Haplochromis (Gr. haplos = einfach, Chromis = Gattung von Riffbarschen, in der früher auch Buntbarsche beschrieben wurden) ist die, mit über 200 wissenschaftlich beschriebenen Arten, größte Gattung der Buntbarsche (Cichlidae). Sie leben in Süd- und Ostafrika, hauptsächlich im Bereich des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, Verbreitungsschwerpunkt ist der Victoriasee und seine Zuflüsse. Viele Haplochromis-Arten des Victoriasees sind durch den vom Menschen eingeführten Nilbarsch (Lates niloticus) in ihrem Bestand gefährdet, vom Aussterben bedroht oder gar schon ausgestorben.
Merkmale Haplochromis-Arten werden 7 bis 27 Zentimeter lang, ihre Schwanzflosse endet gerade abgeschnitten, gerundet oder leicht eingebuchtet. Männliche Haplochromis in Balzstimmung sind intensiv gefärbt, mitunter sehr bunt und unterscheiden sich dadurch deutlich von den meist grau oder braun gefärbten Weibchen. In der Afterflosse tragen die Männchen Eiflecke, die von einem transparenten Rand umgeben sind. Bei den weiblichen Tieren sind die Eiflecke kleiner, ihre Anzahl ist geringer, sie können auch fehlen. Der transparente Rand fehlt immer.
Die teils in Kenia Furu, in Tansania Mbipi und in Uganda Enkejje oder Oroy genannten Haplochromis und nah verwandte Gattungen des Victoriasee-Einzugs, entwickelten verschiedene Maulformen und Zahntypen und passten sich so an unterschiedliche Nahrungsquellen an. Man unterscheidet bis zu 15 verschiedene trophische Gruppen: mini|Haplochromis flavipinnis, ein Fischfresser mini|Haplochromis obesus, ein Pädophage
Fischfresser (Piscivore), die ganze, erwachsene Fische fressen und nicht nur Teile (Schuppen, Flossen) oder Eier und Larven (Pädophage) Algenfresser (Unterscheidung in Algengraser und Phytoplanktonfresser) Blätterfresser (Pflanzenfresser) Insektenfresser (Insectivore) Fischbrutfresser (Pädophagen) Schneckenfresser (Unterscheidung in Schneckenknacker und -schäler) Zooplanktonfresser (Zooplanctivore) Krustentierfresser (Unterscheidung in Garnelen- und Krabbenfresser) Schlammsieber (Detritivore) Parasitenfresser (Putzerfische) Schuppenfresser (Scale Eater) Flossenbeißer
Fortpflanzung Alle Haplochromis-Arten sind Maulbrüter. Die Männchen sind polygam. Vor der Paarung bereitet das Männchen oft eine Grube im Gewässerboden als Laichplatz vor. Mit flatternden Bewegungen, bei denen besonders die mit den Eiflecken versehen Afterflosse präsentiert wird, wirbt es um das Weibchen. Während und unmittelbar nach dem Ablaichen nimmt das Weibchen die Eier, teilweise noch vor der Befruchtung ins Maul. Die im Maul befindlichen Eier werden erst besamt, wenn das Weibchen nach den Eiflecken auf der Afterflosse des Männchens schnappt, das dabei Sperma ausstößt. Die Jungen schlüpfen, je nach Art und Wassertemperatur, nach 15 bis 25 Tagen und werden artspezifisch sich selbst überlassen oder noch mehrere Tage bewacht und dann bei Gefahr und nachts wieder ins Maul aufgenommen.
Arten Ursprünglich wurden über 400 Arten zur Gattung Haplochromis gezählt, darunter viele endemische Arten des Malawisees. Nach der Ausgliederung dieser und anderen Arten besteht unter Fachleuten aber weiterhin Uneinigkeit wie weit oder eng die Gattung gefasst sein soll. Greenwood splittete Haplochromis in verschiedene Gattungen auf, von denen einige monotypisch sind, z. B. Macropleurodus, Platytaeniodus und Schubotzia. Durch die Beschreibung von später gefundenen neuen Arten und zahlreichen noch unbeschriebenen, erwiesen sich die Aufspaltungen als teilweise unbrauchbar, weshalb sie von manchen Wissenschaftlern bis zu einer Neudefinition abgelehnt wird. Andere Autoren haben anschließend manche der Greenwood’schen Gattungen revidiert oder sogar neue geschaffen (Lithochromis, Mbipia, Pundamilia). Lippitsch konnte in einem Fall keine passende Gattung finden und hat neue Arten zwar in Haplochromis beschrieben, den Gattungsnamen aber in Anführungszeichen gesetzt. Laut Fishbase werden gegenwärtig über 230 Arten in die Gattung Haplochromis eingeordnet. Allerdings ist die Gattung auch in dieser Zusammensetzung kein Monophylum, d. h. sie enthält nicht alle Nachkommen des letzten gemeinsamen Vorfahren.
Die meisten Haplochromis-Arten gehören zum „Lake Victoria region superflock“ das heißt der Cichlidenradiation, die im Victoriasee und den in Nähe gelegenen Seen des westlichen Abschnitts des großen afrikanischen Grabenbruchs (Georgsee, Edwardsee, Albertsee und Kivusee). Der letzte gemeinsame Vorfahre dieser monophyletischen, etwa 700 Arten umfassenden Gruppe entstand wahrscheinlich vor ca. 150.000 Jahren als – während einer Feuchtzeit – eine kongolesische Linie die Region des Viktoriasees kolonisierte, die schon Vertreter aus dem Gebiet des Nils beherbergte. Zu den rezenten Vertretern der kongolesischen Line, die die Schwestergruppe des „Lake Victoria region superflocks“ darstellt, gehören Astatotilapia stappersii und eine bisher unbeschriebene Astatotilapia-Art (Astatotilapia sp. ‘Yaekama’) aus dem mittleren Kongo. Die Linie aus dem Nilgebiet, zu der auch Arten gehören, die in ostafrikanischen Flüssen vorkommen, wird heute durch Astatotilapia bloyeti, ‘Haplochromis’ gracilior aus dem Kivusee und Haplochromis pharyngalis aus dem Edwardsee vertreten. Obwohl die beiden letztgenannten Arten sympatrisch mit Arten aus dem Artenschwarm des Victoriasees vorkommen, gehören sie nicht zu dieser Radiation, sondern zu einer Gruppe verwandter Arten aus dem oberen Nil. Die Nilklade ist die Schwestergruppe einer Klade die aus der Kongo-Linie und dem „Lake Victoria region superflocks“. Die Hybridisierung der unterschiedlichen Buntbarscharten aus dem Gebiet des Kongo und des Nils ermöglichte die Rekombination genetischer Varianten in einem Maßstab, der sonst in diesem Ausmaß nicht möglich wäre. Aus der Hybridpopulation entstanden dann unabhängig voneinander im Zuge einer raschen adaptiven Radiation zahlreiche neue Arten, zunächst in den im westlichen Abschnitts des großen afrikanischen Grabenbruchs gelegenen Seen und nach einer Trockenperiode beginnend vor etwa 15.000 Jahren auch im Victoriasee mit ca. 500 neuen endemischen Buntbarscharten mit einer Vielzahl von ökologischen Spezialisierungen. Die besondere genetische Vielfalt und Anpassungsfähigkeit der Buntbarsche des Viktoriasees wird durch die Tatsache belegt, dass er durch mehr als 40 andere Fischarten besiedelt wurde, die sich aber nicht so weit diversifizierten.
Durch die zunehmende Einleitung von Abwässern in den im Victoriasee kam es in den letzten 50 Jahren zu erhöhter Trübung und einem Sauerstoffmangel in tieferen Gewässern. Infolgedessen haben sich verschiedene Arten zu Hybridpopulationen zusammengeschlossen, da die männliche Prachtfärbung, die für weibliche Tiere derselben Art anziehend ist, nicht mehr gut sichtbar ist. In einigen Tiefwasserhabitaten ist die Fischfauna weitgehend verschwunden. Ein Teil der Artenvielfalt des Sees ist dadurch verloren gegangen.
H. humilis, H. placodus, H. smithii und H. snoeksi gehören zu einer Verwandtschaftsgruppe von Buntbarschgattungen aus dem südlichen Afrika, die abgeleitet von der Gattung Serranochromis den provisorischen Namen „Serranochromini“ erhalten hat und Haplochromis gracilior bildet eine isolierte Linie.
Lake Victoria superflock
Victoriasee Haplochromis acidens Greenwood, 1967 Haplochromis aelocephalus Greenwood, 1959 Haplochromis altigenis Regan, 1922 Haplochromis antleter Mietes & Witte, 2010 Haplochromis apogonoides Greenwood, 1967 Haplochromis arcanus Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis argens de Zeeuw, Westbroek & Witte, 2013 Haplochromis argenteus Regan, 1922 Haplochromis artaxerxes Greenwood, 1962 Haplochromis azureus Seehausen & Lippitsch, 1998 Haplochromis barbarae Greenwood, 1967 Haplochromis bareli van Oijen, 1991 Haplochromis bartoni Greenwood, 1962 Haplochromis bayoni (Boulenger, 1909) Haplochromis bicolor Boulenger, 1906, Typusart von „Macropleurodus“ Haplochromis boops Greenwood, 1967 Haplochromis brownae Greenwood, 1962 Haplochromis bwathondii Niemantsverdriet & Witte, 2010 Haplochromis cassius Greenwood & Barel, 1978 Haplochromis cavifrons (Hilgendorf, 1888) Haplochromis chilotes (Boulenger, 1911) Haplochromis chlorochrous Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis chromogynos Greenwood, 1959 Haplochromis chrysogynaion van Oijen, 1991 Haplochromis cinctus Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis cinereus (Boulenger, 1906) Haplochromis cnester Witte & Witte-Maas, 1981 Haplochromis coprologus Niemantsverdriet & Witte, 2010 Haplochromis crassilabris Boulenger, 1906 Haplochromis crocopeplus Greenwood & Barel, 1978 Haplochromis cronus Greenwood, 1959 Haplochromis cryptodon Greenwood, 1959 Haplochromis cryptogramma Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis cyaneus Seehausen, Bouton & Zwennes, 1998 Haplochromis decticostoma Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis degeni (Boulenger, 1906), Typusart von „Platytaeniodus“ Haplochromis dentex Regan, 1922 Haplochromis dichrourus Regan, 1922 Haplochromis diplotaenia Regan & Trewavas, 1928 Haplochromis dolichorhynchus Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis empodisma Greenwood, 1960, Typusart von „Gaurochromis“ Haplochromis erythrocephalus Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis estor Regan, 1929 Haplochromis eutaenia Regan & Trewavas, 1928 Haplochromis fischeri Seegers, 2008 Haplochromis flavipinnis (Boulenger, 1906) Haplochromis flavus Seehausen, Zwennes & Lippitsch, 1998 Haplochromis fusiformis Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis gigas (Seehausen & Lippitsch, 1998) Haplochromis gilberti Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis goldschmidti de Zeeuw, Westbroek & Witte, 2013 Haplochromis gowersii Trewavas, 1928 Haplochromis granti Boulenger, 1906 Haplochromis greenwoodi (Seehausen & Bouton, 1998) Haplochromis guiarti (Pellegrin, 1904) Haplochromis harpakteridion van Oijen, 1991 Haplochromis heusinkveldi Witte & Witte-Maas, 1987 Haplochromis hiatus Hoogerhoud & Witte, 1981 Haplochromis howesi van Oijen, 1992 Haplochromis humilior (Boulenger, 1911) Haplochromis igneopinnis Seehausen & Lippitsch, 1998 Haplochromis iris Hoogerhoud & Witte, 1981 Haplochromis ishmaeli Boulenger, 1906, Typusart von „Labrochromis“ Haplochromis katunzii ter Huurne & Witte, 2010 Haplochromis kujunjui van Oijen, 1991 Haplochromis labriformis (Nichols & La Monte, 1938) Haplochromis lacrimosus (Boulenger, 1906) Haplochromis laparogramma Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis lividus Greenwood, 1956 Haplochromis longirostris (Hilgendorf, 1888) Haplochromis luteus (Seehausen & Bouton, 1998) Haplochromis macrocephalus Seehausen & Bouton, 1998 Haplochromis macrognathus Regan, 1922 Haplochromis macrops (Boulenger, 1911) Haplochromis maculipinna (Pellegrin, 1913) Haplochromis maisomei van Oijen, 1991 Haplochromis mandibularis Greenwood, 1962 Haplochromis martini (Boulenger, 1906) Haplochromis maxillaris Trewavas, 1928 Haplochromis mbipi (Lippitsch & Bouton, 1998), Typusart von „Mbipia“ Haplochromis megalops Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis melanopterus Trewavas, 1928 Haplochromis melanopus Regan, 1922 Haplochromis melichrous Greenwood & Gee, 1969 Haplochromis mento Regan, 1922 Haplochromis michaeli Trewavas, 1928 Haplochromis microdon (Boulenger, 1906) Haplochromis mylergates Greenwood & Barel, 1978 Haplochromis nanoserranus Greenwood & Barel, 1978 Haplochromis nigrescens (Pellegrin, 1909) Haplochromis nigricans (Boulenger, 1906) Haplochromis niloticus Greenwood, 1960 Haplochromis nuchisquamulatus (Hilgendorf, 1888), Typusart von „Xystichromis“ Haplochromis nyanzae Greenwood, 1962 Haplochromis nyererei Witte-Maas & Witte, 1985 Haplochromis obesus (Boulenger, 1906) Victoriasee und Lake Kwania (Kyoga system)., Typusart von „Lipochromis“ Haplochromis obliquidens (Hilgendorf, 1888), Typusart der Gattung Haplochromis Haplochromis obtusidens Trewavas, 1928 Haplochromis oligolepis Lippitsch, 2003 Haplochromis omnicaeruleus (Seehausen & Bouton, 1998) Haplochromis pachycephalus Greenwood, 1967 Haplochromis pallidus (Boulenger, 1911)