiana denudata : Sie kommt in Argentinien und im nördlichen Chile vor. Fabiana deserticola (Syn.: Fabiana ramulosa ): Sie kommt in Bolivien und im nördlichen Chile vor. Fabiana fiebrigii : Sie kommt in Bolivien vor. Fabiana foliosa : Sie kommt im südlichen Argentinien vor. Fabiana friesii : Sie kommt im nordwestlichen Argentinien vor. Fabiana imbricata : Sie kommt in Argentinien und in Chile vor. Fabiana nana : Sie kommt im südlichen Argentinien vor. Fabiana patagonica : Sie kommt in Bolivien und Argentinien vor. Fabiana peckii : Sie kommt in Argentinien vor. Fabiana punensis : Sie kommt nur im nordwestlichen Argentinien vor. Fabiana squamata : Sie kommt in Bolivien und im nördlichen Chile vor. Fabiana stephanii : Sie kommt in Peru und im nördlichen Chile vor. Fabiana viscosa : Sie kommt in Chile vor.

Nutzung Fabiana imbricata wird in Argentinien und Chile volksmedizinisch genutzt.

Nachweise Literatur Armando T. Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner Verlag K.G., Ruggell, Liechtenstein 2001, ISBN 978-3-904144-77-3.

Einzelnachweise Armando T. Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner Verlag K.G., Ruggell, Liechtenstein 2001, ISBN 978-3-904144-77-3. G. E. Barboza, Armando T. Hunziker: Solanaceae, parte 8. Nicotianinae, parte A. Fabiana. In: Flora fanerogamica Argentina, Fasc. 56. 1996. S. 1–9. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018. online.

Weblinks

Kategorie:Nachtschattengewächse Kategorie:Solanaceae