mini|hochkant=1.4|Dorfkirche von Süden nach der Sanierung, 2012 mini|hochkant=1.4|Dorfkirche von Norden mit Chor und Turm, 2012 Die Dorfkirche Techentin ist eine mittelalterliche Feldsteinkirche in Techentin im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichte Techentin, früher auch Techutin genannt, gehörte zum Land Werle und wurde 1219 erstmals urkundlich erwähnt. Fürst Heinrich Borwin I. schenkte mit seinen Söhnen dem gegründeten Nonnenkloster Sonnenkamp 20 Hufen im Dorf.MUB I. (1863) Nr. 254. Bischof Brunward bestätigte 1235 dem Kloster Sonnenkamp wiederum seine Besitzungen in TechentynMUB I. (1863) Nr. 429. und 1272 erfolgte durch Nicolaus von Werle, zu dessen Territorium Techentin nun gehörte, eine weitere Bestätigung der Besitzansprüche.MUB II. (1864) Nr. 1254. 1299 schenkten die Stifter von Below dem Kloster Sonnenkamp die Belower Kapelle.MUB III. (1865) Nr. 2388. Da aber die Filial-Kapelle der Pfarre in Techentin unterstand und dort um 1300 der plebanus (Pfarrer) Reynerus wirkte, dürfte es in Techentin schon ein Gotteshaus als Vorgängerbau der heutigen Kirche gegeben haben. Das Kloster Sonnenkamp hatte noch 1319 ausreichend Einkünfte aus Thegentin bezogen, wie in der Heberolle verzeichnet wurde.MUB VI (1870) Nr. 4040, 4153. 1352 wurde Bernhardus als Leiter der Kirche zu Techentin genanntMUB XIII (1884) Nr. 7583. und 1397 bestätigte Herzog Albrecht von Mecklenburg das Patronatsrecht über die Pfarre zu Thechentin.MUB XVI (1893) Nr. 9972.

Während der Reformation erfolgten 1557 auch in Techentin Kirchenvisitationen. Aus dem Jahr 1566 wird berichtet, dass ein Goldberger Amtmann aus der Techentiner Kirche eine Glocke holen ließ, um aus derselben für das Goldberger Rathaus (Amtshaus) ein Uhrblatt nebst Zeiger herstellen zu lassen. 1592 wurde vermerkt, das Pfarrhaus sei ein Bau mit etlichen kleinen Kammern und einer feinen Stube, gar nahe am Kirchhof gelegen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden 1638 zwey Glocken aus der Kirche weggeräubert. 1662 waren die Verwüstungen noch nicht überwunden, auch das Pfarrhaus war abgebrannt und Pastor Joachim Permin wohnte in einer Bauernkate.

1690 kam Joachim Christoph Danneel als Pastor nach Techentin. Vorher war er Feldprediger bei den mecklenburgischen Truppen im Türkenkrieg gewesen. Im Beichtkinderverzeichnis von 1704 ist vermerkt, dass er neben Techentin noch in Augzin, Below, Langenhagen, Schlowe und einer Schäferei 318 Beichtkinder seelsorgerisch zu betreuen hatte. Kadow war damals wüst. Er monierte aber auch Der Weg zur Filialkirche nach Below ist zwar nur 1/4 Meil, aber seht übel aufgereumet, so daß man mit großer Beschwerlichkeit dahin fahren und reiten kann, weswegen ich meist dahin zu gehen muß. 1771 mussten die mecklenburgischen Pastoren abermals ein Beichtkinderverzeichnis erstellen. Nun lebten schon 410 Beichtkinder in denselben Orten, nur kam noch ein Teerofen in Schlowe dazu.

Bartholdus Marrus von Twestreng aus Hamburg, der sich als Adliger ausgab, erwarb 1726 das Gut Hof Hagen. Während viele mecklenburgische Adlige in den ihnen gehörigen Kirche sogenannte Patronatsstühle einbauen ließen, wollte Herr von Twetreng in der Techentiner Kirche auf eigene Kosten eine Empore einbauen lassen und nach Wegzug der Kirche schenken. Der Bau war 1729 als Erbbegräbnis fertig. 1868 war das Gewölbe so baufällig, dass es eingeebnet wurde.

Nach dem Abriss der Kirche in Zidderich hatte 1786 Pastor Hövet in Techentin Probleme, die neuen Gläubigen zu Gottesdiensten in der Techentiner Kirche unterzubringen. Er entwarf 1787 als Stuhl-Reglement einen Sitzplan von sämtlichen Stühlen und Chören in der Hochfürstlichen Patronat Kirche zu Techentin Amts Goldberg. Darin stehen nicht nur die Namen der Kirchenbesucher, sondern auch ihre Wohnorte und Tätigkeiten. Da Männer und Frauen getrennt saßen, war auch hier die Frauenseite im Norden und die Männer durften auf der Südseite sitzen.Fred Beckendorff: von einigen Techentiner Pastoren. 2014, S. 36.

Von 1848 bis 1871 übte Johann Karl Riedel das Pastorenamt in Techentin aus. Nur wenigen ist bekannt, dass es sein Sohn bis zum Geheimen Medizinalrat, Professor und Direktor der chirurgischen Klinik in Jena brachte.Fred Beckendorff: Von einigen Techentiner Pastoren. 2014, S. 37–38. Über den Pastor wurde berichtet: Er ginge auch im heißesten Sommer im schwarzen Anzug und mit Zylinder aufs Feld, legte aber nie selber Hand an. Sonntags Nachmittag trafen sich bei ihm im Techentiner Pfarrhaus Persönlichkeiten aus der näheren Umgebung zum Geistlichen Centrum.

Pastor Harm, ab 1882 Prediger, soll ein recht interessanter Mann mit widersprüchlichen Eigenschaften gewesen sein. Sein größtes Verdienst war die Anlegung der Techentiner Kirchenchronik. Auch seine Bemühungen bei der Restaurierung der einst übertünchten Wandmalereien in der Belower Kirche mit persönlicher Unterstützung durch den Geheimen Hofrat, Schweriner Museumsdirektor und Mitglied der großherzoglichen Kommission zur Erhaltung der Denkmäler, Professor Dr. Friedrich Schlie.Fred Beckendorf: Von einigen Techentiner Pastoren. 2014, S. 39–40.

Baugeschichte 1592 wurde das Pfarrhaus gebaut. 1762 baute man das Predigerwitwenhaus. Es stand fast zweihundert Jahre neben dem Kirchhof, gegenüber stand das Küsterhaus. Ab 1784 wurden hinter dem bisherigen Pfarrhaus ein neues Pfarrhaus und ein Wirtschaftsgebäude gebaut. In einem Bericht an den Amtshauptmann in Goldberg ist zu lesen: Prediger Hövet zieht die Bauern zur Arbeit heran. Es ist auffallend und sündlich, dass der Herr Pastor Hövet zu Techentin, die herzoglichen Amtsuntertanen, bey den seit einigen Jahren bis zum Erschöpfen, und fast die Kräfte dieser armen Leute übersteigenden, unentgeldlichen Frohndienste bey den neuen Pfarr Bauten, ganz allein belästigen und ansträngen, die übrigen Adelichen Eingepfarrten aber übersehen…

In diesen Jahren gab es viel Schreiberei und Streitereien, weil die Ziddericher Kirche abgerissen werden sollte und die Goldberger und Techentiner Pfarrer möglichst viel vom Inventar und Abbruchmaterial erwerben wollten. Der Techentiner Pastor Friedrich Hövet erhielt die besonders wertvollen Stücke, weil die Ziddericher Gläubigen nun nach Techentin kamen. Nachdem 1786 die Gemeinde der niedergelegten Kirche Zidderich der Kirchgemeinde Techentin zugeordnet wurde, kamen die Ziddericher Glocken und Material zur Reparatur des Knechtschores sowie liturgische Gegenstände in die Techentiner Kirche.LKAS, OKR Schwerin, Abt. 2, Nr. 080 Verwendung der Glocken aus der abgerissenen Filialkirche zu Zidderich.

Der letzte Sturm an 3. März 1793 hatte am Kirchendach in Techentin Schäden angerichtet. Maurermeister Fründt berichtete: … dass der obere Kirchenboden ganz fehle. Die Kirche war nur blos, unter den Balken, mit alten zum Theil ganz wurmstichigen Brettern, die keine Nägel mehr hielten verschalt, bey deren Betretung, wenn man den Balken verfehlte, ein unglückliches Durchschießen zu besorgen wäre, in welcher Gefahr, dem vernehmen nach, schon mancher sich befunden hätte.

Am 26. März 1927 gab es ein kurzes Gewitter und der einzige Blitzschlag traf den Kirchturm, von dem ein Streifen Schindeln abgerissen wurden. Auf dem Kirchdach gab es ebenfalls Schäden. Vierzehn Tage später, bei einem erneuten Gewitter, wurde fast das gesamte Kirchendach demoliert. Ein Eckpfeiler wurde durch einen breiten Riss von der Kirche abgetrennt, sämtliche Fenster mit Eisenstäben und Bleieinfassung nach außen gedrückt und ganz zerrissen. Die Reparatur war langwierig, doch nun bekam die Kirche einen Blitzableiter.Fred Beckendorff: 775 Jahre Techentin. 1995, S. 39.

1954 erhielt die Kirche elektrischen Anschluss und entsprechende Beleuchtung. Die Pfarrscheune wurde 1969 abgerissen und 1974 auch das Franzosenhaus. 1972 erfolgten erste Sanierungsarbeiten am Dach.

Baubeschreibung Die Kirche liegt etwas erhöht in der Reihe der ehemals in einem Dreieck um den Dorfteich angeordneten Bauernhöfe. Viele ländliche Kirchenbauten des 15. Jahrhunderts erscheinen verhältnismäßig schlicht und waren nie für eine Wölbung vorbereitet, wie auch die Feldsteinkirche in Techentin, dessen Langhaus 1459 errichtet wurde.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 161–162. Es ist ein kleiner flachgedeckter Feldsteinsaal mit dreiseitigen Chorschluss.

Äußeres Das Langhaus und der Chor wurden aus Feldsteinen errichtet, daran kamen später Strebe- und Stützpfeiler. Deren Kanten, Details, Fensterlaibungen und Strebepfeiler wurden in Backstein ausgeführt. Auf der Nordseite zum Chor befinden sich Reste einer ursprünglichen Sakristei. Das sehr steile östlich abgewalmte Kehlbalkendach ist mit neuen Biberschwanzdachziegeln eingedeckt worden. Die auf einer Dachfläche noch vorhandene Handstrichbiberdeckung wurde auf der kleinen Fachwerkkirche in MeierstorfJens Amelung: Meierstorf, Lkr. Parchim, Dotfkirche. 2006, S. 121–122. wieder verwendet. Kompliziert war die neue Tonbiberdeckung der Chorschrägen ohne die Bildung von Graten.Jens Amelung: Techentin, Lkr. Parchim, Dorfkirche. 2006, S. 134.

An der Nordseite befindet sich ein unschöner 6 Meter langer und 8 Meter hoher Anbau mit Dreiecksgiebel aus Backsteinmauerwerk. Die gesamte Fläche wird durch zwei spitzbogige bis zur Traufe eingezogene Nischen und in der Mitte durch zwei übereinanderliegende spitzbogige Fenster aufgelockert. Da das 1729 erbaute Twestrengsche Grabgewölbe 1854 so baufällig war, ließ man es 1868 einebnen und darüber 1899 den heutigen Anbau errichten.Fred Beckendorff: Das von Twestrengsche Chor. 2014, S. 29–30.

Ältere Holztürme, als Nutzbauten für Glocken, bestanden vermutlich an vielen mecklenburgischen Kirchen, sind heute kaum noch nachweisbar. In Techentin wurde an der Westseite erst 1493 der geböschte und verbretterte Holzturm errichtet.Tilo Schöfbeck: Dendrodaten aus Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 364. Da die Techentiner Kirche dem Nonnenkloster Sonnenkamp gehörte, befand sich auf dem Kirchendach ein Dachreiter für die erste Glocke. Der Unter- und Oberbau des Dachreiters ist in der Dachkonstruktion noch vorhanden.Tilo Schöfbeck: Hölzerne Kirchtürme. 2014, S. 278. Eine wirkliche Seltenheit bei mecklenburgischen Dorfkirchen. Der Kirchturm wurde am 8. Dezember 1703 „durch einen Windsturm ganz entkleidet und ruiniert“.

1850 wurden in Wismar zwei Glocken für die Techentiner Kirche gegossen. 1861 wurde eine weitere Glocke von dem Glockengießer Johann Carl Ludwig Illies in Waren gegossen.Techentiner Glocke auf Reisen, Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau, 7. Januar 2017.

Inneres mini|links|Blick in den Chor, 2012 Das Innere der kleinen Dorfkirche mit der flachen Holzbalkendecke hat nichts Bemerkenswertes aufzuweisen. Auch von der vorreformatorischen Ausstattung ist nichts überliefert. Altar und Kanzel