Imperial war die Prestigemarke des US-amerikanischen Automobilkonzerns Chrysler. Bereits vor und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war der Name Imperial als Modellbezeichnung für die teuersten Baureihen Chryslers verwendet worden. Zu dieser Zeit hießen die Fahrzeuge Chrysler Imperial. Zum Modelljahr 1955 wurde Imperial zu einer eigenständigen Marke innerhalb des Konzerns. Imperial konkurrierte mit Cadillac und Lincoln, den Spitzenmarken von General Motors bzw. Ford, deren Produktionszahlen die Marke allerdings nie erreichte. 1975 stellte Chrysler die Marke Imperial ein, gebrauchte den Namen Imperial aber von 1981 bis 1983 sowie von 1990 bis 1993 erneut als Modellbezeichnung für die jeweiligen Spitzenmodelle der Chrysler-Reihe.
Imperial als eigenständige Marke mini|Wappen der Marke Imperial: Kaiserlicher Adler Zu Beginn der 1950er Jahre war der Chrysler-Konzern viergleisig aufgestellt. Im gehobenen Marktsegment trat der Konzern mit der Marke Chrysler an, darunter waren die Marken Dodge, DeSoto und Plymouth positioniert, wobei DeSoto eine leicht sportliche Ausrichtung hatte, während Plymouth den Bereich der Basismotorisierung abdeckte. Anders als General Motors und Ford hatte Chrysler zu dieser Zeit keine eigenständige Marke in der Oberklasse. Dieses Segment wurde stattdessen mit hochwertig ausgestatteten Varianten der Chrysler-Modelle bedient, die teurer als die Modelle Chrysler Windsor, Saratoga und New Yorker waren und als Chrysler Imperial verkauft wurden. Die Zugehörigkeit dieser Modelle zur Marke Chrysler, die auch zu den Massenherstellern gehörte, wirkte sich nach Ansicht des Managements verkaufshindernd aus, weil dem Namen Chrysler weniger Strahlkraft beigemessen wurde als etwa Cadillac oder Lincoln.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 387. 1953 fiel deshalb im Konzern die Entscheidung, Imperial zu einer eigenständigen Marke zu machen. Nachdem die Werbung bereits im Laufe des Jahres 1954 wiederholt die Eigenständigkeit der seinerzeit noch Chrysler Imperial genannten Modelle betont hatte, gab Chrysler in einer Presseerklärung vom 9. November 1954 die Gründung der Imperial Division bekannt.John Katz: 1955 Imperial. In: Special Interest Vehicles Nr. 129 (Mai/Juni 1992), S. 52. Die Etablierung der Marke wurde in den folgenden Monaten begleitet von der „größten Werbekampagne der Automobilgeschichte“.In: Time Magazine vom 15. November 1954, S. 100. Das Markenzeichen Imperials war ein stilisierter Adler, der als Kühlerfigur und als Ornat auf diversen Karosserieteilen angebracht war.
Zeitgenössische Testberichte sahen die Imperials vielfach als mindestens gleichwertig mit den Cadillac- und Lincoln-Modellen an. Dennoch erreichte Imperial zu keiner Zeit die Produktionszahlen der Konkurrenten. Anders als Cadillac und Lincoln distanzierte sich Imperial technisch und stilistisch vielfach nur wenig von den Fahrzeugen der anderen Konzernmarken. Die Ähnlichkeiten waren beabsichtigt. Chrysler erhoffte sich dadurch eine verkaufsfördernde Ausstrahlungswirkung auf die preiswerteren Großserienmodelle der anderen Konzernmarken.Imperial LeBaron. Chryslers Largest has a Stylish New Look. In: Car Life vom Juli 2964. Dieser Ansatz wirkte sich allerdings zulasten von Imperial aus, denn die deutliche Familienähnlichkeit relativierte die Exklusivität von Chryslers Oberklassenmarke, die so an Attraktivität verlor. Vor allem in der Öffentlichkeitswahrnehmung blieben die Imperials deshalb lange „die großen Chrysler“.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 388. Chrysler wich Mitte der 1960er Jahre kurzzeitig von diesem Konzept ab, kehrte aber bald wieder zur Einheitskarosserie zurück. Insbesondere in den 1970er Jahren waren die Imperials nur noch besonders hochwertig ausgestattete Chrysler-Modelle mit verfremdeten Front- und Heckpartien. Auch das Verkaufsmarketing trug nicht dazu bei, die Eigenständigkeit der Imperials zu betonen: Viele Händler stellten die Imperials direkt neben den weit preiswerteren Chrysler-Modellen aus.Monte McElroy: The 1961–1963 Imperial Models. Teil 2: WPC News, Juni 1982, S. 5.
Auf dem Höhepunkt der ersten Ölkrise sanken die Absätze Imperials auf niedrige fünfstellige Zahlen. Da sich Chrysler zu dieser Zeit außerdem in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand, stellte der Konzern die Marke Imperial mit Ablauf des Modelljahrs 1975 ein.
Die Modelle
Strukturierung der Modellpalette Imperial begann in den Jahren 1955 und 1956 mit Einheitsmodellen. Die Fahrzeuge hießen einheitlich Imperial und wurden nur durch ihre Aufbauform (Hardtop Coupé bzw. Hardtop Sedan) unterschieden. Beginnend mit dem Modelljahr 1957 präsentierte Imperial eine in mehrere Modelle gegliederte Palette:
Der Imperial Custom war das Einstiegsmodell. Als Imperial Crown wurde die mittlere Baureihe bezeichnet. Die Spitzenversion erhielt die Bezeichnung Imperial LeBaron.
Alle Imperial-Baureihen waren äußerlich und technisch weitestgehend identisch. Sie unterschieden sich lediglich durch die Ausstattung und in einzelnen Jahrgängen auch durch Stylingdetails, im Falle des LeBaron vor allem durch eine eigenständige Form des Dachs im Bereich der C-Säule.
Diese Differenzierung behielt Imperial bis 1963 bei. Zum Modelljahr 1964 entfiel zunächst die Baureihe Custom, sodass der Crown zur Basisversion wurde. Mit Ablauf des Modelljahrs 1970 stellte Imperial dann auch die Crown-Reihe ein. Damit war der LeBaron das einzige Modell der Marke.
Erste Generation: 1955–1956
mini|Imperial Four Door Sedan (C-69) Die ersten Modelle der Marke Imperial wurden im November 1954 vorgestellt. Sie gehörten bereits zum Modelljahr 1955. Es waren viertürige Limousinen und zweitürige Coupés. Im ersten Jahr trugen diese Standardmodelle die interne Werksbezeichnung C-69, im folgenden Jahr wurde die weiterentwickelte Version als C-73 bezeichnet. Hinzu kam eine in geringen Stückzahlen produzierte Repräsentationslimousine Crown Imperial (C-70).
Die ersten eigenständigen Imperials waren technisch und stilistisch eng mit den größten Chrysler-Modellen verwandt. Sie nutzten den gleichen Kastenrahmen wie der Chrysler New Yorker, hatten aber einen im Vergleich dazu um 100 mm (1955) bzw. 180 mm (1956) längeren Radstand. Die Radaufhängung entsprach der der zeitgenössischen Chrysler-Kombis.Stanley Opatowsky: The Eagle Spreads ist Wings. In: Classic American, Heft August 1975, S. 5. Der Imperial von 1955 gilt als eines der ersten US-amerikanischen Automobile, die serienmäßig mit Scheibenbremsen ausgestattet waren. Antrieb übernahm im Achtzylinder-V-Motor vom Typ Firepower, der 1955 einen Hubraum von 5.424 cm³ (331 Kubikzoll) mit einer Leistung von 250 brutto-PS (SAE) hatte; 1956 wurde der Hubraum auf 5.801 cm³ (354 Kubikzoll) erhöht; die Motorleistung stieg auf 280 brutto-PS (SAE).
Das Design der Imperial-Modelle ging auf Virgil Exner zurück. Ihre Karosserie entsprach zwar in ihrer Grundstruktur der der großen Chrysler-Modelle; einige Karosserieteile des Imperial und des Chrysler New Yorker waren sogar untereinander austauschbar. Allerdings hatten die Imperial einige eigenständige Merkmale. Dazu gehörte der zweigeteilte Kühlergrill, die Form der C-Säule und die auf die hinteren Kotflügel aufgesetzten Rückleuchten (Gunsight Taillights), die je nach Quelle stilisierte Torpedos oder Handfeuerwaffen darstellen sollten.
Den Imperial der Modelljahre 1955 und 1956 gab es lediglich als geschlossenes Fahrzeug. Zwar wurde 1955 ein einzelnes Cabriolet hergestellt; es blieb allerdings ein Prototyp. Serienmäßig lieferbar war eine viertürige Limousine, die 1955 als Four Door Sedan und 1956 als Southampton Hardtop Sedan bezeichnet wurde, sowie ein zweitüriges Coupé, das 1955 Newport Hardtop Coupé und 1956 Southampton Hardtop Sedan hieß.
In den ersten beiden Modelljahren verkaufte Imperial zusammen 21.716 Limousinen und Coupés. Cadillac setzte im gleichen Zeitraum annähernd 300.000 Fahrzeuge ab, und Fords Luxusmarke Lincoln kam auf 78.000 verkaufte Fahrzeuge.
Zweite Generation: 1957–1963 mini|Imperial Hardtop Sedan (1959) mini|Heckflossen des 1961er Jahrgangs mini|Ohne Heckflossen: Jahrgang 1962
Zwei Jahre nach der Etablierung von Chryslers Oberklassemarke erschien die zweite Imperial-Generation. In ihr lassen sich die Modelljahre von 1957 bis 1963 zusammenfassen. In dieser Zeit änderte sich das Design jährlich, und jedes neue Modelljahr brachte technische Neuerungen. Im Wesentlichen unverändert blieb über die Jahre allerdings das separate Chassis und die Grundstruktur der Karosserie.
Mit dem Modelljahr 1957 stellte Imperial eine in drei Ebenen gegliederte Modellpalette auf, die bis 1963 beibehalten wurde: Die preiswerteste Modellreihe hieß Imperial Custom. Die mittlere Modellreihe übernahm die Bezeichnung Crown, die bislang für die verlängerten Repräsentationslimousinen genutzt worden war. Die hochwertigste Modellreihe schließlich hieß Imperial LeBaron. Alle Imperial-Modelle waren technisch und stilistisch identisch; sie unterschieden sich lediglich durch spezielle Dekorelemente und den Umfang der Serienausstattung voneinander.
Die Imperial-Modelle verwendeten ab 1957 einen neu konstruierten Kastenrahmen, den bis 1959 auch die anderen Full-Size-Fahrzeuge des Chrysler-Konzerns nutzten. Die Radaufhängung entsprach ebenfalls den großen Chrysler-Modellen. Imperial behielt das separate Chassis auch in den Jahren ab 1960 bei, als bereits alle anderen Marken des Chrysler-Konzerns auf selbsttragende Karosserien umgestellt hatten. Als Antrieb verwendeten die Imperials den größten Achtzylinder-Ottomotor des Chrysler-Konzerns. In den ersten Modelljahren hatte er einen Hubraum von 6.423 cm³ (392 Kubikzoll) und leistete 325 Netto-PS (SAE). Im Modelljahr 1959 wurde er durch einen 6.767 cm³ (413 Kubikzoll) großen Motor mit kegelförmigen Brennräumen und einer Leistung von anfänglich 340–350 Netto-PS (SAE) ersetzt.
Die Karosserien waren auf den Rahmen aufgesetzt. Von 1957 bis 1959 gab es eine viertürige Limousine mit drei Seitenfenstern und Mittelpfosten (Four Door Sedan), ferner eine viertürige Limousine mit zwei Seitenfenstern und ohne Mittelpfosten (Southampton Hardtop Sedan), ein zweitüriges Southampton Coupé mit einer Dachform, die der des Southampton Hardtop Sedan entsprach, sowie erstmals ein viersitziges Cabriolet.