Die Giesserei-Praxis war eine der ältesten Gießereifachzeitschriften in Deutschland. Sie war nicht verbandsgebunden und damit unabhängig in ihrer Berichterstattung. Die Verbreitung der Zeitschrift umfasste die Gießereien, die Betriebe der Zulieferindustrie sowie Universitäten und Forschungsinstitute der Branche in ganz Deutschland. International fand die Druckausgabe insbesondere in Österreich und der Schweiz Verbreitung sowie in den osteuropäischen Staaten; im sonstigen Ausland war sie über das Internet verfügbar, wo sämtliche Beiträge abrufbar waren.
Inhaltlich deckte die Giesserei-Praxis Bereiche wie Anwenderberichte, Unternehmensprofile, Forschung und Entwicklung, Management, Umweltschutz und Branchennews ab. Als Sonderbeilage erschien regelmäßig Druckguss. Die Giesserei-Praxis erschien im Fachverlag Schiele & Schön und wurde mit der Ausgabe 9/10 im Jahr 2023 eingestellt.
Geschichte 1879 wurde die Eisenzeitung als Fachblatt für Eisen-, Stahl-, Metall-, Kurzwaren-, Maschinen- und Werkzeughandel gegründet, und in einem Verlag in Berlin-Friedenau unter der Leitung Wilhelm Kirchners veröffentlicht. Bereits im Jahr 1900 war das Journal soweit etabliert, dass der nach seinem Gründer benannte Otto-Elsner-Verlag die Zeitschrift übernahm und mit ihr seine technischen Sparte erweiterte. Hier unterlag die Eisenzeitung über die Jahre hinweg einer grundlegenden Überarbeitung und wurde mehrmals umbenannt. Unter dem Namen Eisen-Zeitung. Zentral-Organ für das gesamte Giessereiwesen wurde das Fachblatt erstmals in Verbindung mit der Gießerei-Industrie gebracht. Der neue Titel Zeitschrift für die gesamte Gießereipraxis im Jahr 1918 bestärkte weiter die Konzentration auf Rezipienten aus der Gießerei-Industrie. 1935 erschien das Heft erstmals unter seinem den Namen Giesserei-Praxis.
Während des Nationalsozialismus wurde die vom Verein Deutscher Gießereifachleute herausgegebene Zeitschrift dem NS-Bund Deutscher Technik unterstellt. Die Kriegsjahre überstand die Giesserei-Praxis durch eine Kooperation mit dem Konkurrenzblatt Giesserei relativ unbeschadet. Mit der Besatzung Deutschlands und dem Verbot aller deutschen Medien wurde auch die Giesserei-Praxis vorerst eingestellt.Die Giesserei in Kriegsgemeinschaft mit Giessereipraxis. In: Heft 3/4, Februar 1945.
Es bedurfte einer ‚Genehmigung der Herausgabe einer Fachzeitschrift’ durch die Amerikanische Militärregierung, damit der Verlag Schiele & Schön ab 1948 seine Arbeit aufnehmen konnte. Bereits zwei Jahre später begann das Unternehmen, nach langem Kampf um das Veröffentlichungsrecht, mit der Herausgabe des Giesserei-Praktikers. Neuer Chefredakteur der Zeitschrift war Arthur Schulze. Der Verlagswechsel resultierte aus einer inhaltlichen Neuorientierung und dem daraus folgenden Umzug des Otto-Elsner-Verlags nach Darmstadt. Alle Rechte an der Giesserei-Praxis wurden dem Fachverlag Schiele & Schön 1952 für ca. 30.000 DM nachwirkend übertragen, um eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden.Rede von Willi Schön zum 20. Jubiläum vom Fachverlag Schiele & Schön
Aufgrund der Einwände der Giesserei (dem ehemaligen Partner aus Kriegstagen), dass die auf dem Titelblatt der Giesserei-Praxis aufgedruckte Behauptung, es handele sich um die „älteste Gießerei-Zeitschrift“, nicht nachzuvollziehen sei, wurde ab 1956 die Bezeichnung der Jahrgänge unterlassen. Erst ab 2006 wurde der Giesserei-Praxis wieder eine durchgängige Jahrgangsbezeichnung aufgedruckt, die sich an dem ersten Nachkriegsheft als Gründungsjahr der Zeitschrift orientiert.
Inhalte Inhaltlich war das Blatt darauf ausgerichtet, dass es vor allem von führenden Entscheidungsträgern der Gießereibetriebe rezipiert wurde.
Die Giesserei-Praxis widmete sich in jeder Ausgabe einem ausführlich dargestellten Spezial-Thema, wie der Oberflächenbehandlung, der Werkstoffprüfung oder auch dem Arbeitsschutz in Gießereien. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Bericht über aktuelle Neuheiten der Gießerei-Industrie, dem unter der Rubrik ‚Magazin’ Rechnung getragen wurde. Passend zu Kongress- oder Messeterminen erschien die Giesserei-Praxis als spezielle Messeausgabe. So wurden die unter anderem auf dem Deutschen Gießereitag, der ALUMINIUM, der GIFA oder der EuroMold vorgestellten Techniken und Verfahren vorgestellt und erläutert.
Die Auflagenzahlen der Giesserei-Praxis richteten sich vornehmlich nach dem Messe- und Kongressterminkalender der Gießerei-Industrie. Eine verlässliche sowie konstante Absatzzahl kann für dieses Magazin deshalb nicht ermittelt werden.Giesserei-Praxis – Mediadaten 2008
Chefredakteure 1950–1954 Arthur Schulze 1954–1963 Arthur Schulze & Alfred Frommhagen 1963–1974 Alfred Frommhagen & Ernst Brunhuber 1974–1989 Ernst Brunhuber 1989–2000 Klaus Röhrig 2000–2010 Stephan Hasse 2011–2018 Hartmut Polzin 2018–2019 Gerd Theißen ab 2019 Anne Meyer-Gatermann
Belege
Kategorie:Produktionsfachzeitschrift (Deutschland) Kategorie:Deutschsprachige Monatszeitschrift Kategorie:Erscheinen eingestellt 2023 Kategorie:Ersterscheinen 1950